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30. November 05
Alle Macht dem Weihnachtseinkauf
Keine Angst, hier soll es nicht um Kalorienbomben und Last-Minute-Shopping-Wahnsinn gehen. Sondern um eine Umfrage der Consumer Electronics Association. Wie, in Amiland, oder? Ja, schon, aber so anders gehts dort auch nicht zu als bei uns. Eine ähnliche Umfrage könnte man hier auch durchführen, die hätte dann garantiert ganz vergleichbare Ergebnisse. Was da gefragt wurde? Na, die Pläne für den diesjährigen Weihnachtseinkauf und die Bestückung des Gabentisches. Und die Antworten waren so enthüllend.... wie nur Konsumenten das sein können. Die sich ja bekanntlich einen Scheissdreck um Marketingstrategien scheren, sondern das kaufen, was sie haben wollen. Pure Anarchie. Und wenn sie's nicht kriegen, laden sie sich's umsonst aus dem Internet runter. Gerade rechtzeitig entwickelte Howard Stapleton aus Wales den elektronischen Teenager-Vertreiber, und bislang unbekannte Cyberkriminelle ein Gerät, welches das Abhören von Telefonaten zuverlässig verhindert. Aber zunächst erteilen wir das Wort Mister Claus, Santa Claus...
Fakt ist, die Leute kaufen das ganze Jahr über irgendwelches Zeug, nur zu Weihnachten passiert das geballt. Und wenn man das betrachtet, hat man erstens weniger Arbeit als in den restlichen 11 Monaten und zweitens ein (hoffentlich) genaueres Abbild der Wirklichkeit. Und was wollen die Leute dieses Jahr haben und schenken? Die Consumer Electronics Association hat 1000 Leute gefragt und die Antworten addiert: Erstens MP3-Player, zweitens Digitalkameras, drittens Videospielgeräte. So. Hat das jeder mitbekommen, und auch dass noch im vorigen Jahr MP3-Player garnicht in den Top Ten waren und Spielkonsolen auf Rang neun?
Was die Kunden, die ja bekanntlich immer Recht haben und ausserdem per Definition König sind, überhaupt nicht interessiert sind Dinge wie: Stereoanlagen und Musik-CDs. Software. Klamotten. Die Leute wollen Elektronik, und zwar solche, mit der sie selber was machen können. Musik aufnehmen und abspielen. Bilder knipsen und rumzeigen. Games zocken, gern auch zu mehreren. Machen wir uns nichts vor: Sachen, die sich nur zum inaktiven Konsumieren eignen, sind soo zwanzigstes Jahrhundert und völlig out and tired. Im Zweifelsfall muss die von nur einmal abspielbaren AudioCDs träumende Musikindustrie eben zumachen. Was nicht passieren wird, weil die Selbstregulierungsmechanismen des Marktes eher dazu führen werden, dass ein dem vergangenen Jahrhundert verpflichtetes, betriebsblindes Management vorher gefeuert wird.
Gerade rechtzeitig hat Howard Stapleton (der tatsächlich ein wenig wie David Bowie aussieht) aus einer Kleinstadt in Wales einen elektronischen Teenager-Vertreiber entwickelt, damit die von unverständlichen Konsumwünschen getriebenen Jugendlichen von Einkaufsorten entfernt werden, an welchen unausgesprochener Krawattenzwang vorherrscht. Das macht Herr Stapleton mit Hilfe eines sehr hohen Tons in einer beachtlichen Lautstärke. Weil das menschliche Hörvermögen hoher Frequenzen mit dem Alter abnimmt, kann man damit sozusagen eine akustische Altersgrenze zwischen 15 und 20 Kilohertz einrichten, unterhalb derer ein Lärm von 75 Dezibel (das entspricht einer sehr lauten, ja gebrüllten Konversation) für Fluchtreaktionen sorgt. Übrigens auch bei Haustieren, Tontechnikern oder modernen Kommunikationsgeräten.
Letztere dürfen mittlerweile als zwanghaftes Objekt der Begierde unserer verbeamteten Ordnungshüter gelten, deren anale Fixierung sich auch und gerade auf die Gesprächsinhalte fremder Menschen richtet. Alles pauschal terrorverdächtige Gesprochene muss dieser neurotischen Vorstellung zufolge für mindestens ein halbes Jahr im Töpfchen liegen bleiben. Wenn den betreffenden Intimbelauschten so etwas stinkt, greifen diese jetzt zu handelsüblichen Elektronikbauteilen, die nach aktuell veröffentlichten Einsatzrichtlinien "vernichtene Gegenmassnahmen" gegen das Abgehörtwerden bewirken. Sagt Matt Blaze, Professor für Computerwissenschaft und Informatik an der University of Pennsylvania. Erinnerungsfähigkeit, entdeckte die University of Oregon ausserdem, beruht auf der Bereitschaft zum Ignorieren.
Ganze 52638 Leser des Onlinemagazins Slashdot antworten dagegen auf die Frage, wann sie sich ihre Xbox360 kaufen werden: niemals. Das sind immerhin 72 Prozent der Umfrageteilnehmer. Sid Meier, einer der echten Helden der Computerspiele-Entwicklerszene, findet Spielspass wichtiger als historische Genauigkeit. Der Bootsektor bewegt sich da irgendwo in der Mitte. Aber das hattet ihr schon vermutet. [fe]
November 30, 2005 in Hart & Halbleitend | Permalink | Kommentare (0) | TrackBack
29. November 05
Das Couch-Potato-Gen
Forscher am Nationalen Primaten-Forschungszentrum im US-amerikanischen Bundesstaat Oregon haben herausgefunden, dass die Anlage zum Couch-Potato-Dasein schon im vererbten genetischen Material zu finden ist. Jetzt aber nicht zu früh freuen: dieselben Forscher weisen nämlich darauf hin, dass ungeachtet aller Erbanlagen mehr körperliche Bewegung das Risiko von Übergewicht, kaputten Herzkranzgefässen, Atemwegserkrankungen, Diabetes, Depression und Brustkrebs verringert. Man sollte sich auch hier keinen Illusionen hingeben. Im Gegenteil. Gerade in der Welt der Datenverarbeitung sind pathologisch schwere Illusionen a) sehr verbreitet und b) furchtbar in ihren Auswirkungen. Gerade in den letzten Tagen traten beispielhaft typische Fälle von epidemischen Illusionen auf.
Schon ganz in vorweihnachtlicher Stimmung befindet sich der japanische Elektroartikel-Hersteller Teac. Ansonsten durchaus auf der soliden Schiene unterwegs, berichtet man dieser Tage stolz von der Verfügbarkeit des (schon bekannten) MP3-Players MP-150, der jetzt ganz neu nicht nur MP3s und das überflüssige Windows WMA abspielen kann, sondern auch ein sogenanntes DRM-9-Format. Gemeint ist damit ein weiteres DRM auf Basis des Windows Media Player, welches angeblich besonders problemlose Downloads von Musik und Hörspiel ermöglicht. Dieses soll die "Urheberrechte von Titeln bewahren" und sie "vor Raubkopien schützen". Zudem werden dadurch "Abrechnungsmöglichkeiten für Lizenzen und Rechte geschaffen". Wegen integriertem USB 2.0 sei der MP-150 auch für den "Austausch der Lieblingssongs mit der besten Freundin" geeignet. Was für ein bodenloser Schwachsinn. Hier sehen wir die klassische Illusionsfalle in Aktion: Presseabteilungen fallen auf ihre eigenen Desinformationskampagnen herein und verbreiten ungeniert einen sich widersprüchlichen Sprachbrei. (Namen, Emailadresse und Telefonnummer der Verursacher sind dem Bootsektor-Autor bekannt).
Beinahe löblich dagegen die Aktion aus dem Hause Panasonic, welche mir heute ein "exklusives Presseangebot" unterbreitet: ein sehr amerikanisch aussehender Massagesessel mit Kunstlederbezug, sechs Basismassagevarianten und einer Leistungsaufnahme von 150 Watt. Der drastisch vom UVP abweichende Sonderpreis liegt allerdings immer noch weit über dem eines kompletten Gaming-PCs, also wird wohl nichts draus. Wenns ein Satz 1210er gewesen wäre oder einer von diesen schicken kleinen Stereos, die Old-School-Musikkassetten ("Hometaping is...") auf Smartcards ("Homesmarting... Homecarding...") aufnehmen kann, dann vielleicht...
Wer aber in Wirklichkeit der "Piraterie Tür und Tor" öffnet, und das nicht nur zur Adventszeit, hat die lebkuchenduftbetäubte globale Untersuchung von Aladdin ermittelt. Softwarehersteller sind es nämlich, die auf fummlige DRM-Zusätze in ihren Produkten verzichten und ihre Unternehmenskunden mit theoretisch kopierbaren Programmen beliefern. Jesus, Maria und Josef. Steht uns bei. Sonst werden wir demnächst auf offener Strasse verhaftet, wenn wir vergessen, unser Auto abzusperren. Obwohl, notfalls können wir ja unseren Couch-Potato-Erblinien-Ausweis vorzeigen. Das hilft dann bestimmt.
Parallel dazu meldet der kleine norwegische Softwareentwickler Opera ("Tür und Tor...") dass die neueste Browserversion 8.51 auch schon wieder von mehr als einer Million in weniger als einer Woche runtergeladen wurde. Hu? Wo ist hier die Illusion? Die liegt dann eher bei einem Konkurrenzunternehmen, dass grässliche Sicherheitslücken mal gerne ein halbes Jahr offen lässt. So ein Marktführerdasein macht das Leben schon sehr komfortabel. Die Welt ist meine Couch. Nicht wahr, Bill?
Ach, zum Schluss nochmal eine ehrenvolle Erwähnung. Meister der Illusionen sind unangefochten nach wie vor SonyBMG, die nicht nur die Rechner ihrer Kunden mit sicherheitslöchrigen Rootkits infizieren, sondern ihre Crackersoftware in bester Piratenmanier auch dann auf den betreffenden Rechner laden, wenn der entsetzte Kunde auf "NEIN" klickt. Aber das Gerichtsverfahren läuft schon. Ah. Gut zu wissen. Dann mal zurück aufs Sofa. Wir können ja schliesslich nicht anders, siehe oben. [fe]
November 29, 2005 in Servicefreie Zone | Permalink | Kommentare (0) | TrackBack
24. November 05
Unternehmen fordern gesetzlichen Kaufzwang
Diese Woche, die letzte vor der unbarmherzig hereinbrechenden Advents-Kaufrausch-Saison, ist vor allem von zwei Hiobs-Meldungen bestimmt: erstens der Niedergang von Sony und zweitens der Fehlstart der Microsoft Xbox360. Beide sind symptomatisch für eine Entwicklung, die ich im vorangegangenen Bootsektor-Beitrag schon angesprochen habe: die Veränderung der Industrie von Herstellung und Vertrieb von Produkten zum Handel mit als Besitz deklarierten Informationen. Der grosse Vorteil von Patenten auf Software und Geschäftsmodelle wie auch zur Massenware herabgestuften Musik- und Filmdatenträgern mit Digitaler Nutzungs Restriktion ist die Planbarkeit. Ausgehend von Marktdaten vergangener Jahre und der Sicherheit eines gesetzlich geschützten Marktsegments lassen sich hervorragende Geschäftsprognosen schreiben. Einziges Problem: der Konsument. Brauchen wir mehr Gesetze?
Ein ganz stark leuchtendes Beispiel ist die Xbox 360, der zweite Versuch von Microsoft, auch den Videospielkonsolenmarkt zu erobern. Die erste Runde, damals noch mit der alten Xbox ausgefochten, ging an Sony, deren Playstation 2 einfach nicht zu schlagen war. Auf den dritten Platz verdrängt wurde Nintendo, deren GameCube zu sehr auf Kinder abgestimmt war, um ein erwachsenes Massenpublikum zu erreichen. Ins Nichts geschleudert wurde Traditionshaus Sega, deren Dreamcast sich nicht gegen die drei starken Rivalen durchsetzen konnte. Zur Erinnerung: Videospiele- und konsolen bilden den am stärksten wachsenden Sektor der elektronischen Unterhaltungsindustrien, also einen Schlüssel für zukünftigen Erfolg. Nicht nur für IBM, die derzeit alle Konsolenhersteller mit CPUs und einige Online-Gaming-Anbieter mit Servern beliefern...
Jetzt holt Microsoft zum zweiten Schlag aus, die Xbox360 ist in US-Shops zu kaufen, allerdings in erstaunlich kleiner Auflage. Es kam wegen der knappen Versorgungslage bereits mehrfach zu kriminellen Übergriffen. Ist die zügige Veröffentlichung, Monate vor der Playstation 3, nur eine vermummte Marketingkampagne, um Medien-Aufmerksamkeit zu binden und in bewährter Microsoft-Manier mit Vaporware einen Markt zu besetzen? Um reine Vaporware handelt es sich hier wohl nicht, man kann die 360, wenn auch mit Mühe, im Einzelhandel erwerben. Um Vaporware handelt es sich aber insofern sehr wohl, als die Berichte von abstürzenden und einfrierenden Konsolen (bislang für ein Oxymoron gehalten) jetzt die User-Foren füllen. Liefert Microsoft also bei vollem Bewusstesein ein unausgereiftes Produkt aus? Es wäre nicht das erste Mal. Schliesslich wird ein Besitzer einer defekten 360 zunächst versuchen, eine Reparatur zu erhalten, bevor er weitere 300 bis 400 in US- oder E-Währung für ein Konkurrenzprodukt ausgibt.
Die selbe Vorgehensweise brachte einen der Hauptkonkurrenten von Microsoft bereits bis an den Rand des Abgrunds. Sony muss, gerade als Folge der beschriebenen Denk- und Vorgehensweise, bereits herbe Umsatzeinbussen verzeichnen. Öffentliche Büchereien weigern sich ebenso wie durchschnittliche Konsumenten, weiter Musik-CDs von SonyBMG zu kaufen, der Rootkit-Skandal hat das Vertrauen in dieses Unternehmen zerstört. Aus der Sony-Chefetage war vor nicht langem zu hören, der Hauptfeind hiesse nicht Microsoft, sondern Samsung. Diese grosse koreanische Firma beliefert den Markt für elektronische Unterhaltungsgeräte nämlich mit besseren, billigeren und auch schickeren Produkten.
In beiden Fällen ist relativ deutlich zu sehen: eine Konzentration auf Marktdurchdringung und angebliches geistiges Eigentum führt zu einer Vernachlässigung der eigenen Produkte. Diese werden dann von jüngeren, innovativeren Herstellern angeboten, was die ehemaligen Marktführer nachhaltig schädigt. Überall dort, wo die Marktpräsenz nicht durch Gesetze geschützt wird, sondern der freie Wettbewerb vorherrscht. Im Fall von Microsoft, die ja scheinbar nach den Regeln des Kapitalismus spielen und in neue Märkte einbrechen, wird tatsächlich das wettbewerbswidrig aufgebaute Kerngeschäft durch Regierungsmacht geschützt. Brauchen wir also schärfere Gesetze zum Schutz von sogenanntem geistigen Eigentum, den gesetzlichen Kaufzwang? [fe]
November 24, 2005 in PC vs. Copyright | Permalink | Kommentare (2) | TrackBack
22. November 05
Warum Microsoft recht hat
Microsoft, mehrfach staatlich anerkannter Monopolist und Wettbewerbsbehinderer, hat nur wenige natürliche Feinde. So wie, sagen wir mal, ein Alligator. Immerhin hat die Firma aus bescheidenen Anfängen heraus ein Betriebssystem geschaffen, das nach Expertenmeinung zwar weder sicher noch zuverlässig ist, dennoch aber auf weit über 90 Prozent aller PCs verwendet wird. Analoges gilt für eine Palette von Anwendungssoftware. Und dafür gibt es, Sicherheit hin oder her, zwei gute Gründe. Den einen hat Senor Bill Gates persönlich noch einmal engagiert vorgestellt, den anderen wollen wir im Anschluss präsentieren. Mal ganz ohne Polemik, zur Abwechslung.
"Zuhause im Wohnzimmer ist die Xbox360 unser Zentrum, und ein Produkt, das alles neu definiert, was dort geschieht", sagte Bill kürzlich und im Rahmen des Xbox-Verkaufsbeginns. Recht hat er, und das aus mehreren Gründen. Zum einen ist die Xbox der grösste Money-Sink (Geld-Abfluss) für den Redmonder Riesen, bislang macht die Firma pro Jahr eine Milliarde Miese mit dem Teil. Ist aber egal, weil alleine das Sparbuch der Company einen solchen Lebensstil bis circa Mitte des einundzwanzigsten Jahrhunderts zuliesse.
Recht hat der Mega-Manager ausserdem, weil der "weltgrösste Fensterhersteller" auch ohne die Xbox die Hälfte seines Erfolgs den unterhaltsamen Seiten des Lebens verdankt. Es gibt, folgt man Expertendiskussionen aufmerksam, mittlerweile keinen ernsthaften Grund mehr, Windows und andere MS-Software zu benutzen ausser Computerspielen. Wie kommt das denn? Ja, natürlich, alle geschäftlichen und professionellen Anwendungen laufen, dann aber mit den bekannten Vorteilen, auch auf Mac OS X oder Linux (und den weniger bekannten sicheren Betriebssystemen). Oder wer hat in der jüngeren Vergangenheit von Viren auf nem Apple Computer gehört? Spiele nutzen bei Windows die selben Eigenschaften wie Viren: nahezu ungehinderter Zugriff auf Hardware und Betriebssystem-Kernel. Das selbe Spiel läuft auf einem Mac mit exakt der selben Hardwareausstattung langsamer als auf einem PC, eben weil kein uneingeschränkter Zugriff möglich ist. Dazu kommt: MS-DOS und Windows waren jahrelang frei verfügbar und problemlos zu kopieren, so entstand die riesige private Nutzerbasis.
Auf der anderen Seite, und das geht angesichts der aktuellen Xbox-Verkaufsstart-Begeisterung ein wenig unter, hat Microsoft einen festen Stand in der Geschäftswelt. Nur wenige andere IT-Firmen können nämlich ein so klares Produkt-Portfolio anbieten. Dazu Verträge, die so gut wie alle IT-Bedürfnisse eines Unternehmens abdecken - zumindest auf dem Papier. Es gibt wenige Unternehmen der Branche, die nach dem selben Prinzip der Bedarfsabdeckung arbeiten, nennen wir zum Beispiel einmal Oracle oder SAP. Gegenbeispiele wären IBM, Sony oder Sun, die es geschafft haben, konsequent ihre eigene Zielgruppe aus den Augen zu verlieren.
Mit Hilfe von zwei stabilen Nutzergruppen und ein wenig Entwicklerarbeit, um die Inkompatibilität zu Konkurrenzprodukten zu erhalten, sollte die einmal errungene Marktbeherrschung auch zu erhalten sein. Sebst wenn wenige gelungene OpenSource-Anwendungen wie Firefox oder OpenOffice ein unschlagbares Preis-Leistungsverhältnis bieten und daher einstellige Prozentsegmente in den betreffenden Anwendungsbereichen verloren gehen. Mit einem kaum zu schlagenden Kapitaleinsatz lassen sich auch angrenzende Marktsegmente besetzen: aktuelles Beispiel ist die Xbox, die weder besser noch billiger ist als Konkurrenzprodukte (noch in ausreichender Menge verfügbar ist), und auch nicht mit den eigenen PC-Produkten kompatibel. Darum geht es ja auch gar nicht. Es genügt, professionelles Marketing zu betreiben und das Angebot langsam zu erweitern - wenn man einen Teilmarkt vollständig erobert hat, ist vertikales Wachstum schliesslich nicht mehr möglich.
Produkte und deren Qualität sind Mythen eines vergangenen Jahrhunderts (des 20.). Der Erfolg gibt Microsoft recht. [fe]
November 22, 2005 in Betriebssystem-Wahnsinn | Permalink | Kommentare (1) | TrackBack
18. November 05
Wenn Computer töten
Blut rinnt von den Wänden, literweise, zerstückelte Leichen liegen am Boden, rauchende Ruinen im Hintergrund, Kinder rennen durchs Bild, mit vollautomatischen Waffen in der Hand, Kugeln schwirren durch die Luft, treffen Unbeteiligte. Das ist schrecklich und passiert trotzdem dauernd, in Afrika und anderswo. Minderjährige Soldaten, die zu sprichwörtlichen haltlosen Killermaschinen gestanzt wurden, als Söldner-Ausbilder sie zum Auftakt ihres paramilitärischen Daseins zwangen, die eigene Mutter zu vergewaltigen und/oder zu ermorden. Damit es auch wirklich kein Zurück mehr gibt für das zweibeinige Mordwerkzeug. Dagegen müssen internationale als auch nationale Organisationen wirklich mit allen erdenklichen Mitteln vorgehen. Und dann kommt so eine öffentlich besoldete Berufs-Hausfrau mit schwarzem Parteibuch zum Interview und plappert was von Killerspielen, die verboten werden müssen...
Neulich im Mittelalter: Prof. Dr. Maria Böhmer, Mitglied des Bundestages und Vorsichtzende der Frauen Union, erscheint zum Interview beim Deutschlandradio Kultur. Befragt von Radiomitarbeiter Degenhardt, erklärt die Gute: "Als im Jahre 2002 der schreckliche Amoklauf in Erfurt stattfand, Robert Steinhäuser Mitschüler und Lehrerinnen und Lehrer tötete, da ging ein Aufschrei durch ganz Deutschland." Ja, wir erinnern uns. Ein Aufschrei. Und nur notorische Rechtaussenstürmer wie Staatsminister Günther Beckstein fanden erwähnenswert, dass der Robert, wie auch alle Gleichaltrigen, ein paar Schiess-Spiele auf seinem Computer hatte (Und ein paar halbautomatische Waffen im Schrank, aber das spielt jetzt keine Rolle). Wobei selbst die ermittelnde Polizeibehörde wusste, dass es hier nirgendwo irgendwelche Zusammenhänge gibt.
Aber lassen wir Tante Maria wieder zu Wort kommen: "Das heißt, zerstöre alles bis auf dich selbst, und das ist schon eine Botschaft, die bedeutet, dass Gewalt hier eingeübt wird, imitiert wird, und bei allen Argumenten, die mit dann entgegengehalten werden, wenn es heißt, hier kommt es auf Schnelligkeit an, auf strategisches Denken, das kann man auch mit anderen Inhalten trainieren, da kann auch viel Reiz in einer anderen Situation liegen, und hier müssen wir die Diskussion führen, auch mit den Jugendlichen, gerade mit den jungen Männern, die in den LAN-Partys sich treffen, warum muss es denn gerade diese Art der Gewaltdarstellung sein, wo ich den Gegner zerstören muss, wo Kampf die Losung ist und sonst kein anderes Konfliktlösungsmittel?"
Selten so einen Schwachsinn gehört, Leute. Anders formuliert: Lalü, lala, hier spricht die Geschmackspolizei. Wir wollen keine böse Gewalt sehen, deswegen kommen Sie jetzt mit erhobenen Händen heraus. Ich finde, gerade hierzulande gibt es ein ganz besonders dickes Problem mit der Zensur. Die ja laut Verfassung "nicht stattfindet". In unserer dunklen Vergangenheit hiess das noch: "Recht ist, was dem Volke nützt". Was den potentiellen Nachteil an sich haften hat, dass irgend jemand, im Zweifelsfall ein öffentlich besoldeter Blockwart, sich ausdenken muss, was dem Volke wohl so nützt. Aber das war ja mal. Heute dagegen gilt: "Recht ist, was der Jugend nützt." Oder? Glücklicherweise gibt es auch andere CDU-Abgeordnete, wie Thomas Jarzombek: „Die Bundesländer haben in der Vergangenheit erfolgreich im Jugendschutz gearbeitet. Das lassen wir uns nicht von Bundespolitikern der zweiten oder dritten Garnitur schlechtreden.“ Hurra. Das Zeitalter der Aufklärung und Vernunft.
Erteilen wir das Wort noch ein letztes Mal Tante Maria: "Es kann zu einem erheblichen Leistungsdruck kommen, und es kann natürlich auch dazu kommen, dass sich nicht nur in diesen Bereichen etwas entwickelt, sondern Professor Früh von der Universität Leipzig hat sehr deutlich gesagt, was ist, wenn sich die kulturellen Standards der Toleranz gegenüber der Gewalt verändern?" Nee, Schluss. Ich ertrag' diesen Mist nicht mehr. Bis nächstes mal: [fe]
November 18, 2005 in Weichware & Nichtwelt | Permalink | Kommentare (13) | TrackBack
17. November 05
Nationale Sicherheit ohne Chance
Jetzt hat der Skandal, über den ich selbst schon nichts mehr hören wollte, ein Niveau nationaler Bedrohung erreicht. Defcon 5, grob geschätzt. Das US-CERT (United States Computer Emergency Readiness Team), eine Abteilung des Department of Homeland Security, hat in einer offiziellen Warnung vom 16. November 2005 davor gewarnt, das SonyBMG-DRM-Rootkit zu installieren. Das Sony XCP DRM erwies sich in den letzten Tagen als gigantische Sicherheitslücke mit Besorgnis erregender Verbreitung, auch der angebliche De-Installer verursachte mehr Schaden als die letzten drei Trojaner zusammen. Welche Folgen hat dieser internationale Skandal nun? Keine. Im Gegenteil, es ist von einer neuen Offensive der Musikindustrie zu hören.
Um das erstmal zu relativieren: noch ist die Klagewelle gegen SonyBMG nicht wirklich ins Rollen gekommen, noch lässt sich nicht abschätzen, ob es diesen Unglückskonzern in einem Jahr noch gibt. Die anderen drei verbliebenen setzen, noch im Auge des Sicherheitshurricans, bereits einen härteren Kurs. Gegen Konsumenten und für Profite, wo vorher keine zu sehen waren. Wie das geht? Ganz einfach: Obwohl alle Anstrengungen der Musikdistributoren, ein Musik-Downloadgeschäft zu etablieren, an völlig abwesender Kundenfreundlichkeit in Tateinheit mit astronomischen Endverkaufspreisen gescheitert waren, konnte der ewige Outsider Apple einen zunächst auf seine Outsider-Computer beschränkten Musikshop etablieren, der aber inzwischen weltweit Marktführer ist.
Wie schön, endlich hat der Musik- und Technikbegeisterte die Möglichkeit, legal Songs aus dem Internet zu laden. Und weil immer alles dann aufhört, wenn es am schönsten ist, hat die Musikindustrie beschlossen, bei Apple höhere Preise für Downloads durchzusetzen. Das alte Modell 99-Cent-pro-Song liess einfach noch Raum für Optimierungen. Mit anderen Worten: Profitsteigerungen. Vor kurzem unterschrieb das letzte der Major-Labels einen Deal mit Snocap: diese Software kann Songs in Tauschbörsen identifizieren und dem Downloader dann eine Rechnung schicken. Damit wäre das Musikmonopol aus vier Firmen wieder hergestellt. Mit dem Rückenwind aktueller Gesetzgebung segelt die mittlerweile sehr konsolidierte Branche dann wieder goldenen Zeiten entgegen.
Wo hier das Problem sein soll, fragt sich womöglich die charmante Leserin, der geistreiche Leser, man muss ja keine Musik kaufen, es kommt ja genug im Radio und im Fernsehen. Unglücklicherweise macht man, wenn man sich geschickt anstellt, beim Handel mit Musik mehr Asche als beim Handel mit Drogen. Logisch, dass man da keine Konkurrenz haben will. Und was macht die Mafia mit dem vielen verdienten Geld? Investieren. Und zwar nicht nur in legale Geschäfte. Und hier, meine sehr verehrten Damen und Herren, kommen wir wieder auf die nationale Sicherheit zurück. Und darauf, dass diese, vorausgesetzt man erreicht keine grundlegenden Änderungen am oben beschriebenen schnutzigen Geschäft, nicht den Schatten einer Chance hat. Keinen. [fe]
November 17, 2005 in PC vs. Copyright | Permalink | Kommentare (1) | TrackBack
15. November 05
Halbleitervergiftung bedroht uns alle
Neueste wissenschaftliche Erkenntnisse belegen: der andauernde Kontakt zu Halbleitern (englisch: Semiconductors) übt einen äusserst negativen Einfluss auf Denk- Reflexions- und Kritikfähigkeit aus. Selbst im Rahmen eigener Forschungstätigkeit, nachzulesen in unserer VNU-eigenen Wissenschaftspublikation "Bootsektor" konnten wir in Einzelfällen fortgeschrittene Stadien von Halbleitererweichung feststellen, und das bei einer Leserschaft, die sowohl Fachkompetenz als auch IT-Entscheiderstatus und darüber hinaus ihresgleichen sucht. Im Folgenden eine Analyse dieses bislang völlig unterschätzten Problems...
Was ist die tatsächliche Auswirkung von Internet-Porno? Das fragen sich auch heute noch erwachsene Menschen, und führen zu diesem Thema Online-Umfragen durch. Und genau hier treffen wir auf die Hauptfehler- und Gefahrenquelle des einundzwanzigsten Jahrhunderts: Halbleitervergiftung! Wie sonst sollte es erklärbar sein, wenn 30 Prozent unter 2555 Befragten angeben, das wiederholte Betrachten von pornografischem Material würde bei halbwüchsigen Knaben sowohl Erwartungen an als auch Verständnis von Frauen im allgemeinen und Sex im speziellen verzerren? Oder wenn 25 Prozent meinen, in einem solchen Fall würden Teenager früher Sex haben? Wie, noch früher, geht das? Dagegen halten typische Halbleiterinfizierte Mädchen für Pornografie-resistenter als Knaben: gerade mal 7 Prozent befürchten hier eine Beschädigung der jugendlichen Vorstellungswelt. Nur jeder fünfzigste meint, Pornografie würde Kindern helfen, Sex zu verstehen. Mama, wieso hat die Tante da so einen roten Ball im Mund?
Kein Wunder also, dass 53 Prozent aller US-amerikanischen Hausfrauen, aber nur 30 Prozent aller US-amerikanischen Pantoffelhelden fordern, die Regierung müsse da was tun, so dass Kinder so'n Zeug gar nicht zu sehen kriegen. Weitere 25 Prozent sehen dagegen die Veröffentlichung von Porno von der Verfassung geschützt. Recht auf freie Rede, jawoll. Dreizehn Prozent halten abschreckende Aufkleber wie auf Zigarrettenschachteln für ausreichend. Pornografie verursacht Rückenmarksschwund und Blindheit? Zehn Prozent finden, die Regierung solle da komplett aussen vor bleiben. Dan Burrell, Kolumnist bei der Publikation Common Voice, sieht hier eine wachsende Suchtgefahr und fordert eine Steuer auf Online-Porno in Höhe von 100 Prozent. Ein besonders weit fortgeschrittener Fall von Halbleitermarksschwund.
Moralisch gefestigte Bootsektor-Abonnenten haben dagegen andere Probleme zu berichten. So widerspricht Herr Silicon dem Sonntagsbeitrag Silizium wird knapp mit den Worten: "Silizium wird knapp? Wo denn? Was für ein sinnloser Artikel. Und Kommentar." Auch hier eine drohende Halbleiterzirrhose. Während Herr Sun nur knapp weiter unten zu denken gibt: "Das bißchen Silizium im Computer kostet doch nicht die Welt!" Kann man dem etwas hinzufügen? Ja? Vielleicht den Lösungsvorschlag unseres Lesers A. Dieges zum allgegenwärtigen Spamproblem: "...und für Spammer müsste man die Zwangskastration einführen, damit sich solches Gesindel nicht noch weiter verbreiten kann." Ich verweise in diesem Zusammenhang auf die Thesen Herrn Burrels (s.o.). Im Gegensatz dazu kämpft ein weiter Leser, ein Herr Nox, im Kommentar zum Beitrag Sony - ein Nachruf mit den Folgen einer Halbleiterüberdosis und nachfolgend eingeschränkter Erkenntnisfähigkeit: "Sony ist nach wie vor gut! Wie Sie wirtschaften - ist vielleicht weniger gut. Aber davon hab ich eh keine Ahnung." Ja.
Das, liebe Leser und Leserinnen, sollte uns allen als Warnung dienen: Computergebrauch verursacht Sprachkrebs, lässt ihre Haut vorzeitig altern, vor allem im Backend-Bereich, und beschleunigt sowohl Ihre Auge-Hand-Koordination als auch ihre Todes- sowie Respawn-Rate. Und den Health-Bar immer schön im grünen Bereich halten, verstanden? Der Bootsektor, verehrte Halbleiter-Gesprächsgruppenteilnehmer, hat noch nie irgendwelche Testberichte oder Businessanalysen veröffentlicht, sondern nur eine einzige, vornehmliche und hoheitliche Aufgabe wahrgenommen: Entwicklungen und Ereignisse der IT-Welt sprachlich hochstehend und satirisch angehaucht... durch die Scheisse zu ziehen. Ist das jetzt klar? Und wer nächstes mal dumme Kommentare postet, hat keine Gnade mehr zu erwarten, sondern wird mit Halbleiterentzug nicht unter 3,5 GigaHertz belegt. Danke. [fe]
November 15, 2005 in WeltWeitesWirrWarr | Permalink | Kommentare (4) | TrackBack
10. November 05
Sie haben das Recht zu schweigen
Jetzt aber genug gelästert. Sony und BMG haben sich als Vertreter einer fascho-kapitalistischen Mentalität ge-outet. (Harte Formulierung? Lest weiter) Und wir dachten, diese wäre eine Sache der Vergangenheit. Statt dessen versuchen weltentfremdete Musik-Mandarine aus den Glaspalästen des Doppel-Konzerns, nicht nur dem Kunden den Besitz an seinen legal erworbenen Musik-CDs zu entziehen, sondern darüber hinaus auch an seinem legal erworbenen PC. Stichwort: Mediaplayer-Software auf ansonsten nicht abspielbaren Musik-CDs, die ohne weiteres Fragen oder Zögern einen Trojaner auf dem Kunden-Rechner installiert: Dieser wird dann mit Root-Kit-Methoden getarnt und verändert die Systemdateien. Schnee von gestern, buchstäblich. Aber der Spass geht noch weiter. Lest selbst...
Die tapferen Frauen und Männer von der EFF, allen voran der unerschrockene Fred von Lohmann, sind gerade dabei, den Musikmogulen mit Stasi-Methoden die Hosen unterm Arsch weg zu klagen. Richtig so. Im Zuge ihrer Recherchen sind die White-Hat-Anwälte dann auch mal kurz durch die shrink-gewrappten End-User-Licence-Agreements gesurft. Hier enthüllen sich noch ein paar legalesische Selbstschussvorrichtungen, die das japanisch-deutsche Gemeinschaftsunternehmen ein paar weitere Füllstriche im zentralen Geldspeicher kosten könnte. Dürfte. Sollte. Wird.
Aus dem (durch die blosse Benutzung der CD praktisch mit Blut unterschriebenen) Endnutzervertrag zum Gebrauch der gekauften CD auf dem eigenen PC in Form von proprietären Media-Files:
Bei einem Diebstahl der Original-CD müssen die (mit bezahlten) digitalen Kopien gelöscht werden.
Im Büro dürfen die Songs nicht abgespielt werden - nur auf einem PC, der dem Musik-CD-Besitzer ebenfalls gehört.
Bei einer Reise über die Landesgrenzen hinaus müssen die Songs ebenfalls vom Computer gelöscht werden, die "Lizenz" bezieht sich nur auf den Gebrauch im Inland.
Sämtliche von Sony-BMG veröffentlichten Software-Updates müssen installiert werden, sonst erlischt das Recht zur Nutzung.
Der Musikanbieter (SonyBMG) darf jederzeit beliebige Software auf dem Kundenrechner installieren. Auch wenn dadurch Schäden verursacht werden, hat der Käufer bereits zugestimmt.
Die maximale Haftung durch SonyBMG beträgt 5 US-Dollar.
Wenn der CD-Besitzer persönlichen Bankrott anmeldet, muss er die Musik von seinem PC löschen (steht wirklich in der EULA).
Beim Verkauf des Computers, selbst wenn die Original-Musik-CD beiliegt, müssen die Songs ebenfalls von der Festplatte runter.
Die Musik darf in keinster Weise weiterverwendet, gemixt, gesampelt werden, auch nicht zum privaten Gebrauch.
Wenn das mal kein Bruch des Urheberrechts ist, und ein Akt der Piraterie an unserem Rechtssystem?
Wir erinnern uns: durch den Kauf einer Musik-CD erwirbt man sämtliche Benutzungsrechte daran. Und kann völlig legal so ziemlich alles damit anstellen, ausser die Rechte des Urhebers zu verletzen. Ich glaube, das Koka-Kartell der Musikverwerter hat immer schlechtere Karten. Hier mein Tipp: Sie haben das Recht zu schweigen. [fe]
November 10, 2005 | Permalink | Kommentare (7) | TrackBack
08. November 05
Silizium wird knapp
Das wars dann wohl. Erst die Ölkrise, die jeden lausigen Strandkilometer Ölpest zum unbezahlbaren Rohstoffgrab veredelte, dann das Ozonloch, in dem hektoliterweise Sonnenmilch mit hochprozentigem Lichtschutzfaktor versickerte, und jetzt das. Und das berichtet nicht etwa irgendein postpubertär-misanthropher Nachwuchsblogger, sondern der Kreis der Leute, die es wissen müssen. Sonst würde das die ansonsten auffallend merkelophile Wirtschaftspostille Financial Times erst gar nicht veröffentlichen. Also: die somit als verfehlt zu wertende Jute- und Ökostrompolitik Trittinscher, ja wenn nicht gar toskanischer Provenienz hat da einen Trend losgetreten, den wir noch alle bitter bereuen werden. Sagt die FTD. Nur der Bootsektor sagt wieder was anderes. Typisch.
Weil die Solarenergie so einseitig gefördert wurde, gerade im rotgrünen prä-angelistischen Deutschland, und nachfolgend hier heimische mittelständische Chemiekonzerne wie die wackere Wacker-Chemie dot-com-verdächtige Aktienkursexplosionen hinnehmen mussten, deswegen wird das Silizium knapp. Und was ist dann, wenn die Siliziumpreise in den Himmel schiessen? Schluss mit billigem Volksrechner, Handy für nen Euro und Notebooks im Aldi-Grabbeltisch zwischen angeschlagenen Äpfeln, russischen Essiggurkengläsern und Plastikspritzguss-Wegwerfbedarf aus den garantiert kinderarbeits-gentechnikhaltigen, weltwirtschaftlichen Schmutzrändern und Freihandelszonengrenzen unserer permanent rezessionsbedrohten Wohlstandsidylle.
Dann bricht alles zusammen, vor allem die Computerindustrie, und Kreissparkassen-Börsenexperten müssen wieder zugeben, dass dreistelliges Fondswachstum nicht eigener finanzwissenschaftlicher Finesse, sondern schlammlawinenhaftem Nachrutschen scheinbar zufällig entstandener Produktkategorien in jahrelang ignorierte Nachfragelöcher geschuldet war.
Aber auch hier gibts Abhilfe (ich spreche jetzt ausnahmsweise und entgegen meiner persönlichen, allen Bootsektorlesern und -leserinnen hinlänglich bekannten Neigung nicht von der Kernspaltungstechnologie) und zwar natürlich aus dem Mutter-, oder zumindest Hauptverbraucherland von Demokratie, AIDS-Medikamenten und halbautomatischen Handfeuerwaffen: den US of A. Von der Terra Moya Aqua Incorporated (TMA) im Städtchen Chayenne im US-Bundesstaat Wyoming (beides benannt nach Teilen der kürzlich ausgerotteten Urbevölkerung) in jahrelanger mühevoller Kleinarbeit entwickelt, kann die TMA Vertical Axis Windmaschine überall Strom erzeugen, wo auch nur das letzte Quentchen Wind weht, und zwar mit ein bischen Blech und Plastik und ohne Silizium.
So einfach ist das. Sieht zwar fast aus wie der gute alte Flettner-Rotor, kann aber, mit US-Patent 6,015,258 vom 18. Januar 2000 lässig, aber feuerbereit in der Armbeuge getragen, sicher problemlos gegen altweltliche Siliziumvergeuder antreten. Das, meine Damen und Herren, ist echter Pioniergeist! Nicht dämlich mit Mikrovolt und Nanowatt rumpimpern, sondern männlich-herb ein Rohr in die Wüste stellen und solange dran rumschweissen, bis sich was dreht. Und vierzig Wagen westwärts bzw. wenige Quartalsmeldungen später ist wieder alles im Lot. Zumindest in den Regierungserklärungen gottestaatlicher, grossmachtsphantasierender oder auch nur grosskoalitionärer Welt-, Bundes und Dorf-Gendarmen.
Zur Erklärung: ich wurde heute morgen um kurz vor drei von Pressluftgehämmer direkt vor meinem Schlafzimmerfenster geweckt und etwa zwei Stunden lang unterhalten, da die tüchtigen Männer der städtischen Verkehrsbetriebe im Blitzeinsatz Strassenbahnschienen reparierten. Gut so. Und deswegen hatte ich heute einfach ein Bedürfnis nach besonders langen Sätzen mit besonders langen Wörten drin. Am besten irgendwas mit Silizium, einem der Hauptbestandteile unseres Planeten. Danke. [fe]
November 8, 2005 in Hart & Halbleitend | Permalink | Kommentare (10) | TrackBack
02. November 05
Sony zerstört Windows
Ein Koloss im Todeskampf schlägt wild um sich und vor allem auf alte Feinde ein. Möchte man meinen. Ist aber nicht ganz so, wie es scheint. Richtig ist jedenfalls, dass Malware-Experten vor einer neuen, wieder mal ganz besonders bescheuerten Idee aus dem Hause Sony warnen: SonyBMG-Musik-CDs lassen sich nicht mehr auf einem PC mit Windows drauf abspielen, sondern installieren erst einen proprietären Mediaplayer (ganz was Neues, hm?), der ungefragt Veränderungen am Betriebssystem vornimmt und sich anschliessend als Systemdateiordner tarnt. Wie nennt man so was in der Fachsprache? Aha, Rootkit, eine besonders üble Sitte unter Crackern, um Trojaner so gut wie unauffindbar auf infizierten Rechnern zu platzieren. Und bei der Entfernung des Sony-Rootkit wird das Betriebssystem beschädigt und kann schlimmstenfalls seine Mitarbeit verweigern. Was tun?
Wir wollen hier gar nicht erst mit Sinn- und Existenzfragen anfangen. Was die Regierung dagegen täte, ob die Musikkonzerne etwa eine aussterbende, dinosaurierhafte Gattung seien oder ob es sich hier in Wirklichkeit um eine weltumspannende Verschwörung mit oder ohne Aliens, Freimaurern und Microsoft handelt - das soll uns zur Abwechslung einmal nicht interessieren. Die Fakten alleine sind hier schon bizarr genug, da darf die Sarkasmustüte gefriertrocken und vakuumversiegelt bleiben: SonyBMG verweigert das Abspielen aktueller und käuflich erworbener CDs auf dem PC, ausser man stimmt ahnungslos der Installation des Mediaplayers zu und fängt sich damit einen Trojaner ein.
Der allerdings, so versichert der Entwickler dieses perfiden Systems, sei völlig harmlos und auch schon seit acht Monaten im Einsatz, ohne dass man Klagen vernommen hätte. Und ein Repräsentant von SonyBMG erklärt gegenüber der Presse, die Malware liesse sich sehr wohl leicht vom Rechner entfernen, man müsse nur der Kundensupport anrufen, um eine Beschreibung der Vorgehensweise zu erhalten. Gut, dass einem jemand das sagt. Womöglich schon bevor man ein Sicherheitstool benutzt hat, um die verdächtigen versteckten Dateien von seinem Rechner zu entfernen. Eine Frage will ich aber doch stellen: Wer zum Teufel hat einer von konsequentem eigenem Missmanagement an den Rand des Ruins getriebenen Musikfirma erlaubt, Malware auf Kundenrechnern zu installieren? Ohne auf der Verpackung der Musik-CD darauf hinzuweisen?
Ähm, und in diesem Zusammenhang noch eine Frage: wer hat schon gehört, dass die US-Filmindustrie ("Hollywood") gerade dabei ist, einige US-Abgeordnete zu bestechen zu überreden, damit das Gesetz zur Schliessung der analogen Lücke auf den Weg gebracht werden kann? Wie, welche Lücke? Na, jeder der in Zukunft von analogen Quellen (z.B. "der Fernseh'") digitale Aufzeichnungen anfertigt, soll als Pirat behandelt, verurteilt und gehängt bestraft werden. Ach das (!) ist Piraterie!
Freunde der geschmackvollen Weblogrealsatire kommen heute voll auf ihre Kosten. Schliesslich leben wir - sagt zumindest der Daily Planet die New York Times - im Zeitalter der Ideen-Ökonomie, wo nicht mehr um Absatzmärkte für Produkte gekämpft wird, sondern um das Recht darauf, eine bestimmte Information zu verkaufen. Die Gedanken sind frei, trallalla, jedenfalls bis SonyBMG oder andere grössenwahnsinnige Ideenpiraten ein Rootkit auf deinem Fernseh' Rechner installieren, um zu verhindern, dass du in den Werbepausen aufs Klo gehst. Das kostet dann nämlich extra. [fe]
November 2, 2005 in PC vs. Copyright | Permalink | Kommentare (13) | TrackBack

