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« November 2006 | Start | Januar 2007 »

31. Dezember 06

Kristallkugelsektor 2007

Blick zurück? Und noch dazu ohne Zorn? Ohne mich! Ich sehe genügend Gründe dafür, den Blick nach vorne zu richten. Schliesslich kündigten sich im Verlauf des abgelaufenen Jahres Trends an, die einem positiv denkenden Weblogautor wie mir die kontroverse Diskussion dieser Themen geradezu aufdrängen. Selbstleuchtende chinesische Killerschweine umkreisen auf Selbstmordmission die globale Blogosphäre und stürzen zur nächstbesten Werbepause in den Teich zwischen Kanada und Russland.

Na endlich. Tauwetter. Grönland wird seinem Namen alle Ehre machen, womöglich schon 2007. Der Nordpol dagegen findet in Kürze nur noch im Winter statt und dient dann als Medienhype-Lückenfüller für die gurkenarme Zeit zwischen Weihnachten und Silvester. Das führt zu allgemeiner Erleichterung, weil ja Killerspiele hierfür nicht mehr zur Verfügung stehen. Endlich hat jemand aufgeschrieben, dass Kinder zuerst aggressiv sind, und sich erst später virtuell austoben. Ohne dass dabei jemand verletzt wird. Ein echter Fortschritt.

Dieser lässt sich auch an der Wendung der IT-Welt hin zum konsumentenfreundlichen MacBook und dem unternehmensfreundlichen Linux-System erkennen. Microsoft inseriert mittlerweile auf den letzten verbliebenen Vierfarb-Papierseiten für sein neues OS/2 (Codename: Vista). Fernsehwerbung wird dagegen spätestens im Herbst eingestellt, weil sich dann die Erkenntnis verbreitet hat, dass gute Neujahrs-Sport-Vorsätze am einfachsten in den Werbepausen durchzuführen sind. Die schlechten Filme zwischen den Werbepausen werden sowieso nicht mehr ausgestrahlt, weil ja jeder schon den Torrent hat. Tampons, Waschmittel und günstige Versicherungen findet man leichter in Counter-Strike. So kommen unsere Grundschüler auch nicht mehr auf die absurde Idee, morgens um halb zehn in Deutschland gäb's irgendwelche Schokoriegel umsonst. Schau auf deinen Punktestand, Kleines...

Auch wenn hierzulande die Raumfahrtindustrie jahrelang verschlafen wurde, macht nichts, es gibt ja neben aufstrebenden Industrienationen wie Nordkorea immer noch den russischen Weltraumbahnhof im landschaftlich reizvollen Kasachstan, der schon im abgefeierten Jahr 45 Prozent des Orbitalverkehrs bereitstellte. Wer hätte das gedacht? Die nur leicht genmanipulierten, grün leuchtenden Schweine im Weltall sprechen übrigens chinesisch, das Schnitzel aus dem Reagenzglas dagegen einen breiten Südstaatenakzent. Die Ureinwohner des Sternenraumes parlieren eher etwas nasal, zumindest wird man das durch Auswertung der bisher geheimen französischen X-Akten erfahren. Ich habe für alle diese Fälle schon vorgesorgt und eine Firma in Eve-Online gegründet. Mit eigener Homepage, letztere bei einem grossen deutschen Provider.

Jetzt müssen nur noch ein paar Details geklärt werden, wie etwa die fehlende Explosionstauglichkeit von Limonadeflaschen, die ausnahmslose Entscheidungsuntauglichkeit von elektronischen Wahlfälschungsmaschinen oder die völlige Dateninkontinenz von Radiochips in Reisepässen, Viagra-Packungen und KFZ-Kennzeichen, dann steht der Zukunft nichts mehr im Weg. Das wird super! Versprochen! [fe]

Dezember 31, 2006 in Betriebssystem-Wahnsinn, Hart & Halbleitend, PC vs. Copyright, Servicefreie Zone, Weichware & Nichtwelt, WeltWeitesWirrWarr | Permalink | Kommentare (3) | TrackBack

28. Dezember 06

Bootsektor TV 26: Die Phishing-Ampel

Tolle Sache: Microsoft baut eine Ampel in den Internet-Explorer 7. Der zeigt aber nur bei grossen Firmen grün. Wie praktisch. Für die. Alle andern? Schaun in die Röhre. Anschaun kann man das, als Video, nach dem Klick.

Video herunterladen (MP4)

Und nachlesen: im Bootsektor.

Dezember 28, 2006 in Videos | Permalink | Kommentare (0) | TrackBack

27. Dezember 06

Videospiele: Wieder drei tote Teenager

Wie lange muss dieser Wahnsinn noch weitergehen? Drei tote Teenager, am Weihnachtsabend, diesmal in Auckland, Neuseeland. Der Sprecher der Polizeibehörden dazu: die Playstation ist schuld. Spinnt der Typ komplett? Wir gehen dieser Frage einmal nach.

Doch, tatsächlich, das hat er gesagt. Maurice Williamson, so heisst der Mann, findet, dass die Jugend von heute denkt, sie wäre kugelsicher. Und dass die Playstation und die Xbox ihnen glauben machen würden, sie könnten fahren wie bescheuert und dann den "Reset"-Knopf drücken, wenn irgendwas schiefgeht. Und ausserdem meinte er, 15 Jahre wäre ein viel zu niedriges Alter für den Führerschein. Das allerdings meine ich auch. Und dass der Mann seinen Job verlieren sollte, weil er im Schnitt zu viel hanebüchenen Unsinn erzählt. Die drei Jugendlichen kamen übrigens von der Strasse ab, als sie von einem Polizeiauto mit hoher Geschwindigkeit verfolgt wurden. Nicht etwa von einer Playstation.

Schuld ist allerdings mit hoher Wahrscheinlichkeit Toxoplasma gondii, ein Mikroparasit, der über halbrohes Fleisch und Katzenkot verbreitet wird. Neue Untersuchungen zeigen, dass der Einzeller nicht nur wie bisher angenommen grippeähnliche Symptome hervorruft, sondern aktiv die Psyche eines befallenen Menschen verändert. Bei Mäusen wurde festgestellt, dass diese bei Toxoplasma-Infektion risikofreudiger herumspringen und deshalb öfter von Katzen gefressen werden. Im Sinne der Arterhaltung also ziemlich schlau vom Urtierchen.

Bei Menschen wirkt sich der Parasitenbefall ebenfalls drastisch aus, sagt die Studie, und dass etwa 40 Prozent der Weltbevölkerung betroffen seien. Interessanterweise differiert die Wirkung je nach Geschlecht. Befallene Männer zeigen unterdurchschnittlichen IQ und niedrigere Bildung, und können sich schlechter konzentrieren. Sie neigen zu Risiko, anti-sozialem Verhalten, Eifersucht, Misstrauen und werden überhaupt von Frauen als weniger attraktiv eingestuft. Strassenkater. Weibliche Parasitenopfer dagegen sind freundlicher, offener, attraktiver und promiskuitiver. Sexkätzchen. Wer letzteren Punkt spontan irgendwie gut findet, bitte die Hand heben. Danke.

061227katze

Im Licht dieser wissenschaftlichen Erkenntnisse kann ich jetzt schon folgende Bootsektor-Schlagzeilen für 2007 ankündigen: "Terrorgefahr – Schäuble fordert Playstation-Verbot", "Stoiber: Toxoplasma im Endstadium", sowie "Papst-iPod von Amokläufer zertrampelt" und "Bootsektorblog veröffentlicht Katzenbilder". Und immer schön den Finger am Reset-Knopf, verstanden? [fe]

Dezember 27, 2006 in Weichware & Nichtwelt | Permalink | Kommentare (3) | TrackBack

26. Dezember 06

Ist Windows Vista das Ende von Microsoft?

In bester unternehmerischer Absicht, mit Vista den Zukunftsmarkt der HD-Medien zu monopolisieren, riskiert Microsoft die eigene Zukunft. Das erklärt der Security-Experte Peter Gutmann von der Universität von Auckland, Neuseeland. Und ausserdem, so begründet der anerkannte Kryptoforscher in einem langen Fachartikel, werden PCs dadurch teurer, unsicherer und setzen Menschenleben auf's Spiel.

Ich bin ja grundsätzlich dafür, Risiken einzugehen, wenn ein angemessener Erfolg winkt. Microsoft ist bekannt dafür, Risiken einzugehen: manchmal funktioniert der Plan (bewusste Wettbewerbsverstösse kosten relativ geringe Strafen), manchmal setzt der Redmonder Riese aber auch mal halbe oder ganze Milliarden in den Sand, für Mobilfunkbetriebssysteme, Werbung in Computerspielen oder Möchtegern-iPods.

Vista bringt für Unternehmen zunächst einmal garnichts. Sie werden es trotzdem kaufen, einfach weil Microsoft besser die Sprache der Anzüge und Krawatten spricht als die Konkurrenz. Für den Verbraucher öffnet sich eine bunte Multimediawelt, fast wie bei Apple. Und hier hat Peter Gutmann einen langen Blick unter die Motorhaube getan. Seine Zusammenfassung: die technische Spezifikation für Vista zum Schutz von Inhalten könnte die längste Selbstmord-Begründung der Geschichte darstellen.

Bei Vista geht es hauptsächlich um den "Schutz geistigen Eigentums". Die Sicherheitslücken sind nämlich (fast) dieselben wie schon bei Windows XP. Vista hat umfangreichste Sicherungen eingebaut, um hochaufgelöste Filme (und alles, was auf solchen Scheiben noch vorhanden ist) vor dem Besitzer des PCs zu schützen. Tatsächlich beschützt Vista die (angeblichen) Kronjuwelen Hollywoods besser als die Bankdaten des Computernutzers. Das bedeutet zum einen, dass erhebliche Sicherheitslücken geschaffen werden, weil das HD-Medium mehr Rechte am Betriebssystem hat als der Benutzer als Administrator. Ein "hochaufgelöster" Trojaner kann also konstruktionsbedingt nicht abgewehrt werden.

Das in der Vergangenheit gut entwickelte System der Hardwaretreiber wird abgelöst durch eine Autorisierung einzelner Hardware-Versionen: wenn eine neue Grafikkarte auf den Markt kommt, muss diese einzeln von... ja, von Hollywood und Microsoft autorisiert werden. Der jeweils neue Treiber wird von ATi, Nvidia, Intel unter Verwendung lizensierter Software entwickelt, was die Grafikkarte wieder teurer macht. Wenn ein älteres Modell einen Treibercrack bekommt, der HD-Filme auch ohne Kopierschutz abspielt, wird diese Grafikkarte via Downloadpatch abgeschaltet. Kauf dir eine neue, oder ein neues Mainboard, Piratensympathisant.

Sobald Vista die Anwesenheit von HD-Medien entdeckt, werden alle nicht-verschlüsselten Ausgänge in der Qualität reduziert. Liebe Mediziner: bitte in Zukunft nicht mehr beim Arbeiten Musik hören. Diese könnte vom Vertriebskonzern als "HD" gebrandmarkt sein und ich möchte keine carcinophilen Artefakte in meinen Röntgenbildern haben.

Warum macht Microsoft das? Warum begibt sich die mächtigste IT-Firma der Welt freiwillig in die Hände der unersättlichen Alptraumfabrik Hollywood? Tut sie gar nicht. Sie kocht ihre eigene Suppe, und die hat Gutmann auf ihre Zutaten (Komponenten) untersucht. Fazit des neuseeländischen Krypto-Chefkochs: es geht auch diesmal um das Monopolisieren eines Marktes. Lange bevor die Kartellbehörden überhaupt ahnen (oder verstehen) was da passiert, stellt Microsoft sicher, dass HD-Medien nur auf Vista laufen werden. Nicht auf Linux, und vielleicht ein bischen auf Macs.

Aber der Plan kann auch schiefgehen. Wenn Verbraucherschutzverbände wegen zunehmender Nachteile für den Konsumenten vor Gericht ziehen und die Behörden hellhörig werden. Dann sitzt Microsoft zwischen zwei Feuern. Das andere lodert aus den mit den Content-Konzernen geschlossenen Verträgen. Das Ende von Microsoft-as-we-know-it? Das wird auf jeden Fall extrem spannend. Fachlich Interessierte sollten sich auf jeden Fall der Originalartikel Gutmanns A Cost Analysis of Windows Vista Content Protection zu Gemüte führen. Alle anderen können ja wieder von mir abschreiben. Aber diesmal mit Quellenlink, bitte. Urheberrecht und so. Danke. ^^. [fe]

Dezember 26, 2006 in Betriebssystem-Wahnsinn | Permalink | Kommentare (17) | TrackBack

22. Dezember 06

Unbefleckte Empfängnis vor dem PC

Es begab sich aber zu der Zeit... als Bootsektor-Autor und Nachrichten-Neuformatierer [fe] durch seine einschlägigen Gerüchte-Quellen surfte. Dabei erschien ihm aber nicht etwa ein Stern, sondern das wohlgenährte Gesicht des US-Journalisten John C. Dvorak, der in seinem Weblog gerne allerlei provokative Meldungen zusammenbringt. So auch die von der unbefleckten Empfängnis zum kommenden Weihnachtsfest.

Heilige Mutter Flora, bitte für uns Sünder! So oder ähnlich könnten die Stossgebete einer neuen Sekte lauten, wenn tatsächlich, wie von gesalbten Zoologen geweissagt, am 24. Dezember 06 in einem englischen (!) Zoo acht Komodo-Waran-Eier ohne männliches Zutun zu kleinen gesegneten Komodos heranreifen. Erwähnte Flora hatte nachweislich seit Jahren keinen Sex (oder was Warane dafür halten), sie brachte die Achtlinge also entweder einfach so hervor, aus purem Gezicke, oder es war doch ein heiliger Geist im Spiel. Das lässt sich im Nachhinein schwer sagen. Obwohl es aber interessant wäre.

061222komodo

Gerade in der heutige Zeit. Wo langwierige psychologische Studien (der Link zum PDF der Uni Potsdam geht endlich wieder) zum Thema Computernutzung und Gewalttaten zum interpretativen Schluss kommen, dass die Beschäftigung mit aggressiven Themen aggressive Gedanken begünstigt – aber nicht sehr. Das sollte uns zu denken geben, verbringen doch die weitaus meisten jungen Menschen in unserem Land den weitaus grössten Teil ihrer Freizeit vor dem Bildschirm (statt wie früher rauchend an der Strassenecke). Was werden also Herr Beckstein, Herr Pfeiffer, Frau von der Leyen vor laufender Kamera sagen, wenn die erste unbefleckte Empfängnis eines bildschirmbewohnenden Teenagers gemeldet wird? Wenn die erste Susanne, Sabine oder Carola zum Weihnachtswurf ausholt, obwohl sie nachweislich von der Barbieworld zu den Sims und anschliessend zu Second Life gewechselt ist und garantiert nicht weiss, ob männliche Avatare unten am Rumpf zwischen den Beinen auch nur glatt und rosa sind?

In diesem Sinne, bzw. in festlicher Erwartung eines neuen Zeitalters (das der Komodo-Religion) wünsche ich euch viel Spass beim Feiern. Die Wintersonnenwende ist nämlich heute bzw. war heute morgen um ein Uhr 22. Das um zwei Tage verzögerte, sogenannte "Weihnachtsfest" ist bekanntlich auf einen päpstlichen Rundungsfehler zurückzuführen. Viel Freude noch beim Entkomprimieren der Geschenke, den Virenscanner nicht vergessen, bis bald: [fe]

Dezember 22, 2006 in WeltWeitesWirrWarr | Permalink | Kommentare (4) | TrackBack

20. Dezember 06

Microsoft gegen kleine Unternehmen

Und ihr dachtet, die Konzerne machen das unter sich aus? Sowas wie "freies Spiel der Kräfte"? Oder "Survival of the Fittest"? Nee. Microsoft bringt statt dessen den neuen Internet Explorer 7 auf den Desktop, der eCommerce für Kleingewerbe verteuert und dadurch grosse Anbieter nach vorne bringt. Fairness? Wettbewerb? Monopolkapitalismus?

Ok. Ich geb zu, das war gemein. Das mit dem Monopolkapitalismus. Aber richtig. Das ist die Faktenlage: Der neue Internet Explorer 7 soll sicherer werden. Zumindest halbwegs so sicher wie die Konkurrenz. Und weil sich an der konstruktionsbedingt unsicheren Codebasis nicht so einfach was ändern lässt, gibt es eine tolle neue Ampel zu sehen. Der IE 7 soll nämlich anzeigen, ob die betreffende, gerade angesurfte Website eine Phishing-Falle ist, oder nur eine harmlose eCommerce-Plattform. Rot-Gelb-Grün. Und Weiss, in anderen Fällen. Zur Unterscheidung benutzt der IE 7 ein ganz neu erfundenes Zertifikat, das die Website griffbereit haben muss, damit die Ampel grün leuchtet. Die Kriterien für die Vergabe des Zertifikats wurden vom Industriegremium CA/Browser Forum nach 18-monatiger Diskussion beschlossen.

Und jetzt kommts: Privatleute und Kleingewerbetreibende werden generell kein solches Zertifikat erhalten können. Weil sich das Browser Forum nicht auf die Voraussetzungen für diese Webseitenbetreiber einigen konnte. So dass nur bei grossen Firmen, und bei entsprechenden Kosten, die Ampel auf grün springt. Okok. Bei euch Linuxprofis mach ich mir da keine Sorgen. Aber bei Millionen von Gelegenheitssurfern mit PCs aus dem Laden wird eine Lemmingsbewegung einsetzen: weg von kleinen autonomen Webshops, hin zu Amazon, Ebay und anderen Freunden Redmonds. Verisign will innerhalb von sechs Monaten einen Vorschlag zur Güte unterbreiten. Und bis dahin? Und was kostet das Ganze dann?

Ein Fall für die Kartellbehörden. Wer soll da Klage führen? Novell? IBM? Baidu? Champ Mitchell, Chef von Network Solutions, meint: "Dies ist eine tickende Zeitbombe, die demnächst explodieren wird". Spätestens mit dem Verkaufsstart von Vista. Und weiter sagt er: "Das Internet war bisher eine grossartige Plattform für kleine Gewerbe. Jetzt kippt Microsoft die Ebene um 80 Grad in Richtung Grossunternehmen."

Ok. Und danke noch an dieser Stelle für die Emails meiner Leser. Jörg W. aus F. (könnte auch aus A., B. oder C. sein) weist auf Pläne der Bundesregierung hin, die "im Kampf gegen den Terrorismus künftig auch Roboter einsetzen" will. Ja, wollen die noch mehr ehemalige Staatsdiener mit überschaubarem Ausbildungsgrad ins Prekariat abdrängen? Lobenswerterweise betätigt sich Prof. Hans-Joachim S. aus ... Peine als VW-Watch (nicht wie in "Armbanduhr" sondern wie in "Wachhund") und liefert in seinem Blog unterhaltsame Kritik zum Porno-Finanzskandal des Autoherstellers. Und noch ein Link mit Weihnachtsstimmung: die netten Leute von der FSFE (hier: Joachim J. aus...) erzählen über die "Vergesslichkeit der Bundesregierung" beim Erklimmen des IT-Gipfels. Dann feiert mal schön. [fe]

Dezember 20, 2006 in Servicefreie Zone, WeltWeitesWirrWarr | Permalink | Kommentare (1) | TrackBack

15. Dezember 06

Bill Gates: Musik-CDs selber kopieren

Kopierschutz ist nicht das, was er sein soll, sagte der einflussreichste Softwarekopierer der Welt. Und dass es "riesige Probleme" damit gäbe. Und dass die Leute doch besser CDs kaufen sollten und sie selber zu MP3s rippen. Ok, Bill, wird gemacht. Deswegen gehen ja auch die Verkäufe bei iTunes und anderswo zurück. Rick Lisko aus Wisconsin hat dagegen eine andere Lösung für seltsame Probleme parat: einfach aufessen.

Zweifellos einer der wichtigsten Männer des letzten Jahrhunderts, hat Bill Gates doch aus dem einfachen Kopiervorgang eine Kunst gemacht. Oder besser: Ein Geschäftsprinzip. Ob Disk Operating System, mausgesteuerte Benutzeroberfläche, Textverarbeitung oder Internetbrowser: nie hat er wertvolle Zeit damit verplempert, selber Lösungen zu finden. Kopieren, das lernen wir vom geadelten Sir William, führt geradewegs zum Erfolg.

Da wundert es uns auch nicht, wenn er einer Gruppe von Bloggern dazu ein Interview gab. Neulich in Redmond und in Vorbereitung auf die Mix Conference in Las Vegas. Obwohl jeder einzelne der tapferen Blogger ein Apple-Notebook vor sich aufgeklappt hatte, kramte der Chief Software Architekt energisch im Nähkästchen. Sein Statement zum aktuellen, weltweiten Kopierschutz-Desaster: "People should just buy a cd and rip it. You are legal then." Nicht wahr, Frau Zypries. Auch wenn Ihre Freunde in der Musikindustrie etwas anderes behaupten. Wir sagen: Raubkopie-Erfinder sind Verbrecher.

Und prompt brechen die Download-Umsätze bei iTunes und anderswo weg. Wozu soll ich auch Geld bezahlen, wenn mir die Ware gar nicht richtig gehört? Es gibt doch so viele andere Möglichkeiten seine Kohle loszuwerden, nicht?

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Eine wirklich patente Lösung für eigenartige Phänomene lehrt uns dagegen Rick Lisko, Naturbursche aus Wisconsin. Der mit seinem Pritschenwagen neulich einen jungen Hirsch überfuhr (Beispielbild: Wikipedia), ganz in der Nähe seines Wohnortes Osceola am Mud Lake. Als er das tote Tier unter den Rädern hervorzog, bemerkte er, dass dieses ein unterentwickeltes Geweih besass, dazu sieben Beine und beide Sorten von Geschlechtsorganen. Er liess seinen Fang am nächsten Tag stolz von anderen Einheimischen betrachten und fotografieren. Dann ass er das Ding auf. War lecker, meinte er. Aber das nur am Rande. [fe]

Dezember 15, 2006 in PC vs. Copyright | Permalink | Kommentare (0) | TrackBack

13. Dezember 06

Bootsektor TV 25: Erdnussverbrecher

Hierzulande kann man ganze Jahrhundertprozesse mit Hilfe von Peanuts runterfahren. Stichwort: Ackermann. In den USA (und anderswo) werden ganze Klagelawinen gegen mutmassliche Tauschbörsenverbrecher losgetreten. Jeden kann es treffen. Tot oder lebendig. Mit oder ohne Internetanschluss. Was lernen wir daraus? Immer ein paar Peanuts dabei haben. Mehr dazu... im Video.

Dezember 13, 2006 in Videos | Permalink | Kommentare (0) | TrackBack

12. Dezember 06

Grausam und menschenverachtend

Und ausgerechnet Sega, die mit ihrem blauen Kuschel-Igel Sonic Millionen von Kinderherzen mit purem Glück erfüllt haben. Diese einstmals so blümchenwiesen-inspirierten Spieleschöpfer haben von Twentieth Century Fox die Lizenz zum Töten, ach was sag ich, zum blindwütigen Morden und Abschlachten erhalten, zur Interaktivierung der legendären Alien-Filme. Schnell an den Verhandlungstisch.

Gibt es etwas grausameres und menschenverachtenderes als dieses Alien, die transgalaktische Mordmaschine, Objekt interstellarer Unternehmens-Begierde? Und ausgerechnet daraus muss Sega je einen Ego-Shooter und ein RPG (Rollenspiel) anfertigen? OK, kein psychisch noch so labiler Heranwachsender wird darin eine Chance haben, irgend etwas anderes anzufangen als eine betont ausserplanetarische Vorwärtsverteidigung, weit jenseits jedes Hindukusch. Der Dienst mit der Waffe richtet sich dann einzig gegen vakuumfeste AlQaeda-Darsteller aus fernster Zukunft, mit verletzungsgefährlich langen Zähnen, ätzendem Säurespeichel und allgemein verurteilenswertem Mundgeruch. Die Aliens waren, sind und werden die Bösen, wir erfüllen nur den demokratisch legitimierten Verfassungsauftrag. Sind Sie jetzt beruhigt, Herr Beckstein?

Schon gar, da neueste Volkszählungen ergeben haben: In den vergangenen vier Jahren nahm die Zahl der über 45-jährigen, die Computer- und Videospiele zum eigenen Gebrauch erworben haben, um mehr als 50 Prozent zu. Noch deutlicher wird dies bei (rein statistischer) Trennung der Geschlechter: Frauen, gleich welchen Alters, haben im betrachteten Zeitraum 67 Prozent mehr interaktive elektronische Unterhaltungssoftware zum persönlichen Verzehr erworben. Wäre das eine Basis, Herr Dr. Beckstein? Könnten wir uns darauf einigen, grausame und menschenverachtende Computerspiele mit blutrünstigen ausserirdischen Muttertieren in der Hauptrolle nur an Frauen über 45 Jahren abzugeben?

Oder soll das sinnlose Morden weitergehen und auch morgen eine Phalanx unmenschlich wirkender Aufmerksamkeitsparasiten ihre giftbewehrten Fänge in die ungeschütze Meinungsflanke der Öffentlichkeit schlagen dürfen? Darf ich mich hier vertrauensvoll an Sie wenden, Herr Prof. Dr. Dr. Günther Beckstein, da Sie ja schliesslich meine verfassungsgemässe Wahlstimme repräsentieren. Nicht meine persönliche, aber eine mehrheitliche, unter meiner verschwindenden, ablehnenden Mitwirkung entstandene Zustimmung der bayrischen Politikverweigerer zu Ihrer politischen Randgruppe. Praktisch am äussersten Rand menschlicher Zivilisation, in der allerletzten, an majestätischen Gebirgsgipfeln gestrandeten humanoiden Kolonisierungswelle, umwogt von den Ausläufern des Andromedanebels. Hallo? Hallo Erde? Hier spricht die Nostromo... [fe]

Dezember 12, 2006 in Weichware & Nichtwelt | Permalink | Kommentare (5) | TrackBack

09. Dezember 06

Wie man HD-DVDs kopiert

Der aktuelle Grossangriff der Contentindustrie auf unsere Benutzerrechte wird bei hochaufgelösten Filmen am deutlichsten. Nur gut, dass unermüdliche Computerexperten wie der US-Amerikaner Jake Ludington nicht eher ruhen können, bis sie auch dafür eine Lösung gefunden haben: So kopiert man HD-DVDs (und später Blu-Ray-DVDs) und zwar mit vertretbarem Aufwand. Und völlig legal.

Das Umgehungsverbot von Kopierschutzeinrichtungen hat ja keine echte rechtliche Grundlage, sondern wurde von den westlichen Industrieregierungen als Gefälligkeit gegenüber ihren Freunden in den Verlagshäusern eingerichtet. Wie gut, dass niemand, der an dieser öffentlichen Rechteverbrennung beteiligt war (Medien-Manager, Lobbyisten, Abgeordnete, Staatsanwälte, Richter) genug von der Technik versteht. Wie gut, dass es noch unverdaute Reste von Verfassungsrecht gibt, die den Randzonen der Massenmediennutzung Sicherheit spenden.

Von wenigen halb-zivilisierten Ländern (wie Grossbritannien) einmal abgesehen, ist überall die Analog-Kopie erlaubt. Also gut. Dann nehmen wir eben die Analog-Kopie, die zwar messbare, aber nicht wahrnehmbare Kopierverluste aufweist. Jake erklärt in seinem "Jake Ludington's MediaBlab" haarklein, wie man mit Hilfe eines kräftigen PC (ohne Vista, weil dafür die Treiber fehlen) mit einer Aja Xena LH HD-Capture-Karte und einem Festplatten-TeraByte im Raid, eines Xbox-HD-DVD-Laufwerks (mit Xbox360) und ein paar Kabeln aus dem Elektroladen deines Vertrauens neueste Kinofilme kopiert. Die Video-Rohdaten können dann noch unmerklich komprimiert werden, damit der Film, ohne Bonusmaterial, auf eine normale DVD passt. Vorsicht: das Verkaufen einer solchen Kopie oder das rundfunkähnliche Senden via Internet sind nach wie vor nicht erlaubt. Und das ist auch gut so. Weil die Urheber bezahlt werden müssen, sobald eine kommerzielle Verwertung ihrer Kunst erfolgt. Ok?

Viel Spass also beim legalen Kopieren, und beim Schmökern auf Jakes Seite mit vielen tollen Tipps drauf. Solange es HD-DVD und Blu-Ray noch gibt. Ich glaube nämlich nicht an den Erfolg davon. Weil diese Rechnung wieder mal ohne den Kunden gemacht wurde, der auch die letzten zwölf Digitalformate seit der CD/DVD einfach nicht beachtet hat. [fe]

Dezember 9, 2006 in PC vs. Copyright | Permalink | Kommentare (4) | TrackBack