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30. August 05
Windows versteckt Spyware
Eine (weitere) Fehlfunktion von Windows kann Spyware verstecken, so dass diese von AntiViren-Programmen nicht mehr gefunden werden kann. Ein Fehler in der Registry kann von geeigneter Malware ausgenutzt werden. Verschwörungsexperten sind überzeugt davon, dass hier ein ausgeklügelter Plan dahintersteckt. Auf diesem Weg, da sind sich die Kenner Foucault'scher Pendelvorgänge sicher, werden wir ausspioniert. Und zwar von der NSA, die auf diesem Weg Milliarden für schwarze Helikopter ohne Kennzeichen, Männer mit schwarzen Anzügen in schwarzen Autos ohne Kennzeichen und andere steuerfinanzierte Heimlichkeiten spart. Leider ist das mit der Spyware überhaupt nicht lustig. Die Lufthoheit über unseren PCs wird mit maximal schmutzigen Bomben ausgefochten. Und was tut die Regierung dagegen?
Was uns die Sicherheitslückenschnüffler vom SANS Internet Storm Institute über eine neue Sicherheitslücke in Microsoft Windows XP und 2000 erzählen, hat etwas von orwellianischem Glamour: Wir werden beobachtet, wissen aber nicht, ob und von wem. Bill Gates, George Bush, die NSA oder auch nur die CIA, die Aliens (an die man jetzt Emails schicken kann), die Freimaurer, Rosenkreuzer oder Tempelritter. Oder die Chinesen, die erklärtermassen die Weltherrschaft anstreben, indem sie einen westlichen IT-Papiertiger nach dem anderen aufkaufen.
Von Aliens ist nach wie vor wenig zu sehen und zu hören (OK, 61 Cygni B ist auch elfeinhalb Jahre weit weg), nächtliche Entführungen sowie mittelwestliche Viehverstümmelungen nehmen spätestens seit der Spielberg-betreuten US-Familienserie zusehends ab, sowohl CIA als auch NSA glänzen vor allem durch wiederum steuermilliardenschwere Fehlleistungen und nicht aufgeklärte Flugzeuganschläge auf nordamerikanische Büro-Doppel-Hochhäuser. Frei-, Rosen- und Tempelmaurer mag man hinter dem caesarischen Gebaren der Bush/Cheney/Rumsfeld-Junta vermuten, das sich bei genauer Betrachtung aber nur als simpler Handtaschenraub an der US-amerikanischen Steuerkasse entpuppt.
Also bleiben die Chinesen. Schon mal von Zheng He gehört, dem grössten Seefahrer irdischer Geschichtsschreibung? Der im frühen fünfzehnten Jahrhundert unserer Zeitrechnung mit seinen Kriegsdschunken so ziemlich alle Weltmeere ausser dem Atlantik beherrschte? Dessen Flotte dann wenig später im heimatlichen Nanking verbrannt wurde, weil die ganze Seefahrerei für die chinesische Zentralbürokratie zu schwer zu kontrollieren war? Hm.
Dann war's wieder nichts mit romantischen Verstrickungen und geheimnisvollen Drahtziehern. Wieder mal nur eines der vielen Sicherheitslöcher in einem erkennbar veralteten und unter falschen Prämissen konstruierten Betriebssystem. Wer Marktdominanz, Inkompatibilität und Remote Administration gross schreibt, muss sich nicht wundern, wenn kommerzielle Cracker das Buchstabieren lernen. Und das Erlernte bis ans Ende ihrer Tage erfolgreich anwenden: Windows Vistahorn, der designierte XP-Erbe, bekommt sehr viel von seinem Vorgänger in Version SP2, dagegen kaum neue Sicherheitseinrichtungen. Wie auch. Dann mal viel Glück. Uns allen. [fe]
August 30, 2005 in Weichware & Nichtwelt | Permalink | Kommentare (0) | TrackBack
22. August 05
Bill Gates und die Tierversuche
Tierversuche haben mich schon immer fasziniert. In meiner Kindheit habe ich Nachmittage damit verbracht, die Familienkatze zu möglichst unlebendig aussehenden Posen zu überreden. Mit wechselndem Erfolg. Konsequenteres findet man dieser Tage bei unerschrockenen Surf-Ausflügen: kuschlige Häschen, durchbohrt und blutüberströmt, abgerissene Gliedmassen, vollverdrahtete und von vielen Elektroschocks struppig gewordene Kleinkreaturen, alles im Namen der Kunst oder wahlweise im Namen der Wissenschaft. Im Namen der Wissenschaft? Da kommt einem nicht nur der berüchtigte Doktor Van Helsing in den Sinn, sondern auch Bill Gates, der neulich zehn Millionen US-Dollar für ein Institut gespendet hatte, das die Evolutionstheorie abschaffen und durch die biblische Schöpfungsgeschichte ersetzen will. Ich erklär das mal genauer.
Zunächst die Geschichte von Herrn Gates, um den Kontext zur IT-Branche zu betonen. Dieser nämlich (Bill, nicht der Kontext) spendete im Jahr 2003 flotte 9,43 Millionen US-Dollar an das Discovery Institute, ein schlimmer christlicher Fundamentalisten-Think-Tank, wie sogar das Sonntagsblatt Bayern (eine Publikation der Evangelischen Kirche) befindet. Allerdings, das muss man dazu sagen, wollte Bill damit eigentlich das Cascadia Project unterstützen, das Verkehrssysteme in seinem Bundesstaat Washington und angrenzenden Regionen projektieren soll. Wie gut das geklappt hat, kann ich leider nicht sagen, da seit meinen Bootsektor-Beiträgen wie "Bill Gates verlässt Microsoft", "Bill Gates will kein Borg sein", " Bill Gates blamiert sich in Las Vegas" oder "Die Microsoft-AlQaeda-Porno-Connection", Bill den Hörer nicht mehr abnimmt, wenn ich ihn anrufe. Auch nicht Melinda oder die Kinder.
Vielleicht haben sie auch von meinen kinderzeitlichen Tierversuchen gehört und sind jetzt entsetzt und bestürzt. Wobei, wie ich offen zugeben muss, die Tierversuche von Patricia Waller sehr viel schöner sind. Ich bilde hier mal einen ab:
Vielen Dank an Patricia für die fantastischen Arbeiten. Für weitere häusliche Tierversuche, auch an urzeitlichen Reptilien, stehen zu realistischen Preisen im Online-Handel geeignete Objekte bereit.
Jetzt werden sich natürlich nicht wenige meiner zahlreichen Leser fragen, was Bill Gates mit den Tierversuchen bzw. Tierdarstellungen im zweiten Teil dieses Blogbeitrags zu tun hat. Worin besteht der Zusammenhang? Ganz einfach um möglichst viele Leute zu einem Klick auf eine maximal reisserische Überschrift zu bewegen. Jeder Klick bzw. der nachfolgende Lesevorgang wird durch die Bootsektor-eigene (und in ausgiebigen Tierversuchen erprobte) Spyware aufgezeichnet und ausgewertet. Mit den so gewonnenen Benutzer-Informationen wird in den unterirdischen Bootsektor-Labors der erste funktionsfähige Prototyp des gläsernen Surfers entwickelt. Mit dessen Hilfe und den inzwischen gehorteten Dot-Com-Millionen sollte die Weltherrschaft der nächste logische Schritt sein. Bis dahin noch viel Spass beim Internetsurfen, euer [fe]
August 22, 2005 in WeltWeitesWirrWarr | Permalink | Kommentare (7) | TrackBack
18. August 05
Mehr Spass für Mobilpiraten
Und sagt später nicht, ihr hättet nichts davon gewusst. Das alles läuft auf eine grössere Krise hinaus. Die Hardware-Industrie wirft ein tolles Gerät nach dem anderen auf den Markt. Mit welchen man entweder TV-Sendungen aufzeichnen und später auf seiner tragbaren Spielkonsole ansehen kann. Oder Radiosendungen in mundgerechte MP3-Happen zerlegen. Oder selbst mit dem Mobiltelefon Filme in amtlichen Frame-Raten aufnehmen und diese zusammen mit erwähnten MP3-Happen via Bluetooth quer über die Strasse an das Taschentelefon von jemand anderen senden. Rip, Mix and Burn klingt da schon etwas grossmütterlich. Die Remix- und MashUp-Kultur bekommt immer noch mehr Werk- und Spielzeuge in die Hand gedrückt, zu immer unwiderstehlicheren Preisen. Inzwischen steuert die Contentindustrie einen gefährlichen Kurs zwischen "Beharren auf veralteten Geschäftsmodellen" und "Profitmaximierung durch Abschaffen des Urheberrechts". Und das kam so...
Musiklobby-Papst und RIAA-Chef Mitch Bainwol hat da diese Rede gehalten, vor der Vereinigung der US-Tonträgerhändler. Richtig, davon haben wir vorgestern schon gehört. Inzwischen hat sich aber das PDF zu seiner Präsentation gefunden, das ich euch natürlich nicht vorenthalten will. Das, in dem er erklärt: "Burning is becoming a bigger problem than P2P." Und in dem er visionär wird: "Our future isn’t binary." Und den Feind identifiziert: "Fair use “theology” run amok". Ähm, wie? "Fair use", das anglophone Pendant zu den im Urheberrecht verankerten Rechten des Konsumenten, Dinge wie Kopien für eigenen Bedarf und zum Verschenken, sind also eine Theologie, die Amok läuft. Wow.
Weiter erklärt er uns, die "Generation of Kids" hätte "A Million Excuses to Steal". Moment. Wer stiehlt hier was? Hometaping und Homeburning von CDs sind ja legal. Herunterladen aus P2P-Plattformen ist nach juristischer Definition kein Diebstahl, sondern Teilnahme an unzulässiger Verbreitung geschützten Materials. Ich weiss, dass ihr das schon öfter gehört habet, aber selten konnte man die Lügen der Musiklobby so klar formuliert lesen wie in diesem Dokument.
Wo er übrigens recht hat, der Mitch, ist die Sache mit den kommerziellen Produktfälschern, die auch von Musik-CDs Massenkopien produzieren und verkaufen. Obwohl er im selben Atemzug wieder lügt: "We have no objection to personal use burning". Dann wäre ja der Kopierschutz sinnlos, der professionelle Kopierer sowieso nicht interessiert.
Erfreulich dagegen sind Maschinchen wie der Hori Sony PSP Memory Stick Video Recorder, zu haben bei Lik Sang für 129, 90 US-Dollar incl. Versand, der TV-Filme... oder DVDs... auf Memory Stick aufzeichnet, damit man sie auf der Sony PSP anschaun kann. Und an Freunde weitergeben. Oder das coole X-cute DV2 Mobiltelefon, das für unter 500 US-Dollar 6 Megapixel grosse Bilder knipst, oder Videos mit 30 Frames/Sekunde dreht, auf MiniSD speichert oder über GPRS, Infrared, Java, MMS, SMS, USB, WAP, TV-Out verbreitet. Klar, MP3s auch.
Ach, übrigens, australische Müllhaldenuntersuchungen haben gezeigt, dass Pornomagazine auch unter der Erde länger halten als andere Print-Produkte. Vielleicht wegen dem tollen Hochglanzpapier. Solide Sache. Vielleicht sollte jemand Mitch davon erzählen. Vielleicht wechselt er dann die Branche. Vielleicht gibt's dann Pensiverlängerungen dann nur noch mit Digitalem Restriktions Management. Autsch. Oder Snuff-Movies mit FBI-Siegel und Warnung vor Strafverfolgung bei nicht-autorisierter Verbreitung. Würg bzw. wer weiss. [fe]
August 18, 2005 in Hart & Halbleitend | Permalink | Kommentare (2) | TrackBack
16. August 05
Studie: Porno macht blind
Die Vanderbilt Universität in Nashville, Tennessee, hat mit wissenschaftlicher Präzision herausgefunden, dass das Betrachten von Pornografie (im Internet durchaus ein respektabler Wirtschaftszweig) zu temporärer Blindheit führt. Ähnliches kann bei der allseits beliebten US-Regierungsspitze vermutet werden, die nun ein Veto gegen die Einführung der ".xxx"-Top-Level-Domain andeutet. Familien und Kinder seien in Gefahr. Und bei der zweit-best-gehassten Industrie (nach der Rüstung), die eingestehen muss, dass es durchaus Sinn macht, eine CD zu veröffentlichen, die zuerst als "zu unkommerziell" herabgestuft wurde, dann aber von Fans millionenfach über P2P verbreitet wurde. Deswegen ist auch nicht mehr Filesharing, sondern wieder Home-Taping, ähm, Home-Burning der Music-Killer. Sagt Mitch. Während die Fachpresse sagt: Windows Vista stellt schon heute ein Sicherheitsproblem dar. Für die Betatester. Und jetzt im Einzelnen....
In der Betaversion von Windows Vistahorn ist per Werkseinstellung ein Feature aktiviert, das durch ein P2P-Netz Kontakt zu anderen PCs aufnimmt. Das soll vor allem Multiplayerspiele einfacher machen. Oder Virusinfektionen. Wobei die aktuelle Vista-Version exakt dieselben Security-Massnahmen an Bord hat wie das verbreitete (und nicht wirklich sichere) Windows XP SP 2. Völlig sicher ist dagegen id-Chef John Carmack, dass er das gute alte Quake 3 unter der Gnu Public License als Open Source veröffentlichen will. Sozusagen das Windows 2000 der First-Person-Shooter. Die ja nun doch nicht Killerinstinkte auslösen, wie eine weitere Studie aus Illinois zeigt. Tja.
Blindheit? Was die Eierköpfe an der Vanderbilt da erforscht haben, lässt sich zwar so interpretieren wie oben angedeutet (und das werden manche auch sicher so auslegen), aber im Grunde geht es darum, dass Bilder mit emotionalem Gehalt (und dazu gehört Porn einfach) länger die Aufmerksamkeit des Betrachters beanspruchen als Nebensächlichkeiten. Vielleicht ist deshalb die Aufmerksamkeit des US-Präsidenten so auf die Einführung der ".xxx"-Top-Level-Domain gerichtet, bzw. auf deren Verhinderung. Immerhin hätten schon 6000 US-amerikanische Taliban Christen Briefe und Emails geschickt, weil sie Familien und Kinder in Gefahr sehen, wenn der Porn-Kram in einer Schmuddelecke zusammengedrängt wird. Die liesse sich ja leicht blockieren... aber nein. Dann eben nicht.
Genau das entgegengesetzte Problem hat derzeit die Rüstungs- Musikindustrie. Weil man das dritte Album der grammy-gekrönten Singersongwriterin Fiona Apple für zu wenig kommerziell hielt und daher unveröffentlicht liess. Worauf ein erboster, anonymer Firmenmitarbeiter alle Songs des Albums in die P2P-Netze hängte. Die Fans luden sich die Tracks buchstäblich millionenfach herunter. Jetzt kommt das Album doch raus. Nachdem Fans, die solche unveröffentlichten, da unkommerziellen Tracks zum Download verlinkten, mit juristischen Mitteln bedroht wurden.
Da muss Mitch, der RIAA-Chef, gleich eine Studie der NPD Group zitieren. Der typische Musikkonsument, so ermittelten die marktforschen Analysten, kauft die Hälfte seiner Musik auf CD, ein Zwanzigstel im Onlineshop, ein Sechstel wird einfach so aus Tauschbörsen bezogen und mehr als ein Viertel stammt von selbst gebrannten CDs. Das bedeutet: wenn man das Urheberrecht abschaffen könnte, das ja die Privatkopie garantiert, hätte man ein Drittel mehr Umsatz! Gütiger Himmel! Apropos: Wenn man Pornografie, ausser-ehelichen Sex, First-Person-Shooter und OpenSource abschaffen würde, hätte man sicher 67% mehr Eheschliessungen, 121% mehr Ehescheidungen, 185% mehr Virusinfektionen und 256% Prozent mehr Morde aus mangelnder Leidenschaft. Nur mal grob geschätzt. Peng. [fe]
August 16, 2005 in WeltWeitesWirrWarr | Permalink | Kommentare (5) | TrackBack
11. August 05
Sex-Skandal wird zu Mord-Skandal
Der mittlerweile 20jährige Devin Moore aus dem US-Bundesstaat Alabama (welcher laut Wikipedia zu 50 Prozent aus Wäldern besteht) wurde am vergangenen Dienstag vom Gericht in Fayette wegen dreifachen Mordes verurteilt, das Strafmass wird noch festgelegt. Moore, unterstützt von seinem Anwalt, plädiert auf nicht schuldig wegen Geistesverwirrung. Diese wiederum sei hervorgerufen durch a) erlittenen Missbrauch in seiner Kindheit und b) jahrelanges Spielen von Grand Theft Auto. Die Familien der drei Opfer haben mittlerweile den Hersteller von GTA, Rockstar Games bzw. dessen Besitzer Take Two Interactive, sowie zwei Spielegeschäfte verklagt. Was für ein unglaublicher Schwachsinn. Wir alle wissen: Menschen werden nicht von Schusswaffen getötet, sondern von Videospielen. Vergangene Woche waren es noch die unschuldigen Kinderseelen, die von hautfarbenen Pixeln im neuesten GTA verdorben wurden. Aber das sind nur einige Beispiele von vielen....
So verlangt derzeit, weit weg vom waldigen Alabama, die britische Parlaments-Abgeordnete Margaret Moran nach schärferen Gesetzen. Diese sollen es den vereinigten europäischen Polizeien ermöglichen, Extremisten und Terroristen aufzuspüren, welche das Internet bekanntlich für "Training, Recruitment and Propaganda" benutzen. Wir wissen ja: Menschen werden nicht von Sprengsätzen zerrissen, sondern von Webseiten.
Selbsternannte Hinterwäldler wie Mrs. Moran sind sich nicht über die Folgen der selbst eingebrockten Globalisierung im Klaren: der soeben in Französisch-Gyuana an Bord einer Ariane gestartete, 6,5 Tonnen schwere Kommunikationssatellit IPSTAR-1 wird laut der Betreiberfirma Shin Satellite (diese gehört der Familie des thailändischen Premierministers) Breitband-Internet in die entlegensten Winkel Asiens bringen. Das sind locker ein paar hundert Millionen Anschlüsse mehr.
Wie das wohl der bayerische Landesfürst Edmund Stoiber finden wird, der sich ja schon über die demokratische Bedeutung der ostdeutschen Bevölkerung so masslos aufregen kann? Was wird er dann über die explodierende wirtschaftliche Bedeutung der ostasiatischen Bevölkerung sagen? Wenn er demnächst noch was zu sagen hat.
Um mal noch kurz auf diesem Niveau zu bleiben: Britische Wissenschaftler erfanden den Bikini mit eingebauter Eier-Uhr. Die Trägerin wird alle Viertelstunde durch Piepsen daran erinnert, sich umzudrehn, um auch gleichmässig gegrillt zu werden. Und von iKey gibts (endlich!) eine wasserfeste Maus. Prima. Da kann Vorruhestands-Aspirant Edmund im Pool GTA zocken. Aber bitte die sächsische Fassung, meinetwegen mit Untertiteln und viertelstündlicher Grillwarnung. Danke. Wieso fällt diesen Sommer eigentlich die Saure-Gurken-Zeit aus? [fe]
August 11, 2005 in WeltWeitesWirrWarr | Permalink | Kommentare (3) | TrackBack
10. August 05
Terror auf beiden Seiten der Wirklichkeit
Der "War on Terror" geht weiter. Jeder kann mitmachen. Auf beiden Seiten der Wirklichkeit. Findige Briten haben gleich mal ein Online-Game programmiert, das den gelangweilten Bürosklaven im Londoner Stadtplan nach Bomben suchen lässt. Der High-Score misst hier nicht etwa guten oder schlechten Geschmack, sondern nur Page-Impressions und damit Werbe-Einnahmen für den Betreiber des Online-Games. Ebenfalls sehr beliebt: die Rolle eines Terroristenjägers von der SWAT-( Special Weapons And Tactics)-Spezialeinheit. In diesem Zusammenhang weniger beliebt: im Spiel integrierte Spyware, die dem Spielehersteller zu ebenfalls flotten Werbe-Einnahmen verhilft. US-Madonnenfigur Hillary Clinton kämpft für die Unschuld unserer Kinder (damit ist nicht das massenhafte Abschlachten von Bildschimgegnern gemeint). Und schon wieder forderten Computerspiele ein echtes Menschenleben. Was tut die Regierung dagegen?
"Mind the bombs" klingt ähnlich vertraut wie "mind the gap", die lakonische Lautsprecher-Aufforderung an Londoner U-Bahn-Reisende, doch bitte nicht in den Spalt zwischen Bahnsteig und Zug zu treten und dabei womöglich blutig ums Leben zu kommen. Disgusting. Vor allem deswegen, weil damit keiner Geld verdienen kann, ausser ein paar gestressten U-Bahn-Reinigungsangestellten.
Im Gegensatz zum andern Ende der Spirale der Gewalt: Wer möglichst lebensecht, aber warm und trocken und rein virtuell vom Wohnzimmer aus gegen Terroristen vorgehen möchte, wird selber schnell zum Opfer. In SWAT 4 im Vertrieb von Vivendi Universal Interactive schleicht der terroristenjagende Hauptdarsteller von Level zu Level und passiert dabei Realismus vermittelnde Werbeplakate. Soweit alles cool, die kann man ja ignorieren. Finden die virtuellen Werbeflächen-Vermarkter nicht gut. Deshalb wird mit dem letzten Patch inclusive entsprechendem EULA (End User Licensing Agreement) eine Spyware-Funktion integriert, die mitfilmt, wie lange sich der Spieler in Sichtweite welchen Plakats aufgehalten hat, und diese werbewichtigen Informationen (und wer weiss was sonst noch) ohne Wissen des PC-Besitzers an Vivendi übermittelt. Wer das nicht will, kann das Spiel ja von der Festplatte löschen, oder?
Nachdem aber keiner seine für harte Währung erstandenen Spiele von der Festplatte löschen will, eröffnet Microsoft gleich mal eine neue Front im "War on andere Betriebssysteme". Das nächste Windows Vistahorn behindert nämlich die Grafikschnittstelle OpenGL, schränkt ihre Leistung auf etwa die Hälfte ein, so dass Spieleprogrammierer auf Microsofts own Direct3D zurückgreifen müssen. Folge: OpenGL gibts nur noch für Linux, MacOS X und andere X-Systeme. Nächste Folge: Spiele gibts nur noch für Windows, weil sich kein Entwickler die zusätzliche Arbeit mit OpenGL mehr leisten kann.
Ausser die US-Armee finanziert mit, damit die Kids merken, wie schön Krieg doch ist. Deswegen gibts auch dickes Taschengeld für Case-Modder, die ihren Rechner Irak-kompatibel aufbrezeln. Nebenbei: George Lucas hat ein wenig die Nase voll von der Filmerei und angekündigt, sich jetzt erstmal um die Spiele-Abteilung von Lucas-Arts zu kümmern. Gute Idee, schliesslich setzt die Computerspiele-Industrie genau so viel Geld um wie die Film-Industrie, gilt aber lustigerweise als Nischenthema für Berufspubertierende und erhält deswegen auch kaum öffentliche Aufmerksamkeit. Da kann man also prima machen was man will.
Ausser wenn Unsere Liebe Frau Hillary Clinton die von Games bedrohte Unschuld der Kinder einfordert. Nein, sie meint damit nicht das Massenschlachten auf den Bildschirmen unseres Planeten, sondern den unterhaltsamen Hot-Coffee-Mod für Grand Theft Auto San Andreas, also einen kleinen Patch, der dem vom vielen Töten und lebensgefährlich Verletzen schon ganz abgestressten Gangster ein kleines Nümmerchen mit seiner In-Game-Freundin verschafft. Und, o weh, mit hautfarbenen Texturen in der Pixel-Sex-Szene. Die armen Kinder. Kein Wunder, wenn da ab und zu einer tot umfällt. So wie dieser bescheuerte Koreaner, der nach 50 Stunden Dauerzocken einem Herzversagen anheim fiel. Das muss doch verboten werden!
Ausser wenn es Geld bringt. So wie das First-Person-Shooter-Keyboard für die Playstation 2. Coole Erfindung. Obwohl - was machen wir, wenn es es von Osamas Hacker-Assassinen-Horden missbraucht wird, die ja bekanntlich neben der Kalashnikow immer ein Laptop dabei haben. Und demnächst eine Playstation. Und damit den grauen Markt für Ingame-Items aufrollen, mit nachfolgendem Zusammenbruch der Weltwirtschaft? Beängstigend. Hillary muss Bundeskanzlerin werden. [fe]
August 10, 2005 in Weichware & Nichtwelt | Permalink | Kommentare (0) | TrackBack
04. August 05
Bikini statt Bluetooth
Online-Werbung für Männer. Speziell zugeschnitten. Jetzt nicht unbedingt speziell für Männerthemen (oder was ihr euch sonst drunter vorstellt). Sondern für Hi-Tech-Produkte wie Bluetooth-Handys. Das war ne Weile schwer umzusetzen. Aber so langsam klappt das. Weil zukunftsorientierte Nachwuchsvermarkter erkannt haben, dass Bilder von Bluetooth-Smartphones alleine niemanden interessieren. Da müssen mindestens Springmesser mit drauf sein. Besser noch Neunmillimeters. Am besten beides, plus Chicks in Bikinis. Dazu die PC-Tastatur aus glänzendem Stahl. Und den Auto-Flüsterer als perfekte Bluetooth-Anwendung. Aber eins nach dem anderen.
Grossartige Idee: Man nennt seine Website "A wireless gentleman's club" und betritt damit die Zukunft des Onlinemarketing. Was bisher nur in papierener Kalenderform und in den Kategorien Autoteile, Gürtelreifen und Holzfällerwerkzeug zu haben war, nämlich die Kombination aus Tooltime-Romantik und betont weiblichen Accessoires mit betont sparsamer Textilierung, erobert endlich auch die Online-Welt. Prima, denn 99% der Bootsektor-Leser wüssten sowieso nicht, wie rum man eine Kettensäge hält oder warum in diesem blöden Autoreifen der Schlauch fehlt. Die Prioritäten liegen heute woanders.
Der Mann von heute braucht in erster Linie ein Handy. Das ist schon mal ganz wichtig. Den PC hat er sowieso zuhause stehn, um damit Tracks von Bong-Ra, den Society Suckers oder die Quake-4-Alpha runterzuladen. Das macht ihn zur perfekten Zielgruppe für Bluetooth-Smartphones, weil man mit den Teilen extra coole Sachen anstellen kann. Nur: damit er das Download-Fenster seiner Lieblingstauschbörse mal wenigstens kurz beiseite schiebt, muss man die schlauen Taschentelefone mit vertrauten und verlockenden Memen garnieren: Springmesser, Neunmillimeterkanonen (kennt er beides aus Counter-Strike) und Bikini-Bunnehs (kennt er aus dem Vorabendfernsehen).
Keine Bedingung für all das, aber zumindest ein nettes Extra: die stählerne PC-Tastatur. Extrem outdoor.
Praktischerweise nimmt man das Notebook überall hin mit, hat sowieso Linux drauf und die "Car Whisperer" Software. Oder eigentlich "Autoflüsterer", denn sie stammt von Martin Herfurt aus Salzburg in Österreich. Der wusste schon länger, dass so ziemlich alle Auto-Hersteller viel zu viel Aufmerksamkeit für ihre Fotokalendersammlung verbrauchen und deshalb den im Fahrzeug eingebauten Bluetooth-Geräten maximal Standard-Codes mitgeben. Die natürlich jeder weiss. Weshalb man konkret wireless reinhacken kann und mithören, was da im Auto geredet wird. An neuen Anwendungs- bzw. Ausbeutungsmöglichkeiten wird noch geforscht, sagt Martin. Und dass Bluetooth eigenlich eine grossartige Sache wäre. Aber das wissen wir schon von Bengalboy und seinen Kumpels. Ok. Dann wär das auch geklärt. [fe]
August 4, 2005 in WeltWeitesWirrWarr | Permalink | Kommentare (2) | TrackBack
03. August 05
Haftstrafen für Schnitzel-Esser
Wer ein Schnitzel isst, muss in den Knast? Und hohe Geldstrafen aufbringen? Wirklich? Nein, erst in ein bis zwei Jahren, und auch dann nicht bei einem x-beliebigen Schnitzel, sondern nur bei einem, das möglicherweise dem geistigen Eigentum bestimmter Konzerne zuzurechen ist. Oder von diesen Konzernen als geistiges Eigentum beansprucht wird. Bis hierher hört sich das, ich geb's zu, noch etwas kompliziert an, aber ich kann erklären, welche Entwicklung der letzten Jahre die letzte unserer Freiheiten nachhaltig bedroht: die Freiheit des Konsums. Das Industriezeitalter ist bekanntermassen vorbei, jetzt etabliert sich eine nachfolgende Ära, in der es nicht mehr um Produkte, sondern um den zunächst behaupteten, dann patentierten und schliesslich in nationales Gesetz gegossenen Besitz an sogenanntem geistigen Eigentum geht.
Das kriminelle Schnitzel ist ein sehr plakatives Beispiel dafür, wie die IP-Industrie (IP=Intellectual Property) in unser Leben eingreift. In naher Zukunft. Die Fakten hierzu: Die Monsanto Corporation hat ein Patent beantragt, dass sich auf Methoden der Züchtung von Schweinen bezieht. Im Patentantrag eingeschlossen sind, wie üblich, die Ergebnisse und Produkte der beschriebenen, zu patentierenden Methoden. Das heisst im Klartext: alle Schweine, die mit Hilfe der beschriebenen Methoden gezüchtet wurden, gehören dann Monsanto. So funktionieren Patente. Wie "Einkaufen mit einem Klick". Warum beantragt ein internationales Unternehmen einen so offensichtlichen Schwachsinn? Weil man, hat man das betreffende Patent erst einmal in der Tasche, damit unfassbare Gewinne einfahren kann.
Das Verfahren kennen wir: Grosse Konzerne können sich Forschungs- und Rechtsabteilungen leisten, Patentschriften formulieren und die erhaltenen Patente mit juristischen Mitteln sichern. Kleine und mittlere Unternehmen können das nicht, Einzelpersonen sowieso nicht. Diese industrielle Produktion von Besitz an Ideen - genau darum handelt es sich - sichert Umsätze in einem bisher nicht erlebten Mass. Eben weil sie den freien Wettbewerb ausschliesst, bzw. den Wettbewerb besserer Produkte und besserer Vermarktung durch den Wettbewerb der Patentanträge ersetzt.
Der Begriff "geistiges Eigentum", inzwischen allgemein verwendet, stellt bei genauer Betrachtung einen Fall von vorsätzlichem, semantischem Betrug dar. Warum? Er impliziert etwas, das es nicht gibt: da nach allgemeinem Rechtsverständnis Eigentum nur an einer materiellen Sache bestehen kann, wurden Rechtskonstruktionen wie Urheberrecht und Patentrecht ersonnen. Diese garantieren dem Inhaber dieser Rechte den Schutz und die alleinige Nutzung seiner Idee oder Schöpfung - für eine begrenzte Zeit, nach der die Gesellschaft im Austausch für den gewährten Schutz in den Genuss der Schöpfung kommt. Eigentum dagegen besteht auf unbegrenzte Zeit bzw. bis zum Verkauf.
Die nächste Stufe wird in einem Papier der EU Kommission mit dem Thema "Direktive zu strafrechtlichen Vorgaben zur Durchsetzung von geistigem Eigentum" erklettert. Darin werden Veränderungen der EU-weit umzusetzenden Gesetze vorgeschlagen: Verletzungen von "geistigem Eigentum" soll ab sofort nicht mehr Sache des Zivilrechts, sondern des Strafrechts sein. Der Diebstahl von fiktivem "geistigem Eigentum" soll einem Diebstahl einer Sache rechtlich gleichgestellt werden. Die Besitzer des "geistigen Eigentums" sollen in die strafrechtlichen Ermittlungen mit einbezogen werden und an Polizeiaktionen beteiligt werden. Die Höchststrafe soll vier Jahr Haft bzw. 300.000 Euro betragen.
Zurück zum Schnitzel: dieses gehört irgendwann Monsanto, weil das betreffende Schwein zufällig nach den patentierten Methoden hergestellt wurde. Der Nutzer des rechtswidrig hergestellten Produkts wird nach den EU-Vorschlägen dann strafrechtlich verfolgt. Ebenso wie der Nutzer einer Tauschbörse, der Programmierer einer Microsoft-kompatiblen Software, der Angestellte eines Ladens für Tintendruckerpatronen, die nicht vom Drucker-Hersteller autorisiert wurden. Wem nützt das? Was möchte die Bevölkerung der europäischen Union? Ich achte jetzt schon darauf, welchem Konzern das Lebensmittel gehört, das ich im Supermarkt kaufe - oder wieder ins Regal zurücklege. Ich achte auch darauf, wo genau ich meinen Stimmzettel ankreuze, das nächste Mal im September. Oder welche Software ich benutze. Und ich entschuldige mich abschliessend bei meinen geschätzten Bootsektor-Lesern dafür, dass der heutige Beitrag gar nicht zum Lachen ist. Ein andermal wieder. [fe]
August 3, 2005 in PC vs. Copyright | Permalink | Kommentare (5) | TrackBack
01. August 05
Hacker, Microsoft und die Zombies
Soweit ist es gekommen. Hacker entdecken einen neuen, zehnten Planeten in unserem Sonnensystem, Microsoft will aufregende Stellen in Baseball-Spielen und weisse Flecken in Text-Dokumenten patentieren und Zombies besetzen einen Apple-Shop. Aber Moment - das mit dem Planeten haben wir doch schon gehört, von der Nasa, oder? Und Zombies, bei Apple, sollen wir das glauben? Microsoft und Baseball, mit weissen Flecken? Bootsektor jetzt völlig durch den Wind? Keine Sorge! Wir haben die Beweise! Für alles.
Da wäre zunächst mal die Sache mit dem neuen Planeten. Gerade erst entdeckt. Eine Sensation. Völlig weit draussen im Kuiper Belt, und dazu noch deutlich grösser als unser bisheriger Outsider Pluto. Er hat noch keinen richtigen Namen, sondern nur diese Nummer: 2003 UB313. Moment... wieso 2003? Wir haben doch 2005, oder? Ist da was schiefgelaufen? Und tatsächlich hat der britische Inquirer aufgedeckt, dass der Riesenschneeball mit über 3000 km Durchmesser schon vorletztes Jahr aufgespürt worden ist. Nur: man war sich, forscherseits, nicht so ganz sicher, was man davon halten solle. Und weil so ein wissenschaftlicher Ruf ja auch was zerbrechliches ist, liess man die seltsame Entdeckung erstmal auf der Festplatte. Bis dann die Uber-Geeks durch eifriges Hacken herausbekamen, dass UB313 immer noch offiziell auf seine Entdeckung wartet und die betreffenden Forscher vor die Alternative stellten, entweder selbst an die Öffentlichkeit zu gehen, oder durch geschickt platzierte Files zum Gespött derselben zu werden.
Ein wenig Öffentlichkeit schadet auch den derzeit 3.368 Patentanträgen der Firma Microsoft nicht. Darunter finden sich solche Perlen wie "Annotating programs for automatic summary generations", also Software, die automatisch die besten Momente eines Sportereignisses erkennen soll. Oder "System and method for creating a note related to a phone call", also das Erzeugen eines Klingeltons bei eingehendem Telefonanruf unter Verwendung eines Computers. Richtig festlich wirds dann bei "Adding and removing white space from a document", also dem Hinzufügen oder Wegnehmen von weissen Flächen in einem Dokument. Noch mehr Softwarepatente gefällig?
Da muss man einfach verstehen, wenn manche Leute dem Glauben verfallen, sie wären untote Kreaturen, sich entsprechend aufschminken und hinkend, stöhnend und torkelnd durch die Strassen ziehen. Passanten, die sich nicht genug wehren, fallen dem Zombietum anheim und werden mitgeschleppt. Schliesslich, und auch das erscheint nachvollziehbar, trifft sich der Zombie-Flash-Mob im örtlichen Apple-Shop. In San Francisco. Der Stadt, wo Leute aus Langeweile waschkorbweise Gummibälle aus dem Fenster kippen. Einfach so.
Ach, noch was. Bootsektor, das etwas andere IT-Weblog, erscheint jetzt auch in bunten Google-Farben. Schaut selbst. [fe]
August 1, 2005 in WeltWeitesWirrWarr | Permalink | Kommentare (0) | TrackBack

