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Start | August 2004 »

27. Juli 04

Kann man Autos tauschen?

Irgendwann ist es soweit: man braucht ein Auto. Jetzt eröffnen sich mehrere Möglichkeiten.

Die erste: Sie gehen in ein Glasbetonstahl-Autohaus in der Innenstadt und schliessen dort einen Vertrag über die Nutzung eines Autos. Sie bezahlen den vollen Neupreis, dürfen aber keine Reparaturen vornehmen - wenn es kaputtgeht, müssen Sie ein neues kaufen. Sie dürfen es nur selbst fahren, zwar jemand anderen mitnehmen, aber niemals den Schlüssel verleihen, sonst drohen Ihnen Haft und Geldstrafe.

Alternativ gehen Sie zum bonbonfarbenen neuen Leasing-Shop im Geschäftsviertel. Dort bezahlen Sie bereits deutlich weniger, dürfen jemanden mitnehmen, Schäden reparieren und den Schlüssel verleihen (aber nur an maximal sieben Personen). Das Auto fährt hervorragend, braucht aber anderes Benzin als das aus dem oben beschriebenen Autohaus.

Falls Ihnen das noch zu teuer ist, an einer Strassenecke im Kneipenviertel steht ein Typ im grauen Anzug, der besorgt Ihnen einen Schlüssel aus unbekannter Quelle für einen Zwanziger. Ach ja, und Sie müssen einen Packen Werbeprospekte mitnehmen. Das Auto ist in gutem Zustand, kann aber kleinere Schäden aufweisen. Dafür dürfen Sie damit machen, was Ihnen einfällt. Eine Ecke weiter allerdings steht ein anderer Typ in Jeans und Rastalocken, der gibt Ihnen den Schlüssel umsonst. Einfach so. Auf die Frage, wo er das Auto herhabe, grinst er nur. Beide Strassenhändler wirken ein wenig nervös; kein Wunder, schliesslich verderben Sie den Profis das Geschäft und befürchten deshalb juristischen Ärger.

Die drei Geschäftsmodelle haben auch Namen. Das erste heisst Windows Media Player, das zweite iTunes und das dritte KaZaA bzw. KaZaA Lite, je nach Ecke. Ein Geschäftsmodell ganz anderer Art findet sich übrigens unter Kazaalite.de, dort wartet ein telefonkostenexplosiver Dialer auf Ahnungslose.


[fe]

Juli 27, 2004 in Weichware & Nichtwelt | Permalink | Kommentare (0) | TrackBack

19. Juli 04

Softwarewüste Deutschland

Angesichts des verregneten Sommereinstiegs beschloss ich, ein oder zwei PC-Spiele für folgende trübe Stunden bereitzuhalten. Irgendwas mit Sonnenschein, grünen Wiesen und niedriger Klickrate: also eine klassische Wirtschaftssimulation*. Der nächstliegende Shop winkt verlegen ab: Der aktuelle Genrehit sei ausverkauft. Kein Problem, der naheliegende Gigamarkt* hat bestimmt alles da.

Dort angekommen, stemmen sich dem virtuellen Touristen Regalwände voller Unterhaltungssoftware entgegen: erwähnte grüne Wiesen mit glücklichen Hühnerfarmen und kleinen Eisenbahnen, zur Abwechslung noch ein preisreduziertes Weltraum-Herumfliegespiel*. Vom Konsumerfolg gestärkt, beginnt man direkt nach der Rückfahrt durch freundlichsten Sonnenschein mit der Installation.

Es bleibt beim Versuch: Netzwerkfehler (welches Netzwerk?) und Abbruch. Der Telefonanruf beim Support vom Vertrieb Müller Media* soll Klarheit schaffen:
"Und was haben sie für einen Computer?"
"Ein selbstgebauten, 1200 MHz"
"Nein, schauen sie doch mal in der Direct-X-Diagnose... was, so alt sind ihre Grafik- und Soundtreiber!?"
"Aber es wird doch ein Netzwerkfehler..."
"Nein, es liegt bestimmt daran!"

Nach Herunterladen und Installieren der neuesten Treiberausgaben besteht das Problem natürlich weiter. Also neuer Anruf:
"Was haben Sie denn für ein Betriebssystem?"
"98."
"Was?"
"Na, Windows 98"
"Ach so, Windows 98!"
"Gibts denn noch ein anderes 98?"
Click. (Supportmitarbeiter legt einfach auf).

Nächster Versuch:
"Ja, geben Sie mir mal die ECD-Nummer?"
"Wo steht die?"
"Auf der CD oder auf der Packung."
"Da ist aber keine!"
"Dann kann ich Ihre Anfrage nicht bearbeiten, Sie müssen das beim Einzelhändler reklamieren!"

Also mit quietschenden Reifen zum Gigamarkt*, es ist kurz vor sechs.
"Wir schliessen jetzt!"
Ein paar freundliche Worte zur gestressten Info-Dame ermöglichen trotzdem die Abwicklung. Der zuständige Verkäufer lächelt selbstbewusst:
"Die Nummer? Na, geben Sie mal her!" (Findet auch keine Nummer, öffnet eine frische Softwarebox, erfolglos)
"Na gut, Sie bekommen Ihr Geld zurück."

Immerhin, und zuhause wartet ja noch die zweite Langeweilebremse. Leider auch hier Probleme: bei 30 Prozent stoppt die Installation. Neu-Installation ist nicht möglich, De-Installieren auch nicht, ein Klick auf die Uninstall-EXE entfernt nur diese selbst. Also Anruf beim Support von Multisoft*:

"Ihren Namen und Telefonnummer bitte. Hier bekommen Sie erstmal die Bearbeitungsnummer (Kunde notiert zeilenlange Ziffernreihen) und dann brauch ich noch den CD-Key."
"Wo steht der?"
"Auf der CD oder der Packung!"
"Da ist keiner..."

Also bis Montag warten und dann zum Gigamarkt:

"Da ist kein CD-Key dabei!"
Der zuständige Verkäufer lächelt säuerlich, öffnet eine zweite Packung, sucht, gibt auf:
"Ja, dann bekommen Sie auch hier Ihr Geld zurück."

Und dann beschwert sich die Industrie, wenn kaufwillige Kunden notgedrungen auf funktionierende Raubkopien aus dem Internet zurückgreifen müssen?


* Namen sind der Redaktion allesamt zur Genüge bekannt

[fe]

Juli 19, 2004 in Servicefreie Zone | Permalink | Kommentare (1) | TrackBack

16. Juli 04

Weg mit der Microsoft-Steuer!

Gerhard Schröder kann einpacken. Er kann's einfach lassen. Nicht, dass er nicht gute Ansätze gezeigt hat; richtig schlau war er sogar, als leichtgläubigere Nachbarstaaten bereitwillig der Aufforderung des grossen Bruders USA nachkamen, schwere Steuermilliarden in die eilig verlegten transatlantischen Pipelines zu pumpen. Pipelines, die vom persischen Golf auf völkerrechtlich bedenklichen Trassen bis in die ölglänzenden Geldspeicher der Cheney-Bush-Rumsfeld-Riege führen.

Da hat er sich nicht bluffen lassen, der Gerhard. Wo er aber keine Chance hat, ist im Angesicht der unbarmherzig mahlenden IT-Steuerschraube, die unserer Wirtschaft die dringend benötigte Investitionsfrischluft abpresst.

So liest sich die aktuelle Ankündigung dazu in der Presse: "Windows XP Service Pack 2 als Beta veröffentlicht. Verbesserungen der Sicherheit stehen im Vordergrund". Da haben wir's! Kaum auf Windows XP, das wahrscheinlich bonbonbunteste Betriebssystem dieser Galaxis gewechselt, müssen wir schon die Service Packs nachinstallieren. Das kostet pro Daten-Arbeitsplatz... immer noch billiger als die Produktionsausfälle durch Viren, Spam und Porno-Dialer.

Am besten wir nehmen gleich das grosse Volume Licensing Program, jedes Jahr ein neues Office-Paket, ein halbes Service-Pack, ein fünftel Betriebssystem. Alles zum Festpreis, im Rahmen der pauschalen Microsoft-Steuer für PC-Benutzer. Nach Zahlen von Gartner Dataquest bis zu 1000 Euro pro PC und Jahr, mit OS und Office und Schlagsahne.

Wo wir schon beim Thema sind: das allgemeine Geschrei, Microsoft würde nur schlechte Software verkaufen, ist wirklich bodenlos dumm. Im Gegenteil: Microsoft macht die beste Software, die es je gab. Sie erfüllt perfekt ihren Zweck: Geld, mehr Geld und noch viel mehr Geld zu machen. Knapp 30 Milliarden Euro im Jahr.

Dass nebenzu noch Leute mit dieser Software ihre Post erledigen, gebrauchte Turnschuhe ersteigern oder über ihren schwunghaften Online-Turnschuhhandel auch zu Bürozeiten Buch führen, ist ein netter Nebeneffekt und dient maximal als Verkaufsargument. Und zur nächsten Software-Version wird dann wieder alles besser. Und wenn nicht, dann doch wenigstens teurer. Nach Zahlen von Gartner Dataquest um durchschnittlich 40 Prozent jährlich. Und jetzt, Gerhard?


[fe]

Juli 16, 2004 in Betriebssystem-Wahnsinn, Weichware & Nichtwelt | Permalink | Kommentare (0)

15. Juli 04

Wer zahlt die vielen Downloads?

Alle wollen an Musikdownloads Geld verdienen, seit Apple Erfolge ohne Ende hat. Jetzt also auch eBay. Vorher Sony und Coca-Cola (ziemlich gefloppt).

Klar, dass bei diesem Umbruch die Briten eigene Download-Charts von der hochoffiziellen Chart-Company machen lassen. Und die Marktforscher sehen einen Boom bei Musikplayern voraus.

Ja, wer zum Teufel soll das alles kaufen?

Ich nicht. Definitiv. Ich raubkopiere ja nicht mal. Aber offenbar gibt es Verrückte, die das in großem Stil tun. Jetzt haben sie einen gefasst. Na und?

Solange die Musikindustrie nicht richtig aufwacht, wird es solche Leute weiterhin geben. Na, wenigstens hat die IT-Industrie was davon.

Juli 15, 2004 in PC vs. Copyright | Permalink | Kommentare (4)

14. Juli 04

Smørebrød für Ballmer

Smørebrød, smørebrød, rømpømpømpøm... oder so ähnlich. Denn Steve Ballmer, seines Zeichens Chef von Microsoft, brachte es tatsächlich fertig, den Dänen ein schönes Gericht zu kochen. Die Show des Herrn Ballmer: wunderbar. Das Ergebnis: fast so ergreifend wie dieses Bild (Quelle: Der Spiegel).

Während Ballmers Auftritte unter dem Namen "Affentanz" Berühmtheit erlangten, erreicht der Koch der Muppets Show diese Grazie bei weitem nicht. Der Unterschied: Der Muppets-Koch versucht, schnöden Amerikanern die gute dänische Küche nahezubringen. Egal, wie iele Fehler er dabei macht, die Amis finden das gut. Fehler sind sie ja gewohnt.

Das Verständnis für nicht perfekte Waren beruht offenbar auf Gegenseitigkeit. Wie könnte es sonst sein, dass die als notorisch fehlerbehaftet bekannte Microsoft-Software sich in Dänemark so gut verkauft? Gut, die dänische Küche ist auch bei fehlerhafter Zubereitung manchmal noch schmackhaft. Das gilt wohl auch für Microsoft-Produkte - also bitte keine allzushlechten Kommentare dazu.

Wohl bekomm's! Dänisches Management in 10 Jahren dürfte sich nicht so sehr von der Muppets-Show unterscheiden. Smørebrød, smørebrød, rømpømpømpøm...

Juli 14, 2004 in Weichware & Nichtwelt | Permalink | Kommentare (1)

01. Juli 04

Über Bootsektor

Letztes Update: Bootsektorblog.de ist ab heute nur noch ein öffentliches Archiv und wird nicht weiter betrieben. Es gibt aber eine Fortsetzung, nämlich das 11k2-Blog, und hier ist der Handshake-Post.


Update: Die Heuschrecken sind weitergezogen, VNU heisst jetzt NetMediaEurope, zumindest der Teil von VNU, der so lustige Blogs wie den Bootsektor hat, und deswegen hat sich auch meine Emailadresse geändert. Die geht jetzt so: feffenberger@netmediaeurope.com Weiter viel Spass beim Lesen. Fritz. ------------------------------------------ Hallo! Hey!

Fe349

Der Bootsektor läuft seit dem ersten Juli 04, ich sollte mich langsam mal vorstellen: Ich bin Fritz, ich schreib' fast alle Beiträge hier, unter dem Kürzel: [fe]. Ich bin auch derjenige, der Eure Kommentare rauslöscht. Aber nicht wegen abweichender Meinung, sondern nur wegen Spam, also keine Sorge. Die Hyperaktiven unter Euch haben schon rausgefunden, dass ich auch für Gizmodo, den Inquirer und die Testticker-News schreibe, und dass meine Emailadresse fritz_effenberger@vnu.de ist.

Anfangs mit dabei: mein Kollege Manfred [mk], der aber kaum noch Zeit für den Bootsektor hat. Vor 2004 hab ich ne ganze Weile News für Tomshardware geschrieben, und ein paar Bücher, die jetzt aber nicht mehr lieferbar sind, weil sie von Kopiersoftware und Tauschbörsen handelten. Von 97 bis 2000 war ich Spieleredakteur bei der seligen Powerplay. Hier kommt Ralf [rm] ins Spiel, der hier auch schon ein paar sehr nette Beiträge gepostet hat, der war damals mein Chefredakteur.

Vor 97 hab ich mal zwei Jahre studiert, Politik und so. Weil ich was ganz anderes machen wollte als nur Musik. Von 87 an war ich Gitarrist, Toningenieur, tourte mit meiner Band, schrieb Plattenkritiken und Kolumnen fürs Trust Magazin und später für die Indigo Notes. Die Hasso-Fass-Kolumne im Trust war sozusagen der direkte Vorläufer vom Bootsektor. War ne wichtige Zeit, ich hab alles über's Musikbusiness gelernt, Audioproduktion, Gema.

Davor, lasst mich überlegen, ja richtig, 1969 war die Mondlandung. Ok, die Aufnahmen waren ein Fake, aber ich fand's eindrucksvoll, als damals Neunjähriger. Obwohl, Raumpatrouille Orion sah besser aus. Was hab ich vergessen? Ach, jede Menge, vor allem dass auch Dieter [dj] ab und zu im Bootsektor gepostet hat, der macht aber jetzt vor allem Gizmodo.

Wie? Ich würde auf dem Bild irgendwie abwesend wirken? Das ist normal. Ich muss immer so viel nachdenken. Um offizielle Presse-Erklärungen und seriöse Nachrichtenmeldungen bis auf die Knochen zu zerlegen, und um das ganze so lange umzuformulieren, bis man beim Lesen trotz der unangenehmen Themen 'ne angenehme Zeit hat. Das ist jedenfalls mein geheimer Plan.

Und hier ist der Original-First-Thread von Manfred [mk]:

Das neue Weblog "Bootsektor" ist die "veredelte Kommentarfunktion" zum Geschehen in der IT-Branche.
Wie der Titel eben sagt: "IT-Nachrichten, neu formatiert".

Der Titel ist eigentlich gestohlen - aus dem ersten Computer-Animationsfilm "Tron", wo Bits "JaJaJa" oder "NeinNeinNein" sagen und der Held der Geschichte sich im Computer allerlei fiesen Dingen erwehren muss. In unserem "Bootsektor" fahren wir die Festplatte auch einmal anders hoch: Wer hier startet, muss das Betriebssystem "Satire" anwerfen und die Funktionen "Glosse" und "Ironie" aktivieren. Wer das nicht kann, ist einfach inkompatibel.

Bootsektor ist sozusagen "Open Source": Die Beiträge dürfen frei verlinkt werden, und wer als Autor teilnehmen will, schreibt einfach an eine Mail an den Redakteur: Manfred_Kohlen@vnu.de. Der ist übrigen keine Satire, sonst würde er auch kein reales Gehalt bekommen. Wenn Ihre Mail ankommt, wird sie erst einmal auf Spam und etwaige Inkompatibilitäten zu den Bootsektor-Funktionen Glosse, Satire und Ironie überprüft. Erst dann schaltet Sie der Bootmaster als Autor frei. Booten Sie mit!

("Wollen Sie wirklich mitmachen? Dann klicken Sie nicht hier!
Wirklich? - [Mail schreiben] - [abbrechen]")

Juli 1, 2004 | Permalink | Kommentare (16)