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07. August 06

Ich habe nichts zu verbergen

Im Fallout eines bis heute nicht restlos aufgeklärten Anschlags mit über 3000 Opfern attackieren Kontrollfreaks aller Länder die in Jahrhunderten mühsam aufgebauten Bürgerrechte. Damit wird das System gegenseitiger Kontrolle bedroht, das bis dahin die eigentliche Stabilität des demokratischen Staates garantierte. Wir leben noch nicht in einem totalitären Überwachungsstaat, aber das hat weniger mit der Humanität der Entscheidungsträger, sondern ihrer offenbaren Beschränktheit zu tun. Hier einige Fakten:

Ein gutes Beispiel für die Schattenseiten der Geheimdienstbesessenheit unserer Zeit: die Abhörzentrale der NSA in Fort Meade bei Baltimore ist zwar mit Befugnissen jenseits aller Rechtsstaatlichkeit ausgestattet, nicht aber mit ausreichender Stromversorgung. Wie auch, wenn jede einzelne Ziffer geheim ist. Deswegen kann keine weitere (potentiell illegale) Hardware installiert werden, deswegen bricht der Betrieb innerhalb der nächsten acht Wochen zusammen.

Die nächste Nachricht aus dem Schattenreich des Big Brother: Pässe mit integriertem RFID-Chip sollen die Sicherheit erhöhen und Terroristen aufspüren helfen. Nachdem bisher keinerlei Terroristen identifiziert wurden, muss ich allerdings annehmen, dass Terrorismus in Wirklichkeit eine Religion ist: entweder man glaubt daran oder nicht. Ich glaube nicht daran.

Das tut auch Lukas Grunwald nicht, der die Firma DN-Systems in Hildesheim leitet. Er fand heraus, dass sich mit Hilfe von frei erhältlichen Mitteln der Inhalt von RFID-Chips klonen lässt. Er überspielt die enthaltenen Infos auf eine ebenfalls handelsübliche Smartcard, legt sie in seinen Pass und spiegelt dem Lesegerät am Flughafen so ein anderes Ich vor. Das geklaute Ich lässt sich übrigens auch verwenden, um buchstäblich "im Vorübergehen" einen Sprengsatz auszulösen.

Wenn dann hierzulande RFID-Pässe Vorschrift sind, muss ich unbedingt ausprobieren, ob das Gerücht stimmt, nachdem man den Chip in einem Mikrowellenherd buchstäblich "grillen" kann. Und wenn in Zukunft alle Telefonate pauschal abgehört werden, besprechen wir unsere Angelegenheiten ungestört via integriertem TeamSpeak im MMOG unserer Wahl. Und ersetzen Wörter und Begriffe durch Handbewegungen unserer Avatare, durch digitales Stirnrunzeln und virtuelle Gesten unmissverständlich zweideutiger Art. [fe]

August 7, 2006 in Servicefreie Zone, Weichware & Nichtwelt, WeltWeitesWirrWarr | Permalink

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Das Bundes-Merkel findet es ganz in Ordnung, die Freizeitarmee im Inneren einzusetzen. Als Begründung muß natürlich wieder der allgegenwärtige Terror herhalten. Die Trennung von Polizei, Geheimdienst und Militär, die die Verfasser für wichtig genug hiel [Mehr erfahren]

verlinkt am 04.07.2007 00:33:25

Kommentare

"Eine Geheimpolizei ist ein [...] Organ der Exekutive, in dem sich die Befugnisse von Polizei und Geheimdienst vereinen." (de.wikipedia.org)

Kommentiert von: lebowski | 07.08.2006 23:51:18

ist telefonabhören eine befugnis von geheimdiensten?

Kommentiert von: lebowski | 07.08.2006 23:53:17

PS: als schutz vor abhören schlage ich vor, einfach undeutlich zu reden. dann kann das gespräch nicht automatisch ausgewertet werden. computer werden nie so gut sprache verstehen wie menschen.

Kommentiert von: lebowski | 07.08.2006 23:57:45

lustig ist auch, zwischendurch wörter wie bombe oder anthrax in telefongespräche, mails cte. ein zu bauen.

Kommentiert von: den | 08.08.2006 11:07:33

RFID-Chips lassen sich ganz vorzüglich in der Mikrowelle rösten. Eine Sekunde bei 800 Watt mit 2 Gigahertz machen jedem Chip oder Elektronikbaugruppe den Garaus, auch dem USB-Stick oder der CD mit völkerraubmordkopierter Musik, wenn die Häscher bereits vor der Tür stehen. Also nach dem Kauf die Boxershorts oder den BH (aber nicht den neuen Hamster) kurz in die Mikrowelle, und schon erfolgt der nächste Kaufhausbesuch inkognito.

Kommentiert von: Hajo | 08.08.2006 19:42:46

Hallo,

die Stichworte sind nicht immer wirklich prägnant.

Wir haben hier eine Zeit nur die Top10 der meist gefilterten Wörter wie bomb, Bin Laden, attack, anthrax und djihad verwendet.

Bisher kam noch niemand bei mir vorbei ;-)

Kommentiert von: Stulle | 09.08.2006 11:21:09

antwort auf lebowski:
wie unser ausbilder im Sprechfunklehrgang doch meinte. Die beste Verschlüsselung sind immer noch 2 Urbayern, da macht jeder abhörspezialist, egal ob mensch oder maschine, nichtmehr mit.
Aber das ist ja auch die Methode in dem Film Windtalkers, wo einfach Native Americans (oder auch Indianer) benutzt werden, um Nachrichten verschlüsselt weiterzugeben;)

Kommentiert von: grisu | 10.08.2006 09:51:29

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