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« Dezember 2004 | Start | Februar 2005 »

28. Januar 05

Bald legale Tauschbörsen?

Klingt das überraschend? Jedenfalls hat das Oberlandesgericht Frankfurt kürzlich entschieden, die Musikindustrie habe keinen Anspruch auf Herausgabe von Nutzerdaten. Die hohen Richter haben scharfsichtig erkannt, dass das deutsche Urheberrecht einen gesetzlichen Anspruch auf Auskunft über die Herkunft und den Vertriebsweg von raubkopierten Produkten festschreibt. Das heisst: wer CDs brennt und diese als somit gefälschte Ware zum Verkauf anbietet, macht sich im vollen Umfang strafbar.

Allerdings streiten sich die (Rechts-)Gelehrten, ob das auch auf im Internet kursierende Dateien zutrifft. Die Frage ist also: was ist das Produkt? Die CD oder die Information bzw. Musik darauf? Die Industrie stellt sich auf den Globalstandpunkt: "All your base are belong to us!". Aber bitte, das ist nun mal ein Ausdruck unternehmerischen Denkens, Maximalforderungen zu stellen und sich später ohne weitere Schamesröte mit vernünftigen Kompromissen zufrieden zu geben. Theoretisch liesse sich aus dem geltenden Urheberrecht ableiten, die - auch kostenlose, nicht kommerzielle - Verbreitung von Musik und anderen Inhalten ohne ausdrückliche Genehmigung des Urhebers verstosse gegen dessen alleiniges Recht darauf. Also ab vor den Kadi mit dem Missetäter!

Nein: das Gegenbeispiel sind Radiosender. Diese dudeln einfach so Tag und Nacht Musik vor sich hin, verbreiten also munter drauf los, und ich wette, die haben nicht zu jedem Song eine schriftliche Erlaubnis des Komponisten. Nur: die drücken ja auch ne Pauschale dafür ab. Die geht an die GEMA und nach komplizierten und rechtlich unscharfen Schlüsseln an Komponisten und Musikverlage (also die Vertriebsfirmen). Das klingt ja halbwegs schlüssig. Was also, wenn ich eine Tauschbörse aufziehe und pro heruntergeladenem Song einen Cent an die Gema überweise? Dann kommt am nächsten Tag die Kripo vorbei und nimmt meinen Rechner hopps. Und warum? Weil die "four Sisters" (es waren mal sieben), also die mehrfach wegen Kartellbildung und Wettbewerbsbehinderung zu Millionenstrafen verknackten vier Musikkonzerne behaupten, die Verbreitung von Musikdateien über das Internet würde CD-Verkäufe beeinträchtigten.

Eine Behauptung, die bisher nicht bewiesen wurde. Seit wann werden ganze Bevölkerungsgruppen kriminalisiert, nur weil einige wenige aus Eigeninteresse das verlangen? Man könnte ja jetzt ganz unfair sein und schreckliche Beispiele dafür aus der deutschen Geschichte zitieren, aber das wäre doch etwas zu drastisch. Statt dessen fordere ich die Einführung von GEMA-Gebühren für Tauschbörsen und damit deren Legalisierung. Ebenso wie die Abschaffung des gesetzlichen Schutzes für Kopierblocker/Un-CDs. Weil wir ja bereits auf Rohlinge und Brenner GEMA-Abgaben bezahlen. Und mehr Wettbewerb bei der Wahrnehmung von Urheberrechten. Es kann nicht angehen, dass einzelne Gesellschaften darauf ein Quasi-Monopol halten.

Kurz: ich fordere die Einführung von Rechtssicherheit für die Nutzung digitalisierter Medien. Und zwar im Sinn der Urheber und der Nutzer, und nicht im Sinn einzelner Vertriebskartelle, die verzweifelt an veralteten Geschäftsprinzipien festhalten. Sind allerdings die Bürokraten in Berlin und Brüssel dazu nicht imstande, dann ist die unausweichliche Folge eine Entfremdung der Bevölkerung vom Urheberrecht, das dann nur noch als Schutzwall für Unternehmensprofite statt als Garant für öffentlich nutzbare Kultur wahrgenommen und deswegen konsequent gebrochen wird. Wird das angelsächsische Rechtsprinzip "geistige Schöpfung ist eine frei handelbare Ware" eingeführt statt des kontinental-euroäpischen "geistige Schöpfung ist keine Ware und kann nicht verkauft, sondern nur genutzt werden" dann droht ein Ausverkauf dessen, was wir als unsere Kultur ansehen. Mit nachfolgender Erosion und Verarmung ganzer Landstriche, auch dafür gibt es reichlich Beispiele aus der Geschichte. [fe]

Januar 28, 2005 in PC vs. Copyright | Permalink | Kommentare (7) | TrackBack

26. Januar 05

MP3 endlich auch für Mädchen

Technik ist Männersache. Hardware besonders. Welche richtige Frau interessiert sich schon für Pentiums, Grafikchipsätze oder Bootsektoren? Aber halt! Das sind doch alles nur Klischees. Das darf man nicht so einseitig sehen. Es kommt eben sehr auf die Perspektive an. Technik muss ja nicht immer ölverschmiert und stahlglänzend aussehen.

Deswegen gibt es jetzt auch spezielle Geräte mit speziell weiblicher Note, auf den Markt gebracht von spezialisierten südkoreanischen Anbietern. Also kommen 32 MByte Flash-Memory, ein Anschluss für den Druckerport, ein Fach für eine einzelne Mignon-(AAA)-Batterie, die dann 6 - 7 Stunden durchhält und ein vierstufiger Equalizer in ein 55 mal 44 mal 16 Millimeter grosses und (ohne Batterie) 24,5 Gramm leichtes Gehäuse und fertig ist der welt-leichteste und vor allem welt-erste (nach Herstellerangaben) Themen-MP3-Player: der "Hello Kitty MP3 Player", in Europa zwar noch nicht offiziell erhältlich, aber auf Ebay für 98 Mäuse zu haben.

Und? Noch Fragen? Nein? Ich schon! Wieso kriegen Mädels schon wieder spezielle Sachen? Das ist doch eine Gemeinheit! Wann bekomme ich endlich meinen "Wayne Gretsky MP3 Player" in Puck-Form mit digital wählbarem Bier- oder Schweissgeruch? Mit mindestens 33 Meter Flash-Memory und extragrossem Batteriefach? Kingsize! Aber Hallo! (fe)
Kittyhello

Januar 26, 2005 in Hart & Halbleitend | Permalink | Kommentare (5) | TrackBack

24. Januar 05

Sind wir alle zu blöd für Google?

...fragt sich eine aktuelle Studie des Pew Internet and American Life Project. Die haben im Mai und Juni letzten Jahres bei etwa 2200 US-Amerikanern nachgehakt, wie sie mit Suchmaschinen im allgemeinen so klarkommen. Prima, haben die geantwortet, obwohl nur 38 Prozent kapiert haben, dass es einen Unterschied zwischen bezahlten und unbezahlten Suchergebnissen gibt. Zwei Drittel aller Befragten räumten allerdings ein, dass sie auch ohne Suchmaschinen ganz gut leben könnten. Ein Drittel kann sich ein Leben ohne Google & Co. gar nicht vorstellen. Wobei 16 Prozent aller Internetnutzer noch nie eine Suchmaschine verwendet haben.

Und jetzt kommt's: Solide 19 Prozent aller Befragten gaben an, sie würden immer zwischen bezahlten und unbezahlten Suchtreffern unterscheiden können. Also Anzeigen, oder? Das heisst: Nur jeder sechste kann (nach Eigeneinschätzung) Suchergebnisse von Werbung unterscheiden. Eine gute Nachricht für unsere Werbeindustrie! Aber eine schlechte Nachricht für die Zukunft unseres Planeten, würde ich mal sagen. Was machen die Leute denn die ganze Zeit am Computer? Immerhin 62 % aller US-amerikanischen Internetnutzer haben keine Ahnung, was ein Blog ist (geschweige denn ein Bootsektor).

Oder wie das der gegenwärtig einflussreichste US-amerikanische Internetnutzer am 26. April des vergangenen Jahres in Minneapolis formulierte: "Nebenbei bemerkt, wir liegen auf Platz 10 der Industrienationen in Breitband-Technik und Breitband-Zugang. Das ist nicht gut genug für Amerika. Platz 10 ist 10 Plätze zu niedrig, soweit es mich betrifft." Da braucht jetzt gar keiner lachen. Ich sag nur: Pisa-Studie. Und dass in keinem andern Industrieland die Streuung zwischen gutem und schlechtem Lesenkönnen so gross ist wie hierzulande. Deswegen will Herr Stoiber jetzt auch das dreizehnte Schuljahr ganz abschaffen.

Obwohl doch das schwedische Karolinska Institut herausgefunden hat, dass ein niedriger Intelligenzquotient das Selbstmordrisiko drastisch erhöht. Alle sogenannten Intelligenztests fragen Bildung ab. Alle Suchmaschinen fragen ab, was die Nutzer reintippen. In Deutschland war im letzten Jahr meistgefragt: Routenplaner, Wetter, Telefonbuch, Paris Hilton, Chat, Christina Aguilera, Bild, Britney Spears, Aldi, Arbeitsamt. Noch Fragen? Um auf die Eingangsfrage zurückzukommen: Nein, ich glaube nicht, dass wir alle zu blöd sind für Google. Ich glaube, die entwickeln dann Tools, um uns die Nutzung von Sponsored Links zu ermöglichen, selbst wenn wir demnächst - statistisch gesehen - nicht mehr in der Lage sind, "Pisa" zu buchstabieren. Soviel Vertrauen hab ich dann schon in die Möglichkeiten der Technik. [fe]

Januar 24, 2005 in Servicefreie Zone, WeltWeitesWirrWarr | Permalink | Kommentare (0) | TrackBack

20. Januar 05

Die Microsoft-AlQaeda-Porno-Connection

Nach und nach kommt alles ans Tageslicht: Weil die letzte Untersuchung des Festplatteninhalts mutmasslicher AlQaeda-Computer schon drei Jahre zurückliegt, liessen zuständige Hamburger Richter den Rechner von Herrn Mounir al-Motassadeq nochmal genau inspizieren. Mit Mitteln modernster Computertechnik fanden sich nicht etwa multimedial aufbereitete Koransuren, sondern genau das, was wahrscheinlich so ziemlich jede Festplatte der westlichen Hemisphäre irgendwo enthält: Pornovideos.

Natürlich könnte Herr al-Motassadeq jetzt behaupten, er wisse von nichts und sei das Opfer ein Virenattacke geworden, die ihm zu diesen gänzlich unfundamentalistischen Unterhaltungsvideos verhalf. Pech nur, dass ihm als Terrorverdächtigem sowieso niemand glaubt. Zumal Herr Gates, als Chefarchitekt des wahrscheinlich virenfreundlichsten Betriebssystems dieser Galaxis, uns schon lange gebetsmühlenartig vorbetet, der Nutzer sei an Virenepidemien mit nachfolgender Pornoinfektion selbst schuld; ein rechtgläubiger Windows-Jünger dagegen verneigt sich fünf mal pro Tag gen Redmond und lädt dabei die neuesten Patches herunter.

Wem soll man nun glauben? Den Stimmen, die davon berichten, dass Microsoft wiederholt Ziel von AlQaeda-Hackern war, die sicherlich nichts geringeres im Sinn hatten als den reinen Quellcode von Windows mit zersetzenden Pornobotschaften zu verunreinigen. Oder den Zweiflern, die zu bedenken geben, dass die Feindschaft zwischen Microsoft und der AlQaeda so gross nicht gewesen sein kann, da der weltgrösste Fensterfabrikant ja ursprünglich zu den Financiers des bekanntesten afghanischen Herrenclubs gehört hatte?

Bootsektor, mittlerweile als Speerspitze des investigativen Onlinejounalismus anerkannt, liess nichts unversucht, um endgültig Licht ins Dunkel dieser Angelegenheit zu bringen. Es gelang uns, den Hauptverdächtigen des internationalen Terrorismus zu einem Interview zu bewegen (Trollwarnung: wie reden nicht von Herrn Gates!). In einem unterirdischen Chatraum in den Hängen des Hindukusch stand Osama bin Laden Rede und Antwort auf die sicherlich drängendsten Fragen unserer Leser:

Sind die Pornovideos auf Mounir al-Motassadeqs Computer Folge einer Vireninfektion?
Er ist ein grossartiger und tapferer Moslem. Er fürchtet niemandem ausser Allah. Er tut nur seine religiöse Pflicht. Auch ich habe mich für dieses Leben aus keinen persönlichen Beweggründen entschieden.

Ist Bill Gates schuld an der Verbreitung von Pornovideos in der islamischen Welt?
Er sagt, die Mehrheit sei mit ihm. Ich sage, die Mehrheit ist gegen ihn. Die nächste Frage bitte.

Versuchte die AlQaeda wirklich, den Quellcode von Windows zu infiltrieren?
Der Heilige Prophet (Friede sei mit ihm) war gegen das Töten von Frauen und Kindern. Die wirklichen Ziele sind die amerikanischen Symbole von militärischer und wirtschaftlicher Macht. Daher sage ich: wenn wir keine Sicherheit haben, werden auch die Amerikaner keine Sicherheit haben. Wir verteidigen uns nur.

Hat die AlQaeda jemals Viren im Internet verbreitet, mit oder ohne Pornoinhalt?
Amerika hat keinen fundierten Beweis gegen uns, nur einige Annahmen. Es gibt viele gutgesinnte und unschuldige Menschen im Westen. Die amerikanischen Medien hetzen sie gegen den Islam auf.

Hat die AlQaeda wirklich jemals Spenden von Microsoft bekommen?
JA! Wir befolgen nur die Mission unseres Propheten Mohammed (Friede sei mit ihm).

Wie versuchen Sie, das Pornoproblem zu bekämpfen?
Alle meine Frauen sind arabisch. Alle meine Töchter sind mit arabischen Mujaheddin verheiratet.

Herr Bin Laden, wir bedanken uns für dieses Gespräch.*

* die Fragen in diesem Interview sind Folge des täglichen Information Overkill, dem auch der tapfere Verfasser dieses Artikels (Friede sei mit ihm) unablässig ausgesetzt ist. Die Antworten von Herrn bin Laden dagegen sind wörtlich zitiert. Um verwirrten Kommentaren vorzubeugen: es geht in diesem Beitrag weder um bin Laden, noch um Bill Gates oder etwaige Pornoviren. Es geht darum, dass man modernen Massenmedien kein Wort glauben kann. Ausser es steht im Bootsektor.

Gts_obl

[fe]

Januar 20, 2005 in Betriebssystem-Wahnsinn, WeltWeitesWirrWarr | Permalink | Kommentare (3) | TrackBack

14. Januar 05

Piratenfregatte "Verwertungs-gesellschaft"

Harr! Sail Ho! Methinks, this is a fine occasion! Get yer cannons ready me sea rats! Oder lassen wir die Besatzung der erwähnten Piratenfregatte selbst zu Wort kommen: "Aktuelle Urteile stärken das Recht auf privates Kopieren", heisst es in der Presseerklärung der Verwertungsgesellschaft Wort vom 10.1. 05. Weil deutsche Gerichte nämlich mehrfach bestätigt haben, dass auch Personalcomputer und die dazugehörige Peripherie (Drucker, Scanner, Enterhaken, Musketen...) einer pauschalen Vergütungspflicht unterliegen. Weil ja damit zum Beispiel Texte kopiert werden. Dadurch, so die Pressestelle der VG Wort weiter, werde "das Recht der Bürger auf privates Kopieren nachhaltig gestärkt".

Klingt gut, besonders der Teil mit dem Recht auf privates Kopieren. Aber wieso wird die VG Wort jetzt in den Bootsektor-Annalen als stolze Piratenfregatte gelistet? Weil die zitierte Presserklärung sehr schön den epischen Konflikt zwischen Verwertungsgesellschaften einerseits und Rechteverwertern andererseits widerspiegelt. Öhm, ist das nicht dasselbe? Nee. Rechteverwerter machen Verträge mit Leuten, die Kreativprodukte herstellen, um mit dem Verkauf von Kopien dieser Produkte Geld zu machen. Also Verlage, Plattenfirmen, Filmstudios. Verwertungsgesellschaften machen Verträge mit Leuten, die Kreativprodukte herstellen, um für die Nutzung dieser Produkte Lizenzen zu erheben und einen Teil des Gelds zu behalten. Also VG Wort, die Gema, solche Leute. Die erste Gruppe will ein Monopol auf den Vertrieb von Datenträgern mit Musik, Text, Film, um die Profite zu maximieren. Die zweite Gruppe will eine möglichst ungehinderte Nutzung dieser Produkte, damit sie von möglichst vielen Nutzern Lizenzen erheben kann. Das Monopol ist in diesem Fall bereits staatlich garantiert. Ein harter Gegensatz. Klar, das gibt Krieg.

Was die Rechteinhaber (Künstler/Autoren) oder die Rechtenutzer (Käufer) eigentlich wollen, interessiert in diesem Zusammenhang einen feuchten Klabautermann.

Aber was den Fall VG Wort und die erwähnten Gerichtsurteile aus dem Pulverdampf der anhaltenden Schlacht um Milliardenbeträge heraushebt, ist die Betonung auf "Recht auf privates Kopieren". Was wird da kopiert, im Interesse der VG? Natürlich urheberrechtlich geschützte Kontrabande. Ist das nun ein öffentlicher Aufruf zum Raubkopieren? Nein, weil ja Lizenzen abgeführt werden, und damit die ursprünglichen Schöpfer der Kreativprodukte für die Nutzung ihrer Arbeit durch Dritte entschädigt werden können. Und schwupps, ist alles gut.

Und warum machen wir das nicht auch bei Kassettenrekordern, CD-Rekordern, MP3-Geräten? Jetzt kommts: wir machen das bereits. Eben weil mit diesen Geräten ja urheberrechtlich geschützte Werke kopiert werden, dafür sind sie ja da. Daher ist das private Kopieren ja auch erlaubt. Nur für das "öffentliche zur Verfügung stellen bzw. Verbreiten", z.B. durch Radiosender oder Tauschbörsen, müsste extra bezahlt werden. Radios tun das (auch digital), P2P-Plattformen dürfen's bisher nicht. Warum? Weil dann, so heisst es, die Geldspeicher der Rechteverwerter nicht in gleichem Tempo gefüllt werden könnten. Wofür es keinen Beweis gibt. Alles nur Seemannsgarn. Nur Piratenlatein. Also:

"Bootsektor ruft zu massenhaftem privatem Kopieren auf!" Bürger, nutzt eure Rechte! Versammelt euch an öffentlichen Plätzen und schenkt euch gegenseitig Schallplatten(CDs), Bücher(eBooks), Videokassetten(DVDs)! In Piratenkostümen! Mit Flaggen und Standarten der VG Wort, Gema, Kazaa, eMule, Bit Torrent sowie aller Hersteller von CD- und DVD-Brennern. Liberte!  (fe)

Januar 14, 2005 in PC vs. Copyright | Permalink | Kommentare (3) | TrackBack

12. Januar 05

Definieren Sie Verbraucherschutz!

Ist doch ganz einfach? Das ist der Schutz der Verbraucherinteressen? Ah ja? Ehrlich gesagt, wenn man sich anschaut, was seit Anfang des Jahres so alles an Regeln gilt, liegt eigentlich auf der Hand, dass es um den Schutz der Industrie vor dem Verbraucher geht – und nicht anders herum. Wir müssen nicht beim ewigen Klagelied über die Einschränkung des Rechts zur Privatkopie bei der Musik-CD bleiben. Das wäre fast schon zu billig. Dass sich die rot-grünen Damen in Justiz- und „Verbraucherschutz“-Ministerium vom Wehklagen der Musikbranche beeindrucken lassen und nicht auf die Idee kommen, sich mal andere Länder anzuschauen wie Großbritannien, wo die Musikumsätze trotz ähnlicher Brenenrdichte gerade boomen – geschenkt. Immerhin nett, dass ein kopiergeschützter Digitaltonträger sich weiterhin „CD“ nennen darf. Würde man auch hier die Kennzeichnungspflicht ernst nehmen, müsste man den Hersteller wohl zwingen, „CD-ähnlicher Tonträger“ oder „entspricht nicht internationalen Industriestandards“ auf ihre Produkte zu schreiben. Das käme der Wahrheit wohl näher.

Aber Verbraucherfreundlichkeit im Sinne der zuständigen Politiker lässt sich auch an anderen Dingen demonstrieren. Dass die Pflicht zur kostenlosen Rücknahme von Online-Bestellungen deutlich eingeschränkt wurde, könnte man akzeptieren. Worüber man sich allerdings gefreut hätte, wäre eine Bestimmung, die Online-Shops dazu verpflichtet, exakte Informationen über ihre Produkte zu liefern. Beispiel gefällig? Beim vorweihnachtlichen Geschenkestöbern beim größten Online-Buchanbieter fand sich für einen Verwandten das Buch „Niederschlesien in Ansichtskarten“. Was sagt die Kurzbeschreibung dazu? „In vier Kapiteln werden zunächst die theoretischen und empirischen Grundlagen für das Verständnis von Sprachentwicklungsstörungen gelegt...“ – ersparen wir uns den Rest. Kaufen muss man dieses Produkt jedenfalls mit einigem Gottvertrauen.

Vielleicht könnte man den sinn- und aussichtslosen Aktivismus der Politik ja noch mit ähnlicher Leidensmiene erdulden wie sonst auch, wenn man nicht gleichzeitig feststellen müsste, dass dort, wo dringend etwas geschehen sollte, absolut nichts passiert. Dabei haben es gerade Software-Produkte in sich. Wie oft  musste man im letzten Jahre Patches für Microsoft-Produkte herunterladen (um das prominenteste Beispiel zu nennen)? Kostet das etwa nicht das Geld und die Zeit des Kunden, der eigentlich für sein Geld ein funktionierendes Produkt erhalten sollte? Hat irgendwer da draußen von Microsoft schon mal eine Gutschrift für ein anderes Produkt erhalten als Ausgleich dafür, dass Windows löchrig ist wie ein Schweizer Käse? (Und dass auch nur eines dieser Patches eine Art Upgrade gewesen ist, soll glauben, wer mag.) Und unternehmen Verbraucherschutzministerium und Justizministerium hier etwas? Nein? Warum ist das bloß eine Antwort, die überhaupt nicht überraschend ist?

(dj)

Januar 12, 2005 in Servicefreie Zone | Permalink | Kommentare (2) | TrackBack

Wie Apple die Musikindustrie zerstört

Wie wir alle wissen, und wie mittlerweile gewichtige Studien belegen, hat die verbreitete Nutzung von Filesharing nichts zu tun mit dem Niedergang der Musikindustrie. Im Gegenteil: P2P hat die Rolle der klassischen Radiosender eingenommen, die - früher einmal nach musikredaktionellen Gesichtspunkten programmgestaltet - für eine breite Information sorgten. Radiosender sind heute unter dem Begriff "Formatradio" zu Wiedergabeeinrichtungen für Payola-Playlists degeneriert. Wer sich unabhängig informieren will, welche Platte er als nächstes kaufen will, greift zu eMule, Kazaalite oder Gnutella.

So gesehen müsste der ungebrochene P2P-Boom auch einen entsprechend zunehmenden Kaufboom nach sich ziehen. Tut er auch. Nur eben nicht bei "Best-of-Britney"-CDs für üppige 17 Euro, sondern beim iTunes Musikshop. Das ist nämlich der Wachtumsmotor der Musikbranche. Digitale Musikfiles, die sich beliebig oft abspielen lassen, die man weitergeben und auf CD brennen kann. Ganz anders als die vielfach gescheiterten Bemühungen der realitätsentfremdeten Musikmanager, den Käufer für jedes Mal Zuhören oder pro Monat, Tag, Jahr bezahlen zu lassen. Am besten unter Verwendung von besonders virenfreundlicher Windows Media Software. Wer will das denn? Niemand. Niemand ausser wachstumsprognosengeilen Koksnasen, und die stellen nun mal nur einen sehr kleinen Teil der Bevölkerung und damit der Zielgruppe. Bertelsmann machts also falsch, Apple macht es richtig, das wird von harten Zahlen belegt.

Jetzt holt Apple-Chef Steve Jobs, ohne es so richtig zu wollen oder gar böse zu meinen, zum Todesstoss für die Musikindustrie aus. Nein, nicht mit dem erweiterten iPod-Programm, auch nicht mit dem genialen mehr-muss-ein PC-nicht-kosten Mac Mini, sondern mit einer kleinen, unscheinbaren Aktion namens Apple Affiliate Programm, Das ist so was ähnliches, was Amazon, Ebay und andere Online-Retailer auch schon machen: jeder Homepage-Homey und Freizeitblogger kann in seine subjektiven Äusserungen über Musik Links einbauen, die es dem begeisterten oder erstaunten Leser seiner Bekenntnisse ermöglichen, den betreffenden Song, das beschriebene Album direkt bei Apples Onlinemusikladen zu erwerben. Für 9,99 statt 16,99.

Nachdem wir ja bereits wissen, dass von jedem Euro pro verkauftem Musikdownload einstellige Centbeträge bei Apple und ebensoviel beim Künstler landet, ein über 90-prozentiger Anteil aber beim Musikkonzern (wofür eigentlich?), und Labels und Künstler auch Direktverträge mit dem iTunes-Shop abschliessen können, ist es eine Frage der Zeit, bis die Leviathane einer vergangenen Ära aussterben. Fixiert auf die CD, den Medienträger mit dem aktuell geringsten Sex-Appeal und schlechtesten Preis-Leistungs-Verhältnis. Gebt uns DVDs, USB-Sticks, iPods, ikeafarbene Mini-Macs, aber keine überteuerten CDs. Das war mal. Noch liegt der Marktanteil der vier Musik-Multis bei rund 80 Prozent. In den alten Industrieländern, wohlgemerkt.

Die "emerging markets", China, Indien, Brasilien kümmern sich sowieso einen feuchten Dreck um die Monopolphantasien transatlantischer Musiktopmanager. Der nächste "emerging market" ist aber genau hier, hier auf unserem Internet-PC, Mediaplayer, USB-Device. Eigentlich schön: wir können dabei zusehen, wie eine überalterte Ära der neuen weichen muss, und auch noch dabei unsere Lieblings-Musik hören. (fe)

Januar 12, 2005 in PC vs. Copyright | Permalink | Kommentare (3) | TrackBack

07. Januar 05

Bill Gates blamiert sich in Las Vegas

Das berichtet jedenfalls die aktuelle Presse. Lustigerweise sind die unterhaltsamsten Berichte über Bill Gates' Begrüssungsrede zur Consumer Electronics Show in Las Vegas schon wieder verschwunden und durch neutrale ersetzt worden. Ich glaube aber, sowas nennt man heutzutage nicht mehr Zensur, sondern Marketingsynergien.

Dass der Chef(-Architekt) von Microsoft die einleitende Rede zur CES hält, ist eigentlich schon Tradition. Dass dabei hier und da auch blaue Bildschirme zu sehen sind, eigentlich auch. Deshalb hat er sich wohl auch diesmal einen der US-Top-Entertainer dazugeholt, der das Ganze etwas auflockern sollte: Conan O'Brien. Hat er wohl auch getan, wie man hört. Ich glaub ja nicht, dass der Mann jemals noch nen Job von Microsoft bekommt.

Und das kam so: Eins der Kernthemen der Microsoft-Marketingstrategie ist Multimedia. Dazu gehören Dinge wie: ich verbinde meine brandneue Digitalkamera drahtlos mit meinem PC und spiele die coolen Schnappschüsse auf die Festplatte. Nur: als Bill Gates das versucht hat, stürzte der PC ab und weigerte sich fortan zu reagieren. O'Brian zum Publikum: "In diesem Augenblick werden bei Microsoft neun Leute gefeuert".

Augenzeugen berichten, dass Herr Gates die Bemerkung mit einem säuerlichen Lächeln beantwortete, um anschliessend zur allgemeinen Enttäuschung nichts über die Xbox2 zu sagen. Statt dessen sollte Mister O'Brien live on stage ein neues Microsoft-Autorennspiel demonstrieren, das aber statt toller neuer Konfigurationsmöglichkeiten nur den bekannten Bluescreen-of-death zeigte, mit dem Hinweis, dass das System "out of memory" sei. Darauf der Entertainer: "He, wer ist bei Microsoft eigentlich verantwortlich?"

Das fragte sich womöglich auch der eine oder andere Zuhörer, als Mr. Gates mit Hilfe eines Tablet-PCs ins Internet surfen wollte und dabei scheiterte, eine Verbindung kam nicht zustande. Da sorgte die Empfehlung O'Brians, Bill Gates solle bei einer Verfilmung der Computerhistorie von Milhouse aus der Simpsons-Serie verkörpert werden, bereits wieder für Entspannung.

Allgemein ist die Branche sich einig, dass die diesjährige CES-Keynote von Bill Gates eine der grösseren Blamagen der Branche darstellt. Allerdings, und auch da äussern sich die Experten übereinstimmend, wird das Microsoft keinen Schaden zufügen. Alles wird so weitergehen wie bisher. (fe)

Januar 7, 2005 in Weichware & Nichtwelt | Permalink | Kommentare (10) | TrackBack

04. Januar 05

Todes-Emails vom Tsunami-Spammer

Was macht man nicht alles aus Langeweile. Zum Beispiel auf den Webseiten des britischen Fernsehsenders Sky News nach Vermisstenanzeigen suchen, in welchen nach verschwundenen Urlaubern in der Region der jüngsten Tsunami-Katastrophe gefragt wird. Da erfährt man die Namen der potentiellen Opfer, sowie Namen und Emailadresse der Freunde, Verwandten, Besorgten zuhause. Dann macht man sich eine pseudo-offizielle Emailadresse wie zum Beispiel "ukgovfoffice@aol.com" und schreibt ein paar Emails, in welchen man sich als Mitarbeiter des britischen Aussenministeriums in Thailand ausgibt.

In der Mail steht dann, dass der Gesuchte leider tot ist. Das macht man so ungefähr 35 mal, dann klingelt die Polizei an der Haustür, weil es ja wirklich kein Problem ist, den Besitzer einer AOL-Emailadresse rauszukriegen. Da hätte man auch etwas mehr Intelligenz aufbringen können, aber dann wär's einem andererseits ja auch nicht so langweilig gewesen und das Ganze wär so auch nicht passiert.

Ob das nicht etwas unglaubwürdig klänge, möchte mich sicher der eine oder andere geistreiche Bootsektor-Leser fragen. Aber ja doch, das tut es, nur: Christopher Pierson aus dem britischen Dörfchen Ruskington im Nordwesten der Insel hat genau das unternommen, ohne dafür allerdings Gründe zu nennen. Jedenfalls ist der 40-jährige Vater zweier Kinder nach erfolgreicher Verhaftung und Beschlagnahmung seines Computers sofort geständig gewesen. Wie Papa Pierson auf diese echt bescheuerte Idee gekommen ist, Tsunami-Todes-Mails zu verschicken, braucht uns auch nicht wirklich zu interessieren. Dafür kann man hier, ganz untypisch eigentlich für dieses Nachrichten-Neuformatierungs-Blog, eine "Moral der Geschichte" erkennen: Dass nämlich jeder Hampel mit einem PC und AOL-Account Foren abklappern, Adressen sammeln und Leute mit irgendwelchem Mist zu-spammen kann.

Oder, wenn auch nur ein Minimum an Grütze in der Hirnschale herumschwappt, das Sammeln einem Bot auftragen und selber inzwischen was lustigeres machen. Zum Beispiel von der Kohle, die man vom Verkaufen von Email-Adressen an Spam-Firmen gemacht hat, ins Kino gehen. Weil die Chance, beim herunterladen und raubkopieren von Movies Frauen kennenzulernen, doch wirklich extrem gering ist. Ohne Elektronenmikrosokop ja kaum wahrzunehmen. Warum allerdings die Filmindustrie dieses Top-Argument bisher vernachlässigt, ist mir schleierhaft. Jedenfalls bestimmt beinahe so gering wie die Chance, sich durch das Verschicken von fingierten Tsunami-Todes-Emails dauerhaft ne flotte Zeit zu machen.

Da schreib ich doch lieber noch ein paar Bootsektor-Beiträge, wo dann Leute mit ihren erbosten Kommentaren ihre Emailadresse drunter posten, die ich dann an Spamfirmen verkaufen kann, um mit dem leichtverdienten Geld... aber das führt jetzt zu weit. (fe)

Januar 4, 2005 in Servicefreie Zone | Permalink | Kommentare (2) | TrackBack

03. Januar 05

Tor!! Sun - Microsoft, 1:0

Sehr geeehrte Bootsektor-Zuschauer, wir berichten Live aus dem Genfer WWW-Stadion, wo im Augenblick das Halbfinalspiel der Identitätsmanagement-Meisterschaft ausgetragen wird. Auf der einen Seite die sturmerfahrenen Global Player von Sun Microsystems in dezenten lavendelfarbenen Trikots, auf der anderen die Monopol-Dribbel-Experten von Microsoft in ihren  vierfarbenfrohen Firmenhemden.

Während sich die erste Spielhälfte vor allem durch Getümmel vor dem Strafraum von Sun hervortat, wobei einige kleinere Fouls von beiden Seiten vom Pfeifenmann wettbewerbsfördernd ignoriert wurden, verehrte Zuhörter, wendete sich nach der Pause mit einer kurzen Tanzeinlage der Bursting-Internet-Bubble-Cheerleader ("Class of 2001") das Blatt entscheidend. Gleich nach dem Anpfiff zur zweiten Halbzeit kam es dann doch zunächst noch zum Ballbesitz durch die Mannschaft von Trainer Ballmer, der aber nicht konsequent in einen klaren Führungstreffer umgemünzt werden konnte: Mittelstürmer und Flankenspieler verhedderten sich gleichermassen in lokale Security-Zweikämpfe, während von der Zuschauerrängen Sprechchöre wie "Schutz der Privatsphäre" oder "Datensicherheit! Datensicherheit!" zu hören waren.

Demgegenüber verschwanden die anfangs noch begeistert geschwenkten Passport-Plakate aus der Nordkurve, während die ebenfalls lila-getönten Liberty-Schals um so begeisterter aufflatterten. Die McNealy-Mannschaft, nach einem Kartell-Freistoss überraschend ans Leder gekommen, nutzte die Chance durch einen sogenannten Ebay-Steilpass und brachte das Runde gefährlich nahe ans Eckige, wo tatsächlich mit Fallrückzieher, Kopfball und Unterstützung durch IBM, HP, Nokia, Novell, SAP und anderen das ersehnte, erhoffte oder auch befürchtete Eins-zu-Null erzielt wurde.

Jubel bei den Lavendelträgern, betroffene Mienen bei den Vierfarbigen - obwohl noch einige Minuten bis zum Abpfiff zu spielen sind, sieht es ganz so aus, meine Damen und Herren, als ob die Redmonder Passport-Offensive erst einmal gescheitert wäre, während sich die Liberty Alliance dem Ziel des Pokalsieges näher fühlen darf. Damit, und mit dem bewegenden Bild einer von Trainer Ballmer geforderten Auszeit verabschieden wir uns aus dem Stadion und geben zurück ins Funkhaus... [fe]

Januar 3, 2005 in Weichware & Nichtwelt | Permalink | Kommentare (3) | TrackBack