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27. März 07
Siemens muss sterben
Heute ist also der Siemens-Zentralvorstand Feldmayer hinter dekorative schwedische Gardinen drapiert worden. Ob er sich da auch nach der Seife bücken muss, wie es dem gemeinen deutschen Privatkopierer in den Drohvideos der Filmwirtschaft anheim gestellt wird, konnte ich noch nicht herausfinden. Dafür alles mögliche andere.
Das war ja nicht die erste Aktion des Staatsanwaltes gegen Siemens. Nur hat es diesmal den Top-Dog Johannes Feldmayer erwischt, der nach Aktenlage dafür gesorgt haben soll, dass dem schon länger inhaftierten Betriebsratsvorsitzenden Wilhelm Schelsky insgesamt 14 Millionen Euro zugesteckt wurden. Womöglich, damit das mit den Massenentlassungen besser klappt.
Gleichzeitig erfahren wir von einer Eskalation des Gerichtsverfahrens gegen die Kraftwerksabteilung von Siemens. Dort hatten sich die Turbinen-Kapitalisten Aufträge durch dicke Sümmchen für italienische Manager gesichert. Und etwa ein Drittel des Autragsvolumens als Profit eingefahren. Was nach Bekanntwerden zum Real-And-Total-Worst-Case für den grossen deutschen Konzern führte: ein Jahr lang keine öffentlichen Aufträge in Italien.
Meanwhile beraten die Siemens-Aufsichtsräte (die von all dem nichts gewusst haben, klar) über eine Begrenzung der Abfindungssumme für den Vorstandsvorsitzenden Klaus Kleinfeld. Für den Fall, dass er rausfliegt. Wegen Korruption. Nicht etwa wegen der Sorte Korruption, die seit Jahrzehnten bei Siemens (und anderswo) fester Bestandteil des Tagesgeschäfts ist. Weswegen Transparency International auch Deutschland im schmierigen Mittelfeld des weltweiten Bestechungssumpfs ansiedelt. Sondern wegen der Sorte Korruption, die in der letzten Zeit so unangenehm durch die Medien gezogen wird.
Dabei haben doch unsere freundlichen südlichen Nachbarn schon längst das Problem gelöst: ein Jahr lang keine öffentlichen Aufträge für Siemens. Keine Kernkrafttechnik, keine Hochgeschwindigkeitszüge, keine Telefonanlagen für die Bundeswehr, keine Beamten-PCs, keine Toll-Collect-Geldverbrennung, keine Galileo-Fehlstarts, keine Aufträge ohne Ausschreibung. Und auch keine Steuervergünstigungen und Abschreibungen für Arbeitsplatzabbau und die Kosten von Produktionsverlagerung ins Ausland. Und schon gar keine direkten Subventionen mehr. Direkter, mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit anzunehmender Ernstfolgefall: der Konzern macht am nächsten Tag zu. Und am übernächsten Tag wird das Arbeitslosengeld Zwei für alle Berechtigten kommentarlos verdoppelt. Irgendwo muss man das viele gesparte Geld ja dann hintun.

Nicht alle deutschen Konzerne verfügten über so billige Arbeitskräfte: Frauen-KZ Ravensbrück.
Kein Zweifel: eine Verringerung der Korruption in Deutschland um die Grössenordnung des Siemens-Konzerns würde bereits sämtliche nationalen wirtschaftlichen Probleme beseitigen. Und da gäbe es noch ein paar Kandidaten... [fe]
März 27, 2007 in Servicefreie Zone | Permalink
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» Aus der Versenkung from blargh
Aufmerksamen Lesern mag nicht entgangen sein, das ich zur Zeit herzlich wenig schreibe. Dabei gbe es im Moment Vieles, zu dem Etwas zu sagen wre.
Da wre zum Beispiel Siemens. Haben die auer Kleinfeld berhaupt noch jemande... [Mehr erfahren]
verlinkt am 30.03.2007 00:29:54
Kommentare
Ich bin mehr durch Zufall beim Surfen auf diesen Blog gestoßen und habe mit Interesse darin gelesen. Dabei habe ich selber gerade eine Satire zu genau diesem Thema geschrieben, veröffentlicht und u.a. auch in meinen Blog gestellt.
Ich glaube, der folgende Text spricht für sich selbst:
>Gewöhnungsbedürftig sind da noch immer Gammel-Konzerne, die wie ein Haufen frischerbrochener Kotze stinkend an den weltweiten Börsen durch ihre Aufsichtsräte und Vorstände maximierte Aktiengewinne einstreichen und in der globalisierten Wirtschaft ihre dreckigen Geschäfte betreiben, in allen Medien mit ihrer Skrupellosigkeit einer staunend entrüsteten Öffentlichkeit vorgeführt. Firmen wie z.B. Siemens, ehemals ein Markenzeichen bundesdeutscher Wertarbeit und Qualitätsprodukten auf dem elektrotechnischen Markt, heute der Inbegriff für Korruption und illegale Preisabsprachen, für skrupellos verbrecherisches Management, ohne den Minimalkonsens wirtschaftlich-gesellschaftlicher Unternehmensverantwortung, ein Spiegelbild des Verfalls ethisch-moralischer Werte. Dieser eklige Korruptionsgestank aus dem Siemens Vorstandssumpf, der da durch unsere Gesellschaft wabert und das Klima vergiftet, gepaart mit dieser bislang unvorstellbaren kriminellen Energie, lässt doch die VW-Korruptionsaffäre inzwischen richtig harmlos gemütlich aussehen.
Natürlich, da haben Sie recht.
Der Staat oder besser die Justiz haben doch reagiert, mehr als die Hälfte des Konzernvorstandes sind verhaftet und sitzen bereits im Knast, der international gute Ruf ist ruiniert, aber die Umsätze sind nach wie vor gestiegen wie die Aktienkurse. Am Ende wird wieder eine außergerichtliche Vereinbarung gegen Zahlung eines lächerlichen Bußgeldes mit gut bezahlten Anwälten, realitätsblinden Richtern und Staatsanwälten getroffen und dann heißt es grinsend: Weiter so.
Na schön, die 400 Millionen Euro Bußgeld wegen illegaler Kartelle werden die Bilanz etwas verhageln. Aber so etwas tangiert den Aufsichtsrat nur am Rande. Siemens wird globalisiert längst mit der gleichen skrupellosen Brutalität geführt wie die russische Mafia, die niedergemetzelten Opfer am Rand der Erfolgsstraße interessieren niemanden. Auf der Jahres-Aktionärs-Versammlung hören Sie nur scheinheilige Entschuldigungsphrasen und heuchlerische Beteuerungen von konsequentem Vorgehen gegen Rechtsbrüche und Korruption im Konzernvorstand. Der korrumpierte Aufsichtsrat erhält wie immer – wenn auch mit Abstrichen – seine geplante Entlastung, es ist alles auf einem guten Weg. Denn die Geschäfte mit Siemens waren immerhin gut und ertragreich für die Investoren.
Das ist es doch letztendlich worauf es in der globalisierten Wirtschaft ankommt.
Kann es wirklich schon genügen diese kriminellen Wirtschaftsbosse im Knast wegzusperren und die Schlüssel in den Gulli werfen?
So etwas nennt man heute einen Gammel-Konzern, stinkend wie die ekeligen Fleischabfälle die längst wieder in den Kreislauf des Handels integriert wurden.
Und wer trägt dafür die Verantwortung?
Die Politiker, die Volksvertreter, der Staat, die Lobbyisten oder der Bundesverband der Deutschen Industrie, der Vorstand der Deutschen Bank, die ja bekanntlich in jedem dreckigen Geschäft ihre Finger hat?
Nein, die Schuld tragen Sie selbst, Sie ganz persönlich.
Sie sind schuld, dass Siemens immer noch so verbrecherisch handeln kann, wie es das Management unbeeindruckt von öffentlichem Protest tut.
Warum?
Sind Sie wirklich so naiv?
Wer kauft denn nach wie vor Siemens Elektrogeräte und Handys, statt diese Marke konsequent zu boykottieren?
Ich habe keine Elektrogeräte von Siemens mehr in meinem Haushalt, und ich würde niemals ein Siemens-Handy kaufen. Bei Ihrem nächsten Elektrogeräteeinkauf ist es doch kein Problem, dass Sie dem kompetent freundlichen Kundenberater sagen: „Nein, ich möchte auf keinen Fall so ein Gerät von Siemens, ich kaufe nichts von Kriminellen und Gammel-Konzernen."
Gehen Sie zu ihrem nächstgelegenen Siemens-Vertragshändler und zerstören Sie vor dem Laden ihr ohnehin ausrangiertes Siemens Elektrogerät und sagen Sie jedem vorbeikommenden und erstaunt aus der Wäsche glotzenden Passanten, dass Sie damit gegen die verbrecherische Politik des Siemenskonzerns protestieren. Wenn das viele in vielen Städten machen, wird das Wirkung zeigen. Überziehen Sie die Einkaufsstraßen mit Siemens Elektroschrott, zerstören Sie Siemens-Technik, wo immer es möglich ist.
Sie glauben und faseln doch sonst immer blauäugig naiv von der marktkontrollierenden Macht der Verbraucher, die jeden Produzenten durch konsequenten Nichtkauf abstrafen können. Das haben Sie dieses Mal aber völlig verpennt und verschlampt. Da werden Sie sich aber anstrengen müssen, und am besten fangen Sie noch heute damit an statt erst morgen.<
H.B.
Kommentiert von: Hans Brakhage | 15.04.2007 01:19:40
Ok, Hans, bei SonyBMG ist so ein Boykottaufruf vielleicht sinnvoll, aber Siemens lebt seit jeher von Staatsaufträgen. Da greift die Abstimmung an der Ladenkasse nicht so gut.
Kommentiert von: [fe] | 15.04.2007 10:19:24

