Downloads
Wir haben bezahlt!



Support Bloggers' Rights!
Support Bloggers' Rights!

« Durch Sex zum Verbrechen | Start | Bootsektor TV 30: Nie wieder Tonträger. »

02. März 07

Sony blamiert sich schon wieder

Diese Firma ist wirklich vom Pech verfolgt. Oder von finsteren Mächten. Oder von Inkompetenz, das kann ich als Aussenstehender nicht beurteilen. Gestern geschah es jedenfalls schon wieder: der Sony-Fluch schlug zu. Ein lustiges Gerücht in einem Weblog führte zu einer völlig überzogenen Reaktion (wir werden euch nie wieder zu Presseterminen einladen!), zu einer noch enthusiastischeren Reaktion der Blogosphäre und am selben Tag zur völligen, demütigenden Niederlage von Sony. Aber mal von Anfang an...

Unsere Freunde vom Kotaku Spieleweblog veröffentlichten am Donnerstag ein Gerücht, wonach Sony eine nette Idee in die PS3-Games integrieren wolle, die aber irgendwie an Nintendo erinnerte. Erfolge in beliebigen PS3-Games würden dem Spieler Extrapunkte einbringen, die einem gespeicherten Avatar des Spielers Möbel und andere Lifestyle-Items bescheren. So eine Art Pokemon-Sims-Tamagotchi. Sie hatten sogar bei Sony nachgefragt, die das Gerücht aber dementiert hatten. Trotzdem eine hübsche Story.

Fand aber der PR-Chef von Sony Computer Entertainment Amerika, Dave Karraker, überhaupt nicht. Deswegen schickte er eine beleidigte Leberwurst-Email an Kotako, worin er ankündigte, dass ab sofort alle Interviews und Pressetermine für Kotaku gestrichen seien. Kriegserklärung, oder? Zumindest Abbruch der diplomatischen Beziehungen.

Was tut Kotaku (Schwesterblog von Gizmodo)? Natürlich das einzig richtige: die Jammer-Email veröffentlichen. Und damit einen globalen Sturm der Entrüstung auslösen. So ziemlich alle aufgeklärten Blogs "in the Americas" bringen einen Artikel dazu (sucht selber) und am Ende des Tages muss Sony-Dave bei Kotaku anrufen und erklären, dass man ja viel lieber wieder Freunde wäre. Der alles auslösende Gerüchteartikel vom Donnerstagmorgen bleibt natürlich drin.

Schön, zu sehen, dass die Sache mit der Öffentlichkeit doch etwas bewirkt. Weiter so, Kotaku!

Aber glaubt jetzt nicht, sowas könnte nur in Disneyland passieren: ich hatte mal genau die selbe Situation. Vor zehn Jahren war ich Redakteur bei der damals noch legendären Power Play. Als 1999 Command & Conquer: Operation Tiberian Sun erscheinen sollte, hatte noch kein Spielemagazin echte Testversionen erhalten, nur ge-photoshoppte Screenshots und dicke Versprechungen, die in der Gamestar und anderswo auch prompt mit Bestnoten gekrönt wurden (und für Extremen Ausredenbedarf sorgten, als kurz darauf das viel bessere Age Of Empires erschien). Als Grund wurde die Sorge genannt, Pressetestmuster könnten vorab ihren Weg ins Internet finden und damit den Verkauf des Spiels schwächen. Die PP-Redaktion ging einen anderen Weg und besorgte sich einen der vielfach kursierenden Downloads, von fürsorglichen Westwood-Mitarbeitern vor dem Erscheinungstermin ins Netz gestellt. Mein Testergebnis fiel eher bescheiden aus: mittelmässige Grafik, Schwächen in der Spielbalance, im Ganzen eine Enttäuschung. Der Vertrieb Electronic Arts sperrte daraufhin Bemusterung mit Infos und Software sowie alle Anzeigen für drei Monate. Strafe für mangelnden Gehorsam? Prima, dachten wir uns, das schlachten wir schön aus und zaubern eine dicke PR-Schlappe für Electronic Arts. Was aber nicht funktionierte, weil der damalige Verlagsleiter Stefan Moosleitner Angst bekam und eine Stillhalteparole ausgab. Tja. Diesen hasenfüssigen Führungsstil überlebte der deutsche Future Verlag dann auch nicht lange.

Schön, zu sehen, dass die Sache mit der Öffentlichkeit nur etwas bewirkt, wenn man den Mumm hat, es durchzuziehen. Und Grüße noch an alle Kollegen von damals: Thea, Ralf, Chris, Maik, Stefan, Joe. [fe]

März 2, 2007 in Weichware & Nichtwelt | Permalink

TrackBack

TrackBack-Adresse für diesen Eintrag:
http://www.typepad.com/services/trackback/6a00d8341c86e653ef00d834e88b5e53ef

Listed below are links to weblogs that reference Sony blamiert sich schon wieder:

Kommentare

Sony macht zur Zeit jeden PR-Fehler, den es nur zu machen gibt.

Die nächste Heulsue wird der Rumble-Effekt im PS3-Controller. Noch ist er nicht drin, da angeblich "Rumble gestern war".

Trotzdem steht man mit Immersion in Verhandlung. Wenn sie ihn nachträglich dann doch installieren - was wollen sie der Öffentlichkeit erklären.

Anderer Bullshit: Reduzierte PS2-Kompatibilität, "Wir können uns den 600€-Preis erlauben, wir sind Sony", jede unserer Konsolen erscheint maximal 1 Jahr nach der ersten Ankündigung, I want a PSP for Christmas - weil wir sind cool, die angesprochene Hasenfüßigkeit mit 2.0 Medien usw.

Die Firma ist inzwischen so was von lächer, dass ich es hassen würde, wenn sie damit durchkommen.

Mit ähnlicher Arroganz ist Nintendo nach 1995 schon derbe auf die Fresse gefallen und nur ein 180° Wechsel half ihnen wieder auf die Beine zu kommen.
(Außer die Sache mit dem Geldverdienen, das kann Nintendo schon immer besser mit Videospielen als Sony oder MS)

Es wäre auf jeden Fall interessant zu sehen, was passiert, wenn sich die PS3 zum Desaster entwickelt. Meine Daumen sind gedrückt, schon aus zynischer Neugier..

Kommentiert von: ZensurZebra | 02.03.2007 17:08:42

Kommentar schreiben