« Februar 2007 | Start | April 2007 »
30. März 07
BootsektorTV 33: Der virtuelle Bootsektor
Massively Multiplayer Online Games. Das nächste grosse Ding. Nicht erst seit Second Life. Oder World of Warcraft. Wir machen jetzt auch eins. Hier ist schonmal das Vorabvideo. [fe]
Zum Download, für die Sammler.
Oder nach dem Klick zum Anschaun.
März 30, 2007 | Permalink | Kommentare (0) | TrackBack
29. März 07
Atomkraft? Zu teuer!
Ich muss hier nicht extra betonen, dass ich nichts von Kernspaltung zur Energieerzeugung halte, oder? Kernkraftwerke sind für ihre Betreiber Gelddruckmaschinen, für alle anderen ein Gesundheits- und Kostenrisiko in einer zeitlichen Grössenordnung von mehreren Milliarden Jahren. Was Kernkraftfreunde nicht zu wissen scheinen: eine massive Explosion hat bereits stattgefunden. Boom. Der Preis für spaltbares Uran hat sich verzehnfacht. Weitere Faktoren: der Millennium Falcon und Tom Cruise.
Innerhalb weniger Jahre hat sich der Preis für spaltbares Uran verzehnfacht, berichtet atemlos die Nachrichtenagentur Reuters. Noch zu Anfang dieses Jahrzehnts lag der Preis für ein (imperiales) Pfund Uran bei etwa sechs US-Dollar, wie zuletzt zu Anfang der Siebziger. Im Januar 2007 musste man schon 75 US-Dollar dafür hinlegen. Höre ich da neidvolles Ausatmen in arabischem Akzent? Richtig, da können die Scheichs nur wütend kucken. Erdöl. Tss.
Auf Foreignpolicy.com finden wir weitere lustige Zahlen. Zum Beispiel, dass schon heute die Nachfrage nach Uranbenzin das Angebot um 35% übersteigt. Dass China in 13 Jahren vier mal soviel Atomstrom herstellen will. Dass zu den heute weltweit vorhandenen 440 Reaktoren innerhalb der nächsten zehn Jahre noch 82 dazu kommen sollen.
Ach, da les' ich gerade, dass die USA 20.000 Nuklearsprengköpfe aus alten Sowjetbeständen aufgekauft haben, um sie zu Zivilbrennstoff zu verarbeiten. Der Deal endet 2013. Dann sind wieder alle angewiesen auf die Minen in Australien, Kanada, Namibia und Kasachstan. Also, mal ganz unter uns: ich finde, wir sollten Jürgen Trittin nachträglich den Bundesumweltehrenminister auf Lebenszeit verleihen. Weil er und seine streitbaren Nadelstreifen-Anarchisten dafür gesorgt haben, dass wir aus dieser unwirtschaftlichen Technik aussteigen und dafür auf alternative Energie setzte, die prompt auch schon ein paar hunderttausend Arbeitsplätze erzeugt hat.
Andere Nationen haben da noch viel massivere Möglichkeiten, ihre Helden zu feiern. So wird der United States Postal Service eine Briefmarkenserie mit Star Wars Motiven veröffentlichen. Und um auch hier etwas Demokratie ins Spiel zu bringen, darf der US-Bürger zwischen drei Motiven für die 41-Cent-Marke wählen. C-3PO, Millennium Falcon und Darth Maul. Da kann die deutsche Bundespost nicht mithalten. Obwohl, stop, wir haben doch sogar die Originale zur imperialen Ästhetik zu bieten. Wie wärs mit einer Sondermarkenserie mit Motiven von Albert Speer und Leni Riefenstahl? Käme bestimmt gut an im richtungslosen neuen Deutschland.
Wer hier dagegen nicht gut ankommt, ist Tom Cruise. Nicht etwa weil er eklig ist, sondern weil er zu dieser Scientology-Sekte gehört. Und den tapferen, aber leider erfolglosen Hitler-Attentäter Claus Schenk Graf von Stauffenberg in einem kommenden Hollywoodschinken mimen will. Diese Kombination aus Sekte und Stauffenberg wiederum findet die Familie von Claus eklig. Mein Vorschlag: Warum macht das nicht Jürgen Trittin? Der hatte auch schon einen glaubwürdigen Schnurrbart. So oder so: Möge die Macht mit euch sein. [fe]
Jürgen Trittin und seine Rebellen beim (erfolgreichen) Angriff auf die Todessternbasis auf Endor. Im Hinter- grund der von Ewoks zertrampelte Darth Cruise.
März 29, 2007 in Servicefreie Zone | Permalink | Kommentare (8) | TrackBack
27. März 07
Siemens muss sterben
Heute ist also der Siemens-Zentralvorstand Feldmayer hinter dekorative schwedische Gardinen drapiert worden. Ob er sich da auch nach der Seife bücken muss, wie es dem gemeinen deutschen Privatkopierer in den Drohvideos der Filmwirtschaft anheim gestellt wird, konnte ich noch nicht herausfinden. Dafür alles mögliche andere.
Das war ja nicht die erste Aktion des Staatsanwaltes gegen Siemens. Nur hat es diesmal den Top-Dog Johannes Feldmayer erwischt, der nach Aktenlage dafür gesorgt haben soll, dass dem schon länger inhaftierten Betriebsratsvorsitzenden Wilhelm Schelsky insgesamt 14 Millionen Euro zugesteckt wurden. Womöglich, damit das mit den Massenentlassungen besser klappt.
Gleichzeitig erfahren wir von einer Eskalation des Gerichtsverfahrens gegen die Kraftwerksabteilung von Siemens. Dort hatten sich die Turbinen-Kapitalisten Aufträge durch dicke Sümmchen für italienische Manager gesichert. Und etwa ein Drittel des Autragsvolumens als Profit eingefahren. Was nach Bekanntwerden zum Real-And-Total-Worst-Case für den grossen deutschen Konzern führte: ein Jahr lang keine öffentlichen Aufträge in Italien.
Meanwhile beraten die Siemens-Aufsichtsräte (die von all dem nichts gewusst haben, klar) über eine Begrenzung der Abfindungssumme für den Vorstandsvorsitzenden Klaus Kleinfeld. Für den Fall, dass er rausfliegt. Wegen Korruption. Nicht etwa wegen der Sorte Korruption, die seit Jahrzehnten bei Siemens (und anderswo) fester Bestandteil des Tagesgeschäfts ist. Weswegen Transparency International auch Deutschland im schmierigen Mittelfeld des weltweiten Bestechungssumpfs ansiedelt. Sondern wegen der Sorte Korruption, die in der letzten Zeit so unangenehm durch die Medien gezogen wird.
Dabei haben doch unsere freundlichen südlichen Nachbarn schon längst das Problem gelöst: ein Jahr lang keine öffentlichen Aufträge für Siemens. Keine Kernkrafttechnik, keine Hochgeschwindigkeitszüge, keine Telefonanlagen für die Bundeswehr, keine Beamten-PCs, keine Toll-Collect-Geldverbrennung, keine Galileo-Fehlstarts, keine Aufträge ohne Ausschreibung. Und auch keine Steuervergünstigungen und Abschreibungen für Arbeitsplatzabbau und die Kosten von Produktionsverlagerung ins Ausland. Und schon gar keine direkten Subventionen mehr. Direkter, mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit anzunehmender Ernstfolgefall: der Konzern macht am nächsten Tag zu. Und am übernächsten Tag wird das Arbeitslosengeld Zwei für alle Berechtigten kommentarlos verdoppelt. Irgendwo muss man das viele gesparte Geld ja dann hintun.

Nicht alle deutschen Konzerne verfügten über so billige Arbeitskräfte: Frauen-KZ Ravensbrück.
Kein Zweifel: eine Verringerung der Korruption in Deutschland um die Grössenordnung des Siemens-Konzerns würde bereits sämtliche nationalen wirtschaftlichen Probleme beseitigen. Und da gäbe es noch ein paar Kandidaten... [fe]
März 27, 2007 in Servicefreie Zone | Permalink | Kommentare (2) | TrackBack
26. März 07
Millionenerfolg durch Heissluft
Das wirklich, wirklich grossartige an Second Life ist die Verwirrung, die es erzeugt. War schon sein Vorläufer, das Internet ("...is a series of tubes") schwer zu verstehen, so verwandelt sich jede öffentliche Auseinandersetzung mit dem Thema SL vorhersagbar in heisse Luft. Und man muss nicht (wie ich) das Lebenswerk von Philip K. Dick gelesen (und die Hälfte davon verstanden) haben, um zu wissen: es gibt eine Realität dahinter. Und dahinter noch eine. Hier einige Beispiele...
Hocherfreulich fand ich die Reaktion auf den Second-Life-Auftritt (an dem ich zugegebenermassen auch einen winzigen Anteil habe), der Grosstante des Bootsektorblogs, auch bekannt unter "PC Professionell". Da die Gute noch im barbarischen Print-Zeitalter geboren ist, hält sie an lebenslangen Gewohnheiten fest und testet auch im Second-Jenseits Produkte unterschiedlicher Virtualitätsgrade. Das wiederum wird von den SL-Bewohnern als echte Neuerung empfunden und begrüsst. Tatsächlich wird dort, in der Disney-Ausführung des Gibson'schen Cyberspace, eigentlich nie irgendetwas getan, sondern immer nur darüber geredet. Von "mach dich nackig, du Sau!" bis "besuchen Sie das Dell-PC-Museum!" (ich war an beiden Orten in SL, es war jeweils vergleichbar langweilig). Hier haben wir also eine Lücke aufgespürt, einen Haar-Riss im Raum-Zeit-Kontinuum, durch welchen langsam, aber unaufhaltsam, Realität in die Virtualität einsickert. Und wir dachten, es wäre andersrum.

Bootsektor-Pilot Fritz beim Lesen der PCpro in Second Life. Im Hintergrund das Segelboot von Testredakteur Martin.
Ebenfalls zunehmender Verschmutzung ursprünglich brillianter und blütenweisser Geschäftsstrategien durch einsickernde Realität sieht sich dieser Tage die Firma Microsoft ausgesetzt. Das einstmals neon-leuchtende Vorbild aller Dot-Com-Entrepreneure durchlebt einen schmerzhaften Aufwachprozess. So ähnlich wie die Helden in diesen endzeitgeistigen Science-Fiction-Filmen, die nach 500 Jahren Tiefkühlschlaf durch einen Computerfehler unsanft ins Licht geschleudert werden und als Reaktion auf diese Realitätsüberdosis erst einmal den nur eingeschränkt weiblich wirkenden Medi-Roboter vollkotzen. Genau so ähnlich muss Microsoft angesichts allgemein lustloser Vista-Nachfrage zur Ultima Ratio des Marketing greifen: Preissenkungen und Rabattversprechen. Bitter.
Realität kündigt sich als kaum noch zu vermeidende Entwicklung auch in der Daily Soap "IP Industry" an. Da bietet die RIAA (ich kann nichts dafür, die liefern einfach tägliche Steilvorlagen und Eigentore) nicht nur Ablassbriefe, die für 3000 Dollar die Seele des Tauschbörsenvölkermordpiraten (Copyright: Wirhabenbezahlt) aus dem Fegefeuer angeln sollen, sondern verklagen auch noch Verstorbene, Verkrüppelte und neuerdings auch kleine Kinder. Die im Alter von sieben Jahren Filesharingterrorismus betrieben haben sollen und nun, drei Jahre später, vor ein RIAA-Tribunal gezwungen werden (unter Mitwirkung der Bertelsmann Music Group). Sicher mit sehr viel weissem Licht, einem Zahnarzt-Sessel, funkelnden stählernen Werkzeugen, einem RIAA-Inquisitor mit Mundschutz und Chirurgen-Uniform sowie anderen Anzeichen vollständigen Realitätsverlustes. Glücklicherweise haben die Jungs von LimeWire (die nach Expertenmeinung von Bootsektor-Lesern nicht mal die allerbeste P2P-Plattform haben sollen) angekündigt, vor Gericht für die Freiheit zu kämpfen. Dazu ein allerletztes Zitat, diesmal von Marylin Manson: "bang, bang, bang, bang" (mobscene. CD: the golden age of grotesque). [fe]
März 26, 2007 in Weichware & Nichtwelt | Permalink | Kommentare (0) | TrackBack
23. März 07
Das schlimmste Unternehmen 2007
US-amerikanische Leser des Weblogs The Consumerist (Ein Gizmodo-Schwester-Weblog) wählten die Vertretungsorganisation der dortigen Musikindustrie, RIAA, zum schlimmsten Unternehmen des Jahres. Vor Halliburton, Exxon, Walmart, News Corp, Sony, aus insgesamt 32 Kandidaten mit über 100.000 Stimmen. Und: die CD-Verkäufe im ersten Quartal 07 brachen um 20 Prozent ein.
Ja, richtig gelesen. Ein Fünftel weniger verkaufte Musik-CDs im Mutterland des RocknRoll, im Vergleich mit dem ersten Quartal des letzten Jahres. Und kaum Hoffnung durch das Download-Geschäft: online kaufen die Leute zu 40 Prozent einzelne Songs, keine ganzen Alben. Grosse Einzelhandelsketten wie Best Buy verkleinern derzeit die Verkaufsflächen für Musik-CDs zugunsten umsatzstärkerer Produkte.
Die University of Wisconsin hat der erwähnten RIAA jetzt eine Rechnung geschickt. Für Bearbeitungskosten, also Büroarbeitszeit, zu den wiederholten Forderungen der Musiklobby, die Universität möge doch Studenten ausliefern, die angeblich copyrightverletzendes Filesharing im Uni-Netzwerk betreiben. Diese sollen sich dann auf einer Webseite der RIAA selbst anzeigen und dafür einen Strafnachlass erhalten, also nur wenige tausend US-Dollar bezahlen. Das wäre für die Musik-Konzerne der bessere Deal, da US-Gerichte bereits anfangen, in den vielen Filesharing-Prozessen konkrete Unterlagen zu fordern. Zum Beispiel zu den realen Anwaltskosten solcher Verfahren gegen Teenager, Schwerbehinderte oder Familien jüngst Verstorbener. Oder handgreifliche Beweise dafür, wer wann wie das Copyright gebrochen haben soll.
Möglicherweise können diese Nachrichten als Indiz dafür gelten, dass sich der Wind dreht und inzwischen der Musik-Lobby (und parallel auch der Film-Lobby) kalt ins Gesicht bläst. Möglicherweise rächt es sich, wenn eine Industriebranche die eigenen Konsumenten konsequent wie Dreck, Abschaum und Verbrecher behandelt.

In der selben Meldung des Wall Street Journal erfahren wir, dass pro Monat eine Milliarde Songs aus Tauschbörsen herunter geladen werden. Und das ist eine gute Sache. Weil es sich hier um Demokratie handelt: Abstimmung am Computerbildschirm. Obwohl eine Industrielobby gesetzliche Bestimmungen durchsetzt, um einen Markt zu kontrollieren, halten sich die Bürger nicht daran. Selbst bei Gefahr einer (in Deutschland eher milden) Strafe. Und falls es noch niemand gemerkt hat: so funktionieren Volksabstimmungen. Mehrheitsentscheidungen. Und wenn die Unterhaltungsindustrie wieder überzeugende Produkte zu überzeugenden Preisen anbietet, kaufen wir die auch. Versprochen. (fe)
März 23, 2007 in PC vs. Copyright | Permalink | Kommentare (0) | TrackBack
22. März 07
BootsektorTV 32: burn, hollywood, burn
Burn, Hollywood, Burn, ist von Public Enemy, keine Frage. Die Brennerstudie 2007 ist wieder von der nationalen IFPI. Meine Zusammenfassung: Brennt und kopiert, so viel ihr könnt. Schliesslich ist es erlaubt. Das erklär ich aber im Video nochmal...
Hier könnt ihr den Kurzfilm runterladen, und nach dem Klick direkt anschaun.
März 22, 2007 in Videos | Permalink | Kommentare (1) | TrackBack
21. März 07
Unternehmer mit dem Hals in der Copyright-Schlinge
Ein neuer Gesetzesentwurf der EU-Kommission sieht vor, die Schuldfrage bei etwaigen Copyrightverletzungen nicht mehr in erster Linie beim Bürger zu suchen. Statt dessen können sich Unternehmer schon einmal gedanklich mit dem Schafott vertraut machen: die Anstiftung zum (Urheber-) Rechtsbruch könnte nahezu jeder Firma unterstellt werden.
Das Verfahren ist bekannt: das Urheberrecht, ursprünglich geschaffen, um das Verhältnis zwischen Urheber und Verwerter (Kontinentaleuropa), oder zwischen Verwertern untereinander (anglo-amerikanischer Rechtsraum)zu regeln, dient mehr und mehr zur Kriminalisierung der Nutzer und damit zur Schaffung strafbewehrter Monopole, wo vorher keine waren.
Nur: gebracht hat es nichts. Die millionenverschlingende Lobby-Arbeit zur Beeinflussung unserer Volksvertreter hat genau so wenig zu steigenden Profiten geführt wie Schmutzkampagnen zum Thema "Raubkopierer". Jetzt versuchen die selben kompetenzfreien Marketing-Strategen, das bisher erfolglose Konzept noch einmal umzusetzen. Das Ziel der neuen Kriminalisierungsanstrengungen: Unternehmen.
Die EU-Kommission, immer mit einem offenen Ohr für die Selbstmitleidsarien der alten Medienkonzerne, hat einen neuen Gesetzentwurf vorgelegt, über den das europäische Parlament aber erst noch abstimmen muss. Wir dürfen also massivere Lobby-Anstrengungen erwarten. Was ist neu an dem Entwurf? Er versucht, Unternehmen haftbar zu machen (bis hin zur buchstäblichen Haftstrafe), wenn über deren Netzwerke oder mit Hilfe deren Produkte "Urheberrechtsbruch" begangen wurde. Da die Verantwortung für die Benutzung jedwelcher Einrichtungen aber nicht so einfach verteilt werden kann, kommt eine Klausel ins Spiel, die wir schon vom Prozess des US-Medienkartells gegen die damalige Tauschbörse Grokster kennen: Anstiftung. Hier gelang es nur, den P2P-Betreiber aus dem Rennen zu drängen, weil man seinem Produkt unterstellte, es würde Benutzer zum Rechtsbruch verleiten.
Was bedeutet diese fantasievolle juristische Anregung einzelner EU-Kommissare? In der Praxis würde das so aussehen, dass Medienkonzernen damit eine neue Einnahmequelle erschlossen würde: Schutzgeld, das Hersteller von Brennsoftware, Anbieter von Internetdiensten oder überhaupt Betreiber von Firmennetzwerken zu bezahlen hätten, damit eine Klage (mit der Androhung von Knast, z.B. für den CIO) gegen sie ausbleibt.
In jedem Fall wären das Einnahmen, die nicht mit den lästigen Künstlern (Urhebern) verrechnet werden müssten, das hier ja nur die behaupteten Verluste der Verwerter zur Klageerhebung führten.
Nein, ich glaube nicht, dass es so weit kommt. Das europäische Parlament hat in der Vergangenheit schon mehrfach weit mehr Sachverstand und politisches Verantwortungsbewusstsein gezeigt, als den Umsatz-Strategen der erwähnten Medienkonzerne lieb sein kann. Wichtiger ist hier die Erkenntnis, dass manche Firmen aus der Film- und Musikbranche vor keinem Mittel zurückschrecken, um (auch ohne eigene Anstrengungen, etwa zur Produktverbesserung) Profite aus dem Nichts zu erzeugen. Gerne auch auf Kosten von allen anderen. Diese (alle anderen Unternehmen) stehen jetzt vor der Aufgabe, ihrerseits mit dem bekannten pseudo-demokratischen Mittel der Lobby-Arbeit dagegen vorzugehen. So wie es Google plant. Aus reinem Selbstschutz. Wir Nutzer, die beim aktuellen EU-Entwurf ungewohnterweise aus der Schusslinie geraten sind, können ja dafür bei der nächsten Bundestagswahl "Google" ankreuzen. So als Dankeschön für die Wahrnehmung unserer Bedürfnisse und Interessen. [fe]
März 21, 2007 in PC vs. Copyright | Permalink | Kommentare (2) | TrackBack
19. März 07
Interview mit einem Piraten
Piraten, hier nicht kostümierte Freunde des Alkoholkonsums, sondern professionelle Produktfälscher, werden zunehmend in den Ruin getrieben! Und das nicht etwa durch Polizei und Staatsanwalt, sondern durch den gemeinen Geek. Nachzulesen in einem Interview auf TorrentFreak, oder eben hier im Bootsektor.
Tony, so berichtet TorrentFreak-Blogger enigmax, hat schon bessere Zeiten gesehen. Zu Anfang der Neunziger kopierte er Software und Videospiele und machte damit mühelos 1500 Euro pro Woche, mit dem Verkauf auf Flohmärkten, irgendwo in Grossbritannien. Im Jahr 2001 war sein Geschäft so gewachsen, dass er eine Fabrikhalle anmieten und drei Leute einstellen musste, um die Kopiermaschinen rund um die Uhr am laufen zu halten.
Aber von 2004 an sanken die Gewinne stetig, und ein Jahr später musste er die Produktion im grossen Stil aufgeben und wieder auf die Kopierer in seinem Schlafzimmer zurückgreifen, unterstützt von seiner Frau und seiner Schwester. Enigmax lernte Tony wenig später kennen, als dieser, im Overall und auf dem Sitz eines Gabelstaplers, eine Teepause machte. Er und seine Frau hatten das Geschäft mit den Raubkopien aufgeben und einfache Jobs annehmen müssen. Sie wurde wieder Friseurin, er Lagerarbeiter. Sie hatten aus dem grossen, teuren Haus ausziehen müssen, das schnelle Auto verkaufen, konnten sich keine Restaurantbesuche und Einkäufe in Feinkostläden mehr leisten.
Für Tony liegt der Grund für das alles auf der Hand: "File-Sharing, P2P, nenn' es wie du willst. Wenn ich einen Kunden gefragt hab, warum er nichts kaufen will, war die Antwort in 9 von 10 Fällen: BitTorrent hier, LimeWire da. Fast jeder hat heute einen PC mit Brenner und Breitband-Internet, und ich verstehe sehr gut, warum ich mir einen anderen Job suchen musste. Wir hatten eine tolle Zeit, aber die kommt nicht mehr zurück."
Der TorrentFreak-Autor enigmax fasst zusammen: "Don't be a Tony". Wenn du ein Geschäft betreibst, das irgendwie von P2P berührt wird, sei nicht wie Tony, sondern orientiere dein Business an der Realität. Bootsektor-Blog Autor Fritz erklärt das noch ein wenig genauer: die goldenen Zeiten für Raubkopierer und Produktpiraten sind vorbei. Die goldenen Zeiten überteuerter Software, Videospiele, Filme oder Musik auch. Alles, was wir jetzt brauchen, ist ein Abrechnungsmodell, das für die Kopie via Internet dem Urheber ein bischen Geld gibt. Ich weiss, Bootsektor-Leser der ersten Stunde Hurricane zieht ein freiwilliges Modell vor, das haben wir schon öfter diskutiert, aber wie soll ich Hunderten von Nachwuchsbands, OpenSource-Programmierern, Grafikern, Dystopie-Poeten und Kultur-Aktionisten das ihnen zustehende Micropayment zukommen lassen?
Und, weil ihr das ja inzwischen von eurem Piraten-Moritaten-Blogger und Mixed-Media-Neuformatierer so gewohnt seid, noch ein Wort des Bedauerns und Verständnisses an unsere nationalen Politiker: "Leute, da habt ihr euch ja selber ganz schön in die Scheisse geritten. Jetzt steht ihr zwischen den verschiedenen Lobbygruppen der Verlage, Elektronikhersteller, Filmstudios, Telekomgiganten, und könnt euch nicht entscheiden, von wem ihr Geld nehmen wollt. Vorsicht!", möchte ich ihnen zurufen, "Don’t be a Tony". [fe]
März 19, 2007 in PC vs. Copyright | Permalink | Kommentare (3) | TrackBack
17. März 07
Seehofer dreht durch
Ein Mann sieht rot. Jetzt, seit er nicht mehr bayrischer Kurfürst werden kann, weil sein Kollege Beckstein ihn mit virtuellen Killerspielen abschiessen konnte, kennt Horst Seehofer keine Gnade mehr. Grauhaarig und gnadenlos winkt er mit der 45er und stellt sich breitbeinig der Medienmafia entgegen: Rächer der Verdammten. Der Verbrauchten. Der Verbraucher. Oder doch nicht?
High Noon im Bundespresseamt: der Callahan aus Ingolstadt, noch vor kurzem der Nachgiebigkeit gegenüber supra-nationalen Gentechnik-Industrien bezichtigt, betritt die Bühne zur Präsentation der brandneuen Verbrauchercharta (PDF hier). Weltverbrauchertag! Digitale Verbraucherrechte! Rebellion! Er lässt aber dann doch jede "Do you feel lucky, punk?"-Attitüde vermissen und liest vom Blatt ab. Wer's genau wissen will, Markus war dort und hat mitgetippt. Seehofers Katalog von zehn Forderungen könnte als begrüssenswerter erster Schritt gesehen werden. Verbraucherrechte wie Zugangsfreiheit, Datenhoheit, Spam-Schutz, Transparenz, Aufklärung, Rechtssicherheit, Benutzerfreundlichkeit, Bildung, Jugendmedienschutz, Bürokratieabbau, klingen beim ersten Hören gut. Wären da nicht die Erklärungen zu eben jenen zehn digitalen Verbraucherrechten.

"Der Zugang zum Internet muss für jedermann möglich sein". Sollen PC und DSL also künftig wie TV und Radio von Pfändung und Besitzanrechnung ausgenommen sein?
"Die informationelle Selbstbestimmung des Verbrauchers und die Vertraulichkeit seiner Daten müssen auch im Internet und anderen Formen der digitalen Welt gewährleistet sein." Und was ist, wenn die IFPI dreimal klingelt?
"Über die Risiken von sensiblen Online-Diensten oder neuen Web-Formen wie "Second Life" muss der Verbraucher frühzeitig aufgeklärt werden." Ach, ist Online-Banking also wirklich nicht sicher?
"Zum Schutz des Vertrauens von Anbietern und Verbrauchern müssen verbindliche Rechtsregeln für den kommerziellen Austausch in der digitalen Welt geschaffen werden."
Das heisst aber nicht etwa, dass der deutsche Abmahn-Wahn eingedämmt wird?
"Zum Umgang mit der digitalen Welt muss umfassende Verbraucherkompetenz gefördert werden." Von wem? Von einem Parlament, das nicht einmal das nationale Urheberrecht lesen kann?
"Ein an den Besonderheiten der neuen Informations- und Kommunikationstechnologien ausgerichteter effektiver Jugendschutz muss systematisch aufgebaut und weiterentwickelt werden." Schutz Minderjähriger vor Abzocke? Oder doch nur reglementierungs-verliebte Reduzierung der virtuellen Freizeitflächen?

Ich will nicht auf sämtliche Politikerformulierungen eingehen. Ich gebe aber vorsichtshalber Heissluftalarm. Für den mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit anzunehmenden Ernstfall, dass Seehofer gar nicht durchgedreht ist, und auch die spezielle Verantwortung seines ministeriellen Fachs für die Belange des Bürgers noch gar nicht wirklich entdeckt hat. Sondern sich nur wichtig machen wollte. Ja, genau. So wird’s sein. Danke, Horschd. Und servus nacherd. [fe]
März 17, 2007 in Servicefreie Zone | Permalink | Kommentare (1) | TrackBack
16. März 07
Wem gehört die TV-Fernbedienung?
Ist der kommende TV-Digital-Standard DVB bereits unter der Kontrolle von US-amerikanischen Traumfabriken? Diktieren die Moviestudios demnächst, was wir wann und wo sehen dürfen? Die Electronic Frontier Foundation berichtet genau das, durch die Teilnahme am Digital Video Broadcasting Project (DVB). Wie soll das aussehen?
Als ich vor einigen Tagen beim täglichen Blogsurfen auf diesen Bericht stiess, war ich unangenehm berührt. Wieder so eine Fahrenheit-1984-Geschichte, die einem wirklich die Laune verderben kann. Aber das hilft alles nichts. Ich hab mich nun mal schon so weit vor gewagt, jetzt muss ich auch sehen, wie ich damit klarkomme.
Die EFF jedenfalls hat sich durch die Vertretung von OpenSource-Firmen Zutritt zum DVM-Projekt verschaffen können. In kurzen Worten geht es dabei darum:
Digitales Fernsehen soll grundsätzlich mit massivem Digitalen Restriktions Management (DRM) verknüpft werden, das den Lizenzinhabern (Rechteverwertern) des jeweiligen Inhalte die uneingeschränkte Kontrolle über die Nutzung verschaffen. Der Filmverleih, der die Vertriebsrechte an einem Streifen hat, bestimmt dann, ob sich die Fernsehausstrahlung überhaupt aufzeichnen lässt, und wenn, dann unter welchen Bedingungen. Dies wurde ohne Beteiligung oder Wissen der Öffentlichkeit oder von Verbraucherorganisationen beschlossen und droht bei ausbleibendem Widerstand zum allgemein akzeptierten Standard zu werden (lest das auch bei Netzpolitik.org nach). Mit gesetzlichem Schutz.
In noch einfacheren Worten: digitales Fernsehen (auch ohne High Definition) soll nicht vom Zuschauer aufgenommen werden können. Damit, so hofft die Filmindustrie, erschliesst sich ein zweiter Markt: wer dann nämlich einen Film haben will, weil er ihn gut fand, kann nicht auf die Aufzeichnung zurückgreifen, sondern muss ihn kaufen. Dass diese Milchmädchenrechnung ohne den Verbraucher und sein beschränktes Budget für Luxus- und Mediengüter gemacht wurde und daher nicht aufgeht, zeigten in der Vergangenheit schon mehrere seriöse Studien.
Warum Medienfirmen dann einen solchen Kurs steuern, zeigt ein anderer Artikel, den ich neulich (via Musikdieb's Nachrichtenüberblick) bei Reuters fand. Darin fragen stirnrunzelnde Mainstreamreporter nach, was denn nun die digitale Vertriebsstrategie der Zukunft wäre. Und erhalten – in diesem Fall von den Musikabteilungen der selben Medienkonzerne – keine Antwort. Das müssen wir uns noch einmal vor Augen halten: fürstlich bezahlte Top-Manager sehen widerwillig, wie der Publikumsgeschmack von überteuerten, einseitig vermarkteten Tonträgern umschwenkt auf die bunte Blumenwiese des Internet, wo man mit mühelosem Herumklicken buchstäblich unerhörte Musik entdecken kann. Und was ist die Reaktion der Medienkonzerne? Sie wissen es nicht. Und weil sie es nicht wissen, versuchen sie, es verbieten zu lassen, damit die früheren, als Kommerzparadies verklärten Zustände wiederhergestellt sind. Ohne uns, ihr dreckigen Sound- und Video-Feudalisten! Ich rufe alle demokratisch gesinnten Bürger zum Widerstand auf! [fe]
März 16, 2007 in PC vs. Copyright | Permalink | Kommentare (10) | TrackBack

