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28. Mai 06

Deine Mutter im Internet

Bei Jinx gab's diese provokativen T-Shirts: "I've seen your mother on the internet". Das sollte andeuten, dass sich die Nebenerwerbs-Tätigkeiten der Elterngeneration in Zeiten herbei geredeter Wirtschaftsprobleme eben auch auf die neue elektronische Medienlandschaft beziehen. Nun häufen sich aber die Studien, die etwas Ähnliches, wenn auch nicht das vom T-Shirt-Text angedeutete gesellschaftliche Phänomen, mit harten Zahlen belegen. Diese Studien sehen wir uns kurz einmal an. Und fragen uns, wieso niemand beachten will, dass Spasshaben im Internet mehr und mehr eine Frauensache wird.

Schon vorletztes Jahr überraschte der Hausfrauen-Provider AOL die Weltöffentlichkeit mit einer Studie, wonach die meisten Online-Gamer weder ungewaschen, noch minderjährig, ja nicht einmal tendenziell männlich seien. Nein, der durchschnittliche Internet-Zocker sei über 40 und weiblich, fanden die konsternierten Statistiker. Und Frauen, so musste man akzeptieren, verbringen pro Woche 50 Prozent mehr Zeit mit Onlinegaming als Männer. Befragt wurden über 3000 US-Bürger.

Und auch die rührige Verbraucherschutzorganisation Consumer Electronics Association (CEA) führte in Zusammenarbeit mit Gamespot Umfragen durch - mit Ergebnissen desselben Überraschungsgehalts. Hier die Auflösung des vermeintlichen Rätsels. Spiele wie Counter Strike und World of Warcraft erhalten die ganzen Aufmerksamkeit der Medien (richtig, Bootsektor ist hier wieder mal die rühmliche Ausnahme), aber die grosse Masse elektronischer Online-Unterhaltung stellen die sogenannten "Casual Games". Solitär, Scrabble, Tetris, eben Spiele, die zur Entspannung für Zwischendurch einladen. Und nun stellen wir uns der unbequemen Wahrheit: genau das ist unsere wichtigste Unterhaltungsindustrie - nicht der Zukunft, sondern der Gegenwart. Unternehmen, die darauf antworten, können märchenhafte Reichtümer anhäufen.

Steve Jobs, nachweislich einer der schlaueren unter den Industriekapitänen, scheint daraus Schlüsse zu ziehen: man hört von einer neuen Generation von Spielen, speziell für den iPod, die das verbreitetste aller Gadgets zur idealen Casual-Gaming-Plattform machen würden. Auch hier: Gewinne jenseits der öffentlichen Vorstellungsgrenzen.

Deine Mutter im Internet, genau so wie deine Tante, deine Schwester oder später dann auch dein Opa (wenn er eine Wii zu Weihnachten bekommt), bilden die schweigende Mehrheit der Konsumentenmacht. Sie sind somit der wahre Feind der alten Unterhaltungsindustrie. Sie schauen weniger fern, gehen kaum noch ins Kino, kaufen schon lange keine Musik-CDs mehr. Statistisch belegt. Wozu auch. The best things in life are free. [fe]

Mai 28, 2006 in Weichware & Nichtwelt, WeltWeitesWirrWarr | Permalink

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Kommentare

die AOL statistik, wonach online gamer über 40 und weiblich sind, ist mehr als trügerisch. bestes beispiel hierfür ist die unfallstatistik in deutschland und österreich. diese zeigt bei über 40 jährigen frauen einen sprunghaften anstieg der unfallrate. dies liegt nicht an der plötzlich eintretenden altersdemenz sondern an den vielen söhnen und töchtern die gerade ihren führerschein erworben haben und mit ihrer unerfahrenheit die mütter in der versicherungsstufe steigen lassen. ähnlich, wenn auch nicht ident, wird es sich mit den AOL anschlüssen verhalten. Mütter melden diese auf ihren namen an, während ihre kinder diesen zum online zocken verwenden. die tatsache dass man meistens volljährig sein muss um einen internet anschluss anzumelden, bekräftigt diese these...
mfg
Florian

Kommentiert von: Florian K | 05.06.2006 21:45:58

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