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« November 2005 | Start | Januar 2006 »

29. Dezember 05

Hilfe für Pornosüchtige

Während unsere neugewählte Bundesregierung (ich war's nicht, ja?!) um Problemlösungen auch in der Frage von Gewalt auf dem Bildschirm ringt und wie üblich ein präventives, pauschales Überwachungsgesetz oder alternativ ein Milliardenzuschuss erwartet werden darf, berichtet die US-Presse bereits von höchst innovativen Ansätzen aus der Spieleindustrie selbst. Der jahrelang anhaltenden Kritik müde, stellte dem betreffenden Artikel zufolge ein bekannter Developer ein Spiel vor, welchem selbst von engagiertesten Elternverbänden völlige Unbedenklichkeit attestiert wurde. Der Bootsektor, seinerseits bekannt als entschiedener Kritiker jeder überflüssiger Gewalt auf dem Bildschirm (vgl. unsere "save our ammo"-Kampagne), begrüsst die Initiative und verweist auf weitere lange schmerzlich vermisste Lösungsansätze wie im Fall der immer weiter verbreiteten Sucht nach Online-Pornografie.

What would Jesus do? Das ist freilich schwer zu beantworten, deshalb konzentrieren sich die Menschenfreunde um den vertrauenserweckend lächelnden Dr. Ron Shackelford auf die Bekämpfung einer aktuellen Geissel des Internet: Die Sucht nach Online-Pornografie. Vielen Menschen fragen sich in der heutigen Zeit: wo ist das Problem bei der Pornografie? Schon für wenig Geld, wenn nicht gar gratis, bekommt man Abbildungen seiner persönlichen erotischen Präferenzen direkt auf den heimischen Bildschirm geliefert, bleibt weg von der Strasse, lässt die Finger von Drogen, vermeidet gefährliche Ansteckungsherde, schadet niemandem und nimmt aktiv am Arbeitsplätze schaffenden Ausbau des eCommerce teil. Lieber Leser, liebe Leserin, auch ich als Weblog-Autor Ihres Vertrauens kann darin nichts falsches erkennen. Bei einigem Nachdenken möchte ich dieses und andere Angebote daher ins Reich des Aberglaubens und der gewissenlosen Geschäftemacherei verweisen.

Bei weiterem Nachdenken ergibt sich beinahe zwangsläufig ein Blick auf einen verwandten Problembereich: Gewalt auf dem Bildschirm. Ganz ähnlich wie bei der Onlinepornografie, von geschäftstüchtigen Möchtegern-Christen als Umsatzmotor bei schmierigen Psycho-Beratungsgeschäften missbraucht, will auch die Diskussion um Computerspiele und Actionfilme einfach nicht abreissen. Angesichts einiger Tausend wissenschaftlichen Studien, die allesamt keinerlei Zusammenhang zwischen dargestellter Gewalt auf dem Bildschirm und ausgeübter Gewalt im täglichen Leben fanden, wird dennoch fleissig an der Demontage unserer Verfassung gearbeitet. Das Recht auf freie Veröffentlichung nachweislich unbedenklicher Medieninhalte wird ausgehöhlt, mit dem Verweis auf einen frei halluzinierten Bedarf nach einem Schutz unserer Kinder und Jugendlichen vor den digitalen Märchen unserer Zeit. Wir meinen: Frau Familienministerin, ihre eigene schmutzige Phantasie darf nicht zur Grundlage von Gesetzen werden. (Vgl. "Zeitalter der Aufklärung und Vernunft")

Hier greift ein Bericht des US-Magazins "The Onion", demzufolge der GTA-Entwickler Take Two Interactive unlängst das First-Person-Game "Stacker" vorstellte. Von Elterninitiativen gegen eine Verrohung unserer Jugend begeistert aufgenommen, lässt das pädogisch wertvollen 3D-Spiel die noch heranreifenden Persönlichkeiten zu einem Stapel von Pappkartons greifen, abstapeln, an eine andere Stelle tragen und dort wieder auftstapeln. Endlich, so feiern die begeisterten Jugendschützer die Entwicklung, werde ein Spiel angeboten, das überhaupt keine Emotionen auslöst oder überhaupt nur den Wunsch nach einer Wiederholung des Spielerlebnisses weckt.

Sehen Sie, verehrte Leserinnen und Leser, hierin liegt der unverzichtbare Wert der Satire. Gegen auto-erotische Gesetzgebungs-Selbstbefriediger mit direkten Mitteln vorzugehen, muss dagegen scheitern, wie die Rote Armee Fraktion und andere politische Aktivistengruppen mehrfach bewiesen haben. Danke ausserdem noch an alle Informationsquellen, die mich über das Jahr hinweg (das ist der letzte Bootsektor 2005) immer wieder zu weblog-journalistischen Rekordversuchen ermuntert haben: Boing-Boing, We-Make-Money-Not-Art, Slashdot, The Register, The Inquirer, Wired, seltener auch Unterhaltungsangebote wie die Financial Times, die BBC oder Reuters. Viel Spass noch, wir sehen uns dann nächstes Jahr wieder. [fe]

Dezember 29, 2005 in Servicefreie Zone | Permalink | Kommentare (8) | TrackBack

27. Dezember 05

Die Zeit nach Microsoft

Und darüber soll man sich jetzt schon Gedanken machen? Ja, natürlich, weil die Veränderung schon begonnen hat. Ich sage nicht, dass Microsoft demnächst die Geschäfte einstellt. Aber die Zeit nach Microsoft hat schon begonnen, und zwar weil der Markt sich verändert, weil es heute Produkte gibt, die sich Bill Gates in seiner Jugend nicht erträumen konnte, und die aus genau diesem Grund heute nicht in der Produktpalette des Softwarekonzerns zu finden sind. Es gab ja auch einmal eine Zeit, in der Dampfmaschinen die Erde beherrschten, und nur wenige Jahre davor floss Champagner, wenn eine Lieferung Tee in weniger als drei Monaten von Indien nach Europa gelangte.

Keine andere Firma in der IT-Branche musste so viele Prügel einstecken wie Microsoft. Und das auch nur, weil das Kernprodukt des Unternehmens so perfekt ist. Nein, die Rede ist sicher nicht vom billig zusammengekauften MS-Dos, seinerseits eine freche Kopie des Originals von Digital Research, auch nicht vom "PC, wie wir ihn kennen" und ganz sicher nicht vom angeblich weltweit einzigen kommerziell vertriebenen Virus: Microsoft Windows. Die eigentliche geniale Erfindung vom mittlerweile geadelten Sir William Gates ist das Betriebssystemmonopol, eine Verbindung aus gekaufter Software, durchdachten Verträgen mit Hardwareherstellern, Vermischung von Konsumenten- und Unternehmensbedürfnissen und geschicktem Lobbyismus. Sicherlich ist der PC als Konsumartikel durch Microsoft mitgeformt worden, und im heimatlichen Windows-Stadion ist die Microsoft-Mannschaft bisher ungeschlagen, und wird es wohl auch bleiben, so oft die Pinguine auch heranstürmen.

Dummerweise (oder für den Rest der Welt: glücklicherweise) ist Microsoft in sogenanntes One-Trick-Pony. Alle anderen Geschäftsmodelle, die sich nicht direkt mit dem Betriebssystemmonopol verknüpfen liessen, gerieten für den Redmonder Riesen zu kleineren bis mittleren Katastrophen. Die gemeinsamen Fernseh-Pläne mit NBC werden gerade beerdigt. Das Xbox-Abenteuer hat bisher rund fünf Milliarden US-Dollar gekostet. Apple hat sich inzwischen zum internationalen grössten Musik-Einzelhändler gemausert. Überhaupt bewegt sich das gesamte digitale Entertainment weg von Microsofts Heimatboden, wird mobil, findet auf kleinen, tragbaren Geräten statt.

Wer ein Mobiltelefon hat, das internetfähig ist und ganz normales Fernsehen empfängt, dazu einen iPod für das Speichern und Wiedergeben von Musik und Video, und womöglich noch eine Nintendo DS oder Playstation Portable, ebenfalls WiFi-fähig, der lebt ausserhalb von Microsofts Horizont. Was Google, Nokia und Apple tun, passt nicht in die Welt, wie sie Gates und Ballmer sehen. Macht nichts, es wird immer Windows-PCs geben. Und sei es im Museum. [fe]

Dezember 27, 2005 in Betriebssystem-Wahnsinn | Permalink | Kommentare (14) | TrackBack

23. Dezember 05

Liberte, Egalite, P2P

Was ist schon von einem Land zu halten, dessen Bewohner zum verspäteten Frühstück mit dem Marmeladenbrot in der Kaffetasse rühren? Eine solche Genussbetonung ist den meisten anderen Nationalitäten fremd, ebenso wie die typisch französische Neigung, an der unpassendsten Stellen urdemokratische Prinzipien auf den Tisch zu bringen. Wer erinnert sich nicht an das gern zitierte Bonmot, die französische Bevölkerung habe einmal die Regierung unter Druck setzen wollen, mehr für die Wirtschaft und gegen die Arbeitslosigkeit zu tun. Und zwar mit einem Generalstreik. Frei erfunden zwar, aber typisch. Zurück in die Wirklichkeit: in dieser Woche ging es um das französische Urheberrecht, bzw. um die Umsetzung der EU-Richtlinie. Und hier bahnt sich eine neue Revolution an.

Zunächst sah alles sehr düster aus für die Sache von Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit, als nämlich zu Anfang Dezember die französische Regierung in Gestalt des Kultusministers Renaud Donnedieu de Vabres einen Gesetzesantrag vorlegte, der nachweislich aus der Feder des Vivendi Universal Konzerns sowie der Business Software Alliance stammte. Darin sollte festgeschrieben werden, dass alle zum Kopieren geeignete Software auch ein Digitales Restriktions Management enthalten müsse, nicht-lizensierte Verbreitung von Medien zu mehrjährigen Gefängnisaufenthalten führen solle und die Privatkopie faktisch abgeschafft werde.

Das hätten Sie wohl gerne, Messieurs, da haben Sie aber die Rechnung ohne die freiheits-, gleichheits- und brüderlichkeitsliebenden Pariser Abgeordneten gemacht. Diese nämlich vertraten die Auffassung, dass man nicht aufgrund unbewiesener Behauptungen die buchstäblich halbe Bevölkerung der Grande Nation kriminalisieren könne. Die Geschichte lehrt schliesslich, dass die Buchverlage ebensowenig durch das Aufkommen der Büchereien in den Ruin getrieben wurden wie die Filmgesellschaften durch den Videorekorder oder die Musikkonzerne durch das Internet. Nur die letzere der unbewiesenen (und unbeweisbaren) Behauptungen wird derzeit noch diskutiert.

Daher stimmten die Parlamentäre für eine Festschreibung der Privatkopie einschliesslich des Rechtes, Kopien in nicht kommerzieller Weise weiterzugeben. Paukenschlag, grosser Orchestereinsatz: das bedeutet nichts anderes als eine Legalisierung von Peer-To-Peer-Tauschbörsen. Dafür soll eine Kopiergebühr auf Internetzugänge erhoben werden, wie bisherschon auf Leermedien wie CD-Rohlinge. Bonjour, Kulturflatrate. Beschlossen wurde auch, dass technische Schutzmassnahmen nicht zu einer Einschränkung von Interoperabilität führen dürfen. In klaren Worten: Kopierschutz können Sie vergessen, Madame. Nun sollten sich aber alle Freidenker, Demokraten und Tauschbörsennutzer nicht etwa zu früh freuen. Das eben Beschlossene wird jetzt schon von der sehr mächtigen Lobby der "geistigen Eigentümer" (ein Oxymoron, wie wir wissen) bekämpft, gerät sicher in eine zweite Lesung mit nachfolgender Abstimmung und wird wahrscheinlich in einem verwässerten Kompromiss enden. Nicht zuletzt durch das Vetorecht des Präsidenten.

Aber immerhin, der Geist der Revolution hat sich wieder mal zurückgemeldet und die Perückenträger der feudalistischen Medienmultis gehörig erschreckt. Gent uns die Freiheit oder gebt uns den Tod, oder gebt uns wenigstens eine sichere Rechtslage, oder zuallermindest einen freien wirtschaftlichen Wettbewerb ohne staatliche Profitgarantien für kreativ impotente Medienfürsten und ihre gepuderten Lakaien. Und noch ein fröhliches Mittwinterfest, liebe Leser! [fe]

Dezember 23, 2005 in PC vs. Copyright | Permalink | Kommentare (2) | TrackBack

21. Dezember 05

Google, AOL, zwei Kinder, ein Hund

Eine Milliarde in US-Währung kann eine alte, verblassende Freundschaft durchaus wieder aufmöbeln. Diese Freundschaft erhält der weisse Suchmaschinenriese Google mit kleinen Geschenken - und bekommt prompt fünf Prozent der Anteile an AOL dafür. Damit rücken die beiden Internet-Grossunternehmen näher zusammen. Der weinende Dritte ist in diesem Fall der glücklose Möchtegern-Monopolist Microsoft, der seine (Internet-) Welteroberungspläne erstmal einmotten darf. Trotz aller unfairer Benachteiligung der Konkurrenten und aller aufdringlicher Platzierung von haus-eigenen Web-Programmen auf dem Windows-Desktop ist die totale Kontrolle über das WWW jetzt noch weiter weg von Redmond als je zuvor. Aber wie gehts weiter?

Google hat, anders als Microsoft, jede Menge richtig gemacht und trotzdem einen Haufen Geld damit verdient. Angefangen bei der konsequenten Verwendung von Linux und Durchschnittshardware wie bei Schweins unterm Schreibtisch, über die aufgeräumte Suchmaschinenoberfläche ohne aufdringliche Werbung, dafür mit kinderfarbenbunten Firmenlogo-Buchstaben bis zur edelmütigen Unterstützung von Community-Ikonen wie Usenet oder Wikipedia. So macht man sich einen guten Namen. Wenn dann noch das eigentliche Produkt, im Fall von Google die Suchmaschine, dem Benutzer gute Resultate liefert, kann eigentlich nichts mehr schiefgehen mit den Werbeumsätzen. Und mit den ganzen Zukunftsprojekten, die womöglich erst in zehn Jahren Gewinne abwerfen.

Ganz anders Microsoft, die so ziemlich alles falsch machen, was einem zum Thema IT so einfallen könnte, und die trotzdem einen Geldspeicher nach dem andern füllen. Brauchen sie auch, weil die nachfolgenden Prozesse und Strafgelder schon mal gerne je eine halbe Milliarde auffressen. Um so schlimmer, wenn das eigentliche Produkt, die weltgrösste (und unsicherste) Fensteransammlung dieses Planeten, anerkanntermassen um Längen von Konkurrenzbetriebssystemen geschlagen wird, sei es die Version für Kommandozeilen-Ninjas oder die für Lifestyle-Clickerati. Weshalb Microsoft dennoch einen solchen Erfolg hat, wurde bereits vielfachst erörtert, jeder weiss es inzwischen, man muss dazu nichts mehr sagen.

Jede Kultur hat ihre Traditionen. Manche Kulturen sind erst ein Dutzend Jahre alt, entsprechend mühsam sind die dazu gehörigen Traditionen aufzufinden. Wenn es aber ein Traditionshaus des WWW gibt, dann eine Firma, die zumindest für weite Teile der nordamerikanischen Agrarflächenbewohner ein Synonym für das Internet darstellt: America Online. Von den Kommandozeilen-Experten durchaus zu Recht als Hausfrauen-Online-Dienst verschrien, gelang es diesem, mit seinem "für Dummies"-Konzept aus Atlanta, Georgia, zu einer Blüte von über 30 Millionen zahlenden Kunden zu gedeihen und eines der grössten Medienhäuser der Erde aufzukaufen: Time Warner. Dieser Zenith ist nun deutlich überschritten, man muss sich einen Partner suchen.

Jetzt sieht es so aus, als ob dieser Partner nicht Microsoft heisst, sondern Google, und als ob damit nicht die Vergangenheit des Corporate Computing in einen zweiten Frühling schlittert. Statt dessen manifestiert sich die Internet-Branche als Entwicklungs- (und Umsatz-) Motor innerhalb der IT, Brick-and-Mortar-Firmen wie Microsoft (und IBM, Dell, Oracle) bekommen damit ihren Rentenantrag zugemailt. Das Ubiquitous Computing mit kostenlosem Zugang zu fast allem, was unsere postindustrielle Gesellschaft ausmacht, drängt sich nach vorne. Man kann zwar jetzt noch nicht wirklich erkennen, wo das hinführt, aber man sitzt zumindest in der ersten Reihe und wird garantiert alles mitkriegen. Zum Beispiel, wie dann der Hund heisst. [fe]

Dezember 21, 2005 in WeltWeitesWirrWarr | Permalink | Kommentare (1) | TrackBack

15. Dezember 05

500.000 Leser können nicht irren

So. Sekt. Luftschlangen. Laute Musik. Ne halbe Million Bootsektor-Seiten sind gelesen (und bevor hier getrollt wird: 500k page impressions, keine visits. ok?). Und zwar in bislang 184 Beiträgen (mit diesem hier) und 501 Kommentaren. Seit dem ersten Juli 04. Einfach so, aus dem Stand, mit nem erfundenen Namen (laut Wikipedia gibts einen Bootsektor gar nicht, das heisst MBR) und dem Anspruch des Nachrichten-Neu-Formatierens. Aber was ich wirklich gut finde...

...ist, dass der Bootsektor zwar mittlerweile Heise-Niveau erreicht hat - es gab schon sinnfreie "first post"-Kommentare, ich aber noch nie einen Kommentar wegen zu hohem Scheisse-Gehalt offline stellen musste. Es gab auch wenig Anlass zur Richtigstellung von meiner Seite aus: sehr Andersdenkende wurden sofort von der Community der "Dedicated Bootsektor Readers" gemassregelt. Überhaupt: Lebhafter Kommentardrang. Manche Beiträge ("Sony - ein Nachruf") hatten bis zu 20 Kommentare, so was hat man in Foren auch nicht immer. Besondere Erwähnung mit Anzahl der Kommentare: polykarp (20), Hurricane (17), crosbow, Barkpingu (14), instant holga (12), Dr.Network (9), tinitussi (8), loorbeerbund, Oliver (7).

Die beliebtesten Beiträge (nach Page Impressions) seit März (da wurden die Webstatistik-Software umgestellt auf eine neue Version) werfen allerdings ein buntes Licht auf die Leserschaft des Bootsektorblog: "Studie: Porno macht blind" 7803 mal, "Die 6 dümmsten Ideen zur Computersicherheit" 5887 mal, "Sony zerstört Windows" 5518 mal, "Informatiker sind Sexualtäter" 5361 mal. Nicht mehr so oft gelesen wurde im selben Zeitraum dagegen "Wer zahlt die vielen Downloads?" vom Juli 04: 14 mal, "Todes-Emails vom Tsunami-Spammer" vom Januar 05: 16 mal, "Cool wie ne Kettensäge" vom November 04: auch 16 mal, oder "Kindesmissbrauch einmal anders" vom August 04: 17 mal.

Fe_portrait_bootDabei gehört der Bootsektor nicht mal zu den meistgelesenen seiner Art: der Schockwellenreiter macht die halbe Mio Klicks in zwei Monaten, unser Schwesterblog Gizmodo.de in fünf, Topblogs wie Boingboing an drei Tagen und die Telepolis in eineinhalb. Aber das nur am Rande. Im Mittelpunkt dagegen: Manfred [mk], Dieter [dj], Ralf [rm] und Fritz [fe] (hier im Bild). Achtung: Sie verlassen jetzt den Bootsektor. Gute Reise und auf Wiedersehen! [fe]

Dezember 15, 2005 in WeltWeitesWirrWarr | Permalink | Kommentare (8) | TrackBack

14. Dezember 05

Computer, Wahlfälschung, Damenunterwäsche

Auch in Deutschland stehen elektronische Wahlmaschinen vor einer flächendeckenden Verwendung. Wie gut, dass jedemann sicher ist, bei uns könne so etwas wie in den USA nicht passieren. Dort musste aktuell der Chef des Wahlcomputer-Herstellers Diebold, Mr. Wally O'Dell, seinen Hut nehmen. Zu viele Ungereimtheiten, zu viele ungeklärte Vorwürfe. Die Börse reagiert auf den Wechsel positiv, der Kurs steigt um fünf Prozent. Gegen die Firma laufen mehrere gerichtliche Klagen, die Software wurde nachweislich manipuliert. Die Diebold-Wahlmaschinen verwenden Software von Microsoft, aber das kann Zufall sein.

Wally O'Dell hatte im Vorfeld der letzten US-Präsidentenwahlen versprochen, seinen heimatlichen Bundesstaat Ohio den letztlich siegreichen Republikanern "zu übergeben". Das geschah dann auch, allen Umfragen zum Trotz, die Herrn Bush in diesem Staat eine Niederlage prophezeiten. Aber deswegen musste Wally nicht gehen. Auch nicht, als bekannt wurde, dass sich Diebold-Wahlmaschinen von jedermann manipulieren lassen, auch nachträglich, auch was die Auswertung des Wahlergebnisses betrifft. Da wird schon nichts passieren, nicht wahr?

Auch die Klagen verschiedener Generalstaatsanwälte wegen Nichterfüllung zugesicherter Eigenschaften oder Nicht-Offenlegung von Programmcode brachten Wallys Stuhl nicht ins Wackeln. Oder die Weigerung des Unternehmens, dem Wähler oder zumindest der Wahlaufsicht einen Ausdruck des Abstimmungserfolgs in die Hand zu geben. Im Gegenteil, man fand andernorts solche Ausdrucke elektronischer Wahlmaschinen auf dem Müll. Das alles genügte also nicht, um den Chef des Unternehmens zur Verantwortung zu ziehen.

Ein echtes Problem bekam Wally erst, als Aktionäre ihn bzw. seine Firma wegen Betrugs verklagten, wegen Manipulation des Aktienkurses und Bereicherung. Und das war dann wohl zuviel des Guten. Und nicht die nachgewiesene Wahlfälschung. Und was lernen wir daraus? Garnichts, möchte der erfahrene Bootsektorleser spontan ausrufen, aber so einfach ist es ja dann doch nicht. Dank des komplexeren Parteiensystems in Deutschland dürften zwar ein oder zwei Prozent Stimmenkorrektur zugunsten einer industriefreundlichen Partei nicht so viel ausmachen, wären aber ein weiterer Schritt in Richtung Substituierung von Demokratie durch Totalüberwachung und Datamining.

Zum Ausgleich noch eine gute Nachricht: Ein ebenfalls computer-erfahrener Mann aus der nord-chinesischen Metropole Harbin brach wiederholt in die Wohnung seiner gutaussehenden Nachbarin ein, hinterliess Süssigkeiten, entwendete Unterwäsche und Fotos, brachte den Computer in Schuss und wurde von der Polizei ertappt, wie er den MP3-Player seiner Angebeteten gerade zum Reparieren bringen wollte. Das erfüllt zwar grade alle Nerd-Klischees vom Techie, welcher der Dame seines Herzens die tief empfundenen Gefühle nicht zu gestehen bereit ist, sollte uns aber nicht davon abhalten, im konkreten, vergleichbaren Fall ebenfalls unser Bestes zu geben. Nicht wahr? [fe]

Dezember 14, 2005 in Servicefreie Zone | Permalink | Kommentare (0) | TrackBack

13. Dezember 05

Bald sind auch Sie Terrorverdächtiger

Das hätten sich Hobby-Diktatoren und heimliche Stasi-Fanatiker auch nicht besser ausdenken können: Im Namen der Terrorismusfahndung sollen systematisch die Telefon- und Internetdaten aller Bürger gespeichert werden. Für längere Zeit und europaweit von Fahndungsbehörden frei (aus-) nutzbar.
Nicht mal ein Promille der 450 Millionen EU-Bürger dürfte etwas mit terroristischen Umtrieben zu tun haben (reine Schätzung) – doch dafür werden die Bürgerrechte von fast hundert Prozent des Volkes mit leichter Hand beschnitten.

Wetten, dass der Missbrauch dieser Daten um Längen höher als dieses Promille ausfallen wird? Und dass die Speicherung kaum einen echten Terroristen zur Strecke bringen dürfte? Schließlich speicherten die US-Geheimdienste lange vor dem 11. September Telefonate und E-Mails. Heute dürfen amerikanische Fahnder noch viel mehr. Und? Hat der Terrorismus etwa aufgehört?

Fiona Taylor vom Verband der europäischen Telekommunikationsanbieter ETNO warnt, dass abgesehen von hohen Kosten sogar ein neues, zusätzliches Sicherheitsrisiko entstehe, denn der riesige zentrale Datenspeicher lade kriminelle und halblegale Institutionen förmlich ein, ihn anzuzapfen, die Daten zu manipulieren oder zu missbrauchen. Das wird ein Fest für SPAMmer und Phisher. Die bereiten für den morgigen Mittwoch bestimmt schon ein Fest vor, denn dann stimmt das EU-Parlament über die Richtlinie ab.

Ach ja, wir, das Volk, dürfen dann anschließend die riesige Datenbank – täglich fällt dann das Äquivalent von über 600.000 vollen CD-ROMs an – auch noch über unsere Steuern bezahlen. Der riesige Digitalorkus, in denen unsere „Bewegungsmuster“ gesichert werden, wird also technisch, finanziell und von der Sicherheit her ein fast unmögliches Vorhaben werden. Sein Name? Wie wäre es mit „1984“? (Big Brother ist ja schon negativ belegt ). [rm]

Dezember 13, 2005 in Servicefreie Zone | Permalink | Kommentare (12) | TrackBack

09. Dezember 05

Kalter Krieg ist gut!

Viele Menschen erinnern sich mit Schaudern an den Eisernen Vorhang mit seinen Selbstschussanlagen, den charmanten Durchsuchungen durch bärbeißige DDR-Grenzmatronen und des konstanten Schauderns ob eines möglichen Atomkrieges. Dieser Kalte Krieg ist vorbei, aber er hatte auch etwas Gutes, hielt er doch zwei Supermächte und damit die ganze Welt und ihre Ökonomie im Gleichgewicht. Was eine alleingelassene Supermacht so anrichten kann, führen uns Bush junior und Bill Gates vor Augen. Letzterer nimmt bekanntlich gerne ganze Märkte in Geiselhaft oder befreit Systeme von den Produkten aus anderen Häusern. Politiker konnten ihn dabei nur unwesentlich bremsen – und stoppen schon mal gar nicht.

Doch nun bricht wohl eine Ära des Kalten Krieges im Markt an, zumindest im Internet-Sektor, denn es gibt eine neue Supermacht, vor der selbst Microsoft Respekt hat: Google mit seiner milliardenschweren Kriegskasse bricht schnell und mit lockerer Hand in das Territorium anderer Marktherrscher ein. Das könnte sogar Internet-Mächten wie eBay (Google Base) oder Amazon (Google Book Search) auf Dauer gefährlich werden. Bill Gates und seine Mannen hat es jedenfalls aufgeschreckt, denn zu beinahe jeder Google-Neuerung kündigten die Jungs aus Seattle ein baldiges Gegenprodukt an.

Mehr noch: Mit einer unerwarteten Verbrüderung zwischen Microsoft und Time Warner/AOL holt der Software-Konzern sogar zum Gegenschlag aus und droht, Google einen Teil seines angestammten Geschäfts streitig zu machen – vornehmlich also Internet-Werbung und auch die Lizenzeinnahmen für die Suchmaschinentechnik, die (noch) bei AOL im Einsatz ist.

Als Berichterstatter von der Front kann man nur hoffen, dass es in diesem Kampf der Titanen so bald keinen Sieger geben wird. Nicht nur wegen des Unterhaltungswertes, sondern weil der Wettstreit viele gute Angebote für den Kunden bringen dürfte. Außerdem wäre ein längeres Gleichgewicht der Marktkräfte eine beruhigende Angelegenheit, da keine Seite über Atomwaffen verfügt (unseres Wissens). Und ein weiterer Microsoft-Sieg erzeugt bei mir nicht gerade die beste aller Zukunftsvisionen. Also: Go, Google! [rm]

Dezember 9, 2005 in WeltWeitesWirrWarr | Permalink | Kommentare (6) | TrackBack