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« März 2007 | Start | Mai 2007 »

30. April 07

Kommunismus ohne seine Nachteile

SoundExchange ist eine US-amerikanische Organisation, die Lizenzgebühren für die Verwertung von Musik via Internet und Satellit erhebt. Zum Beispiel bei Webradios, oder Weblogs, die Musikstreams posten. Weil es dabei aber immer wieder zu Reibereien zwischen den Interessengruppen kommt, fällte das zuständige U.S. Copyright Office eine post-salomonische Entscheidung. Die eigentlich als Vorbild für ein weiteres europäisches Versagen in der Urheberrechtsregulierung dienen kann. Im schlimmsten Fall.

Der findige Trick, den das staatliche Copyrightbüro ersonnen hat und den pietätlose Bootsektorautoren ohne Zögern als "Kommunismus" bezeichnen, heisst in der Fachsprache "compulsory license". Das bedeutet: alle musikalischen Inhalte, die via Satellitenradio, Internet oder Kabel ge-streamt werden, sind per Dekret ab sofort lizenzpflichtig. Creative Commons und Public Domain hin oder her. Peanuts. Diese Lizenzen werden von SoundExchange nach Sätzen des Copyright Office erhoben und an eingetragene Mitglieder ausgeschüttet. Was diese top-amerikanische Behörde da ohne grosse Fanfarenbetätigung erreicht hat, ist eine Art von Gleichschaltung, wie man sie eigentlich nur aus sowjetischen Schauergeschichten kennt. Noch dazu, da die Höhe der Lizenzen ohne Diskussion und von einer einzelnen Behörde festgelegt wurden. Natürlich hoch genug, dass die lästigen Webcaster demnächst alle ihren Laden schliessen können: Dreimal so hoch wie für konventionelle Radiosender, Payola nicht eingerechnet.

Klar, dass ich so etwas als Kommunismus bezeichne. Aufhebung der freien wirtschaftlichen Selbstbestimmung. Aber ohne die Nachteile der antiquierten Gesellschaftsform. Jedenfalls für die Konzerne, deren Organisation (RIAA) die SoundExchange ins Leben gerufen hatte. Die Nachteile für die kreativ werktätige Masse bleiben natürlich.

Um die Lizenzen, bzw. was SoundExchange als persönlichen Anteil errechnet hat, zu erhalten, muss der Komponist Mitglied werden. Und einen Mitgliedsbeitrag entrichten. Eine Möglichkeit, eigene Kompositionen frei zu verteilen, existiert also nicht mehr. Das könnten wir in Europa auch haben, wo eine solche Mitgliedschaft, etwa in der GEMA, immer noch nicht vorgeschrieben ist. Und wo man tatsächlich noch selbst über die Lizensierungsform seiner Komposition entscheiden darf.

Was da gerade im Mutterland der "IP-Industrie" vor-exerziert wird, hat mit freiem Wettbewerb nichts mehr zu tun. Zu schade. Aber was soll's. Es geht ja schliesslich um's Geschäft.

Und ich möchte euch nicht vorenthalten, dass die beiden Todfeinde der oben erwähnten Lobby, nämlich die Herren Felix Oberholzer-Gee von der Harvard University und Koleman Strumpf University of Kansas ihre Studie von 2004 zum Zusammenhang von Filesharing und Verkaufszahlen neu aufgelegt und aktualisiert haben. Fazit: "Downloads have an effect on sales that is statistically indistinguishable from zero." Nachzulesen im Journal of Political Economy, 2007, vol. 115, no. 1.

Wo ist der Zusammenhang zwischen den beiden Punkten? Ganz einfach: die Lobby der vier grossen Musikkonzerne (plus einiger jämmerlicher Mitläuferfirmen) erzeugte deswegen so massiven Druck auf den Gesetzgeber, weil man Umsatzverluste beim Tonträgerverkauf durch Satelliten- und Internetradio und das Aufnehmen von Musik aus deren digitaler Übertragung befürchtete. Genau wie zuvor im Fall der P2P-Dienste. In der Realität gibt es einen solchen Zusammenhang nicht, die Gründe für den fallenden Tonträgerabsatz bilden andere Faktoren, die hier bereits ausführlich diskutiert wurden. Aber diese Einsicht muss sich eben erst noch durchsetzen. [fe]

April 30, 2007 in PC vs. Copyright | Permalink | Kommentare (7) | TrackBack

28. April 07

Freie Marktwirtschaft vs. Cthulhu

Auf dem jungen, dynamischen, nordamerikanischen Kontinent geht dieser Tage ein Gespenst um: Compulsory License. Also eine Urheberrechtspauschale auf CD-Rohlinge, Brenner, Internetanschlüsse. Die Copyrightbehörde ist dagegen. Der Markt solle dies regeln. Die Gewaltspirale dreht sich indessen unerbittlich weiter. Wir lesen bei H. P. Lovecraft nach.

Wer erinnert sich noch an die Santa Clara Operations (SCO), eine kleine extremistische Firma mit Sitz in Utah, die es sich zum Ziel gesetzt hatte, auf juristischem Weg Linux unter ihre Kontrolle zu bringen? Gestärkt mit Venture Kapital aus den unergründlichen (pnakotischen) Geldspeichern Microsofts, führte das Unternehmen einen jahrelangen Kreuzzug, der nun einem unrühmlichen Ende entgegensteuert: SCO wurde von der Technik-Börse Nasdaq rausgeworfen, weil die Aktie für mehr als dreissig Tage unter einem US-Dollar notiert wurde. Und keine Besserung in Sicht ist.

Ebenfalls keine Veränderung zum Positiven können wir in der weltweiten Gewaltdiskussion feststellen. Auch wenn sich Jon Stewart in seiner Daily Show wirklich Mühe gibt, die kontroversen Meinungen zum Amoklauf an der Virginia Tech balanciert darzustellen. Dabei genügt einfaches Nachrechnen. Wieviele Menschen wurden dort getötet? 32? Darf man offen aussprechen, dass diese Zahl ein Klacks ist, weil laut New York Times in den USA täglich 81 durch Schusswaffengebrauch ums Leben kommen? Diese offizielle Zahl ist von 2004 und mittlerweile höher.

Und dennoch fordern die mutmasslichen Gedankensklaven der unaussprechlichen Alten Götter (Ctulhu, Yog-Sothoth, Tsathoggua, Azathoth und Nyarlathotep) wie Günter Beckstein oder Christian Pfeiffer ein Verbot von gewaltdarstellenden Computerspielen. Auch hier sind die Bewohner des jungen, dynamischen, nordamerikanischen Kontinents wieder einmal einen Schritt weiter: Der 18jährige Allen Lee aus Chicago stand kurz vor seinem Schulabschluss und dem Eintritt in das US Marine Corps. Beides kann er sich nun abschminken, weil er im Fach "kreatives Schreiben" einen Alptraum beschrieb, in dem er ein Gebäude betrat, Leute erschoss und nach deren Ableben Geschlechtsverkehr mit ihnen hatte. Darauf stehen 30 Tage Gefängnis und 1500 US-Dollar Strafe. Herr Beckstein, Herr Pfeiffer: nehmen Sie sich daran mal ein Beispiel. Gedankenverbrechen! Ungeahnte Möglichkeiten! I-Äh, I-Äh, Yog-Sothoth!

Tolle Diskussion rund um die öffentlichen Erklärungen von Steven Page von der aktuelle erfolgreichen Indie-Band Barenaked Ladies. Man solle einfach Pauschalabgaben einführen, auf alles, womit man Musik verbreiten könne, und die Einnahmen auf die Künstler verteilen. Den Schlüssel dazu liefern die jeweiligen Downloadzahlen. Richtig, Steven. Muiskfirmen haben dann mehr die Rolle von Werbeagenturen. Auch wenn das US Register of Copyrights strikt dagegen ist: man muss kein langjähriger Bootsektor-Leser sein, um zu wissen, dass es genau so kommen wird. Beim grossen Cthulhu, der freie Markt wird die bisherige Kartellwirtschaft der Medienkonzerne in der Abgrund des Vergessens stossen. Kein Zweifel.

070428howard_phillips_lovecraftUnd wem Namen wie Azathoth, Cthulhu oder Yog-Sothoth unvertraut sind, der eile augenblicklich, um sich Bücher des grossen, seit 70 Jahren verstorbenen, grossen US-amerikanischen Schriftstellers Howard Phillips Lovecraft zu besorgen. Um in die düsteren, von uralten blasphemischen Flüchen versperrten Abgründe der Seele hinab zu steigen und den Sieg der Phantasie über den Verstand mitzuerleben. Den endgültigen.

Und das "Buch", meine Freunde, ist eine antike Datenspeicher- und Displaytechnologie, die sich durch geringe Herstellungskosten, hohe Batteriestandzeit und exzellenten Wiedergabekontrast auszeichnet. Nachteile wie Read-Only-Memory sowie fehlende Interaktivität und Anschlussmöglichkeiten müssen aber in Kauf genommen werden. Näheres zu diesem Thema findet ihr sicherlich im Internet. Und auch diese sehr anschauliche Anleitung zum richtigen Verhalten im Terrorismus-Fall. [fe]

April 28, 2007 in WeltWeitesWirrWarr | Permalink | Kommentare (0) | TrackBack

27. April 07

Piraterie: die Hintergründe

Immer gefährlich: beim Verbraucher nachfragen, was er denn so denkt. Zu bestimmten Themen. So wie legale und illegale Downloads von Film und Musik. Die Mühe hat sich jetzt aber doch eine PR-Agentur gemacht. In Grossbritannien und Frankreich. Wohl um sich als 2.0-affin zu profilieren. Egal: die Zahlen sind ernüchternd. Zum Feiern dagegen: die Zahlen des Bootsektorblogs.

Die befragten 18 bis 34jährigen Briten und Franzosen scheinen einen handfesten Grund dafür zu haben, warum sie ihre Unterhaltungsmedien mühevoll aus Tauschbörsen zusammen klauben, statt einfach auf die kommerziellen Angebote wie iTunes zu setzen. Sie wollen die Daten eben, sobald sie überhaupt verfügbar sind, und nicht erst wenn sie in ihrem Land offiziell veröffentlicht werden. Sie wollen einen realen Gegenwert für ihr Geld.

Ganz 41% der britischen und 54% der französischen Teilnehmer an dieser Edelman-Umfrage erklärten, die Entertainment-Industrie würde ihnen keinen angemessenen Gegenwert für ihr Geld bieten. Und 35 bzw. 46% sind der Ansicht, die Anbieter der digitalen Unterhaltungsmedien würden die Rechte der Verbraucher nicht respektieren (Stichwort: DRM). Während Computer- und Elektronikhersteller bei dieser europäischen Bevölkerungsgruppe ein hohes Ansehen geniessen, stehen Unternehmen der Medien- und Unterhaltungsbranche ganz am Ende der Respektskala. Noch unter der Versicherungsbranche. Das sollte zu denken geben. Eine öffentliche Diskussion entfachen. Tut es aber nicht. Statt dessen werden mit Hilfe von Lobbyanstrengungen (a.k.a. Korruption) Strafgesetze eingeführt, wo eigentlich freier Wettbewerb stattfinden sollte.

Ach, wo wir schon von Verbrauchervertrauen in der Medien- und Entertainmentbranche sprechen. In knapp drei Jahren wurde dieses Weblog über eine Million mal gelesen. Ich finde das grossartig. Hier mal ein Screen von der Typepad-Statistik-Page heute morgen (424 posts, 1,492 comments, 91 TrackBacks).
070427statistics
Und danke nochmal an euch. Und ja, ich bin mir meiner gesamtgesellschaftlichen Verantwortung wohl bewusst. Das heisst, ich weiss immer noch nicht wie es mit dem Dachverlag (Ex-VNU) weitergeht, aber dieser Bootsektor wird weitergehen. Irgendwie. Versprochen. [fe]

April 27, 2007 in PC vs. Copyright | Permalink | Kommentare (7) | TrackBack

26. April 07

Hollywood jetzt für Kopien und Verbraucherrechte

Schon wieder dieses Thema. Ja, leider verursachen Kopierblocker und verwandte "Schutzmechanismen" sowohl in unseren Computersystemen als auch in den juristischen ein Menge unnötigen Ärger. Um so interessanter, wenn führende Film- und Musikmogule jetzt in Interviews ganz neue Töne anschlagen.

Dan Glickman, der Darth Vader der Movieindustrie, nutzte die LexisNexis Konferenz im Beverly Hills Four Seasons Hotel zum Thema DRM - um für breitflächige Verblüffung zu sorgen. Dan, der schon mal die Erz- und Racheengel-Funktion für seine Branche gibt, verkündete, die Fimstudios fühlten sich vollständig der Interoparabilität verpflichte, und dem Recht des Verbrauchers, Kopien von Filmen anzufertigen und auf allen seinen Wiedergabegeräten zu nutzen. Wow. Glücklicherweise war Nate Anderson von Ars Technica anwesend und geistesgegenwärtig genug, da etwas nachzubohren.

070426glickmanJa, euphorisierte Glickman, das alles sei feste Überzeugung der Studios. Nur gäbe es derzeit kein DRM-System, das alle diese Handlungen der Konsumenten kontrollieren könnte. Aber man habe jetzt ein interdisziplinäres Projekt namens MovieLabs gestartet und 30 Millionen Dollar Budget bereitgestellt. Um, mit anderen Worten, ein Super-DRM zu schaffen, das auf allen Geräten gleichermassen läuft, vom TV über den HighDef-Receiver und -Player bis zum iPod, der Videospielkonsole und deinem Mobiltelefon.

Unglücklicherweise kommen diese Worte von dem Mann, der dich für 10 Jahre im Gefängnis sehen möchte, wenn du mit deinem lächerlichen Camcorder für 250 Schleifen im Kino mitfilmst. Der immer wieder, im Chor mit anderen Grössen seiner Industrie, davon geschwärmt hat, wie grossartig die Umsatzaussichten wären, wenn man erst einmal den Mehrfachgebrauch von Filmen abgeschafft hätte und der Verbraucher einfach für jedes Mal anschauen bezahlen würde. Zu einem Preis, den die Studios festsetzen. Dan Glickman, dein Problem ist, dass dir niemand mehr ein Wort glaubt (ausser er wird dafür bezahlt).

Auf der selben Veranstaltung, und gegenüber den selben Leuten, erzählte Ty Roberts, CTO vom Musiktiteldienst Gracenote, dass seiner Einschätzung die Musikindustrie innerhalb von sechs Monaten zum Thema DRM klein beigeben würde. Interessant: eine Industrienische (viele Leute arbeiten da ja nicht gerade), die sich bislang vom Glamour schnell verbrennender Rockmusikerseelen und der Kokainproduktion Kolumbiens plus einiger kleinerer Länder ernährte, will grundsätzliche Glaubensgrundsätze opfern. Hauptsache, das flotte Leben geht weiter. Paul Jessop, CTO bei der Musiklobby RIAA, erklärte auf Nachfrage, die Labels könnten alle schon morgen DRM fallen lassen. Oder weiter darauf bestehen. Und er wisse nicht wie die Firmen sich entscheiden würden.

Ich fasse zusammen: Die Strategie in der Film- und Tonträgerindustrie ändert sich nicht: Markt-Kontrolle um jeden Preis. Nur die Nervosität nimmt zu. Na, da bin ich mal gespannt, wer als erster durchdreht. Die gepuderten und zerstochenen Nadelstreifen-Ellenbogen oder die vom Videospielopium verwöhnten Konsumentenmassen der Industrieländer. [fe]

April 26, 2007 in PC vs. Copyright | Permalink | Kommentare (0) | TrackBack

25. April 07

Gliese 581, wir kommen

Na endlich! Die fleissigen Astronomen von der Europäischen Südsternwarte (Eso) haben, unmittelbar in unser galaktischen Nachbarschaft, endlich einmal einen Planeten entdeckt, der nur wenig grösser ist als unsere Erde, annehmbare Temperaturen und wahrscheinlich sogar Wasser bietet. Nichts wie hin!

Höchste Zeit, dass sich Alternativen auftun. Jetzt, da bekannt wurde, dass die Onlinedurchsuchung doch schon seit knapp zwei Jahren durchgeführt wird. Gestützt auf eine Dienstanweisung des Ministeriums für Wahrheit (Miniwahr), damals unter Herrn Schily. Auch ohne Verfassung. Na prima. Das ging ja schnell. Grade mal 60 Jahre. In kosmischen Proportionen also ein Klacks.

Den benachbarten Gliese 581b kennen wir schon so lange wie die oben erwähnte Dienstanweisung. Er ist aber erstens so gross wie unser Neptun, mit 17fachem Erdgewicht und viel zu nahe dran an seinem Zentralgestirn. 150 Grad Celsius bei Tag. Etwas besser ist es beim jetzt entdeckten Gliese 581c. Der hat nur etwa fünf mal das Gewicht unserer Erde, den anderhalbfachen Durchmesser und umlaufzeitbedingt ein Jahr von nur 13 Tagen Länge. Weil die Sonne 581 aber nur 500 mal schwächer ist als unsere, sollte das Wetter auf dem neuen Planeten recht angenehm sein, zwischen Null und 40 Grad Celsius. Wasser ist wahrscheinlich auch da. Alles in allem ein klein wenig milder als in Schleswig-Holstein. Die Süddeutsche Zeitung jubelt sogar: "Super-Erde! Erstmals lebensfreundlicher Planet entdeckt". Hm. Fehlt nur noch, dass sie zur Illustration junge Frauen mit nackten Brüsten abbilden, wie jene andere deutsche Tageszeitung.

Orbit3Schematische Darstellung: der kleinere parlamentarische Körper umkreist zusammen mit dem grösseren intellektuell-industriellen Komplex ein gemeinsames Massezentrum, man spricht hier von der Moneten-Gravitation.

So oder so, die EU-Richtlinie zur strafrechtlichen Durchsetzung von Geistigem Eigentum (IPRED2) ist heute in erster Lesung (eine kommt noch) vom EU-Parlament angenommen worden. Man hat parlamentarierseits zwar private Urheberrechtsverletzungen ohne Gewinnabsicht von der Strafverfolgung ausgenommen, nicht aber die Verantwortung für das zur Verfügung stellen von Möglichkeiten dafür. Sprich: Konzerne können kleine unabhängige Software-Entwickler in den Knast jagen. Oder in die Uranbergwerke. Wie in diesen Filmen. Soylent Green is Peeeeeople!

Da fang ich doch schon mal gleich an zu packen. 20,5 Lichtjahre (193.000 Mrd. Kilometer) sind doch zu machen. Das schafft mein 93er Corolla bei nonstop Vollgas in... etwas über 110 Millionen Jahren. Ok. [fe]

April 25, 2007 in PC vs. Copyright | Permalink | Kommentare (2) | TrackBack

24. April 07

Sternstunden der Demokratie

Am Sonntag wurde nicht nur in Frankreich gewählt, sondern auch in Sachsen-Anhalt. Beide Veranstaltungen waren Sternstunden der Demokratie, ebenso wie die aktuellen Verkaufszahlen der Autoindustrie und die neuesten Brüsseler Spitzen. Auch hier: kurzes, computergestütztes Nachrechnen rückt die Verhältnisse zurecht. Also.

Ein Hoch auf Sachsen-Anhalt und seine Bürger! Leider ergaben die Kommunal-Nachwahlen am Sonntag ein knapp verfehltes Ergebnis. Die Wahlberechtigten entschieden sich nämlich zu 63,5 Prozent dafür, der Wahl fernzubleiben. Noch 2,5 Prozentpunkte mehr, und man hätte das Bundesland (oder zumindest seine Kommunen) mit Zweidrittelmehrheit auflösen können, oder nicht? Von den insgesamt 36,5 %, die trotz des schönen Wetters und ihrer Unzufriedenheit mit "der Politik" zur Urne gingen, verteilten sich 12,3 % auf die CDU, 7,4 % SPD, 7 % Linkspartei, 3,01 % FDP, 1,17 % Grüne und, Trommelwirbel, ganze 0,91 % auf die Operettenpartei NPD, die aber irgendwie trotzdem in den Kreistagen 13 statt bisher 3 Vertreter stellt (Gute Unterhaltung!). Diese Zahlen erhält man, wenn man das nicht-amtliche Zwischenergebnis vom Montag mit der echten Wahlbeteiligung verrechnet.

Einen, wenn auch halbherzigen, Versuch in der selben Richtung unternahm unser grosses Nachbarland Frankreich. Bei den Präsidentschaftswahlen am Sonntag wurden, ohne Vorwarnung, 1,5 von 44,5 Millionen Wahlberechtigten (also 3,37 %) mit elektronischen Wahlmaschinen konfrontiert. Mit dem zu erwartenden Erfolg, dass viele nach zwei Stunden Wartens und mehreren missglückten Wahlversuchen ohne Stimmabgabe nach Hause gingen. Mon Dieu! Soll die Grande Nation ebenfalls aufgelöst werden? Etwa um die Monarchie wieder einzuführen? Können wir in diesem Fall dann vielleicht Elsass-Lothringen wiederhaben? Wir würden auch Sachsen-Anhalt dafür eintauschen! Nein? Naja, vielleicht wollen die Bürger und Bürgerinnen im Innersten unserer Föderalrepublik ihr Schicksal ja auch irgendwann wieder selbst in die Hand nehmen.

So wie die Nation der... Autofahrer, die im ersten Quartal den japanischen Hersteller Toyota zur meistverkauften Automarke wählten. Mit 2,348 Millionen. Über die Abwahl des bisherigen Spitzenreiters General Motors, hierzulande mit der Unterschichts-Marke Opel vertreten, kann man nur spekulieren.

Ebenso wie über die Motive des Monopol-Entwicklers und Software-Händlers Microsoft, der in den letzten Jahren die mahnenden Worte des einigermassen demokratisch legitimierten EU-Regierungsapparates als offenbare Auswüchse dummer belgischer Kartöffelen ignorierte. So dass dieser nun die täglich zu berappende Strafe auf 3 Millionen Euro anheben will. Ich finde, das ist eine gute Idee, das sollte man weiterverfolgen, so kann man am Ende das ganze umständliche Steuersystem einsparen.

Genauso wie die Verbrechenskartei der gesamten Bundesbevölkerung, die ja nun auf besonderen Wunsch der SPD nicht eingeführt wird. Also kommen unsere sämtlichen Fingerabdrücke nur in die technisch unsicheren Pässe. Naja, so haben wenigstens die islamistischen Hacker was davon.

Leider habe ich schon zweimal zitiert, was einer der grossen Vordenker unserer Epoche, der US-Amerikaner Eric Reed Boucher zum Thema Wahlen formulierte. Dabei würde es hier so gut passen. Hrm. Ein andermal vielleicht. [fe]

April 24, 2007 in Servicefreie Zone | Permalink | Kommentare (3) | TrackBack

23. April 07

Vista: Sicherheit endet beim Datei-Namen

Durch Zufall wurde ein entscheidendes Anti-Spyware-Feature im (nicht mehr) neuen Microsoft Windows Vista als billige Schummelei enttarnt. Die genau so lange funktioniert, bis die Spyware-Scripter es merken (also bis gestern). Trotzdem sagen die Experten, es sei "besser als nichts". So ist das also mit der Sicherheit unserer Daten.

Apropos sichere Computer: heute ist der 25ste Geburtstag des Sinclair ZX Spectrum. Hoch die Tassen, Leute, mit 3,5 MegaHertz und 16 KiloByte Arbeitsspeicher wäre man auch heute noch gegen aufgeblähte Windows-Trojaner geschützt.
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Ganz anders dagegen ist der Fall beim in fünfjähriger, titanischer Anstrengung entwickelten Windows Vista. Da ist Sicherheit.. nun, sagen wir mal, ein echtes Problem. Ausser vielleicht, wenn es sich um die Sicherheit der HighDefinition-Filme und ihren Schutz vor dem Benutzer handelt, weswegen es demnächst auch HD-Audio-CDs geben wird. Wo aber die Daten des rechtmässigen PC-Besitzers in Gefahr sind, müssen schlaue und... sagen wir mal, ökonomische Tricks herhalten. TheRegister-Leser Mike schreibt gerne in C++ und wunderte sich neulich, warum manche seiner Programme unter Vista zur Installation Administratorrechte benötigen, andere dagegen nicht. Und er fand es heraus: Vista prüft, ob ein Programmnamen das Wort "install" enthält. So einfach. Dazu Dr Brian Chess, Chief Scientist bei Fortify Software: "Das ist wirklich etwas albern. Aber besser als nichts."

Das erinnert mich an das bedauernswerte Schicksal des (damals) 22jährigen Neil Godfrey, der mit United Airlines von Philadelphia nach Phoenix fliegen wollte. Und nicht durfte. Weil er ein Taschenbuch mit sich führte, auf dessen Umschlag einige Dynamitstäbe abgebildet waren. Mit Reisewecker. Also eine Bombe. Und als seine Mutter sich telefonisch bei der Firma beschwerte, wurde Neil ganz gestrichen. Er muss seitdem mit anderen Fluglinien reisen. Ja, ich weiss. Die traditionellen Trotzkisten und klammheimlichen RAF-Sympathisanten unter meinen Lesern werden jetzt ungläubig das ergrauende Haupt schütteln. Wie man denn nur so blöd sein könne! Ein Buch mit einer Bombe drauf! Einen Monat nach 9/11! Halt, möchte ich dem äussersten linken Rand unserer Gesellschaft zurufen, da muss man Verständnis mit unseren amerikanischen Freunden haben. Die hatten eben noch nie eine Regierung, die sich offen zum Faschismus bekannte. Immer nur die Disney-Version davon. (Die AgitProp-Disney-Version vom Gegenteil seht ihr hier).
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Im Unterschied dazu konnte beim "Hack-A-Mac"-Wettbewerb letzter Woche der glückliche Shane Macaulay sein Mac-Book erst am dritten Tag als Siegespreis empfangen. Nachdem die Veranstalter angesichts zweier ereignisloser Tage die Regeln gelockert hatten. Ob ich meine Bereitschaft zur Nachsicht aber auch auf Microsoft ausdehnen kann... keine Ahnung. Was meint ihr? [fe]

April 23, 2007 in Betriebssystem-Wahnsinn | Permalink | Kommentare (1) | TrackBack

21. April 07

Osama.Bin.Laden@t-online.de

Wir haben es alle gehört: US-Bürger, die sich in Deutschland aufhalten, sollen verstärkte Wachsamkeit üben. Weil terroristische Anschläge drohen, so die US-Botschaft in Berlin. Na, so ein Zufall. Gerade, als unser Bundesminister des Inneren die Verfassung wieder in Richtung des dritten Reiches modifizieren möchte. Und woher weiss die US-Botschaft das? Das wollen wir eben einmal nachprüfen.

Mit "nachprüfen" meine ich jetzt nicht etwa ausgedehnte Reisen in die verschiedenen islamischen Krisengebiete. Sondern nur: genau hinsehen. Da muss sich doch etwas finden lassen? Die können das doch nicht alles nur erfunden haben? Doch, können sie, geht ganz leicht. Aber es gibt zwei Hinweisquellen. Die eine, von der US-Botschaft als ernstzunehmend zitiert, ist das Bundeskriminalamt, das angesichts ständig sinkender Verbrechensraten in unserem Land nicht müde wird, nebulöse Bedrohungslagen herbei zu reden. Ok. Meinen Standpunkt hierzu muss ich wohl nicht wiederholen.

Die andere Quelle sind vom CIA aufgefangene "E-Mails aus Deutschland (!), die verdächtige Codewörter enthielten". Wie? Etwa Sätze wie "du, ich hab neulich nen tollen neuen Laden entdeckt"? Oder "Mann hab ich 'nen Kater, ich brauch ein Alka- Ida... nee, Seltza!" Jetzt prüfen die Ermittler, ob man die Emails mit der legendären Islamischen Dschihad Union (IJU) in Verbindung bringen kann. Die ursprünglich eine demokratisch motivierte Widerstandsgruppe aus dem totalitär regierten Usbekistan sein soll, aber auch laut CIA in Pakistan Ausbildungslager betreibt und der kurdischen Nation nahesteht. Also irgendwie alles. Das genügt aber bereits, damit ein "Sprecher des Bundesinnenministeriums" eine "islamistische Dimension" "öffentlich einräumt".

Kurze Frage: kann ich diese Emails mal sehn? Nein? Warum nicht, wenn selbst Korruptions-Emails des Siemens-Konzerns aus dem Jahr 2000 noch vorhanden sind? Können wir diese Emails wenigstens sehen, wenn wir auf dem Weg der ausserplanmässigen Preiserhöhung die 75 Millionen Euro hingeblättert haben, die nach Auskunft der Bitkom das Einrichten des Vorratsdatenspeicherwerks in deutsche Email-Provider kostet, plus zweistellige jährliche Wartungskosten? Dann auch nicht? Können wir wenigstens Sicherheit darüber bekommen, ob irgend eine Siemens-Tochterfirma an der Lieferung der Überwachungsgeräte beteiligt ist? Nicht mal das? Und da wundert ihr Idioten euch, wenn in manchen Gegenden Osama bin Laden zum Volksheld und zum Idol der Jugend wird?

Naja, es tut manchmal gut, "ihr Idioten" zu schreien, aber ich weiss selbst, dass es überflüssig und sinnlos ist. Ja, ich glaube wirklich, dass es in der "westlichen Welt" viele, auch viele einflussreiche Menschen gibt, für die eine freie, friedliche Gesellschaft ohne gravierende Armut und Unterdrückung eine unerträgliche Schreckensvorstellung ist. Freier Zugang zu Information? Garantierte Menschenrechte? Demokratie? Hätten wir schon längst, wenn nicht massgebliche Personen, im deutschen Wahrheitsministerium und anderswo, aus Angst vor Macht- und Kontrollverlust ständig bremsen würden. [fe]

April 21, 2007 in WeltWeitesWirrWarr | Permalink | Kommentare (5) | TrackBack

20. April 07

Microsoft vom Kapitalismus bedroht

Der Computerhersteller Dell hat gestern angekündigt, dass Privatkunden ihren neuen PC nicht nur mit Windows Vista, sondern wahlweise auch mit XP bekommen können. Bitter für Microsoft. Gut für den Verbraucher. In anderen Nachrichten vom selben Tag erfahren wir, dass die Umsätze der Tonträgerindustrie massiv zurückgehen, und im selben Moment massiv zunehmen. Ist der Kapitalismus am Ende oder müssen wir nur genauer hinsehen?

Ich weiss, ich bin ein zur Zeit wenig nachlässig mit dem regelmässigen Verfassen von Bootsektor-Kolumnen. Nicht nur der (zum Thema Sparta erwähnte) Heuschnupfen geht mir kreativitätsdämpfend auf die Nerven, sondern auch das Hin-und-Her um den Ausverkauf von VNU. Noch ist ja nicht alles verloren, und das finde ich auch gut so. Ich möchte nämlich weiter mit den Leuten zu tun haben. Einfach weil, unabhängig vom Konzerngeschehen, innerhalb des Teams tolle Zusammenarbeit und coole Projekte liefen. Naja, mal sehn.

Auf eine ganz andere Weise vom Kapitalismus genervt dürfte dieser Tage der grosse Software-Assimilator Microsoft sein. Dessen ehemaliger Lieblingskumpel Michael Dell pfeift nämlich nicht nur auf die sentimentale Männerfreundschaft und benutzt auf seinem eigenen Notebook Ubuntu, sondern lässt jetzt seinen Privatkunden auch noch die Auswahl zwischen Vista und XP. Weil so viele potentielle Dell-Kunden kein buntes neues Vista, sondern das bekannte XP haben wollen. Wozu macht sich Microsoft dann eigentlich die Mühe, ein neues Betriebssystem zu entwickeln? Nur um mit dem integrierten DRM an den Kartellbehörden vorbei den Markt für High-Definition-Wiedergabe auf PCs zu besetzen? Oder um den immer ausgefeilteren Apple-OS-X-Varianten wenigstens optisch etwas entgegen zu halten? Das müssen wir nicht sofort beantworten. Da können wir in Ruhe zuschauen, wie die Dinge sich entwickeln.

Ebenfalls mit Staunen betrachten wir die Entwicklung im Entertainmentmarkt Musik (der sich ja gegen Video, Mobile und Games kaum noch behaupten kann). Wusstet ihr, dass die vier grossen Musiklabels (den Indies geht’s sowieso prächtig) in den USA seit 2004 jährlich immer mehr verkaufen. 2004: 958 Mio, 2005: 1303 Mio, 2006 1585 Mio. Die Zahlen bedeuten nicht US-Dollar, sondern Stück. Gleichzeitig sanken die Umsätze (in Dollar) in 2005 um 0,6 Prozent und in 2006 um 6,2 Prozent. Dieses Jahr sinken die Umsätze noch mehr. Tolle Sache, sag ich da nur, der Kapitalismus frisst seinen eigenen Schwanz. Ein überteuertes, nicht mehr konkurrenzfähiges Produkt sinkt im Preis, einerseits, weil es bei Walmart und Aldi für Schlagerpreise vertickt wird, andererseits, weil Downloads bei iTunes eben weniger kosten. Keine grosse Sache also, ausser dass die Analysten bei Nielsen, die solche Zahlen veröffentlichen, gleichzeitig bemängeln, dass ja kaum grosse Hits veröffentlicht werden. Bekannte Namen. Alben, die man haben muss. Geht am Ende das ganze Geld der Tonträgerindustrie für Lobbyarbeit (Korruption) drauf? Eine gefährliche Entwicklung, denn wenn da irgendwer dahinter kommt, rollen Köpfe. So wie bei Siemens, die sich ja auch jahrelang mit irgendwie ergatterten Staatsaufträgen über Wasser gehalten haben. Die Hinterzimmerdiplomatie der Konzerne hat eben eine massive Schwäche: sie findet unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Und die rächt sich dann. indem sie den Mist (Produkte, die am Bedarf vorbei entwickelt wurden) nicht mehr kauft. Egal, ob Vista oder Britney. Ganz einfach. [fe]

April 20, 2007 in Betriebssystem-Wahnsinn | Permalink | Kommentare (0) | TrackBack

18. April 07

Bootsektor TV 36: Wenn ich Terrorist wäre..

Der Chef der Europol behauptet allen Ernstes, Terroristen würde heute nicht mehr "klassische" Kommunikationsmedien benutzen, sondern P2P, wie BitTorrent. Ebenso Hooligans, Serienmöder, Kinderpornographen. Wofür wird dieser Mann eigentlich bezahlt? Für's öffentliche Halluzinieren? Nicht zu fassen. [fe]

Hier ist das Video zum Download.

Und nach dem Klick zum Anschaun.

April 18, 2007 in Videos | Permalink | Kommentare (9) | TrackBack