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27. Juni 07
60 Jahre UFO-Sichtungen
Neulich, Sonntag, vor 60 Jahren, sichtete ein Amerikaner fliegende Objekte und beschrieb sie erstmals mit dem dem griffigen Küchenlatein-Ausdruck: "Fliegende Untertassen". Ein schönes Jubiläum, da von alledem zwar bis heute nicht die Spur bewiesen ist, trotzdem aber der Verdacht nicht weichen will, die Aliens hätten schon längst die Weltherrschaft an sich gerissen. Dazu einige Einzelheiten...
Kenneth Arnold, guter amerikanischer Salesman und Sportpilot, flog jenen denkwürdigen Tages über den nordöstlichen Bundesstaat Washington hinweg, als er über dem Mount Rainier eine V-förmig fliegende Formation von Etwassen erspähte. Später erzählte er einem Reporter, die Dinger wären wackelnd und hüpfend geflogen, wie Untertassen, die man über eine Wasserfläche schlittern liesse.

So entstehen also Meme, die mehrere Generationen überdauern. Erschwerend kommt hinzu, dass keine zwei Wochen zuvor weiter im Süden, in der Nähe des beschaulichen Landstädchens Roswell im Bundesstaat New Mexico, etwas ähnliches in den kargen Prärieboden rammte. Später wurde alles lückenlos dementiert und ins Reich der Wetterballon-Mythen verwiesen.

Nachdem mehr als ein halbes Jahrhundert lang Gras über alles gewachsen und der kalte Krieg zu kaltem Kaffee geworden ist, öffnet selbst der CIA seine Geheimtresore und veröffentlicht, was damals noch die nationale Sicherheit bis zum Zerreissen unter Spannung setzte. Die Zeiten haben sich enorm geändert.

Ich meine: wenn arabisch aussehende Männer ohne jede Beweislage zu Tode gefoltert werden (wenn sie Glück haben, nur fast), jugendliche Steuerzahler niedergeprügelt und in Käfige gesperrt, nur weil sie zur falschen Zeit beim Ostseebad Heiligendamm spazierten, alternde Industrien Einsicht in die Privatsphäre fordern, wie sie in diesem Ausmass nicht einmal Strafverfolgungsbehörden zustehen (getrieben vom Phantom, dass jede Kopie als nicht verkauftes Produkt verrechnet werden könne), der US-Zoll demnächst von allen (legal) Einreisenden zehn Fingerabdrücke, dazu Iris-Scan und Biometrie aufzeichnet, und weltweit Datenmengen angehäuft werden, die von keinem irdischen Computersystem aufgearbeitet werden können – dann ist es an der Zeit, der Wahrheit ins Auge zu blicken. Aliens. Einen anderen Grund kann es nicht geben.

Ähm. Gerade haben Astronomen herausgefunden, dass unser Sonnensystem gar nicht aus der Milchstrasse stammt. Sondern aus dem Sternbild des Schützen dahergeflogen kam. Wer sind denn nun bitte die Aliens? [fe]
Juni 27, 2007 in Scheinbare Sicherheit | Permalink | Kommentare (3) | TrackBack
23. Juni 07
Microsoft: Vista nur halb sicher
In den ersten sechs Monaten seit Erscheinen von Windows Vista wurden von 27 bekannten Sicherheitslücken 12 gestopft. Also 44 Prozent. Damals, bei Windows XP waren es noch 36 von 39. Also 92 Prozent. Ist Vista dann nur halb so sicher wie XP? Schummelt Microsoft? Ebenso wie das FBI, Herr Bin Laden und die Firma Intel? Aber mal der Reihe nach...
Microsoft Security Strategy Director Jeff Jones verbreitete diese und ähnliche Zahlen, nur mit anderer Bewertung. Er findet aus den oben angeführten Gründen Vista viel sicherer als XP, ganz zu schweigen von OS X oder gar Linux. Und was ist mit den nicht veröffentlichten Sicherheitslücken? Andere sprechen von Äpfeln, Birnen und geschönten Zahlen. Wir sehen: Microsoft versucht, zu schummeln, und niemand ist sonderlich überrascht.

Ebenso wenig wie im Fall des FBI-Berichts, der mit Hilfe des Freedom of Information Act von der US-Bürgerrechtsorganisation Judicial Watch ans Licht des Tages gezerrt wurde. Darin steht nämlich, dass kurz nach dem akrobatischen Anschlag auf das World Trade Center ein Ryan Air 727 Flieger vom Los Angeles International Airport aus aufbrach. Startdatum 19. September 2001, Zwischenstopps in Orlando, Florida, Washington, DC, Boston, Massachusetts. Weitere Flüge zwischen dem 14. und 24. September werden erwähnt. An Bord: Saudi-Arabische Staatsbürger sowie Angehörige der (ja, der) Familie bin Laden. Gechartert wurde die Luftbrücke von der Saudischen Königsfamilie, oder Herrn Bin Laden. Osama. Laut FBI. Das weiter ausführt, nicht alle Passagiere befragt zu haben. Zum Beispiel, ob sie was von den Anschlägen wüssten. Schummelt das FBI? Oder schummelt Osama? Wie viele Sicherheitslücken gibt es wirklich und wer ist dafür verantwortlich, sie zu stopfen?

In der zweiten Reihe meldet sich jemand. Bitte sehr. Es ist die Firma Intel, die eine neue Technik entwickelt haben will. Cheater, die Geissel moderner Online-Games, würden automatisch identifiziert und vom Server verbannt. Aim-Bots, Wall-Hacks und Money Exploits hin oder her: wollen wir das wirklich? Und wenn ja, was wäre die Welt ohne Microsoft, das FBI und andere liebgewonnene Sicherheitslücken? Das sollten wir uns also noch einmal gründlich überlegen. Ja. Das wäre wirklich besser. [fe]
Juni 23, 2007 in Scheinbare Sicherheit | Permalink | Kommentare (1) | TrackBack
21. Juni 07
Korruption ist das neue Copyright
Grün ist das neue Schwarz, das wussten wir schon. Dass Korruption aber Copyright (a.k.a. "geistiges Eigentum") als zentrale Frage unserer Informationsgesellschaft ablöst, war uns nicht völlig bewusst. Einer der Vordenker unserer Epoche, der US-Rechtsprofessor Lawrence Lessig, machte jetzt diesen Schritt.
Während seiner Eröffnungsrede zum iCommons iSummit 07, und anschliessend ausführlich in seinem Weblog, kündigte Lessig seinen Rückzug aus der von ihm begründeten Creative Commons Bewegung an. Er wird diese noch mitgestalten, sagt er, setzt sich aber nach 10 Jahren neue Ziele.
Interessant, wo doch Creative Commons ein Konzept darstellt, das von offenbaren geistigen Globalisierungsverlierern wie der deutschen GEMA und weiten Teilen der nationalen Medien bis zum heutigen Tag nicht verstanden wurde.
Aber der Mann eilt weiter. Angeregt, wie er sagt, von den Veröffentlichungen des US-Präsidentschaftskandidaten Barack Obama, ebenso wie denen des Ex-US-Vizepräsidenten und globalen Klimawarners Al Gore. Letzterer warf in seinen Schriften die Frage auf, weshalb denn das brennende Problem der Klimaverschiebung mit unausweichlichen katastrophalen Folgen für grosse Teile der Erdbevölkerung von den politischen Entscheidungsträgern so zögerlich angepackt würde. Und präsentiert uns eine plausible Anwort: Korruption. Der selbe Grund bewegt Politiker, so fährt Lessig fort, das Copyright zu verschärfen oder zu verlängern; obwohl auch hier die negativen Folgen allgemein bekannt sind. Dabei sollte man das Problem Korruption nicht auf das alltägliche Bakschisch-Niveau reduzieren, wie es die Siemens-Top-Hampelmänner so medienwirksam vorexerziert haben.
Korruption, das definiert Lessig in seiner ausführlichen Begründung für seine Neu-Orientierung, ist eine heute schon als selbverständlich wahrgenommene Grundeinstellung vieler Menschen (vor allem solcher in Entscheidungspositionen), nur noch solche Entscheidungen zu treffen, die persönliche finanzielle Vorteile bedeuten. Alle anderen Beweggründe stossen auf Unverständnis und Ratlosigkeit.
Ich bin sehr gespannt, ob Lawrence Lessig, der in der Vergangenheit wesentlich zur Klärung der verwirrten Urheberrechtsdiskussion beigetragen hat, in ein paar Jahren mit einem ähnlichen Grundsatzkatalog zur Bekämpfung der allgemeinen Korruption beitragen wird. Etwa ein Katalog von Ethik-Normen, der so einfach formuliert ist, dass ihn alle verstehen. Vielleicht mit Ausnahme der GEMA und anderer folkloristisch geprägter Organisationen des 19ten Jahrhunderts.
Ich begrüsse den Schritt Lessigs hin zu grösseren Aufgaben, und fordere prophylaktisch schon einmal die Amtsenthebung Angela Merkels sowie ein Berufsverbot (Aberkennung des passiven Wahlrechts) für alle Abgeordneten gleich welcher Parlamente und Räte, die nachweislich finanzielle Leistungen Dritter entgegen genommen haben. [fe]
Juni 21, 2007 in PC vs. Copyright | Permalink | Kommentare (3) | TrackBack
18. Juni 07
Kopieren schlimmer als Bankraub
Wir haben in der Vergangenheit schon viel hanebüchenen Unsinn aus den Sprachrohren der verschiedenen IP-Industrien hören müssen. Auf ein Einsetzen der Vernunft müssen wir allerdings noch länger warten: namhafte Industrievertreter fordern jetzt eine Konzentration der Polizei weg vom klassischen Verbrechen und hin zur angeblich viel schlimmeren Piraterie.
Rick Cotton, immerhin "general counsel" beim Medienkonzern NBC/Universal vertrat bei einer Konferenz in der US-amerikanischen Hauptstadt den Standpunkt, die Polizeibehörden hätten heute einen völlig unrealistischen Fokus. Statt klassischer Eigentumsdelikte wie Diebstahl, Betrug, Raub oder Bankraub mit einem jährlichen Schadensvolumen von etwa 16 Milliarden US-Dollar sollten sich die Gesetzeshüter lieber dem "intellectual property crime" entgegenstemmen, das ja bekanntlich mehrere Hundert Milliarden pro Jahr koste.
Zum einen ist die Milchmädchensumme von mehreren Hundert Milliarden nicht einmal durch die hochgerechneten Heissluftzahlen der Content-Konzerne gedeckt – diese sprechen selbst von einigen wenigen Milliarden jährlich. Wie Rick Cotton auf "Hunderte" kommt, weiss wohl nur er selbst. Zum anderen sind all diese Zahlen Schätzungen und beruhen auf den theoretischen Endverkaufspreisen kopierter Produkte. Wobei man nicht realistisch annehmen kann, dass ein nur kopiertes Produkt ansonsten ja gekauft worden wäre. Mehrere Hundert Milliarden, allein in den USA. Für einen solchen Konsumanstieg an Luxusgütern wie Tonträger oder Video-DVDs müssten weite Teile der Bevölkerung wahrscheinlich auf Lebensmittel und Wohnung verzichten.
Nur über einen solchen Zahlenrausch zu lächeln, wäre die falsche Reaktion. Schliesslich ist Rick Cotton nur ein Vertreter der selben Lobby, die auch in Berlin und Brüssel täglich an den Türen der Volksvertreter rüttelt, um ihre veraltete Wirtschaftsform subventionieren und gesetzlich absichern zu lassen. Erleuchtend dazu der Standpunkt der deutschen GEMA, welche nach Eigenangaben die Interessen von 60.000 Komponisten, Textern, Verlegern und weltweit einer Million Tantiemen-Empfängern wahrnimmt.
Zum Glück gibt es Leute wie Cory Doctorow, US-Journalist und Autor, der in einem Artikel für die Information Week ausführlich beschreibt, wie die gegenwärtige Verbrüderung der US-Regierungen mit der IP-(Intellectual Property)-Industrie bereits zum Niedergang des Produktionssektors im reichsten Land dieser Welt geführt hat. Die Konzentration auf den (behaupteten) Besitz an Information und die Preisgabe aller Handelsschranken für die weltweite Absicherung dieses scheinbaren Besitzes wird, so Doctorow, letztendlich die Macht der USA zerstören. Das mag man sich vorstellen können oder nicht (und ich bin immer wieder ein wenig darüber schockiert, wie wenig sich die meisten Menschen vorstellen können, wenn sie es nicht sehen), aber es illustriert sehr deutlich die Rückzugsschlacht einer alten Industrie, die nicht vor verbrannter Erde und Massenverlusten zurückschrecken wird.
Es geht auch anders, und das trägt mit zum Untergang der alten Welt dieser geistigen Raubritter bei. Im MMORPG Eve Online, derzeit mit rund 200.000 Teilnehmern, werden in diesem Sommer demokratische Wahlen eingeführt. Nicht zufällig ist das Sujet der in Island programmierten Online-Welt Eve der Handel und Wandel zwischen den Sternen einer fernen Zukunft. Bis dahin gilt: Zähne zusammenbeissen, durchhalten. [fe]
Juni 18, 2007 in PC vs. Copyright | Permalink | Kommentare (10) | TrackBack
14. Juni 07
Wo bleibt der Cybersex?
Cybersex ist ein Jahrzehnte altes, nicht eingelöstes Versprechen. Statt dessen passieren Dinge, die sich niemand vorgestellt hat. Teledildonics haben sich eben so wenig durchgesetzt wie VirtualReality-Brillen. Statt dessen etablieren sich Geschäfts- und Freizeitmodelle anderer Art.
Jedesmal, wenn ich meinen Frisör aufsuche (wie schon vor zwei Jahren erwähnt..), erkundigt sich dieser auf's Neue nach etwaigen Fortschritten im Bereich Cybersex. Er weiss ja inzwischen, dass ich im Internet arbeite, und vermutet daher, ich sei im Besitz prickelnder Informationen. Leider muss ich ihn jedesmal auf's Neue enttäuschen. Die bacchantischen Träumereien von elektronisch augmentierten Gefühlserlebnissen im futuristischen Heim-Orgasmotron sind bis heute Theorie geblieben.
Statt dessen bietet Electronic Arts demnächst ein Zusatzpack für "Die Sims 2", in Zusammenarbeit mit H&M: Virtuelles Shoppen und Droppen. Hier beginnt die soziale Vermarktung des bisher unerschlossenen virtuellen Raums, die Projektion von kommerziell verwertbaren Äusserlichkeiten (besser angezogen = mehr sozialer Erfolg)für die erotische Selbstvermarktung von Nachwuchskonsumenten, die mit der Lüge der angeblichen eigenen Unzulänglichkeit leben gelernt haben.
Dass die Firma Playboy jetzt eine eigene Second-Life-Insel in Form des Logo-Bunny eröffnet hat, wo der Feierabend-SL-Besucher noch ein paar Entspannungs-Items für beide Welten (die physische und die virtuelle) erwerben kann, wirkt vielleicht auf den ersten Blick plakativer, richtet sich im Unterschied zum Sims-Pack aber an möglichst mündige Erwachsene mit Brillen und eigenen Computern.
Was aber im Web wirklich passiert, hat mit Phantasie mehr zu tun als mit Hardware. In der mittlerweile dicht bevölkerten Virtualhalbkugel unserer Zivilisation verdienen sich junge Männer die benötigten Goldstücke für Kampfrüstung und Reittiere durch den Verkauf von entfernt erotischen Gebärden und Textzeilen ihrer weiblichen Avatare. Wenn man sich dabei geschickt anstellt, verdient man damit pro Stunde mehr als mit dem Erhitzen und Verpacken von McDonalds-Fleischbrei. Das erfährt man bei der Lektüre des Escapist, einem der ganz wenigen ernsthaften Magazine zum Thema Virtualität. Und dass in einer paläolithischen Form des Metaversums im Jahr 1993, in einem ausschliesslich aus Buchstaben bestehenden MUD namens LambdaMOO, ein besonders findiger Spieler (oder sollte man ihn Stand-Up-Autor nennen?) die Funktion "Voodoo-Puppe" dazu benutzte, um die ebenfalls nur aus Text bestehenden Identitäten anderer Teilnehmer gegen deren Willen zu wiederum rein ohne Grafik ablaufenden sexuellen Handlungen (Beschreibungen) zu nötigen. Der Straftatbestand einer Vergewaltigung würde damit auch in der hysterischen, kinderporno-paranoiden Gegenwart nicht erfüllt. Auch wenn sich die Situation für die Betroffenen so anfühlte, wie man erfährt. Das war also vor 14 Jahren. Heute leben die Virtualbürger ihre Neurosen in demokratisch freier, gleicher und geheimer Weise aus.
So oder ähnlich ist die aktuelle Situation des Cybersex. Und die Eltern ungezählter, vor ihren WoW-Bildschirmen dahin dämmernder Teenager haben keine Ahnung, was ihre unmündigen, elektronisch unmündig gehaltenen Kinder da tagtäglich erleben. Und sich selber ausdenken. Vor allem letzteres. Vielleicht sollte ich meinem Frisör davon erzählen. Der hat doch drei Kinder im Teenie-Alter. [fe]
Juni 14, 2007 in Weichware & Nichtwelt | Permalink | Kommentare (1) | TrackBack
13. Juni 07
Killerspiele für Apple-Rechner
Religionskriege sind nach wie vor schwer in Mode. Mein liebster fundamentalistischer Konflikt ist allerdings einer, der die Menschheit in zwei erbittert verfeindete Lager spaltet, ohne einen Tropfen Blut zu vergiessen: Apple gegen Microsoft. Anlässlich der aktuellen WWDC 07 lieferte Apple-Chef Jobs neue Munition für den epischen Konflikt. Diesmal erwarten wir Ströme von Pixelblut.
Lange Zeit schien es mir, als ob Steve Jobs einfach nichts mit Spielen zu tun haben wollte. Apple-Rechner konnten alles und hatten sogar eine eigene Version des verbreiteten Microsoft Office. Aber kaum Spiele. Für mich ein Hauptgrund, weiter PCs zusammen zu schrauben, alle zwei Jahre mit neuen Innereien auszustatten und mich mit den Wartungs- und Sicherheitsproblemen von Windows herumzuplagen. Und nur zum Bootsektor schreiben ein iBook... das wäre sogar mir zu versnobt.

Apropos: Der Hauptunterschied zwischen Bootsektor und Inquirer ist, dass ersterer eher Kommentare und Bewertungen liefert, der zweite die Nachrichten. Mit Gerüchten wird auf beiden Weblogs hantiert. Und zwar von den selben Leuten. Um mal auf B@ules freundlichen Comment im "Über Bootsektor" einzugehen.

Als ich zu Anfang dieses Jahrhunderts (konnte ich mir jetzt nicht verkneifen, klingt einfach zu gut) im TV einen Bericht von der Apple-Veranstaltung mit der Präsentation von Bungies Halo sah, war ich den Tränen nahe. Vor Begeisterung. Sollte der Mac damit zur Spielemaschine werden, jetzt da der Marathon-Developer Bungie mit den anderen Shooter-Entwicklern gleichzog? Es kam, wie wir wissen, anders: Microsoft kaufte das Entwicklerstudio auf und schuf dadurch den zentralen Kaufanreiz für die Xbox. Diesmal dürfte es anders laufen. Wie auf dem offiziellen Video zur Keynote ungefähr ab 11:30 zu sehen ist (davor schwadroniert ein EA-Scherge über das Bekenntnis des weltgrössten Spiele-Distributors zu Apple), stehen dem bis dahin von engelshaften Designer-Weiss geprägten Mac blutige Zeiten bevor. John Carmack, der Hexenmeister aus Austin, Texas, und Chef des Doom-, Quake- und Wolfenstein-Herstelllers id Software outete sich als Apple Fan, der jetzt seine ganze Firma mit Macs ausstattet, weil diese bessere Performance bieten als preisgleiche Windows-PCs. Und zeigte ein Demo der neuen "id Tech 5", der Nachfolge-Engine zu Quake 4. Ähnlich wie Epic und andere grosse Developer wird id immer mehr zum Hersteller von "Middleware", wie man das anderswo nennt: das Geschäft mit dem Lizensieren der Engine an kleinere Studios wird wichtiger als das Komponieren eigener Spielhandlungen. Die id Tech 5 läuft, anders als die meisten aktuellen Engines, nicht nativ auf Microsofts Multimediaschnittstelle DirectX, sondern auf OpenGL, kann daher leicht auf alle möglichen Plattformen portiert werden, auch und gerade auf den Mac.

Haltet die Ketchup-Flaschen bereit, Freunde, das Tor zum Splatter-Erlebnis auf dem Apfelrechner ist aufgestossen. Das bedeutet zum einen, dass die Riege der profilsüchtigen, verantwortungslosen Politiker und ihre frei erfundenen Killerspiele-Tiraden nun mit einer neuen, erwachsenen, professionellen Kultur konfrontiert wird. Zum anderen bedeutet es, dass die nächste Generation von Games auch auf dem Mac verfügbar wird, und damit das letzte Argument für Windows wegfällt. Und zu guter Letzt, dass wir uns auf viele schöne religiös motivierte Flamewars freuen dürfen. Im Bootsektor und seinen Cousins Inquirer und Gizmodo ebenso wie im Rest der Medienwelt. Das wird ein Spass. [fe]
Juni 13, 2007 in Betriebssystem-Wahnsinn, Hart & Halbleitend, Weichware & Nichtwelt | Permalink | Kommentare (7) | TrackBack
11. Juni 07
Endlich lückenlose Überwachung
Besorgte Bundesbürger wünschen eine bessere Überwachung; und damit mehr Sicherheit. Nachdem die Mittel der öffentlichen Hand begrenzt sind, greifen engagierte Bürger zur Selbsthilfe und installieren Webcams zur Do-It-Yourself-Beobachtung. Dennoch blieb eine Abtastlücke in Bodennähe, die nun durch einen genialen Erfinder geschlossen wurde: die Haustierkamera. Bootsektor geht mit auf Streife.
Polizeiliche Kamera-Überwachung auf Flughäfen, Bahnhöfen und anderen öffentlichen Plätzen vermittelt nach aussen hin ein trügerisches Bild der scheinbaren Sicherheit. Tatsächlich, so fanden Forscher durch Prüfen der Video-Aufzeichnungen heraus, werden diese elektronischen Augen von überarbeiteten Polizeibeamten allzu oft genutzt, um jungen Passantinnen auf die Titten zu glotzen. Ey, schauma, die Blonde dort! So oder ähnlich mag man sich Situationen vorstellen, an welchen menschliches Versagen kaum auszuschliessen ist.

Daher bilden Selbsthilfe-Aktionen technisch fortgeschrittener Video-Vigilanten ein wichtiges Element im Kampf gegen den Terrorismus sowie verwandte Freizeitbetätigungen wie: Raubkopien verchecken, stümperhafte Tags sprayen oder Kaugummipapiere auf den Boden fallen lassen. Der Leser dieser Zeilen kann selbst einen Beitrag dazu leisten, indem er die Werbung auf diesen Webseiten ignoriert und statt dessen angestrengt auf die Webcam-Darstellungen deutscher Städte, Gemeinden, Verkehrswege, etc. konzentriert bleibt. Man weiss ja nie.

Den Gipfelpunkt aktueller Überwachungsbemühungen aber erreicht Herr Perthold mit seiner CatCam. Am Beispiel seines Katers Mr. Lee sehen wir auf dessen Website ausführliche Darstellungen vierbeiniger Überwachungsausflüge, von welchen wir Auszüge im heutigen Bootsektorbeitrag veröffentlichen.

Anders gesagt: Ein Hoch auf "J." (dessen vollständigen Vornamen ich bisher nicht gefunden habe) und seinen Kater. Die beiden zeigen in selten erlebter Anschaulichkeit, wie schwachsinnig der Ruf nach Kameraüberwachung ist. Machen wir uns nichts vor: es ist alles nur ein Riesenspass. Die komplette CatCam wird in Kürze für 39-US-Dollar zu haben sein, das Developer-Kit dazu (für noch mehr Freizeitqualität) kostet weniger. Auch für andere Haustiere geeignet. [fe]
Juni 11, 2007 in Scheinbare Sicherheit | Permalink | Kommentare (10) | TrackBack
06. Juni 07
Kulturflatrate, das unmögliche Konzept
Eigentlich war alles ganz einfach. Wer eine geistige Leistung erbringt, hat Anspruch auf Vergütung von Privatkopien. Dieser darf der Bürger zu seinem eigenen Nutzen anfertigen. Dann wurde alles sehr kompliziert, spätestens mit Einführung des Internet. In der vergangenen Woche konferierten in Brüssel die Verwertungsgesellschaften, und deren Vorsitzender musste peinliche Fragen beantworten.
Der britische Register-Redakteur Andrew Orlowski war so freundlich, den Vorsitzenden der CISAC (Confédération Internationale des Sociétés d'Auteurs et Compositeurs, International Confederation of Societies of Authors and Composers) am Rande der Konferenz aller Verwertungsgesellschaften (wie die deutsche GEMA) zu befragen.
Der öffentliche Auftrag an solche Gesellschaften ist, wie jeder weiss, das Einsammeln von Tantiemen für die Vervielfältigung, Aufführung oder Verbreitung von geistigen Leistungen wie Musik oder Wort. Damit aber niemand in Bürokratie erstickt und kein Privat-Bürger oder auch Gewerbetreibender täglich lange Listen ausfüllen muss, welche Werke er denn nun in welcher Weise genutzt habe, berechnet man Pauschalabgaben. Deswegen kostet der CD-Rohling ein paar Cent mehr und der Friseur um die Ecke bezahlt eine monatliche Gebühr für die Radiobesäuselung seiner Kunden. Aus den gesamten Pauschaleinnahmen wird dann der Anteil des jeweiligen Urhebers berechnet.
Ein grossartiges System, das schon viele Jahrzehnte seine Aufgabe erfüllt. Warum, so fragte also der rasende Register-Reporter den Vorsitzenden Eric Baptiste, werde das bewährte System dann nicht auf das Internet ausgedehnt, damit die Urheber endlich für die vielen, vielen Kopien via Web entlohnt werden? Unter uns gesagt: es kann ja nicht angehen, dass nur die Telekom und ihre Konkurrenten am Dateitausch verdienen.
Nein, und nochmals nein. Ein Pauschalabgabe auf "das Internet" würde die Musikbranche über Nacht in den Ruin treiben. Sagt Monsieur Baptiste. Niemand würde mehr Tonträger kaufen, also müsste man die Pauschalabgabe immer weiter erhöhen, bis die Bürger sie nicht mehr bezahlen würden.
Tatsächlich betrage diese nur einen kleinen Teil des gesamten Umsatzes mit Musikprodukten, und man müsse sie enorm anheben, wollte man damit alle Beteiligten angemessen bezahlen, also Musiker, Komponisten, Anwälte...
Anwälte, fragt der Reporter erstaunt zurück? Ja, manchmal seien diese ein notwendiges Übel, so der Vorsitzende. Daher seien Pauschalabgaben auf CD-Brenner und Leermedien eine gute Sache, die Kulturflatrate dagegen völlig unmöglich.
Liebe Leser, das klingt ausserordentlich widersprüchlich, nicht wahr? Tatsächlich kann man aber den Standpunkt des Herrn Baptiste verstehen. Er sieht sich nämlich nicht als Vertreter der Urheber (von welchen er die allermeisten ja gar nicht kennt), sondern als Teil der weltweiten Musikbranche. Und deren Geschäftsmodell muss unter allen Umständen erhalten werden. Er selbst, Eric Baptiste, gehört ja dazu. Wer braucht ihn noch, wenn alle, oder fast alle Tantiemen von einem grossen Computer verrechnet werden?
Statt dessen setzt auch Herr Baptiste auf energischere Strafverfolgung, schärfere DRM-Systeme und wartet zudem auf die "Killer Application" (vormals als "deus ex machina" bekannt). Deswegen wird die Kulturflatrate nicht eingeführt. Unter keinen Umständen. Und wenn er sich persönlich bei Herrn Sarkozy oder Frau Merkel dafür verwenden müsste. Die ihm sicher gerne zuhören, weil sie ihn ja vom Bankett neulich kennen.
So gesehen, haben wir (das Volk) kaum eine andere Möglichkeit, als die selbsternannte Elite zu ignorieren, Creative Commons zu nutzen und unser Taschengeld weiter für modernere Unterhaltungsformen zu verschwenden. Adieu, Monsieur Baptiste. [fe]
Juni 6, 2007 in PC vs. Copyright | Permalink | Kommentare (4) | TrackBack
03. Juni 07
Unbequeme Wahrheit, bequeme Lügen
Die G8-Feierlichkeiten sind bereits in vollem Gang, man hört von 1000 Verletzten, davon mehr als die Hälfte aus der Zivilbevölkerung. Worum ging es gleich nochmal? Afrika? Nein, es geht um Entscheidungen über globale Märkte und Strategien. Wir hintergrund-berichten vom Vorab-G-Gipfel der Content-Präsidenten und vom 10-Punkte-Plan zur Vermeidung eines Konsum-Klima-Umschwungs. Mit Bild.
Drei Wochen vor Heiligendamm kamen vorbereitend die Tonträgerchefs dieser Welt zu Besuch bei Frau Merkel. Auch der bekannte Schnulzensänger Udo Jürgens war mit dabei. Alle forderten eine Ausdehnung der kommerziellen Verwertung bis lange, lange nach dem Tod eines Künstlers. Auch bei Frau Zypries traf man sich zum Kaffee. Schliesslich seien hierzulande jährlich nur knapp anderthalb Milliarden Euro mit dem Verkauf von Tonträgern erzielt worden, während der geschätzte Wert der Privatkopien bei einem Drittel davon läge. Durch eine einfache Gesetzesänderung liesse sich ohne Mehraufwand also ein Drittel mehr Umsatz machen. Kein Wunder, dass jugendliche Hitzköpfe mit Steinen werfen.

An den europäischen Grenzen, das verkündete die EU-Kommission, seien im vergangenen Jahr 23 Millionen raubkopierte CDs und DVDs vom Zoll entdeckt worden. Mehr als doppelt soviel wie noch 2005 und fast alle aus China.

Das inspirierte wiederum die IFPI, rechtzeitig zum G8 "zehn unbequeme Wahrheiten" zu veröffentlichen. Wenn ich dieser Tage also schon nicht am Ostseestrand meiner demokratischen Sternmarsch-Bürgerpflicht nachkomme, dann will ich wenigstens diese "zehn bequemen Lügen" unvermummt provokativ mit Buchstaben bewerfen:
1. Pirate Bay, one of the flagships of the anti-copyright movement, makes thousands of euros from advertising on its site, while maintaining its anti-establishment “free music” rhetoric.Wieviel von den 1,5 Mrd. Euro Jahresumsatz der Tonträgerbranche in Deutschland erreichte die Taschen der Künstler?
2. Allofmp3.com, the well-known Russian website, has not been licensed by a single IFPI member, has been disowned by right holder groups worldwide and is facing criminal proceedings in Russia.
Ist eine solche Lizenz nach russischem Recht notwendig? Wenn ja, warum gibt es Allofmp3.com dann noch?
3. Organised criminal gangs and even terrorist groups use the sale of counterfeit CDs to raise revenue and launder money.
Seid ihr euch für keine Plattitüde zu schade? Kinderpornografie? Snuff? Freimaurer?
4. Illegal file-sharers don’t care whether the copyright infringing work they distribute is from a major or independent label.
Siehe Punkt 10. Haha.
5. Reduced revenues for record companies mean less money available to take a risk on “underground” artists and more inclination to invest in “bankers” like American Idol stars.
Heisst das, Indie-Künstler werden in Zukunft nicht mehr vom Markt weggekauft, damit sie den Umsatz mit Fliessbandproduktionen nicht stören können? Klasse!
6. ISPs often advertise music as a benefit of signing up to their service, but facilitate the illegal swapping on copyright infringing music on a grand scale.
Ein Wort: Kulturflatrate. Gleichbedeutend mit Legalisierung von P2P als Privatkopie via Internet.
7. The anti-copyright movement does not create jobs, exports, tax revenues and economic growth – it largely consists of people pontificating on a commercial world about which they know little.
Das selbst ernannte Copyright-Movement stellt weltweit wenige Tausend Arbeitsplätze bereit. Lest mein Transparent: Mehr freier Wettbewerb!
8. Piracy is not caused by poverty. Professor Zhang of Nanjing University found the Chinese citizens who bought pirate products were mainly middle or higher income earners.
Was soll uns dieser Unsinn sagen? Dass arme Chinesen keine DVD-Player haben?
9. Most people know it is wrong to file-share copyright infringing material but won't stop till the law makes them, according to a recent study by the Australian anti-piracy group MIPI.
Es ist illegal, wenn eine Regierung es dafür erklärt. Und? Führt das dazu, dass die Künstler auch nur einen Cent sehen?
10. P2P networks are not hotbeds for discovering new music. It is popular music that is illegally file-shared most frequently.
Siehe Punkt 4. Idioten.
Noch schnell den Zusammenhang wiederholen, zum aktuellen G8-Theater: solche und ähnliche Themen werden da diskutiert. Aus allen Branchen. Kein Wunder, wenn Afrika dabei schlecht wegkommt. Oder das Klima. [fe]
Juni 3, 2007 in PC vs. Copyright | Permalink | Kommentare (7) | TrackBack
01. Juni 07
Google, der grösste anzunehmende Bruder
Google Street View, ein neues Feature von Google Maps, erlaubt das Hineinzoomen aus dem Weltall bis in die Strasse oder anderen öffentlichen Grund. Das Google-Kamera-Mobil liefert die Bilder dafür. Privatsphäre ist damit abgeschafft. Was, wenn Regierungen diese Technik einkaufen?
Die rechtlich bizarren Vorgänge rund um die kommende Konferenz der G8-Führer zeigen unter anderem, dass unsere Sicherheitsbehörden in ihrem Bemühen um die Abschaffung des Konjunktivs immer wieder schmerzhaft an rechtsstaatliche Grenzen stossen. Und diese erst mühevoll überwinden müssen. Ist diese Hürde erst einmal gemeistert, kann auch in vollen Zügen aus der Geschichte genossen werden, wie der US-Journalist Andrew Sullivan in seinem Vergleich von Gestapo-Foltermethoden mit jenen der US-Sicherheitskräfte in Guantanamo und anderswo belegt: ein Unterschied ist nicht mehr zu erkennen.
Viel einfacher hat es da ein privatwirtschaftliches Unternehmen mit unscharfem oder gar fehlendem politischen Profil: in den USA amüsiert sich derzeit die Intelligenzija über Aufnahmen von Sonnenbadenden, Bikinimädchen und Voyeuren derselben via Google Street View. Tatsächlich ist das neue bunte Online-Spielzeug ein geeignetes Mittel zur Abschaffung der Privatsphäre. Dabei machen mir weniger die Missbrauchsmöglichkeiten einer abgeschafften Privatsphäre durch allzu beflissene Staatsbeamte Sorgen, als die ungeheuren kommerziellen. Schon jetzt dringen End User License Agreements und Digitales Restriktions Management in unser Privatleben ein. Bei einer Rundumabbildung des öffentlichen (oder dazu gemachten) Raums durch kommerzielle Anbieter fällt irgendwann das Recht am eigenen Bild: "Mit dem Kauf dieser Tafel Aldi-Schokolade stimmen Sie der Verwertung von Videoaufnahmen Ihrer Person und eine Auswertung Ihrer Bewegungsprofile durch die Aldi-Vertragspartner zu." Die Big-Brother-Dystopie verwirklicht sich demnächst in einer Weise, von der nicht einmal George Orwell träumen konnte.
Auch hier zeigen sich die Ordnungsschützer hilflos und versuchen Sicherheitstools zu verbieten, während die mehr oder minder organisierte Kriminalität bereits einen grossen Schritt weiter ist und aktiv an anti-forensischen Massnahmen arbeitet. Nicht der plumpe Bundestrojaner, sondern der Schleppnetz-Kreditkarten-Keylogger unerkannter Cyberkrimineller stellt eine kaum noch abzuwehrende Bedrohung dar. Wer es schafft, seine Spuren des Eindringens in fremde Rechensysteme so weit zu verschleiern, dass ein Aufdecken seines Tuns schon rein finanziell und nach Arbeitsstundenkalkulation unmöglich wird, hat die Aufnahmeprüfung in die Grosse Bruderschaft mit Bravour bestanden. Die nötigen Tools dazu gibt es an jeder Strassenecke des Metaversums.
Und ihr dachtet, P2P wäre eine ernst zu nehmende Bedrohung (was nie der Fall war) für bestehende Geschäftsmodelle? Wenn der Krieg um das Copyright wegen erschöpfter Ressourcen und Profitmöglichkeiten demnächst abgesagt wird, steht uns ein sehr viel schlimmerer bevor: der Krieg um unsere privaten Daten, und um unsere Identität. Sowie das Recht daran. Google Street View ist dann allerdings nicht mehr unser grösstes Problem. [fe]
Juni 1, 2007 in WeltWeitesWirrWarr | Permalink | Kommentare (14) | TrackBack

