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29. September 06
Geld aus dem Nichts: Broadcast Treaty
Der Broadcast Treaty (Senderechtevertrag) ist, wenn er Wirklichkeit wird, der grösste Coup dieses Jahrzehnts, grösser als die weitgehend abgeschlossene Kaperung des Urheberrechts durch die Handels- und Medienkonzerne. Diesmal wird in grossen Dimensionen geplant und nicht etwa bestehendes Recht zum Schaden aller übrigen umgeschrieben, sondern gleich neues Recht aus dem Nichts erschaffen. Was? Wie? Ich erklär' das mal in Ruhe.
Der Broadcast Treaty ist ein Entwurf für einen internationalen Vertrag über den Schutz der Sendestationen und ihrer Produkte. Verhandelt wird dieser Vertrag nicht vor einem gewählten Gremium, sondern von den regierungsangestellten Bürokratie-Fachleuten, die einen Sitz in der WIPO, der World Intellectual Property Organisation haben. Der Name dieser Organisation enthält ja bereits ein Oxymoron, denn so etwas wie "geistiges Eigentum" (intellectual property) gibt es nach dem Rechtsverständnis unserer Zivilisation nicht. Die Gedanken sind frei, veröffentlichte Gedanken sind Allgemeingut, und die kommerzielle Nutzung von ganz besonders herausragenden Gedanken verleiht die Gesellschaft für eine begrenzte Zeit dem Erst-Denker oder Schöpfer dieses Gedankens (der Sinfonie, des Motors, Raketentriebwerks oder Computerprogramms). Zusätzlich erhalten Produkt- und Firmenmarken einen ähnlichen, ebenfalls zeitlich begrenzten Schutz. Das Zusammenfassen all dieser geistigen Schutzrechte als "geistiges Eigentum" schafft zwar einen handlichen Begriff, erzeugt aber auch eine Quelle massiver Missverständnisse. Und eine ganz neue Industrie, die sich darauf spezialisiert, neue Formen des "geistigen Eigentums" hervorzubringen und zu vermarkten. Noch können wir allerdings nicht absehen, ob wir uns bereits in der Ära nach dem Computerzeitalter befinden, oder noch darin.
Das aktuelle Produkt der "Intellectual Property Industry" ist der Broadcast Treaty, welcher zum Schutz der Sendeanstalten vor einer neuen Bedrohung beschlossen werden soll: "Signalpiraterie". Dieses Kunstwort bedeutet nichts anderes als das Aufzeichnen und Wiederverwenden von gesendeten Audio- oder Video-Inhalten. Das Problem bestand bisher nicht: einmal gesendet, war auch der kommerzielle Nutzen der Sendung (Werbung etc) aufgebraucht. Jetzt aber stehen die etablierten Massenmedien, bis auf wenige öffentlich-rechtliche Ausnahmen in der Hand von grossen multinationalen Konzernen, vor der potentiellen Bedrohung durch das Internet. Und Millionen von Mikro-Radio- und Fernsehsendern darin. Diese Bedrohung lässt sich nicht durch den vorgeschlagenen Broadcast Treaty abwehren. Das ist aber auch gar nicht nötig, weil die Bedrohungssituation von den Marktstrategen dazu verwendet werden kann, mit Propagandabegriffen wie "Signalpiraterie" neue Einnahmequellen für Rechteverwerter (nicht etwa für Urheber) aufzubauen. Aus dem Nichts. Nach dem Broadcast Treaty würde eine Sendefirma eine völlig neuartige Form von Copyrightschutz für ihre Sendungen erwerben. Dieser generiert bei nachfolgenden Sendungen durch Andere neue Lizenzeinnahmen, unabhängig davon, ob etwa der Urheber sein Werk in die Public Domain oder Creative Commons gegeben hatte.
Dass ein solches Manöver funktionieren kann, erlebten wir am Beispiel "Internetpiraterie", einem ebenfalls frei erfundenen Propagandabegriff. Nach dem Urheberrecht der westlichen Industriezivilisation müssten ursprünglich Lizenzen für gesendete bzw per Internet verbreitete Musik und Filme entrichtet werden. Zuständig für die Abwicklung dieser den Urhebern zustehenden Tantiemen waren die nationalen Verwertungsgesellschaften (z.B. GEMA) sowie die technischen Anbieter des Internet, letztlich also die Internetprovider. Statt dessen wurde der bis dahin legale Vorgang als "Internetpiraterie" für illegal erklärt und dadurch die Kontrolle der Vertriebswege durch die bisherigen Rechteverwerter (Handelsfirmen) festgeschrieben. Und das alles ohne demokratische Kontrolle. Was aber nicht heissen soll, dass der Broadcast Treaty bereits als Realität akzeptiert werden muss. Tatsächlich wollen nur die politischen Vertreter der USA, dass dieses markante aktuelle Beispiel für Neokolonialismus in weltweites Recht umgesetzt wird. Alle anderen sind eigentlich dagegen. Das heisst: noch ist es spannend. Am 13. September wurde in Genf beschlossen, dass man vom 25. September bis 3. Oktober (also jetzt gerade) über die Rolle von Webcasting diskutieren möchte, aber erst wenn alle das Thema vergessen haben, nämlich vom 11. Juli bis ersten August 2007 endgültige Beschlüsse fassen will. Bis dahin kann ja noch viel passieren. Zum Beispiel eine Bundestagswahl... [fe]
September 29, 2006 in PC vs. Copyright | Permalink | Kommentare (0) | TrackBack
28. September 06
Bootsektor TV 17: Broadcast Treaty
Die geheime Weltregierung World Intellectual Property Organisation (WIPO) will in Kürze den Broadcast Treaty beschliessen, der Sendeanstalten (auch im Internet) völlig neue, copyright-artige Rechte gibt. Auf Kosten von allen anderen. Mit anderen Worten: einer der grossen Skandale dieses Jahrzehnts. Der heutige Boot-TV vermittelt mal einen ersten Eindruck davon, was uns allen blüht, wenn die Sache so durchgeht. Hintergrundinfos bekommt ihr unter anderem bei Netzpolitik.org hier und hier, sowie beim Podcastverband und bei der Netzeitung. Aber vielleicht wird ja doch alles gut. Ist aber eher unwahrscheinlich. [fe]
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September 28, 2006 in PC vs. Copyright | Permalink | Kommentare (1) | TrackBack
23. September 06
Ihre Daten in den falschen Händen
Vorratsdaten, meine Damen und Herren, und zwar zur Verbrechensprävention. In Fällen von Terrorismus, Kinderpornografie und geistigem Eigentum, selbst wenn sich alle drei angeführte Gründe innerhalb der nächsten Monate als gegenstandslos herausstellen sollten. Aber man weiss ja nie. Sicher dagegen ist, dass alle privaten Daten, die von den Regierungen eingefordert werden, direkt bei cyberkriminellen Organisationen landen. Genau dafür gibt es auch die biometrischen Vorkehrungen.
Ok. Das US-amerikanische Bundesamt für Statistik, auch bekannt als Census Bureau, hat in den letzten fünf Jahren 672 Notebooks verloren. Die US-Behörde für National Oceanic and Atmospheric Administration nur 325, das US-Handelsministerium (Commerce Department) dagegen 1137 Notebooks. Und hier die gute Nachricht: Alle Geräte die verloren oder gestohlen wurden, enthielten Schutzvorrichtungen gegen das Entwenden persönlicher Informationen. Sagte Staatssekretät Carlos M. Gutierrez in seiner Presseerklärung. Mit anderen Worten: zu keiner Zeit hat irgendeine Gefahr für die Bevölkerung bestanden. Falls doch, bleiben Sie in Ihren Häusern und lassen Sie das Radio eingeschaltet.
Wieviele verlorene Computer bzw. Einbrüche in staatliche Rechenzentren hierzulande verschwiegen werden, kann ich leider nicht exakt beziffern. Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit lässt sich dagegen annehmen, dass die gesammelten Daten in keinem einzigen Fall zur Verbrechensaufklärung nutzbar, dennoch aber in den Datenbanken der russischen Spam-Zaren und südostasiatischen Phishing-Reedereien willkommen sind.
Sehr anschaulich wird das durch Jungs wie die Mythbusters, die technische Mythen durch häuslichen Fleiss und geekige Genialität zerstören helfen. Das Ergebnis ihrer mehrtägigen Bemühungen, ein durch Fingerabdrucksensor mit Wärme- und Pulsschlagerkennung geschütztes Schloss zu knacken, will ich meinen charmanten Leserinnen bzw. geistreichen Lesern nicht vorenthalten: Einfach den Daumen auf den Kopieren drücken, Daumenabdruck ausschneiden, etwas Spucke dran, und schon ist das zertifiziert unknackbare Biometrie-Hochsicherheitsschloss offen.
Falls angesichts dieser gesammelten Erkenntnisse noch ein Volksvertreter in Bund und/oder Ländern fortfährt, nach gesteigerter Datenerfassung sowie biometrischen "Sicherheitsmassnahmen" zu krakeelen, stempelt er/sie sich selbst zum Vollidioten ohne einen blassen Schimmer vom tatsächlichen Stand der Technik. Kann man das so sagen? Ich glaube schon. [fe]
September 23, 2006 in Weichware & Nichtwelt | Permalink | Kommentare (6) | TrackBack
22. September 06
Urheber sollen ruhig verhungern
Neulich schrieb ich über "White Space Marketing", diesmal geht es eher um ein "Black Hole" Geschäftsmodell. Die US-Agentur Soundscape, bis 2003 ein Teil der RIAA, sammelt fleissig Tantiemen für Urheber ein, die bei Webcasts und Satellitenradio erhoben werden. Nun fand sich unter tatkräftiger Mithilfe der EFF im Web eine Liste von Bands, die von Soundscape kein Geld bekommen. Weil man sie nicht findet. Weil die niemand kennt. Schaut mal selber...
Hier habe ich einige Bands und Musiker aus der meterlangen Liste rauskopiert, die mir irgendwie flüchtig bekannt vorkamen, aus Film, Funk und Fernsehen, oder so. Klar, das solche Leute kein Geld kriegen. Selber schuld, wenn sie so einen Indie-Schrammel-Punk machen und keinen US-Anwaltskonzern beauftragen, die Kohle einzuklagen. Urheberrecht hin oder her.
DIE FLIPPERS, DIE PRINZEN, DINOSAUR JR., DJANGO REINHARDT, DRAFI DEUTSCHER, ELEMENT OF CRIME, FRANK ZANDER, FUGAZI, FURY IN THE SLAUGHTERHOUSE, GIRLS AGAINST BOYS, GODFLESH, HAPE KERKELING, HEINO, HELGE SCHNEIDER, HERBERT GROENEMEYER, JESUS LIZARD, JIMI TENOR, JOACHIM WITT, JULIANE WERDING, KAREL GOTT, KASTELRUTHER SPATZEN, KATJA EPSTEIN, KILLING JOKE, KONSTANTIN WECKER, etwa 200 Einträge mit Los "Irgendwas", MANU CHAO, MARIANNE ROSENBERG, MARTHA AND THE MUFFINS, MELVINS, MICHAEL HOLM, N SYNC, OINGO BOINGO, PETER MAFFAY, PRINCE FAR I, PUBLIC ENEMY, PUBLIC IMAGE LTD., PURPLE SCHULZ UND DIE NEUE HEIMAT, REINHARD MEY, REX GILDO, ROCKET FROM THE CRYPT, SHIHAD, SIOUXSIE & THE BANSHEES, STEPHAN REMMLER, STEREOLAB, SVEN VATH, T. REX, THE HUMAN LEAGUE, THERAPY?, TIC TAC TOE, TIMBUK 3, TONE-LOC, U.F.O., UDO JURGENS, UDO LINDENBERG, ULLA MEINECKE, VICKY LEANDROS, VILLAGE PEOPLE, VOIVOD, WALL OF VOODOO, WESTBAM, WOLFGANG PETRY, YELLO. Die Originalliste ist mehrere Meter lang. Alle diese Leute bekommen kein Geld von Soundscape.
Ok. Bevor jetzt aber der Aufruhr einsetzt: Nein, nein und nochmals nein, das alles ist kein Grund, Steine zu werfen. Selbst wenn es hierzulande ähnlich läuft. Statt dessen könnt ihr euch um Initiativen wie "Wir haben bezahlt" (siehe links) und "DRM.info" (kommt demnächst, von der FSFE) kümmern. Ich dagegen habe mit all dem nichts zu tun. Ich habe diese Regierung nicht gewählt. Anschi, Uschi und Brigitte bitte wieder zurück an den Herd. Und erzählt mit nie, nie wieder was von Piraterie. [fe]
September 22, 2006 in PC vs. Copyright | Permalink | Kommentare (0) | TrackBack
20. September 06
Polizei schlimmer als AlQaeda
Die gesamte christliche Welt windet sich im Würgegriff des Terrorismus. (Puh! Gut dass ich schon vor längerem aus der Kirche ausgetreten bin) Beinahe stündlich werden die Gesetze verschärft. Kein Wunder, sterben doch immer wieder Menschen durch fundamentale Gewalteinwirkung. Da kann man auf das bischen Privatsphäre, Datensicherheit und Rechtsstaatlichkeit keine Rücksicht nehmen. Jetzt stellten US-Jounalisten die echten Vergleichzahlen zusammen. Schockierend!
Die guten Leute beim Wired Magazin machten sich die Mühe, die offiziellen Zahlen zusammenzufassen. Und tatsächlich! Der durchschnittliche Amerikaner hatte in den letzten elf Jahren weniger den Tod durch Terrorismus zu befürchten (3147) als den Tod durch die Hand der Polizei (3949). Oder Stromschlag (5171). Unfälle beim Waffenreinigen (8536), Leistenbruch (16.742), Ertrinken (38.302), so die Strasse langlaufen (52.000), Arbeiten (59.730), wo runterfallen (146.542) oder mit dem Auto von der Strasse abkommen (254.419). Zur eingehenderen Weiterbildung zeigen wir hier die Originalgrafik aus der Wired in der Darstellung der Terrorwarnungsstufen.

Noch Fragen? Ja? Dann lasst mich kurz nachsehen... oh, zufällig habe ich die Jahrbücher des Bundesamtes für Statistik der letzten Jahre irgendwo hingelegt, wo ich sie jetzt nicht finde. Aber wie war das noch gleich... Terrorismusopfer in Deutschland... hm... dazu fällt mir nichts ein. Jedenfalls nichts in den letzten 11 Jahren. Egal, die, äh, Vorratsdatenspeicherung ist jedenfalls beschlossene Sache. Und die Ausweitung der Geheimdienstbefugnisse. Und die Datenbank mit Religionszugehörigkeit und Grad des Terrorverdachtes. Den Leistenbruch und den Arbeitsunfall (siehe oben) können wir ja später bekämpfen. Mit aller uns zur Verfügung stehenden Entschiedenheit. [fe]
September 20, 2006 in WeltWeitesWirrWarr | Permalink | Kommentare (10) | TrackBack
19. September 06
Schwarzenegger-Gate aufgeklärt
Hacker-Angriff gegen Arnold Schwarzenegger! Markige Männertexte über heisse Mischlingsmiezen der Öffentlichkeit preisgegeben. Nationale Sicherheit in Gefahr. Die California Highway Patrol ermittelt gegen die Staatsfeinde. You can run, but you can't hide!
Ihr hab es ja schon gehört: Gegen Arnold Schwarzenegger, den Governator des US-Bundesstaates Californien, ist ein Hackerangriff verübt worden. Die kalifornische Autobahnpolizei (California Highway Patrol) ermittelt, vorzustellenderweise mit gezückten Smith&Wessons, quietschenden Reifen, dunklen Sonnenbrillen und einem auf Highway-Patrol-Country festeingestellten Autoradio mit Megaphonanschluss, das jeden fiesen Hacker in Sekunden um den Verstand und damit zum Aufgeben bringt. Soviel zur Theorie.
In der Praxis kann man sich in jedem schlampig (oder auch nur durchschnittlich) aufgestellten Server durch keineswegs rechts- und staatsfeindliches Löschen der jeweils letzten Dateiangabe in seiner Browser-Adresszeile durch die Ordner der betreffenden Webseite hangeln und dann gegebenenfalls auch auf Daten zugreifen, die nicht direkt mit der Navigation verlinkt sind und deshalb auch nicht per Herumklicken auf der Homepage gefunden werden können. Sondern nur per Klick auf die dann erscheinende Dateiliste. So wie das ein paar rasende Reporter getan haben. Inzwischen ist das "Problem" entfernt worden, und ich kann meinen geschätzten Leserinnen und Lesern leider keine Originalaufnahme bieten, in der Conan Schwarzenegger über heisse Mischlingstussis mit ihrer scharfen Kombi aus Neger- und Latinoblut abschwallt. Was er meinetwegen tun soll. Jeder hat ein Recht darauf, privat Doppelmist zu verbreiten. Aber nicht, die Polizei zu rufen, wenn das an die Öffentlichkeit kommt.
Damit aber keiner denkt, er sei ein Schwächling, beschliesst er gleich ein Gesetz, dass eines stahlharten Governators würdig ist: Der Diebstahl von Gratis-Zeitungen wird in Californien mit Gefängnis bestraft. Richtig gelesen, wer mehr als 25 auf einmal nimmt, wandert in den Bau. Angeblich, um zu verhindern, dass politische Kampagnen gestörrt werden. Wo hab ich das nur gleich gelesen? Oder nur geträumt?
Leider garantiert nicht geträumt hab ich dagegen, dass jetzt wirklich die deutsche Kriegsmarine in Richtung Mittelmeer ausläuft, um dort libanesische Fischerboote zu torpedieren, wenn diese sich nicht unverzüglich genug zu Fragen von Konterbande und dem Existenzrecht des israelischen Staates äussern. Wer hat eigentlich Angie den Auftrag dazu gegeben? Uhm. Ich hätte da eine bescheidene Frage: Können wir tauschen? Arnold, der nachweislich keinen Plan hat, wie das Internet funktioniert, erscheint mir hier als das kleinere Übel. Und entschuldigt hat er sich ja auch. Für den Blindtext. Nicht dafür, dass er gewählt worden ist, mit Hilfe von Wahlmaschinen, die sich innerhalb einer Minute ohne Folgespuren umprogrammieren lassen. Nachdem man sie mit Hilfe eines Schlüssels geöffnet hat, der auch für die Hotel-Minibar passt. Aber das ist ein anderes Thema... [fe]
September 19, 2006 in WeltWeitesWirrWarr | Permalink | Kommentare (1) | TrackBack
18. September 06
Bootsektor-TV 16: Der Schwarzenegger-Hacker
Die digitale Revolution macht nicht einmal vor dem Terminator halt. Jetzt waren schon Hacker da und haben ein MP3 entwendet, mit ausgesucht blöden Bemerkungen des kalifornischen Gouverneurs drauf. Das riecht nach Gefährdung der nationalen Sicherheit. Oder? Ist in Wirklichkeit alles ganz anders, als es typische US-Presseerklärungen glauben machen wollen? Das schaun wir uns doch demnächst mal genauer an, nicht wahr?
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17. September 06
Microsoft Zune, oder doch nicht
Eine der Stellen in der schönen neuen Elektronikwelt, an der wirklich was passiert, ist die Sache mit den tragbaren Abspielgeräten, die Enkel des Walkman also (Mehr dazu im... Gizmodo-Weblog). Obwohl so ziemlich alle Elektrohersteller solche Unterhaltungs-Taschenspeicher im Programm haben, räumte Apple (aus den bekannten Gründen) den Markt auf. Jetzt will Microsoft seinen grössten Trick wiederholen: "Das machen wir auch".
Da kann man sagen was man will: Microsoft ist der Konzern mit dem allergrössten Geschick bei der Vermarktung der Ideen anderer Leute. Oh ja, wir machen jetzt auch ein Disk Operating System, eine Textverarbeitung, eine GUI mit Fenstern und Mausbedienung, eine Playstation und, ja, jetzt auch einen iPod. Der lässt sich (wie alle Microsoft-Produkte, die letztendlich Geld gebracht haben) prima ans Betriebssystem andocken und macht sich in einem Markt breit, der schon gut entwickelt ist.
Soviel zur Theorie. Das Problem ist nur, dass man irgendwann mit Details rausrücken muss. Nur begeisterte Ankündigungen reichen einfach nicht aus. Und nachdem die Tage wieder kürzer, die Nächte länger und das Mittwinter-Konsumrauschfest 2006 immer sichtbarer werden, müssen präzisere Angaben auf den Tisch. Sonst funktioniert der zweit-beste Microsoft-Trick garnicht: Die Vaporware-Spirale. Schon durch Ankündigen der tollen, tollen Features eigener, kommender Produkte will man den sogenannten Konsumenten vom Kauf anderer Marken abhalten.
Hier mal ein Argument: Der Zune ist grösser als der aktuelle iPod (mehr für's Geld) und damit auch der hochkant (?!) stehende Screen. Und: Der Zune wird weder iTunes noch PlaysForSure abspielen. Hoppla! Damit tritt Microsoft nicht nur mit Apple, sondern auch mit allen bisherigen Partnern in Konkurrenz. Und lässt den braven Käufer digitaler Musik wieder mal im Regen stehn. "Siehste! Hätteste die Songs per Tauschbörsen geladen, dann würden die jetzt auch auf dem Zune laufen." Das mag sich jetzt so mancher verwirrte und enttäuschte Musikfreund denken.
Noch ein Argument: Man kann von einem Zune auf einen anderen drahtlos Daten überspielen. Fotos zum Beispiel, oder Musik, oder Videos. Oder Viren. Musik wird bei diesem Vorgang extra in ein DRM eingepackt, das die Unterhaltung nach drei Tagen beendet. Um, ähm, die Piraterie zu bekämpfen (Ja, ich kann dieses blöde Geschwätz von der angeblichen Piraterie auch bald nicht mehr hören). Auch bei Songs, die gar keinen Kopierschutz mitbringen, zum Beispiel wenn sie vom Urheber frei ins Web gestellt wurden, und unter einer Creative Commons Lizenz. Hier sehen die Spürhunde juristischer Einnahmequellen bereits eine Prozesslawine in den Startlöchern: zeitgenössische Rechts-Koryphäen wie Lawrence Lessig warten geradezu auf eine solche Gelegenheit, den grossen Unterstützer Digitaler Rechteverminderung für die Mehrheit (DRM) zu fassen zu kriegen. Da werden wir noch viel zu lachen haben, denke ich mal.
In Wirklichkeit gibt es ja eine gigantische Nachfrage nach digitalen Medien, für zuhause und zum Herumtragen in kleinen Abspielgeräten. Die Nachfrage, und da bin ich vollkommen sicher, übersteigt das gegenwärtige Angebot massiv. In diesem Markt wären extreme Zuwachsraten drin, wenn sich Anbieter an den Wünschen ihrer Kunden orientieren würden. Was alle haben wollen ist einfach gesagt: jede Menge Musik und Video, ohne Beschränkung beim Überspielen auf andere Abspielgeräte und bei der Weitergabe an andere Leute, gerne auch zum Pauschalpreis von 10, 20, 50, 100 Euro pro Monat. Das einzige Hindernis für eine erneute Blüte der Medienindustrie ist DRM und die künstliche Verteuerung und Nutzungsbeschränkung einzelner Musikstücke oder Videos. Das Abrechnungsmodell "pro Stück" ist längst veraltet, der Nutzer will einfach nur das Ganze, abgerechnet wird dann unter den Herstellern mittels Software. Deswegen, und weil selbst iPod-Besitzer immer weniger iTunes nutzen und statt dessen ihre eigenen CDs draufrippen, deswegen ist der Zune heute schon zum Scheitern verurteilt. [fe]
September 17, 2006 in Hart & Halbleitend | Permalink | Kommentare (3) | TrackBack
13. September 06
Copyright Über Alles
Jetzt reichts. Und wie sehr es reicht, sehen wir sehr schön am Beispiel der us-amerikanischen Vereinigung der Stickerei-Design-Hersteller. Die verschicken Briefe im Stil der RIAA-Klagedrohungen an ältere Damen, die CDs mit Stickmustern auf Ebay erworben haben, drohen mit einem Streitwert von 150.000 Dollar pro Muster und verlangen dann 300 für die Beilegung der angeblichen Copyrightverletzung. Ist allen klar, worum es hier geht?
Jemand erfindet ein hübsches Muster, das per PC und angeschlossener moderner Nähmaschine in Textilien gestickt werden kann. Jemand anderes kauft die CD, verkauft sie (oder eine Sicherheitskopie) später wieder per Internetauktion und die Piraterie breitet sich ungehemmt über den Erdball aus. So sieht das zumindest die Rechtsabteilung der Embroidery Software Protection Coalition (ESPC). 300 Schleifen für einen schwammig formulierten Abmahnbrief sind doch leicht verdientes Geld, oder? Schon gar, wenn munter Senioren bedroht werden, die nicht notwendigerweise das digitale Bürgerrechtsverständnis eines durchschnittlichen Bootsektorlesers besitzen.
Wir sehen: es ist an der Zeit, das Urheberrecht (respektive dem anglophonen dualen System des Authors- und Copyright) abzuschaffen. Richtig. Weg damit. Weil es sich nicht bewährt. Ursprünglich wurde es geschaffen, damit Urheber vom Nutzen ihrer geistigen Leistungen nicht ausgeschlossen sind, sondern für eine begrenzte Zeit an ihrer Erfindung eines Verbrennungsmotors, einer Oper oder eines Computerspiels Freude haben. Auch finanziell gesehen. Nur hat sich die gute Absicht mittlerweile in ihr Gegenteil verkehrt, und der ältliche Rechtskörper verschafft Kreativen keineswegs ein gutes Auskommen. Die müssen weiterhin einen schlechtbezahlten Nebenjob ausüben, ausgenommen die Zeit, in der sie als Genies gefeiert werden, was aber nie allzu lange dauert. Dagegen profitieren genau die Kreise von der aktuellen Rechtslage, die eigentlich einmal davon in Schranken gehalten werden sollten. Im Grunde beruht das alles auf einem (künstlich herbeigeführten) Missverständnis, und zwar der Vorstellung, es gäbe so etwas wie "geistiges Eigentum". Das ist falsch. Man kann nur materielle Dinge besitzen. Geistige Dinge kann man zwar für sich behalten, bringt man sie aber an die Öffentlichkeit, dann teilt diese den Nutzen an diesem besonderen Gedanken.
Ich geb euch mal ein weiteres Beispiel, damit die Perversion des Copyrights so richtig deutlich wird: Ich hatte mal einen alten VW Golf (ist schon länger her), dessen Kotflügel durch eine klischeehaft autofahrende Blondine zerstört wurde. Da der Rest des Wagens aber noch gut war, beschloss ich eine Reparatur auf niedrigstem Niveau, also ein Ersatzteil vom grauen Markt und ebensolcher Farbe. Nicht etwa eines aus der Fertigung des Wolfsburger Weltkonzerns. Zu dumm, dass es die Firma Volkswagen versäumt hat, mir ein Schreiben zuzusenden, das einen Streitwert von 150.000 Euro pro raubkopiertem Kotflügel in meinem Besitz ansetzte und gegen Unterlassungserklärung und Zahlung von nur 300 Mäusen die Beilegung des Beinahe-Verbrechens anbot. Noch Fragen? Zum Glück, liebe Leserinnen und Leser, gibt es jetzt auch hierzulande eine Piratenpartei, die hoffentlich bald zumindest den Vizekanzler stellt. Und ne Buddel voll Rum. [fe]
September 13, 2006 in PC vs. Copyright | Permalink | Kommentare (2) | TrackBack
12. September 06
Was nicht in der Zeitung steht
Das Project Censored, eine unabhängige medienkritische Organisation, hat ihre aktuellen Charts veröffentlicht: die 25 wichtigsten Stories, die von der Mainstreampresse verschweigen werden. Die Liste heisst "Top 25 Censored news stories of 2007", weil die Auswirkungen dieser Vorgänge erst in näherer Zukunft sichtbar werden. Und tatsächlich, da ist alles dabei, was wir nie in der Zeitung lesen werden, vom Verkauf von US-Nukleartechnik an den Iran über den neuen Staatsfaschismus in den USA und den extremen Aktiengewinnen des US-Vizepräsidenten bis zu wissenschaftlichen Nachweisen für die Gefährlichkeit von genetisch modifizierten Lebensmitteln.
#1 Future of Internet Debate Ignored by Media
Was wir als Diskussion um "Netzneutralität" kennen, bedeutet in Wirklichkeit eine drohende massive Verteuerung von Internetzugang für den Bürger.
#2 Halliburton Charged with Selling Nuclear Technologies to Iran
Die Ex-Firma des US-Vizepräsidenten Cheney verkaufte bis 2005 Nukleartechnik an den Iran.
#3 Oceans of the World in Extreme Danger
Der gegenwärtige Klimawandel betrifft die Ozeane in einem weit grösseren Ausmass, als uns bewusst ist.
#4 Hunger and Homelessness Increasing in the US
Armut wird zum Massenproblem in den USA. Dieselben Faktoren werden sich auch in Europa auswirken.
#5 High-Tech Genocide in Congo
In den letzten 20 Jahren starben im Kongo sechs bis sieben Millionen Menschen in den Verteilungskriegen des bodenschatzreichen Landes.
#6 Federal Whistleblower Protection in Jeopardy
Wer in den USA Missstände aufdeckt, muss mit Strafverfolgung rechnen, Zeugenschutz wird aufgeweicht.
# 7 US Operatives Torture Detainees to Death in Afghanistan and Iraq
Nach Dokumenten der American Civil Liberties Union (ACLU) wurden Gefangene in Afghanistan und dem Irak von US-Militärs zu Tode gefoltert.
#8 Pentagon Exempt from Freedom of Information Act
Das Recht der Bürger auf Informationen über Regierungsstellen wird aufgeweicht: das US-Verteidigungsministerium muss keine Akten mehr herausgeben.
#9 The World Bank Funds Israel-Palestine Wall
Die Weltbank finanziert Massnahmen, um aus dem verbliebenen palästinensischen Land eine eingemauerte Investitionszone zu machen.
#10 Expanded Air War in Iraq Kills More Civilians
Nach Einschätzung der britischen medizinischen Zeitschrift "Lancet" werden derzeit 85% aller Todesfälle im Iraq von den Besatzungstruppen verursacht.
#11 Dangers of Genetically Modified Food Confirmed
Krankhafte Veränderungen von inneren Organen sind eine mehrfach nachgewiesene Folge von genetisch veränderten Nahrungsmitteln.
#12 Pentagon Plans to Build New Landmines (./.)
#13 New Evidence Establishes Dangers of Roundup
Das verbreitete "Unkrautvernichtungsmittel" Roundup zerstört alle Pflanzen, die nicht genetisch modifiziert sind. Und führt zu Schäden im menschlichen Erbgut.
#14 Homeland Security Contracts KBR to Build Detention Centers in the US
Eine Tochterfirma von Halliburton errichtet im Regierungsauftrag Gefangenenlager auf amerikanischem Boden, mit einem Fassungsvermögen von etwa 400.000 Menschen.
#15 Chemical Industry is EPA’s Primary Research Partner
Die US-Umweltbehörde EPA verlässt sich auf Zahlen der chemischen Industrie.
#16 Ecuador and Mexico Defy US on International Criminal Court
Equador und Mexico weigern sich, Auslieferungsabkommen mit den USA zu unterzeichnen und bleiben statt dessen in internationalen Gremien.
#17 Iraq Invasion Promotes OPEC Agenda
Der Journalist Greg Palast hat Zugang zu Dokumenten, die zeigen, dass die Invasion des Irak der US-Regierung Kontrollmöglichkeiten über die OPEC einbringen sollte.
#18 Physicist Challenges Official 9-11 Story
Die offizielle Darstellung der Anschläge auf das World Trade Center kollidiert offenbar mit den Gesetzen der Physik.
#19 Destruction of Rainforests Worst Ever
Der südamerikanische Regenwald wird doppelt so schnell vernichtet als bisher bekannt.
#20 Bottled Water: A Global Environmental Problem
Das Modegetränk Mineralwasser wird zum Umweltproblem, jährlich werden z.B. rund 2,7 Millionen Tonnen Plastik zur Herstellung der Flaschen verbraucht.
#21 Gold Mining Threatens Ancient Andean Glaciers (./.)
#22 $Billions in Homeland Security Spending Undisclosed (./.)
#23 US Oil Targets Kyoto in Europe
Die Ölindustrie unternimmt massive Anstrengungen, um europäische Regierungen vom Umweltkurs abzubringen.
#24 Cheney’s Halliburton Stock Rose Over 3000 Percent Last Year
Der US-Vize verdient am Irakkrieg mit, seine Aktienoptionen sind von einer viertel- auf 8 Millionen US-Dollar angestiegen.
#25 US Military in Paraguay Threatens Region
US-Soldaten erhalten diplomatische Immunität, Bolivien sieht sich direkt bedroht.
Ausführliche Texte und Links auf ProjectCensored. [fe]
September 12, 2006 in WeltWeitesWirrWarr | Permalink | Kommentare (9) | TrackBack

