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29. Oktober 04
Microsoft patentiert Essen und Trinken
Oder war es IBM? Die sind ja eigentlich die Firma mit den meisten Patenten, nur schreien sie es nicht so herum wie andere. Oder war es gar nicht Essen und Trinken, was da patentiert wurde, sondern eine "Methode zum Ein- und Ausatmen von Luft mit Hilfe einer Nase"? Halt, jetzt hab ich's: Das Erkennen von bösartigem Code, also von Computerviren wurde patentiert. Und zwar von McAfee, die ja schon seit Generationen Virenscanner entwickeln und verkaufen. Mit Hilfe dieses Patents hätten sie dann das Monopol darauf. Deswegen wird es das Patent nicht lange geben. Die Konkurrenz wird sehr leicht nachweisen können, dass ein Erkennen von bösartigem Code ja eigentlich komplett kalter Kaffee ist, der seit mehr als 'nem Vierteljahrhundert rumsteht und schal wird.
Aber ok, versuchen kann man's ja mal. Wenn es schon so bescheuerte gesetzliche Vorgaben und nicht minder bescheuerte Bürokraten gibt. Die jetzt aber andererseits, und das ist erstaunlich, vom europäischen Parlament im Zaum gehalten werden sollen. Damit es solche Schwachsinnspatente wie "Einkaufen im Internet mit nur einem Mausklick statt zweien" in Europa nicht geben wird. Damit das zentrale Missverständnis dieses noch sehr jungen Jahrhunderts nicht zum Ende der Innovation und des freien Wettbewerbs wird: das sogenannte geistige Eigentum. An sich 'ne tolle Sache - ich erfinde was oder schreib ein Buch oder ein Lied, dann melde ich es an und keiner darf damit ohne meine Zustimmung Geld verdienen. So sollte es sein, das nenn' ich eine solide Rechtsgrundlage.
Nur: Es war nie damit gemeint, dass ohne meine Zustimmung irgendjemand irgendwas damit machen dürfe. Zum Beispiel drüber reden. So wie die Firma Nintendo, Liebling aller Kinder, neulich eine Klageandrohung an einen Blogger geschickt hat, der ein paar Nintendo-Spiele als Lieblingszeitvertreib aufführte. Wo das Problem ist? Er hat das auf einer Website getan, die sich hauptsächlich mit Pornografie beschäftigt. Und das hat den Vätern Marios nicht gepasst. Die haben's aber inzwischen eingesehn, dass es so nicht geht, und sich entschuldigt. Na also.
Ganz anders die US-amerikanische Cybersicherheitsbehörde "Department of Homeland Security", deren Agenten in ländlichen Spielzeugläden einfallen, weil dort Würfel verkauft werden, die gegen das Patent des "Rubiks Cube" verstossen. Nur: das Patent ist schon lange abgelaufen und ungültig. Oder die Musiklobby RIAA, die schon wieder 750 Studenten verklagt. Weil diese Musikstücke verschenken. Also nicht etwa verkaufen. Und obwohl die bisherigen Klagewellen nachweislich nichts gebracht haben.
Leute, hey, es ist doch ganz einfach: Unternehmen versuchen, neue Produkte zu entwickeln. Um damit Geld zu verdienen. Dafür sind Unternehmen da. Sehr beliebt ist dabei das Umwandeln von öffentlichem Besitz in privatwirtschaftlich nutzbare Ware. Wasserkraft. Braunkohlevorkommen. Copyright. Und wir anderen, also wir alle, müssen dabei eben den Betreffenden auf die Finger sehn. Und manchmal auch klopfen. Und zumindest deutlich den Mund aufmachen. So wie eine engagierte Bootsektorleserin neulich: Yay!
[fe]
Oktober 29, 2004 in PC vs. Copyright | Permalink | Kommentare (3) | TrackBack
28. Oktober 04
Geld fürs Fernsehschauen?
Es ist soweit. Fürs Fernsehnschaun bezahlt werden. Bald jedenfalls. Die Technik machts möglich. Wie Oma BBC berichtet, will der grosse britische Privatfernsehanbieter Sky den bislang ungenutzten zweiten Smartcard-Slot in den Dekoder-Set-Top-Boxen für Kundenbindung einsetzen. Dort soll der Zuschauer seine "Loyalty card", also Kunden-Treue-Karte einstecken. Auf der wird dann gespeichert, wieviel Sky-TV er absolviert. Bestimmt auch, ob er in den Werbepausen wegschaltet.
Die vor der Bildröhre abgeleistete Zeit wird dann in Treuepunkte verrechnet und diese wiederum in Rabatte oder Warengutscheine bei Werbepartnern umgewandelt. Das eröffnet professionellen Couch Potatoes ganz neue Möglichkeiten: "Ertragen Sie zehn Folgen Dschungelcamp und erhalten Sie dafür einen Einkaufsgutschein bei Aldi, ein Monatsabo Chio-Chips oder eine Microsoft-Familien-Bildschirmschoner-CD."
Und ein Jahr später dann: "Drücken Sie bei jedem Werbeblock auf die Taste "Eins" Ihrer Fernbedienung - Sie bekommen gratis zwei Spielfilme Ihrer Wahl direkt auf Ihre Set-Top-Box".
Und wieder etwas später: "Bleiben Sie während der folgenden 50 Werbe-Einblendungen im Sichtbereich ihres TV-Infrarotsensors und wir bedanken uns mit einer Aufwertung Ihres Existenzminimums - Ihr Lieblingsfernsehsender Kabel 3000 ist der offizielle Hauptsponsor des privatwirtschaftlich finanzierten Hartz-IX-Programms für arbeitsunfähige, übergewichtige Fernsehsüchtige".
Machen wir uns nichts vor: viele Menschen lassen sich gerne für dumm verkaufen. Jedenfalls solange sie dabei nichts tun müssen. Das Problem ist nur: nicht alle lassen sich gern für dumm verkaufen, marketingstrategisch gesehen sind es sogar immer zuwenige. Deswegen ist es zum gegenwärtigen Zeitpunkt ja auch noch keineswegs absehbar, ob die "Loyalty card" das nächste grosse Ding wird, oder der nächste grosse Flop mit anschliessenden Steuernachlassforderungen konkursbedrohter Mediengiganten. Deswegen mein Tipp zu Sache: wie bisher auch geselliges Betrachten selbstgebrannter DVD-Movies mit anschliessendem Kampfzappen in gelassener Erwartung der nächsten Pressemeldung. Die klärt uns dann darüber auf, wo sich die Wegbereiter des penetrativen TVs ihre smarte Karte letztendlich hingesteckt haben.
[fe]
Oktober 28, 2004 in Servicefreie Zone | Permalink | Kommentare (0) | TrackBack
26. Oktober 04
Porno macht mobil
Halten wir uns an die (nackten) Tatsachen: schon jetzt, so berichten Marktforscher von der Yankee Group, ist die Hälfte aller Daten, die über Mobilfunknetze transportiert werden, Pornographie. Ausserhalb der USA zumindest, wo Mobilprovider Angst vor juristischer Verfolgung haben, wenn etwa juristisch Minderjährige mit Haut auf dem Handy konfrontiert würden. Wobei ein negativer Einfluss auf Halbwüchsige durch nur leicht anatomisch unrichtige Darstellung weiblicher Körper bis heute nicht wissenschaftlich belegt ist. Naja, das Vorhandensein eines irakischen Massenvernichtungswaffenprogramms ja auch nicht.
Die Yankee Group jedenfalls veröffentlichte gerade eine Studie, wonach mobiler Datenverkehr mit betont weiblichen Formen bis 2008 auf einen weltweiten Jahresumsatz von einer Milliarde US-Dollar anschwellen werde. So sieht sie also aus, die Kavallerie, die eine vielbeschworene düstere Zukunft unserer UMTS- und 3G-Dienste beiseite fegt. Diese nämlich bieten beachtliche Übertragungsbandbreiten an - die bislang niemand nutzen will. Wofür auch. Emails? Spreadsheets? Newsticker?
Eben dasselbe Problem gab es schon mehrfach in der Technikgeschichte: eine Erfindung, die so grossartig war, dass sie niemand brauchte. So wie die VHS-Videokassette. Oder, ja eben, das Internet. In beiden Fällen wurde eine solide wirtschaftliche Grundlage erst durch ein (selbstloses) Engagement der Pornoindustrie hergestellt. Oder eben das multimedia-fähige Mobiltelefon, das im Mutterland des Elektronikspielzeugs den Durchbruch erst mit dem i-Mode-Dienst des japanischen Telekomriesen NTT DoCoMo schaffte. Und hierbei erst mit dem Vertrieb nicht jugendfreier Bildchen, die für teures Geld von kleinen, überarbeiteten Japanern in der Ubahn angestarrt werden konnten.
Sollen wir jetzt froh darüber sein, dass unsere post-industrielle Informationsgesellschaft zwar genug Freizeit, dafür aber zu wenig Gelegenheit zum Sex bereitstellt? Dafür aber um so mehr Gelegenheit zur umsatzfördernden Sublimation. Ganz egal, was Imagekampagnen der Mobilfunkfirmen und Werbehochglanzfolder der Hardwarehersteller zeigen: Abgesehen davon, dass es immer "die anderen" sind, die solche Dienste nutzen, stellt die nachweislich grösste Unterhaltungsindustrie der Welt (grösser als Hollywood, grösser als Half-Life, Doom und Tomb Raider) wieder einmal die Hormonspritze für das Wachstum einer jungen, unausgereiften Technik bereit. Ausser in den USA, Saudi Arabien und China. Diese gesellschaftlichen Entwicklungsländer müssen wohl weiter auf das gesprochene Wort als Motor der technischen Entwicklung setzen. Na gut: Ruf! Mich! An!
[fe]
Oktober 26, 2004 in Servicefreie Zone | Permalink | Kommentare (0) | TrackBack
22. Oktober 04
Katastrophe: Musikindustrie macht Gewinn
Das Undenkbare ist eingetreten, man wagt es kaum auszusprechen: die benachteiligteste, hart arbeitendste aber dennoch ärmste aller Industrien ist, anzunehmenderweise ohne eigenes Verschulden, in die Gewinnzone gerutscht. Wie die stets stimmkräftige Vertretung der Musikindustrie, RIAA (Recording Industry Association of America) ungewöhnlich kleinlaut bekannt gab, wurden im ersten Halbjahr 04 nach offiziellen Zahlen in den USA zehn Prozent mehr Musik-CDs verkauft als im ersten Halbjahr 03, der Umsatz stieg um solide vier Prozent. Dennoch, so RIAA-Chef Mitch Bainwol, sei die Piraterie ein grosses Problem, sowohl on- als auch offline. Schliesslich habe man noch "einen langen Weg zu gehen" bis die Rekordzahlen von 2001 übertroffen würden.
Ähm. Das ist natürlich sehr, sehr ungewöhnlich für eine Industriebranche, mehrere Jahre hinter einander weniger Geld zu machen als in Spitzenzeiten. Deswegen sind aus Rüsselsheim auch energische Forderungen zu vernehmen, man müsse endlich mit aller Härte gegen Autopiraten vorgehen, und vom jämmerlich erfolglosen Karstadt-Quelle-Management ebensolche gegen Kaufhauspiraten. Flohmärkte, Bauchläden? Hallo?
Schaut man sich die offiziellen Zahlen genauer an, dann machen die Klagen der Musikmogule durchaus Sinn, jedenfalls aus deren Sicht: verkaufen sich doch Top-Ten-Einheitsbrei-Produkte immer schlechter, das Umsatzplus rührt also von "all dem anderen Zeug", für das die Musik-Manager sichtbar wenig Begeisterung aufbringen können. Harte Zahlen veröffentlichte unlängst das Musikmagazin Rolling Stone: jede fünfte Musik-CD wird in den USA mittlerweile von der Preisbrecher-Kaufhauskette Wal-Mart verkauft, die sich eine feuchte Boy-Group-Single um das Preisdiktat der Industrie schert und zunehmend tönende Plastikscheiben für einen Zehner vertickt. Das wären nach aktuellem Wechselkurs 7 Euro und 92 Cent. Was will Familie Bertelsmann nochmal für eine CD mit beiliegenden Songtexten und Fotos der Künstler? 17,99? Aha.
Noch mehr harte Zahlen? Von der angesehensten Wirtschaftsuniversität des Planeten Erde veröffentlicht? Wie die Harvard Business School in einer mehrmonatigen Studie ermittelte, existiert kein wissenschaftlich belegbarer Zusammenhang zwischen mehr Downloads und weniger CD-Verkäufen. Hey: wenn die sich mit so was nicht auskennen, können wir das Thema Betriebswirtschaft gleich komplett ins Reich der Mythen abschieben.
Da bleibt wohl nichts anderes, als der rüsseligen Opel-Gang den Weg zum Kadi zu empfehlen, falls sich der undankbare Konsument doch lieber einen halb so teuren Hyundai (aber doppelt so zuverlässigen) holt, oder den Karstadt-Pleite-Kapitänen den Ruf nach Bundesfinanzausgleich angesichts unterdurchschnittlicher Konsumentenbegeisterung.
Jetzt mal ohne Ironie: wie lange müssen wir uns diesen Schwachsinn von "Hometaping is killing music" bis "Raubkopierer werden mit fünf Jahren Gefängnis bestraft" noch anhören? Wann endlich schicken wir "Sozialparasiten in Nadelstreifen" zurück in ihre Villen in tropischen Steuerparadisen und überlassen den unterhaltsamen Unterhaltungsmarkt dem freien Spiel der Kräfte? The great Rock'n'Roll-Swindle, to be continued.
[fe]
Oktober 22, 2004 in PC vs. Copyright | Permalink | Kommentare (10) | TrackBack
20. Oktober 04
Computeralbtraum Istanbul
Nein! Nicht die Stadt! Auch nicht das Land. Im Gegenteil, die Türkei sollte sogar unbedingt EU-Mitgliedsstaat werden. Jedenfalls sobald dort eine freiheitliche demokratische Grundordnung etabliert wurde. Also freie, unbeeinflusste Wahlen, faire Gerichtsverfahren, Abschaffung von Folter und Hinrichtungen, Entmachtung des Militärs... Wie? Das sei jetzt ungerecht der Türkei gegenüber? Ja, ich weiss, aber sowohl China als auch die USA hätten schon aus geografischen Gründen keine Chancen auf einen EU-Beitritt.
Nein, lassen wir das - es geht hier selbverständlich um IT-Nachrichten... nur eben neu formatiert. Und zwar um Microsofts nächsten grossen Wurf. Das totale Kommunikationssystem, Codename "Istanbul". Warum genau dieser Codename gewählt wurde, soll jetzt einmal uneingeschränkt und in vollem Umfang dahingestellt bleiben. Schon in wenigen Monaten, so verkündete jedenfalls der Vizechef des Bereichs Real-Time Collaboration bei Microsoft, Anoop Gupta, werde die Büchse der Pandora geöffnet. Das mit der Büchse hat er so nicht gesagt, diese Formulierung ist Folge der bekannten und beliebten Bootsektor-Neuformatierung. Was er statt dessen in Boston vorstellte, ist ein Programm zur gleichzeitigen Verwaltung von Email, Instant Messenging, Videoconferencing und Internet-Telefonie. Also das alles eben. Und ohne real existierendes Trustworthy Computing.
Tolle Sache, und der Beta Client, also die unfertige Testversion, ist bereits an "ausgewählte Unternehmen" verteilt worden. Mit anderen Worten: jeder Nachwuchs-Neo, Neuromancer und Data-Jockey auf unserem schönen blauen Planeten hat den Code bereits in Händen und schraubt schon mal dran rum. Sobald dann die, sagen wir, finale Betaversion in Office 2006 integriert wird, genügt ein einzelner, von minderjährigen Script-Kiddies zusammen-gebastelter Phishing-Spoofing-Trojaner, um die gesamten Kontaktdaten eines Unternehmens zu stehlen. Inklusive Telefonnummern und Ansprechpartnern, mit Bild. Was dann prompt von Grauzonen-VoIP-Servern genutzt wird, um allen Freunden, Bekannten, Kunden und Zulieferern das sattsam bekannte Angebotspotpurri diesmal fernmündlich und mit eingeblendeten Fotos der Mitarbeiter zu unterbreiten: Diese Sexualorganvergrösserung, Viagralieferung, Kredithaiconnection, Gebrauchtwagenfalle wurde Ihnen präsentiert von [hier beliebigen Firmennamen einsetzen].
Na danke.
[fe]
Oktober 20, 2004 in Weichware & Nichtwelt | Permalink | Kommentare (3) | TrackBack
17. Oktober 04
Schneller als das Licht?
Es ist wie in diesen nach-mitternächtlichen Filmen: Fremdartige, furchterregende Aliens, vorzugsweise in schwarzen Umhängen und mit Stachelgesichtern aus Alufolie, debattieren unverständlich, aber bedrohlich, vor einer Kulisse aus rotierenden Scheiben, Dampf-Überdruckventilen und Laser-Plasma-X-Ray-Kanonen. Der machtlos in seinen Sessel gepresste Zuschauer erkennt sofort: hier geht es um nichts Geringeres als die Weltherrschaft.
Aber was geschieht, wenn der ausserirdische Techno-Overkill den beabsichtigten globalen Umsatzerfolg nicht mehr garantiert? Dann muss Intel, weltgrösster Chiphersteller mit Sitz im kalifornischen Santa (Satan) Clara eine völlig neue Strategie (zur Welteroberung) verkünden: die 4-Gigahertz-Barriere bleibt unangetastet, es wird keinen Pentium 4 mit diesem Arbeitstakt geben. Drei Komma Acht müssen reichen. Jedenfalls auf Jahre hinaus.
Noch vor Monatsfrist indoktrinierten die Doktor-Marketing-Mabuses des Halbleitergiganten, man benötige immer schnellere Prozessoren, um die immer gleiche Büroroutine abzuleisten. Orthografisch bedenkliche Texte schreiben, wellness-feindliche Kartell-Tabellen erstellen oder im Internet surfen, um dessen weibliche Seite näher kennen zu lernen, erfordere weltraumtaugliche Triebwerke der Überschallklasse. Jetzt auf einmal nicht mehr.
Ein kleiner Schritt für den weltgrössten Chipproduzenten, ein grosser Schritt für den kleinsten gemeinsamen Nenner dieser Industrie: den Käufer. Tatsache, weil Intel alles auf eine Karte (nämlich die des Geschwindigkeitsweltrekordhalters für Rechenmaschinenbauteile) setzte, verschlief man dort so ziemlich alle anderen zukunftssicheren Technologietrends. Die x86-64-Bit-Erweiterung, von AMD entwickelt, von Intel als Kinderkram ge-disst, und kurze Zeit später ohne Fanfarenklänge in eigene Chipdesigns übernommen. Dass IBM im PowerPC-RISC-Chip dasselbe Jahre zuvor... bitte einen Mantel des Schweigens, danke. Leistungssteigerung durch ausgewogene Chipdesigns jenseits der Formel-Eins-Verliebtheit der Intel-Top-Männer... erst ein Irrweg der Silizium-Evolution, jetzt auf einmal Haus-Dogma. Mädchenhaftes Strom-Gespare von Schattenfirmen wie Transmeta, VIA oder, tja, IBM... ok.. machen wir jetzt auch. Dual-Core-Chips aus den Labors von Sun Microsystems oder, äh, IBM gehören mittlerweile auch auf die Intel-Roadmap.
Wenn die Vernunft auf einmal an der Abend- bzw. Elektromarkt-Kasse zu haben ist - soll uns nicht stören. Wir wollen Maschinen mit vernünftiger Leistung zu vernünftigen Preisen. Und was ist mit der unvernünftigen Seite des Lebens, was passiert dann mit Hardwarefressern wie Half-Life 3, Doom 4, Quake 5? Gar nichts bzw. nichts schlimmes. Die Konkurrenz macht es schliesslich vor, kann doch ein megahertzgemässigter AMD Athlon FX oder IBM PowerPC in Sachen Frames-Per-Second oder Frags-Per-Minute dem Heissluftrekordhalter der vierten Pentiumgeneration schon lange die Hand reichen.
Mission erfüllt, Erde gerettet, Angriff der Killer-CPUs zurückgeschlagen, übernächstes Jahr stecken in Brot-und-Butter-Dell-PCs eben Pentium-M-Chips mit Taktraten wie aus dem (antiken) zweiten Jahrtausend. Beinahe jedenfalls. Auf jeden Fall müssen dann wieder ein paar Atomkraftwerke zumachen. Heiliger Franz Josef, will die Vernunft denn niemals ein Ende nehmen?
[fe]
Oktober 17, 2004 in Hart & Halbleitend | Permalink | Kommentare (2) | TrackBack
14. Oktober 04
Das Ende des Personalcomputers
..zumindest wie wir ihn kennen. Das Ende ist nah, mehr noch, es ist praktisch überall. Und passt in jede Hosentasche. Ausser bei Kindern und New Yorker Models. Jetzt hab ich schon alles verraten: die Rede ist vom iPod.
Was der denn mit dem PC zu tun hätte, mag sich der geneigte Leser, die charmante Leserin nun fragen. Und was das mit dem Ende solle. Jetzt mal andersrum gefragt: Wer von den Anwesenden keinen PC hat, bitte mal die Hand heben. Na also. Die Tie-and-Suit-Fraktion nennt sowas Marktsättigung. Anders gesagt: alle haben einen, deswegen ist der Computer überhaupt nicht mehr cool. Vielleicht mit Ausnahme der Sachen aus dem Institut für Advanced Products for Professionals, Lifestyle and Entertainment (A.p.p.l.e.) im kalifornischen Cupertino. Die haben aktuelle Geschäftszahlen veröffentlicht. Die besten in einer Dekade. Noch mehr iPods, nur wenig mehr Mac-Rechner.
Da haben wirs, ruft jetzt die Schrauber-Gilde, die Apfel-Abakusse sind einfach zu teuer, auch wenn sie vielleicht das beste Desktop-Environment der Welt haben. Mal langsam, auch meine eigene (PC-)Birne verursacht jährliche Upgrade-Kosten von auch nur ein bis zweihundert Schleifen, teilt aber den selben gravierenden Nachteil mit allen anderen Schrauber-Rechnern: es ist ein blöder PC, richtig uncool.
Spätestens seit jeder einen iPod haben will, der seinem Grossvater (dem Mac) eins voraus hat: man schaltet ihn ein, und es kommt Musik raus. Nix mit Booten, nix mit Betriebssystemupgrade, mit Virenscanner, Firewall und Bios-Tweaking. Einfach nur Musik. Und demnächst auch Fotoalben. Und nächstes Jahr dann Emails, so wie im Blackberry, nur dann in nem hübscheren Gehäuse. Und wenn ich Musik hören, Fotos rumzeigen, Filme schaun, Games zocken, Emails verschicken oder Instant Messengen mit demselben kleinen Gerät kann, das in eine Tasche passt und zu einem Preis zu haben wie kein PC (zumindest keiner der diesen Namen verdient) ... wozu braucht man dann noch diese beigegrauen Kisten mit den sattsam bekannten Macken. Vielleicht zum Verfassen von Bootsektor-Blogs. Und sonst? ... *grübel*
[fe]
Oktober 14, 2004 in Betriebssystem-Wahnsinn, Hart & Halbleitend, PC vs. Copyright | Permalink | Kommentare (2) | TrackBack
11. Oktober 04
Der Sieg des Kommunismus
Wir alle wissen: Der Kommunismus hat ausgedient, ist überholt, gehört zum alten Eisen. Was zu erreichen Männer wie Wladimir Iljitsch Uljanow Lenin, Josef Stalin oder letztlich auch Mikail Gorbatschow angetreten waren - es wurde nicht erreicht. Ein Gesellschaftssystem mit staatlich geregelter Wirtschaft konnte sich nicht gegen das dynamischere, anpassungsfähigere System des Kapitalismus durchsetzen. Freier Wettbewerb, freie Gedanken, Überleben der Stärkeren.
Aber halt! Einige unerschrockene Kämpfer für strikte staatliche Kontrolle von Produktion, Distribution und Konsum halten an ihren Idealen fest und kämpfen unermüdlich weiter. So zum Beispiel der US-amerikanische Senator Orrin Hatch, Vertreter der Republikaner aus dem Mormonenstaat Utah. Oder der texanische Kongressmann Lamar Smith. Im Gesetzesvorschlag HR 4077 wird festgeschrieben, dass ein Fernsehzuschauer zwar Geräte benutzen darf, die anstössige Szenen automatisch herausfiltern (der Filter-Hersteller betreibt dazu eine anstössige Datenbank), nicht aber Geräte, die Werbeeinblendungen und -blocks entfernen. So wie der mit grossem Erfolg verkaufte Tivo. Das nämlich verstösst gegen das, äh, Urheberrecht des Senders. Wenn man so will. Also wird gesetzlich festgeschrieben, dass Werbeblöcke und damit die Haupteinnahmequellen der Medienkonzerne unangetastet bleiben.
So wie auch festgeschrieben wird, dass man keine Musik tauschen oder verschenken darf. Weder übers Internet noch mit dem unter Piraten wohl besonders beliebten Apple iPod. Damit Vertriebswege, Gewinnmargen und Konsumgewohnheiten nicht etwa einem freien Wettbewerb ausgesetzt werden.
Wie sehr sich der Kommunismus - wohl diesmal durch die Hintertür - wieder eingeschlichen hat, zeigt ein schlauer Test einiger Wettbewerbsaktivisten aus Holland unter dem Banner "Bits of Freedom". Diese nämlich erstellten bei 10 verschiedenen Providern eine Homepage und veröffentlichten dort Texte des längst verblichenen holländischen Autors Eduard Douwes Dekker. Mehr als hundert Jahre nach seinem Tod gilt nämlich nicht einmal das schärfste Copyrightgesetz. Dann erfanden die Bit-und-Freiheitsbrüder eine Gesellschaft zur Wahrnehmung von Urheberrechten und sandten von einer E-Mailadresse bei Hotmail (auch bekannt als "Spamzentrale der USA") die Forderung, eben diese Dichter-Homepage sofort vom Netz zu nehmen. Nur ein ISP weigerte sich unter Verweis auf die geltende Rechtslage, zwei weitere ignorierten die Aufforderung. Alle anderen zeigten üble Folgen kommunistischer Gehirnwäsche und entfernten die Homepage sofort. So weit sind wir schon.
Völker, höört die Signaale! Auf, zum leetzten Gefeecht! Die Internationaale erkäämpft das Meenschenreecht!
Tjaja. Wenn's nur so wär'.
Auch wenn es schon über 100 Jahre her ist. Die Internationale. Text: Emil Luckhardt, Musik: Pierre Chrétien Degeyter. Soll keiner sagen, der Bootsektor wäre ein Hort der Piraterie. Oder des Kapitalismus. Na eben der Ausbeutung. Und so.
[fe]
Oktober 11, 2004 in PC vs. Copyright | Permalink | Kommentare (2) | TrackBack
07. Oktober 04
AMD 1600i, 4-Ventiler, Sportfahrwerk
AMD hat es vorgemacht: statt PC-Prozessoren mit schnöden Taktbezeichnungen zu vermarkten, setzte man auf sogenannte "Performance-Ratings", ganz im Stil altvertrauter Hubraumkategorien der automotiven Oberklasse: ein 1800+, 2800+ oder gar 3500+ Athlon XP und neuerdings auch Athlon 64 tritt gegen den den Intel Pentium 4 im Rennen um die Käufergunst an. Letzterer durchwegs ohne Plus und Carrerastreifen. Dafür neuerdings in ebenso vierrädrigen Typenbezeichnungen wie 525 oder 730.
Was jeweils zu Geheule bei der Konkurrenz und bei der verwirrten Käuferklientel sorgte. Nicht genug damit, stromliniert AMD als eindeutig aggressiverer Innovationstreiber in der CPU-Formel-Eins seine Model Ratings nochmal nach internem Arbeitstakt, Cache, Front Side Bus und Datenbusbreite. Was prompt wieder zu Geheule führt, diesmal sogar bei der IT-Fachpresse.
Woran soll sich der Kunde, Verbraucher, Nutzer, Firmeneinkäufer denn noch orientieren, wenn die draufschreiben, was sie wollen? Da halten wir es doch mit dem Altbundeskanzler aus Oggersheim, den manche politisch Andersdenkenden zwar mit dem sprichwörtlichen pfälzischen Saumagen synonymisieren, der aber doch griffige Bonmots zu prägen imstande war. Wie eben: "Was zählt, ist das, was am Ende hinten rauskommt".
Ja, Moment - was kommt denn am Ende hinten raus, beim AMD Pentium Direkteinspritzer mit Leichtmetallfelgen? Richtig: Leistung. Klar messbar an der erzielbaren Höchstgeschwindigkeit. Und nicht am Preis oder an irgendeiner Nummer auf dem Kofferraumdeckel. Beispiel: Obwohl er nur halb so viel gekostet hat wie ein vergleichbar bauteil-bestückter Golf, macht mein alter Corolla 1600i immer noch 220 Sachen. Naja, zumindest bergab. Zum Beispiel neulich, auf der Rückfahrt von Stuttgart vom Konzert der Räuberhöhle (zusammen mit Saalschutz) im Hi Club.
Die langen östlichen Hänge des Schwarzwalds sind die idealen Abschussrampen für natürlich rein wissenschaftliche Motorentests. Nur: muss es immer so extren zugehn? Muss man immer seinem Spieltrieb ungezügelten freien Lauf lassen? Denn was anderes bringt ja bekanntlich keinen PC zum Glühen, eine solide Text- und Tabellenverarbeitung bewältigt jeder Rechner, für den man heute noch Geld bezahlen müsste. Nachdem aber trotzdem jede aktuelle Rechenmaschine auch Multimedia-Eigenschaften mitbringen muss, machen sich hart arbeitende Frauen und Männer Tag für Tag die Mühe, die Leistungsversprechen der Hardware-Hersteller nachzuprüfen. Oder man macht es gleich selber. Auf der A8 Richtung München oder mit dem Grenade Launcher in den zitternden Fingern. Nur so kommt man zu Ergebnissen und zu einer realistischen Leistungseinschätzung jenseits von Typenschildern, Chromleisten und PCI-Express-Breitreifen-Diskussionen.
Ach ja, und noch schöne Grüsse an das Krawallmädchen. Und den Bär.
[fe]
Oktober 7, 2004 in Hart & Halbleitend | Permalink | Kommentare (1) | TrackBack

