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Wir haben bezahlt!



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« August 2004 | Start | Oktober 2004 »

24. September 04

Ja! Ich habe GEZahlt!

Ich wusste es. Irgendwann musste es soweit kommen. Rundfunkgebühren für den PC. Die GEZ kassiert jetzt auch für den Computer, der ja irgendwie und bedingt auch für den Empfang von Musik geeignet ist. Das ist genau das, was ich brauche. Her damit! Wo muss ich unterschreiben? Kein Problem, ich leg auch gerne ein bischen mehr drauf. Ist doch für ne gute Sache.

Mal ehrlich: seit Jahren schon hör ich Musik auf dem meinem Computer. Nee, nicht nur die gerippten und gebrannten CDs, sondern dauernd frischen Sound-Nachschub aus dem Welt Weiten Webradio. Ich hab alle Sender: Kazaa, Gnutella, Morpheus, eDonkey, wie sie alle heissen. Ich zieh mir die MP3s, hör mir an, was es neues gibt, und kauf mir dann die Sachen, die mir wirklich gefallen, auf Vinyl.

Ich bin selbverständlich bereit, zuzugeben, dass dieses Runterladen-um-mal-reinzuhören auch ne Nutzung ist, die genau genommen abgerechnet werden sollte, damit die Urheber, also die Künstler, sich öfter mal neue Gitarrenseiten kaufen können, oder Batterien für die Distortiontretminen, oder nen nur leicht defekten Früh-Achtziger-Korg auf Ebay, oder nen Satz Rohlinge, um die eigene Musik draufzubrennen. Doch, diese Leute müssen bezahlt werden, die tun etwas, von dem wir alle profitieren. Ohne dass sie anständig dafür bezahlt werden. Nur zur Klarstellung: ich red hier nicht von den Britney-Barbies und Boygroup-Kens einer Entertainment-TV-dominierten Musikgebärmaschine, sondern von den Künstlern, die Emotionen in Töne und Rhythmen gepackt kriegen, also ein Produkt schaffen, nach dem es echte Nachfrage gibt.

Die Musikbranche setzt zwar Milliarden um, und trotz allen Gejammers und Missmanagements macht die Industrie wieder schwarze Zahlen, aber trotzdem gelangt mein Geld nicht direkt zu den Künstlern, deren Musik ich hören will - ausser vielleicht, ich geh auf deren Konzerte und kauf ihnen dort direkt ihre Platten ab.

Es gibt zwar eine Organisation, die speziell für dieses Verteilungsproblem eingerichtet wurde, und die allein in Deutschland jedes Jahr rund eine Milliarde Euro umsetzt: die Gema. Nur: Nach deren Verteilungsschlüsseln gehen erstens rund 100mal so viele Euro-Taler an "ernsthafte" Komponisten als an unernste "Unterhaltungsmusiker".

Und zweitens gibt es eine Abstufung bei der Ausschüttung, nach der Berufskomponisten, und das sind nach Gema-Ansicht etwa 1000 in Deutschland, eben mehr Geld aus den Einnahmen dieser Organisation erhalten als "Gelegenheitskomponisten". Wenn ich also ne Leerkassette kaufe, oder nen CD-Rohling, oder ein Tapedeck, oder eben einen PC mit CD-Brenner, dann sind da Gema-Gebühren drauf, womit ich kein Problem habe. Diese Gebühren werden aber nicht an diejenigen Musiker weiter geleitet, deren Platten ich mir kaufe oder deren MP3s ich mir runterlade, sondern an Frank Farian, Ralf Siegel und Dieter Bohlen. Da vergeht mit doch spontan der Appetit.

Und deshalb kann man die veraltete Pseudobehörde Gema auch ohne Schaden zumachen und dafür die GEZ, bekannt als Gleichmacherverein von geradezu konservativ-kommunistischer Hartnäckigkeit nutzen. Alle bezahlen Gebühren an die GEZ, und die GEZ bezahlt an Künstler, pro Download, pro verkaufter Platte, pro bejubeltem Konzert. Dann bekommen Musiker endlich angemessene Vergütungen für ihre Arbeit. Kleines Problem: die Musikindustrie wird dann nur noch für ihre geleistete Arbeit bezahlt, und nicht mehr für das Aufrechterhalten eines Monopols. Die können dann also zumachen. Kein Problem für mich: Ich hab GEZahlt!


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September 24, 2004 in PC vs. Copyright | Permalink | Kommentare (7) | TrackBack

23. September 04

Filmindustrie entdeckt illegale Kopien auf dem Mond

Nein. Nicht auf dem Mond. Aber in Australien. Was ja von hier aus gesehn eindeutig auf der andern Seite des Planeten liegt. Also auch schon mal richtig weit weg. Nur: wo ist der Punkt? Die Filmindustrie entdeckt jeden Tag illegale Kopien im Internet. Nee, diesmal auf den Servern von Linux Australia. Ha! Die Piraten-Pinguine! Zwei illegale Kopien! Sofort die Film-Anwälte von der Leine gelassen, Grrr, Grrr, Wuff. Ja, Euer Ehren.

Klar identifiziert wurden zwei Movies: "Grind" und "Twisted". Keine Frage, die Pinguine haben sofort nachgesehn, die haben ja Ordnung in ihrem Filesystem, und da waren die zwei benannten Dateien. Nur: "Twisted" ist ein Stück Code vom bekannten Python und "Grind" stammt hier eigentlich aus Valgrind, einem Entwicklertool für das Optimieren von Speichermanagement. Ach, wer jetzt nicht genau weiss, was Python ist, soll einfach unter Python nachsehn.

Das erinnert mich jetzt an die Standard-Definition von Rekursivität: Um zu verstehen, was Rekursivität ist, musst du zuerst verstehen, was Rekursivität ist. Doch. Ist wirklich so. Aber ok, das führt jetzt irgendwie vom Thema weg.

Die MPAA (Motion Picture Association of America) hat also mal kurz ins Klo gegriffen und verraten, dass die auch nur mit Wasser kochen und mit Google nach Filenamen suchen, um dann ohne Nachprüfung juristische Lawinen loszutreten. Na was? Das kann ich auch. Jetzt dämmert dem unvoreingenommenen Beobachter auch, wo die angeblichen Milliarden von geklauten Songs und Filmen im Internet her kommen.

Jetzt aber mal Scherz beiseite. Die Sache ist eigentlich gar nicht lustig. Weil dieselben Klageweiberorganisationen ("MPAA ist Anwalts Liebling..") mit der selben Nonchalance und unter Verweis auf den solchermassen hingetürkten internationalen Notstand (Inter-Notstand?) auf Veränderungen der verschiedenen nationalen Urheberrechtsgesetzte dringen. Damit sie zum Beispiel polizeiähnliche Vollmachten erhalten und uneinsichtige Urheberrechtsverbrecher schon mal dingfest machen dürfen, bevor der Arm des Gesetzes bereit ist, den Boden der freiheitlich-demokratischen Grundordnung zu verlassen.

Wo er grade mit dem Nachputzen von dunklen Flecken beschäftigt ist. So wie die auf der Weste von Jean-René Fourtou. Ehemaliger Chef von Vivendi Europa. Der neulich mal in den Bau gewandert ist, wegen mieser Finanztricks. Vivendi Universal? Grösster Medienkonzern der Welt? Ach, ja richtig. Und Fourtous Gattin Janelly ist nachgewiesendermassen "Berichterstatterin" (und Gestalterin) für den Entwurf der "EU-Richtlinie zum Schutz der Rechte an geistigem Eigentum". Die dann in nationales Recht umgesetzt wird. Aha. So ist das. Jetzt dämmerts.

Ach, übrigens, Frau Zypries. Haben Sie schon gehört, dass die MPAA, bislang noch ohne polizeiliche Hoheitsvollmachten, auch der Uni Paderborn einen Drohbrief geschickt hat, man möge den Film "Ghost" vom Server nehmen und den Verantwortlichen zur Verantwortung ziehen. Zu dumm, dass schon die mitgelieferten Links auf den PDF- und Postscript-Viewer Ghostview verweisen. Was? Hallo?

Ich bin gern bereit, das alles lustig zu finden, solange der "zweite Korb" der Urheberrechtsverschärfung (der ja den Urhebern, also den Künstlern, nichts bringt, sondern nur den Rechteparasiten, Pardon, -verwertern) nicht auch "unkommerziellen" Verletzern und Missbrauchern des sogenannten Urheberrechts (Leute, die Tauschbörsen benutzen) bis zu drei Jahre Gefängnis einbringen soll. Drei Jahre? Und was krieg ich in Deutschland nochmal, wenn ich ne Nachbarin, Kollegin, Discobesucherin vergewaltige? Also, ohne Todesfolge, mein ich. Nichts Schweres, nur so ein paar aufs Maul, wenn sie sich wehrt, kein Blut. Mhm. Paragraph 177. So ab sechs Monaten. Ah ja, ok.

Wenn man also Zwei und Zwei zusammenzählt, kommt zum einen meistens Vier raus, was aber seit Kurt Gödel auch nicht mehr so sicher ist, und zum andern sehn wir, dass sich manche, sagen wir mal, geschäftliche Gruppierungen, einen feuchten Fäkalausdruck um Recht, Gesetz und Verhältnismässigkeit scheren, solange die Profitmaximierungsschraube nicht am Anschlag herumknirscht. Oder hab ich mich da irgendwo verrechnet?


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September 23, 2004 in PC vs. Copyright | Permalink | Kommentare (5) | TrackBack

22. September 04

Der grösste Betatest der Geschichte

Klare Worte. Richtig, das schätzen enthusiastische Bootsektorleser an ihrem Lieblings-Blog. Nur: erfunden haben wird das nicht. Das Aussprechen klarer Worte. Nicht mal hier, im marketing-blurb-verseuchten IT-Sektor. Das machen andere auch.

So wie neulich. Auf dem Gartner IT Security Summit in London. Da hat es IT-Security-Top-Dog Victor Wheatman von erwähnter Analysefirma ausgesprochen. Gleich mehrfach, Mythen hat er ausgeräumt und den Finger mahnend in offene Wunden gelegt. Naja, wird schon nicht furchtbar wehtun, da dieselben ja trotz aller Unübersehbarkeit angenehm mit Silizium und Dollarmillionen ausgepolstert sind.

Aber zurück zum Text. Derzeit, so Wheatman, geben Unternehmen zwischen sechs und neun Prozent ihrer IT-Budgets für Sicherheitsfragen aus. Das wird nicht so bleiben, fachsimpelt der Fachmann. Nein, steigen wird's nicht, sondern anteilig unter vier Prozent fallen, so bis in zwei Jahren. Hä? Sparen am falschen Fleck? Nein, erklärt der Experte: weil's einer der beliebten urbanen Mythen ist, gleich nach der Spinne in der Juccapalme, dass mehr Geld für Sicherheit auch tatsächlich mehr Sicherheit bedeute. Nächster urbaner Mythos: Software hat nun mal Fehler. Das stimmt nur bedingt, warnt Wheatman weiter, nämlich solange Firmen nicht aufhören, fehlerhafte Software zu kaufen. Und dann sagt er das M-Wort. Im Angesicht eines schockierten Auditoriums. Microsoft. Und damit auch gleich "der grösste Beta-Test der Geschichte: Windows.

So. Jetzt ist es raus. "Mit Linux wär das nicht passiert", werden branchenerfahrene Bootsektorbesucher betonen. Ob das so falsch ist? Wheatman jedenfalls, mittlerweile voll in Fahrt, rät von Hoffnungen auf Trustworthy Computing ab. Ja, meint er, Microsoft wird es nochmal versuchen, und ja, in Longhorn werden Verbesserungen zu finden sein, aber nein, die bestehenden IT-Sicherheitsprobleme wird es nicht lösen, "ganz egal, was der reichste Mann der Welt euch erzählt".

Was Firmen in den nächsten Jahren brauchen (ausser fehlerarmer Software), sagt Gartner, sind hackergeschützte Server, Identitätsmanagement, Authentifizierung für drahtlose Netzwerke, Virenscanner und Spamfilter. Was Firmen dazu nicht brauchen, sagt Gartner auch: keine Digitalen Signaturen, keine Biometrie, kein unternehmens-internes Digitales Rechtemanagement und auch keine 500 Seiten schweren Sicherheitsrichtlinien.

Betatest. Hmm.

Respect, Love und Thanks gehen jedenfalls an sickboy|milkplus für irrsinnige Inspiration durch das neue Album "Shake Hands with a Clenched Fist" und hier besonders der Track "fist up in the air" (Wer an Gabber- oder Breakcore-Allergie leidet: gar nicht erst anhören).

Yo.


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September 22, 2004 in Betriebssystem-Wahnsinn, Weichware & Nichtwelt | Permalink | Kommentare (1) | TrackBack

17. September 04

Google: Bücherei für Arme?

Es ist soweit: Forscher warnt vor Googlesierung der Ausbildung, meldet die Fachpresse. Damit ist aber nicht gemeint, dass die Ausbildung gegenwärtiger und/oder zukünftiger Generationen etwa unter bunten Buchstaben oder kleinen Eingabefeldern, schon gar nicht unter stark vereinfachter, aber hocheffizienter Schlagwortsuche zu leiden habe, sondern um eine allgemeine Entwicklung, die sowohl die Informationsgesellschaft als Ganzes als auch die IT-Industrie im speziellen in ihrer Weiterentwicklung behindert.

Gemeint ist die derzeitig immer stärker erkennbare Tendenz, Information zur Ware zu machen. Wurden früher noch Bücher, Ton- und später auch Datenträger verkauft, so verläuft der Vorgartenzaun einer nur zäh wachsenden Industrie nun schon vor der Information selbst. Besonders prekär wirkt sich die Kommerzialisierung der geistigen Allmende im wissenschaftlichen Bereich aus; Musik und Filme muss man schliesslich nicht kaufen. Zwischen Formatradio, Musikfernsehen und lokaler Livemusikkultur gibt es eine Menge Einspar- und Boykottmöglickeiten für das real existierende Musik-Oligopol der mittlerweile nur noch "Four Sisters".

Aber zu Ausbildungszwecken wird nun einmal Fachliteratur benötigt, Fachzeitschriften und der ungehinderte Zugang zu relevanten Informationen. Dies, so erkennen Anthropologen und Kommunikationswissenschaftler, führt zu einer Aufspaltung der (auszubildenden) Bevölkerung in zwei Lager: Reiche, die sich überteuerte (da gesetzlich monopolgeschützte) Fachpublikationen leisten können, und normale Menschen, die auf die Nutzung von Internetsuchmaschinen wie Google angewiesen sind, um ihre Ausbildung fortsetzen zu können.

Richtig, der technische Fortschritt und die im Internetzeitalter weit leichtere Zugang zu Informationen bedroht die Existenz der Contentindustrie, egal, ob es sich hier um Film, Musik oder Wissenschaftstexte handelt. Zumindest, wenn man an Vertriebsmodellen aus dem (buchstäblich) vorletzten Jahrhundert festhält. Das es dieser Industrie aber anscheinend nicht an Geldmitteln mangelt, um effektive Lobbyarbeit zu ermöglichen, können gesetzliche Regelungen das ansonsten bröckelnde Vertriebsmonopol stützen.

Nur: um welchen Preis? Sollte man in Zeiten von automotiven Absatzkrisen etwa Busse und Strassenbahnen verbieten, um den Verkauf von PKWs anzukurbeln? Hätte man in der ökonomisch mitunter verheerenden industriellen Revolution die Einführung von maschinellen Webstühlen verbieten sollen, um Massenarbeitslosigkeit unter handwerklich arbeitenden Webern vorzubeugen? Kann man riskieren, dass dringend benötigte Grundlagenforschung nur noch einer - nicht intellektuellen, sondern ökonomischen - Elite vorbehalten bleibt, um den Preis verlangsamter Innovation? Um Antworten bemühen sich hier Leute wie der Konstanzer Informationswissenschaftler Rainer Kuhlen oder der Gründer des Forschungsinstitutes für anwendungsorientierte Wissensverarbeitung an der Universität Ulm, Franz-Josef Radermacher. Sowie - im Rahmen seiner Möglichkeiten - der aufgeschlossene Bootsektorleser, dem ja bekanntlich mannigfaltige Meinungsäusserungsoptionen zur Verfügung stehen, von der Wahlurne über die Supermarktkasse bis zur unter diesem Beitrag angefügten Kommentarfunktion.


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September 17, 2004 in Hart & Halbleitend, PC vs. Copyright, Servicefreie Zone, Weichware & Nichtwelt | Permalink | Kommentare (0) | TrackBack

14. September 04

Microsoft? Einfach ignorieren!

Wozu gibts denn Analysten... Leute, die sich für uns den Kopf zerbrechen. Wie's denn weitergehn soll, mit der Aufrüstungsspirale von Hardware, Software, Betriebssystemen.

Wer in diesem Maelstrom der Milliardenbudgets sicher navigieren will, muss einen klaren Kopf behalten. Das tun zum Beispiel die erfahrenen Männer von Gartner Dataquest, mithin zu den Lieblingen der IT-Journaille zu rechnen, da sie es nicht lassen können, neben all dem sicheren Navigieren und kühlen Herumblicken auch noch friesisch-herbe Thesen zu formulieren und diese dann auch noch in markige Presseerklärungen zu packen.

So auch diesmal: Wer von uns weiss denn eigentlich, was der eigene oder bürogenutzte PC wohl für einen Softwaremotor bekommen soll, die Grundsatzentscheidung schlechthin, von der dann viele, wenn nicht gar alle Folgeentscheidungen abhängen. Jetzt upgraden, von Windows 98, ME, NT auf 2000 oder gleich XP, und wenn ja mit Service Pack oder ohne? Von Mac OS 9 auf 10, Tiger, Panther, Nashorn? Oder doch auf Linux, ob Suse, Red Hat oder Debian? Welche Programme laufen dann wo und wo nicht mehr und welche Viren krieg ich wovon?

Oder sollen wir besser mit dem Kompromiss leben und dann gleich, wenn's denn mal soweit ist, auf die nächste Generation von PC-Betriebssystemen setzen, der Revolution des Computermanagements, mit bislang unerdacht neuartigen Funktionen, Sicherheitseinrichtungen, Zusatzfeatures? Cool abwarten und im richtigen Moment den Longhorn-Stier bei den Hörnern packen?

Kurz überlegt... richtig, da waren doch die Analysten. Allen voran die oben erwähnten Gärtner, mit ihrer aktuellen Saat-, Pflanz-, Ernte- und Navigationshilfe "Microsoft Scales Back Its Ambitions for Longhorn OS". An sich kein wertungsbedürftiger Titel für so ein kleines Pressekommunique, wäre da nicht der aus unzähligen Horrorfilmen als unheilbringend bekannte Drang des unbedarften Lesers, doch noch mal um die nächste Ecke, den nächsten Absatz zu schauen. Da, wo die bekannte Faktenauflistung sich in Informationströpfchen verliert und diese mit schicksalhafter Unerbittlichkeit vom unheilschwangeren Machtwort "Analyse" abgelöst werden.

Hier, so erfährt der Leser mit schreckgeweiteten Augen, hier zeigt sich die klare Trennlinie zwischen Politik und... naja, und Analyse eben. Klare Aussagen, der sichere Tod jeder politischen Karriere, erfreuen sich in den Medien ungebrochener Beliebtheit. Microsoft, so fassen die ganz oben erwähnten erfahrenen Männer zusammen, habe bislang behauptet, Longhorn würde nicht deswegen erscheinen, damit man wieder mal was zu verkaufen habe, nenee. Diese Behauptung, so die aussagefreudigen Analysten weiter, würde man dem weltgrössten Fensterhersteller nun nicht mehr abkaufen; statt dessen müsse man dem Nutzer dazu raten, sich mit dem bisher Vorhandenen zu begnügen und das nächste grosse Windows-Ding gar nicht erst in seine Pläne einzubeziehen.

Was, der Analysteneinschätzung nach, viele Firmen sowieso bis ungefähr 2011 machen werden. Mit achtzigprozentiger Wahrscheinlichkeit. Und zwischen Ende 2006 und Anfang 2011 kann man das alles ja auch noch mit munter wachsenden Äpfeln, Birnen und Pinguinen vergleichen. Microsoft? Einfach ignorieren!


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September 14, 2004 in Betriebssystem-Wahnsinn | Permalink | Kommentare (2) | TrackBack

09. September 04

Geniale Geschäftsidee: Piratenradio

Also, neulich ist mir die absolute Top-Idee gekommen, die Geschäftsidee schlechthin, so ne richtige Dot-Com-Firma eben, kein Produkt, aber Millionenumsätze. Einfach Zeug aus dem Internet klauen, auf die eigene Webseite pappen und reich werden durch den Web-Traffic und die Werbung auf meiner Seite.

Das muss natürlich was ganz neues, schickes sein: Internetradio! Live-Streaming! Das nächste grosse Ding! Jedenfalls steht das dann so auf meiner Webseite. Nein, ich hab nicht vor, Berufs-DJ zu werden, stundenlang Platten anzuhören und eine Zuhörerschaft mühsam aufzubauen. Statt dessen mach ich's ganz einfach: Ich kopier' die Playlists von bekannten Web-Radiosendern, und damit jeder weiss, was gemeint ist, schreib ich gleich deren Namen drüber. Genau.

Und wenn ich mir ein klein wenig mehr Arbeit machen will, dann bastel ich mir einen Quicktime-Streaming-Server zusammen, das kann nun wirklich jeder, und sende die play-gelisteten Songs von gemietetem Webspace aus, nur eben ohne die DJ-Ansagen der anderen, und ohne deren Werbeblocks, und preise das dann auch noch als Extra-Service für meine Hörer.

Und wenn den Originalradios das nicht passt, soll'n die mich doch verklagen! So läufts! Reich durch Internet! Wie? Was? Das gibts schon? Die geile Piraten-Web-Radio-Idee hatte schon wer? Gibts nich'! Aber doch, hier steht's, Microsoft zieht das grade durch. Genau dieses Prinzip. Einfach and'rer Leute Playlists nehmen, und mit deren Namen verziert auf die eig'ne Homepage kleben. Mist. Doppelmist! Wieder zu spät dran!

Oder Moment, die nehmen ja gar kein' Quicktime (wie auch, is' ja von Apple), sondern den hacker- und virenfreundlichen Windows Media Player. Toll! Dann hab ich ja doch noch ne Chance. Und segel' auch noch in deren Windschatten! Ho, Ho, Ho, und ne Buddel voll Rum!


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September 9, 2004 in PC vs. Copyright, Servicefreie Zone | Permalink | Kommentare (2) | TrackBack

08. September 04

Musikdownloads schaden Ihrer Gesundheit!

Das Bundesgesundheitsministerium empfielt: Schaden Sie nicht Ihrer Gesundheit, auch nicht durch gut gemeinten Verzehr von Fleischbratlingsbrötchen in Schnellrestaurantkettenfilialen.

Das Problem der gesundheitsschädlichen Supersize-Semmeln wird derzeit durch eine schlaue Marketingkampagne verschärft, die der zweitgrösste Hackfleischverhackstücker der westlichen Hemisphäre zusammen mit dem grössten Internetverhackstücker beider Hemisphären ausgehackt.. äh.. ausgeheckt hat.

Burger King und America Online halten es nämlich für eine gute Idee, in jedem Whopper Wrapper (Einwickelpapier für klopsgefüllte Schrippen) einen Freischaltcode für einen kostenlosen Musikdownload zu verstecken. Erst aufessen, dann mitwippen. Wenn man dann noch kann.

AOL jedenfalls lässt unter rund 700.000 Songs wählen, die aber ihrerseits nicht AOL gehören, sondern vom Online-Partner MusicNet geliehen werden. Die Idee vom fettverschmierten Musikangebot ist allerdings so frisch wie ein mettgefülltes Rundstück von letzter Woche: Schon im Juni dieses Jahres verkündeten der grösste Einzelhändler von gesundheitsschädlichen Kinderportionen zusammen mit einem japanischen Zweitligisten der Musikdownloadwelt einen ähnlichen Deal: Jedes Big Mac Extra Value Fresspaket ist seither durch einen kostenlosen Musikdownload aus dem Sony Connect Musikshop künstlich angereichert. Ob das was bringt, hat bisher aber keine der beiden Firmen verraten.

Analysten und Berufsnörgler geben sich begeistert: "Es ist doch viel einfacher, einem Burger einen Download beizulegen, als eine CD", meint zum Beispiel Mike, der bei Gartner Dataquest arbeitet. Dann allerdings kommt er ins Grübeln. Fettverschmierte Musikdownloads könnten doch den Wert von Musik beim Konsumenten herabmindern, und das in einer Zeit, wo sich die Musikbranche gerade mal langsam erholt, bei all den bösen Bedrohungen wie Onlinepiraten, Videospielen und einer wenig enthusiastischen Gesamtwirtschaftslage.

Na, und jetzt kommt eben noch die Bedrohung der Gesundheit mit dazu. Vor allem dann, wenn die Musiker, so wie man das von der marketingorientierten Musikindustrie kennt, zukünftig in Hamburgern entlohnt werden. Und wer soll das dann alles aufessen? Die Musikindustrie, Bewahrerin unserer hehrsten kulturellen Werte, kann jedenfalls nur weiter existieren, wenn alle Burger-Piraten wie Döner-, Fritten- und Curry-Korsaren mit der ganzen Härte des Gesetzes weggefegt und der Verkauf von Tischgrillgeräten unter mehrjährige Gefängnisstrafen gestellt werden. So.


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September 8, 2004 in PC vs. Copyright | Permalink | Kommentare (0) | TrackBack

01. September 04

Bill Gates und die Mächte des Bösen

"Hausmeister, Handwerker, und andere Greuelwesen hat unser Fürst der Finsternis auf die Erde geschickt, um Euch Menschlein unsanft aus dem Schlaf zu reißen", scharrte die düstere Stimme des Dämonen in meinen Ohren. Dann ertönte eine grauenvolle Heavy-Metal-Melodie. Na, eigentlich war es nichts so harmloses wie eine Metal-Musik - es handelte vielmehr sich um eine Kettensäge, deren Sound mich unsanft um 6:30 Uhr aus dem Schlaf riss. Der Dämon in meinem Traum hatte die Gärtner und die Software-Entwickler vergessen. Der Gärtner schnitt einen Baum und meine Nerven zurecht. Die Software-Ingenieure sollten mich den Rest des Tages quälen.

Als ich also im Büro gleichzeitig Word, Excel, Lotus Notes und unser Java-basiertes Content Management System aktivieren wollte, lief wieder einmal gar nichts. "Nicht kompatibel" stimmte an sich nicht, denn manchmal läuft es, und manchmal bleibt alles stehen. Die Formulierung "inkomptibel" für nicht aufeinander abgestimmte Software muss ebenfalls aus der Hölle stammen, sie agiert nach Chaostheorie.

Jetzt weiß ich: In irgendeiner Software-Lizenz, die ich nicht ausreichend gelesen hatte, muss ich wohl durch Klick auf den "Ok"-Button meine Seele verkauft haben. Wohl deswegen wollen viele PC-Nutzer lieber auf OpenSource umstellen - darin fehlen noch die Seelenverkaufs-Buttons.

Auch die vielen Spams (das "dreckige Dutzend" der Spam-Versender aus der Internet-Hölle wurde kürzlich veröffentlicht) und falschen E-Mail-Mahnungen kommen direkt aus dem modernen Kommunikationszentrum "Luzifer Incorporated" unter der Erde. Oder hätten Sie gedacht, dass der Teufel nicht mit der modernen Technik Schritt hält? Die Außenstellen von Beelzebub Gates, Larry dem Orakel und Scott dem Sonnigen haben ihr Übriges dazu getan. Und das alles ohne Kettensäge!

Hausmeister gibt es ja auch für die Technik, zum Beispiel dir Firma Symantec - die jetzt mit Software-Aktivierung das Leben komplizierter macht. So, wie der Hausmeister, der neulich um 5 Uhr morgens mit seinem Laub-Gebläse Blätter beseitigte, will Symantec wohl auch Raubkopierer fortfegen. Teufelswerk: Sie gehen alle zu Beelzebub Gates, der bald kostenlos Security-Software ins Betriebssystem packt.

Hilfeschrei im Dunkeln: "Ich will meinen Heimcomputer wieder!" - der war noch hausmeisterfrei.

September 1, 2004 in Servicefreie Zone | Permalink | Kommentare (4) | TrackBack