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27. Juli 07
Alkohol im Weltall
Ein gerade veröffentlichter interner Bericht der NASA enthüllt, dass US-Astronauten regelmässig sturzbetrunken zum Start erschienen. Passiert ist nie etwas. Ebensowenig wie bei der Jahrhundertflut auf den britannischen Inseln, in der letzten Stellungname des Papstes zum Thema Kreationismus oder nachdem bekannt wurde, dass Bootsektor jetzt auch in Arabien zunehmend gelesen wird.
Eigentlich gab's mal die Faustregel: 12 Stunden zwischen Flasche und Düse. Das heisst, Sternenpiloten der Vereinigten Amerikanischen Weltraum Einheiten mussten 12 Stunden vor dem offizielle Starttermin aufhören, sich zuzuschütten. Hat sich aber kaum einer dran gehalten, wie jetzt vor kreidebleichen US-Senatoren enthüllt wurde. Ich finde, wir sollten froh sein, dass diese Jungs nur Mondraketen steuerten. Und keine Öltanker.
Problematischer dagegen die Meldung, dass man vor dem Start der Endeavour-Raumfähre in deren Laderaum ein sabotiertes Bauteil für die Internationale Raumstation entdeckte. Ob da nur Alkohol im Spiel war, oder etwa fanatisierte Die-Erde-Ist-Flach-Fundamentalisten, lässt sich so von aussen nicht feststellen.
Gerade jetzt, wo Seine Heiligkeit überraschenderweise zur Mässigung aufgerufen hat. Sieht ihm gar nicht ähnlich. Aber nein, die Streiterei zwischen Vertretern von Vernunft, Wissenschaft und Evolution auf der einen, und Anhängern des Kreationismus und Buchstabismus auf der andereren Seite sei eine Absurdität. Evolution und Glaube könnten doch koexistieren. Und, so fuhr er fort, die menschliche Rasse müsse lernen, auf "die Stimme der Erde zu lauschen", um nicht vernichtet zu werden. Ob sich hier der Kreis zu oben erwähnten Astronauten schliesst, konnte bis zum Redaktionsschluss dieses Beitrags nicht geklärt werden.
Erste Anzeichen des Nicht-Hinhören-Wollens mit nachfolgender Flutkatastrophe fanden sich dieser Tage auf den britischen Inseln, als ausgerechnet dort eine Flutkatastrophe Hunderttausende von Untertanen ihrer Majestät bedrohte. Bewundernswert kühl die Reaktion der Briten: Keine Toten. Kein Problem.
So viel Besonnenheit wünscht man sich heute öfter. Selten genug findet ein Top-Manager so eindeutig zu Verstand wie der Datenschutzbeauftragte der Firma Google, Peter Fleischer. Er forderte die Abschaffung der Krawatte, weil sie ja die Blutzirkulation zum Gehirn behindere. Ausserdem sollten Geschäftsleute ruhig zu ihrer bäuchigen Figur stehen. Das gehe am besten in T-Shirts.
Einen weiteren Beitrag zu Vernunft, Weltfrieden und Völkerverständigung liefert der von euch so geschätzte Bootsektor. Wie eine Überprüfung der Bootsektor-Referrer ergab, wird dieses Weblog auch in Arabien gerne gelesen. Ein entsprechender Google-Such-Referrer ist hier abgebildet (mit für zum Draufklicken). Ich bin sicher, der Betreffende wurde durch das unerwartete Ergebnis seiner aufklärerischen Aktion mit einer breiten Palette an neuen Denkimpulsen konfrontiert. Und allein das wäre doch schon ein Grund zum Feiern. Schickes Weekend allerseits. Und immer an die Nasa-Astronauten denken. [fe]
Juli 27, 2007 in WeltWeitesWirrWarr | Permalink | Kommentare (2) | TrackBack
25. Juli 07
FileRights: Legalisierung für P2P
Die beiden BitTorrent-Webseiten Torrentspy und Isohunt sind von der US-Filmindustrie erfolgreich verklagt worden. Nun antworten sie mit einem Tool namens Filerights, dass den Copyright-Verwertern die Kontrolle über getauschte Daten gibt. Ist das die Lösung? Oder das Ende? Oder etwas Anderes?
Im Juni begannen Torrentspy und Isohunt mit der Verwendung von FileRights. Die Alternativen, nach einem verlorenen Gerichtsverfahren, wären ein sinnloser Prozessfeldzug bis vor den industriefreundlichen US Supreme Court, eine Preisgabe sämtlicher Nutzerdaten oder das Ende ihrer Tätigkeit.
FileRights gibt den eingetragenen Verwertungsgesellschaften der möglicherweise getauschten Daten die Kontrolle über das Tauschverhalten. Ein Filmstudio kann also ganz einfach den .torrent des neuesten Blockbustermovies aus dem Angebot klicken. Das wäre sozusagen die technisch vereinfachte Version der Vorgehensweise nach dem US-Gesetz DMCA, das einem Rechteinhaber ermöglicht, unberechtigt verbreitete Kopien aus einem Internet-Angebot zu entfernen, ohne dass dazu der Internet-Anbieter in den Konkurs geklagt werden muss.
Die Pirate Bay reagierte ausgesprochen sauer auf FileRights. Das wäre doch die beste Chance für die Konzerne, sämtlichen Content in Tauschbörsen zu sperren, um damit unliebsame Konkurrenz für ihr eigenes Angebot auszuschalten. Torrentspy und Isohunt wären also schon im Bett mit der Industrie und liessen sich dafür bezahlen. Bildhaft forderte der Pirate-Bay-Admin Brokep, wer die Hitze nicht ertrage, müsse eben die Küche verlassen.
So einfach ist es aber nun wieder nicht. Auch wenn man Herrn Bropek zustimmen muss, dass die heutige Content-Industrie keinen schmutzigen Trick scheut, um die Konkurrenz aus dem kreativen Underground auszulöschen, lässt sich doch genauso gut dieser freie Inhalt schützen, etwa durch eine Whitelist.
Natürtlich hat Brokep streng genommen recht: Die Gedanken sind frei, und das unkommerzielle Verbreiten davon kann und darf nicht als kriminell gelten. Selbst wenn einige wenige vergangenheitsorientierte Konzerne hier eine Bedrohung für ihr veraltetes Geschäftsmodell halluzinieren. Aber diese Wahrheit scheint im Moment niemanden zu interessieren, Parlamente und Gerichte neigen den finanzstarken Argumenten der Content-Zaren zu. Also müssen Zwischenlösungen wie FileRights her.
Würde die, womöglich gesetzlich vorgeschriebene, Einführung eines solchen Tools denn die überhitzte P2P-Diskussion entschärfen? Wenn alle Tauschbörsen durch die Vertriebsfirmen kontrolliert werden könnten? Ich wette, das wird nie eintreten. Weil die freien Inhalte dann immer noch eine Konkurrenz zu den überteuerten, kommerziellen darstellen würden. Und weil selbst angebliche Vertretungsorganisationen wie die Gema das Internet pauschal als Feindesland betrachten. Oder Politiker. Browser, was sind nochmal Browser? Tja. [fe]
Juli 25, 2007 in PC vs. Copyright | Permalink | Kommentare (3) | TrackBack
21. Juli 07
Der missverstandene Computer
Der Computer, oft in der Subspezies PC anzutreffen, zählt nicht nur zu den Kernthemen des Bootsektorblogs (neben Copyright, MMOs, Pr0n, Datenschutz plus einiger weniger wichtigen Nutzungsarten), sondern findet auch in der Gesamtgesellschaft immer mehr Beachtung. Und wird zum Gegenstand massiver Missverständnisse. Bootsektor klärt auf.
The Internet is for Porn. Eine altbekannte, fast schon redundant zu nennende Weisheit. Tatsächlich ist Porn (in der Fachsprache auch als Pr0n bezeichnet) mittlerweile so häufig im WeltWeitenWeb anzutreffen, dass selbst heroischste Anstrengungen fundamentalistischer US-Spiesser, den Bundesstaat Utah durch Internetfilter von jenem Hauptbestandteil der Interwebitubes freizuhalten, kläglich gescheitert sind. Hier sollte uns ein Feldversuch der IT-Industrie zu denken geben. Diese nämlich, in einem bisher unverstandenen Anfall von Altruismus, träumt von einem Laptop pro Kind, klebt kleine grüne Klapprechner zusammen und schenkt sie armen Negerkindern. Und was machen die damit? Nach Porn surfen. War klar, oder?
Wenn mal ausnahmsweise nicht Pr0n über den Bildschirm pixelt, sind es ganz sicher Raubkopien (Killerspiele werden ausserhalb von Deutschland kaum beachtet. Nur im Land der Hitler und Henker gilt Massenmord als Staatsprivileg). Raubkopien, das sind nach Lesart der Entertainment-Zaren alle Medien (Video, Musik, Text), für die nicht mindestens zwei mal der volle Preis bezahlt wurde. Daher auch der aktuelle War-On-Internetradio, geführt von Soundscape, einer Kommandoeinheit der RIAA. Nachdem die Information an die Öffentlichkeit gesickert war, dass die angedrohten pleiteträchtigen Zusatzgebühren für Webradios doch unter den Tisch fallen könnten, wenn dafür alle Web-Sender dickes DRM einbauen würden, fragten besorgte IT-Redakteure nach. Warum, so deren Einwand, müsse das unbedingt sein, wo doch DRM in einem solchen Umfang ebenfalls horrende Kosten nach sich zöge? Der Vizepräsident (Senior !) der Abteilung Regierungsangelegenheiten der RIAA, Mitch Glazier, gab darauf Antwort: "Warum warten, bis es sich zu einem grossen Problem entwickelt? Es gibt auf dem Markt Technologien, um dagegen vorzugehen." Wogegen? Stream-Ripping. Also Musik aus dem Radio aufnehmen. Ist also kein grosses Problem. Könnte aber irgendwann eins werden. Mhm.
Herr Schäuble, diese Art von Logik könnte von Ihnen stammen. Und? Haben wir darauf schon ein Patent? Nein? Da sehen wir's. Leute. Wir müssen endlich von Computern lernen. Statt dauernd etwas hineinzuinterpretieren. Was nicht drin ist. Zum Beispiel die privaten Daten. Die, wie EU-Generalanwältin Prof. Dr. Juliane Kokott erklärte, nur in einem Strafverfahren eingesehen werden dürften. Nicht etwa von jedem Wald-Und-Wiesen-Musiklabel (oder -Innenminsiter), das dem Missverständnis Jede-Kopie-Ist-Eine-Nicht-Verkaufte-Schallplatte (bzw. Jeder-Nicht-Verhaftete-Ist-Ein-Potentieller-Terrorist) nachhängt. Klare Worte, Juliane. Alle anderen: Immer erst den Speicher defragmentieren, ok?
Was passiert, man man falsch speichert, seht ihr auf unserem Urlaubsbild zum Wochenende. Draufklicken. [fe]
Juli 21, 2007 in WeltWeitesWirrWarr | Permalink | Kommentare (1) | TrackBack
16. Juli 07
Preis der Piraterie: 300 Dollar
Lange wurde darüber diskutiert, wie der echte Preis der Piraterie eigentlich zu beziffern wäre. Jetzt räumte ein US-Gerichtsurteil auf mit der Unsicherheit. In North Carolina endete das Verfahren Capitol v. Frye mit der Zahlung dieser Summe an das geschädigte Tonträgervertriebsunternehmen. Das hat weitreichende Konsequenzen bis hin zum Stillstand des Internet.
Der US-Senator Ted Stevens, Urheber der gelungenen Beschreibung des Internet als verstopfungsanfälliges System von Röhren (im Gegensatz zum Transport via LKW-Ladefläche), steht derzeit im Brennpunkt von Korruptionsermittlungen. In mehreren Fällen, bis hin zur Anglerlizenzschieberei. Wer hätte das gedacht?
Das oben angesprochene Gerichtsurteil dagegen klärt, genauer betrachtet, eigentlich ziemlich wenig. Deswegen versucht der sterbende Schwan unter den Entertainmentindustrien derzeit auch, mit Hilfe einer kleinen Agentur namens Soundscape (wir sprachen bereits darüber...) die Unterscheidung zwischen "Vertrieb" und "Sendung" weiter zu verwischen. Internetradios, so hört man derzeit, sollten demnächst mehr für das Abstrahlen von Audiostreams an Tantiemen bezahlen als herkömmliche Radiosender. Weil man Streams ja rippen könne, und dann keine Songs mehr kaufen wolle (das alte Missverständnis). Nun naht die Rettung (von langer Hand vorbereitet), allerdings zu einem Preis. Die Internetradios, so träumen die Schellackindustrie und ihre Schergen vor sich hin, sollen einfach DRM in alle Radiostreams hineinwursten. Dann wäre alles wieder gut. Und die Tantiemen blieben niedrig.
Wie gut, dass Schellackhersteller Sony jetzt grade seinen DRM-Lieferanten verklagt. Ja, richtig, MediaMax. Nicht die mit dem Rootkit. Sondern die, die sich auch beim Klick auf "Nein" installieren. Sollen jetzt 12 Millionen abdrücken, wegen enttäuschter Konsumenten. Und wie gut, dass das ganze neue Windows Media DRM (wie im Zune zu finden) jetzt auch schon wieder gecrackt wurde. Rausgeworfenes Geld 2.0, nicht wahr?
Früher oder später macht jemand einen Fehler. Einen? Dauernd werden welche gemacht. Wie man oben schon nachlesen konnte. In diese Richtung zielt dann der Breaking News Online Videobeitrag von The Onion. Viel Spass... [fe]
Breaking News: All Online Data Lost After Internet Crash
Juli 16, 2007 in PC vs. Copyright | Permalink | Kommentare (2) | TrackBack
15. Juli 07
Warhammer zerschmettert Umsatz und Gewinn
Copyright, also der Schutz von Ideen vor kommerzieller Ausbeutung durch Dritte, entwickelt sich dieser Tage vom gutgemeinten Urheberrecht, das den Urheber vor dem blankem Hungertod schützen soll, über ein zweifelhaftes, pirateskes Geschäftsmodell hin zu einer erstklassigen Methode, sein eigenes Business gründlich zu ruinieren. Beispiel: Warhammer.
Copyright schient für manche Firmen ein finanzieller Segen zu sein. Für viele andere Firmen ist es aber eher eine Autobahn in den Abgrund: ein Beharren auf der Alleinnutzung von geistigen Besitztümern vertreibt zuverlässig zahlende Kunden. Schön zu sehen in der langsam dahinsterbenden Musikbranche. Nun macht sich der Copyright-Virus auch in der bis dahin blühenden Spielebranche breit. Schönes (düsteres) Beispiel: Games Workshop besitzt die Vertriebsrechte an Warhammer 40.000. Dieses Game hat seine Fans zu Höchstleistungen inspiriert: sie stellten einen Film zum Spiel her, der schon vorab für Aufsehen sorgte. Damnatus, so der Titel des Streifens, spielt im Warhammer 40.000 Universum und kann es direkt mit teuren TV-Produktionen aufnehmen. Ein winziges Problem ergibt sich wohl aus den national unterschiedlichen Urheberrechten: das vorwiegend deutsche Damnatus-Team unterliegt selbstredend dem hiesigen. Dieses schreibt fest, dass das Recht des Urhebers auf sein Werk nicht verkäuflich sei, sondern nur die Nutzung desselben. Ein Alptraum für manche eingleisig denkenden Entertainment-Manager. Und ein Grund für Games Workshop, alle Filmproduktionen zum Thema ausdrücklich zu verbieten. Beziehungsweise seine Geschäftsbedingungen dahingehend zu ändern.
Nun rasseln die Geknechteten (Jungfilmer) an ihren Ketten. Dies natürlich bildlich gesprochen, gegen engstirnige Geschäftsentscheidungen ist lautes Rasseln ja wenig hilfreich, besser sind da schon Online-Petitionen.
Die Warhammer-Enthusiasten hoffen tatsächlich auf ein anbrechendes Zeitalter der Aufklärung und Vernunft (in der Chefetage von Games Workshop). Und völlig schief gewickelt können sie nicht sein, schliesslich haben viel grössere Fantasy-Konzerne wie Lucas Arts von der Begeisterung der Fans in einem ungleich grösseren Mass profitiert. Herr Lucas war seinerseits davon derart begeistert, dass er eigene Websiten ins Netz stellen liess, von welchen die Fan-Artisten Originalsounds und andere Devotionalmedien zur Verzierung ihrer Fan-Produkte downloaden durften.
Soviel endzeitliche Weisheit wünschen wir natürlich auch Herrn Tom Kirby, Adressat der Petition. Die Alternative wäre durchwegs durchtränkt vom Eiter des ewigen Bösen sowie sinkender Geschäftszahlen: viele, viele bitter enttäuschte Fans, die sich womöglich nach einem solchen unnötigen Public Relations Debakel einer anderen Intellectual Property zuwenden könnten. Fanfilme dazu machen. Viele, viele kommerzielle Produkte erwerben. Andere Firmen reich machen. Null-Checker wie die Herren von Games Workshop einem Ende in immerwährender Vergessenheit überlassen.
Nur eins hoffe ich: dass wir bald diesen abendfüllenden Warhammer-Spielfilm sehen können. Meinetwegen auch ohne parallelem Konkurs von Games Workshop. Das wäre aber keine Bedingung meinerseits. Kein Wunder, wenn ernsthafte Forscher wie Rufus Pollock von der Cambridge University nachrechnen und zum wissenschaftlich untermauerten Ergebnis gelangen, dass Copyright höchstens 14 Jahre lang gelten darf. Alles andere geht auf Kosten der Kreativität, der positiven gesellschaftlichen Bedeutung der Kunst und dem Entstehen neuer geschäftlicher Möglichkeiten. [fe]

Warhammer 40.000, Bild von der deutschen GW-Webseite gestohlen. Schmiert euch euer Copyright in die Haare. Zombies.
Juli 15, 2007 in PC vs. Copyright | Permalink | Kommentare (6) | TrackBack
10. Juli 07
Piraten gegen Piraten
Was soll man gegen die unaufhörliche Internetpiraterie tun? Wie soll man damit umgehen, dass die gesamte Bevölkerung aller internet-versorgten Nationen etwas tut, das den Gesetzen nach illegal ist? Zwei Möglichkeiten: Entweder der Realität ins Auge sehen, oder noch drastischere Massnahmen ergreifen. Bootsektor übernimmt die Schiedsrichterrolle.
Die einfachste Lösung für das Problem der Internetpiraterie wäre ja nach wie vor, einfach den Begriff abzuschaffen, eine Internet-Pauschalabgabe wie bei Kopiermedien einzuführen, die Urheber damit zu entschädigen, wie es das Gesetz vorsieht, und sich wichtigeren Dingen zuzuwenden. Aber dann wären etwa ein Dutzend Industriekapitäne vor die herkulische, wenn nicht titanische Aufgabe gestellt, ihr Geschäftsmodell der Gegenwart anzupassen. Und das wäre wohl zuviel verlangt.
Statt dessen lassen sich auch andere Wege finden, dem Problem zu begegnen. Ob erfolgreich, das wird die Geschichte entscheiden. Gut möglich, dass der Raubbau an der Rechtssicherheit durch die Handlanger der Entertainment-Zaren in zukünftgen Geschichtsbüchern dem Raubbau an tropischen Urwäldern gleichgesetzt wird. Unübersehbarer Kollateralschaden für die Bürger wie auch die Wirtschaft vieler Nationen im Austausch für massvolle Gewinne für einzelne Geschäftemacher.
Heutiges Beispiel: Schweden. Da singen die ewigen Wälder ja schon lange nicht mehr schön und edel vor sich hin, statt dessen hat das Land ebenso wie jede andere Industrienation mit Überfällen der Heuschrecken und Neocons zu kämpfen. Nur lässt sich generationenlang sozialdemokratisch geprägter Bürgersinn nicht so leicht ausrotten. Was man am Beispiel der Pirate Bay sehen kann, die Schweden zumindest in den Augen der US-Musik-und-Tanz-Kombinate zum Schurkenstaat qualifiziert. Auch hier ohne grössere Folgen, weil das Land, wie schon Nordkorea, über keinerlei Ölvorkommen verfügt. Welche für ebenfalls letztjahrhundertliche und der Vergreisung ausgesetzte US-Öl-und-Waffen-Kombinate interessant sein könnten.
Die prall gefüllten Kaffeekassen (Korruptionsbudgets) der erwähnten Industrien genügten völlig, um auch in Schweden eine Handvoll einflussreicher Politiker und Beamter einzukaufen. Stefan Kronquist, Mitarbeiter der Abteilung Computerkriminalität der nationalen Kriminalpolizei. Thomas Bodström, ehemaliger schwedische Justiz-Minister und bekannter glühender Verehrer von totalitären Überwachungsstaaten.
Der Kampf gegen Kinderpornografie, eindeutig griffiger und für den Bürger leichter nachvollziehbar (weil überall Kinder herumspringen, aber keine Terroristen), wird von den erwähnten Marionetten auf die ansonsten rechtlich unangreifbare Piratencrew ausgedehnt. Ein Filter muss her, frei von niederem Zensurverdacht, um kinderpornografische Schmutzpartikel aus dem Web zu bannen. Das funktioniert natürlich technisch überhaupt nicht, wie wir alle wissen. Aber womöglich könnte man die fröhliche Piratenbande aus der Welt filtern? Und damit einen Bonus seiner amerikanischen Freunde gewinnen.
Diese übrigens haben nichts besseres zu tun, als von Handlangern Filmdownloadwebseiten aufstellen zu lassen. Mit dem einen Zweck, die Opfer des Downloadvorgangs zu verklagen. Nein, rechtlich nicht zulässig. Aber wen kümmert das, solange man dafür nicht bestraft wird? Und anschliessend von den selben Handlangern zu Werbezwecken Songs eines aktuellen Vertragskünstlers in die P2P-Sphäre injizieren zu lassen.
Also. Lasst mich das einmal zusammenfassen. Nein. Doch nicht. Die Ebene der Vernunft und Argumentation ist hier bereits nicht mehr zu erkennen. Letzte Anmerkung zum Thema: Demokratie ist grundsätzlich etwas schmutziges und in heutigen Begriffszusammenhängen bedrohliches. Sie wurde erfunden, um ein Gegengewicht zu den Macht- und Wirtschaftsinteressen Einzelner zu schaffen. Also genau für das Gegenteil des heutigen mehrheitsfähigen Gesellschaftsbildes, das schon behauptete Bedrohungen für einzelne Geschäftsmodelle als staatsfeindlich darstellt. Um so interessanter ist in diesem Zusammenhang der neue Komet am politischen Firmament. Oskar Lafontaine. Der sorgt, das verspreche ich an dieser Stelle, in der nächsten Zeit für perfekte Unterhaltung. Mehrheitsfähige. [fe]
Juli 10, 2007 in PC vs. Copyright | Permalink | Kommentare (7) | TrackBack
06. Juli 07
Sex im dritten Jahrtausend
Warum verbringen junge Männer die Blüte ihres Lebens damit, sich in der Quake-Weltrangliste nach oben zu ballern? Warum schreiben sie Viren, tragen Sprengstoffgürtel in benachbarte Moscheen oder gründen Softwarekonzerne? Warum sind Männer, die jhre Kolleginnen schlecht behandeln, nicht sexistisch? Die moderne Psychologie gibt Antworten darauf.
Als Autor des Bootsektorblogs, dem anerkannten Fachmagazin für Internetpsychologie, muss ich neidlos anerkennen, dass ein aktueller Artikel in der Online-Ausgabe von Psychology Today viele Grundfragen des heutigen Lebens so umfassend beantwortet, wie ich es mit meiner einseitigen Fixierung auf Copyright, Datenschutz und andere Massively Multiplayer Online Events bisher nicht zuwege brachte. Trotzdem, oder genau deswegen, möchte ich meine geneigten Leser darauf verweisen, dass die moderne Wissenschaft Erklärungsmodelle für so ziemlich alle unsere Betätigungen und deren Motivationen bereitstellen kann.
Dass Männer nun mal auf blauäugige Blondinen mit grossen Titten, schmaler Taille und runden Hüften extrem abfahren, kann präzise erklärt werden: weil diese Attribute ungebrochene Gebärfähigkeit signalisieren. Egal, ob Pamela Anderson am ersten dieses Monats 40 geworden ist (Wir gratulieren nachträglich) oder nicht. Und warum sie gerade in islamischen Ländern besonders gerne zu Selbstmordattentaten greifen? Weil durch die religiös-weltanschaulich sanktionierte Polygynie die Chance eines mittellosen, unauffälligen Durchschnitts-Nachwuchsarabers auf Reproduktion denkbar klein ist. Also ist es sozusagen sowieso egal. Warum Männer Quake spielen (oder ein anderes aus der Ich-Perspektive gesteuertes Wettkampfspiel in 3D-Darstellung), einen Software-Konzern an die Weltspitze führen (wie im Fall Gates) oder nachher die erreichte Spitzenposition durch oral eingesetzte Praktikantinnen gefährden (wie im Fall Clinton), ist nach Wissen unserer Forscherelite ebenfalls dem einen, selben Grund zuzurechnen. Oder warum hoch-erwachsene Männer plötzlich anfangen, rote Cabrio-Sportwagen zu kaufen und polobehemdet und sonnenbebrillt fremden weiblichen Tweens nachzustarren: Die Menopause und damit das Reproduktionsende ihrer monogamen Vertragspartnerin. Und zu guter Letzt und zur allgemeinen Erleichterung gesagt: Männer, die ihre Arbeitskolleginnen rüde behandeln, verhalten sich keineswegs sexistisch. Im Gegenteil. Sie behandeln ihre weiblichen Mitarbeiterinnen genau so kompetitiv wie ihre männlichen. Eigentlich ein dickes Kompliment an die Mädels.
Ich weiss selbst, dass so ein Schnelldurchlauf schwer zu verdauen ist. Ebenso wie die Originalquelle selbst, die mit wortreichen Erklärungen auf eines der Grundprobleme menschlicher Existenz eingeht. Lasst mich daher versuchen, das alles noch mehr zu vereinfachen. Zu diesem Zweck stelle ich mir den typischen Bootsektor-Leser vor, der angesichts dieser Zeilen bereits damit begonnen hat, an seiner mit Gaffa-Tape (ersatzweise Hansaplast) reparierten Brille zu nesteln. Alter, sag ich zu ihm, Alter, natürlich programmieren wir unsere Neuronen selbst, im Lauf unserer langen RL-Lernkurve. Wir packen da unsere eigenen Muster rein und haben auch noch später drauf Zugriff, weil die Bionik ja kein Read-Only ist. Nur sind manche Teile des zentralen Mainframes eben Millionen Jahre alt, und deswegen hard-wired. Und es hat keinen Sinn, dagegen anzuquatschen. Genausowenig wie gegen ein Eprom. Wir müssen uns der Situation stellen, dass die Hälfte... Dreiviertel... also, fast alle unserer Handlungen auf erfolgreiche Fortpflanzung abzielen. Wenn wir uns darüber im Klaren sind, wird alles sofort viel übersichtlicher. Weniger Stress. Nicht, dass es deswegen sofort alle, oder eben das eine Problem lösen würde. Eins nach dem anderen. Ok? [fe]
Juli 6, 2007 in Betriebssystem-Wahnsinn, Hart & Halbleitend, WeltWeitesWirrWarr | Permalink | Kommentare (4) | TrackBack
04. Juli 07
MP3sparks ist das neue AllOfMP3
Ein schönes Beispiel dafür, dass der Krieg älterer Industrien gegen ihre Kunden (a.k.a. "Piraten") sinnlos ist, lieferte dieser Tage unser schönes Partnerland im Osten. Russischer Unternehmergeist liess sich nicht von der rechtlich nicht begründeten Schliessung des Musikdownlod-Anbieters AllOfMP3 aufhalten. Der Shop hat jetzt eine andere Farbe und heisst MP3sparks.
Wie ich gestern schon mal hier in Kürze ausführte, bestand die US-Handelsbeauftragte Susan Schwab auf Verlangen der mächtigen Entertainmentindustrie darauf, dass Russland AllOfMP3 schliessen müsse. Sonst käme eine Aufnahme des Landes in die World Trade Organization nicht in Frage. Der ganze Wirbel um AllOfMP3 gründete sich darauf, dass der Musikdownloadshop sagenhaft niedrige Preise anbot. Möglich war das durch das russische Urheberrecht, das bei einer solchen Geschäftstätigkeit eine Zahlung von Tantiemen an die Verwertungsgesellschaft ROMS vorsieht. Eigentlich eine klare Rechtsstruktur, weil der Verkauf von physischen Tonträgern ja ein anderes Geschäftsmodell darstellt als der Verkauf von blossen digitalen Kopien.

Nur: Da das Internet sich zum Kummer der alten Medienwelt rund um den Globus erstreckt, in etwa vergleichbar mit der Atmosphäre unseres Planeten, konnten auch Musikfans ausserhalb der russischen Grenzen davon profitieren. Eine Industrie, die mit dem geistigen Eigentum anderer (der Urheber) handelt, reagiert darauf natürlich nervös. Bedeutet das aber, dass US-amerikanisches Recht auf der ganzen Welt zu gelten hätte? Wenn man Susan Schwab fragt, ja.

Nur die ehemaligen Betreiber von AllOfMP3 waren völlig anderer Meinung, legten sich eine neue rechtliche Grundlage zu und nannten den renovierten Shop MP3sparks. Das bedeutet: alles geht von vorne los. Heute ist der Kauf von Musik von dieser Website nach deutschen Recht noch legal. In Kürze werden Vertreter der erwähnten Industrien öffentlich behaupten, dass MP3sparks illegal wäre. Eine rechtliche Grundlage für diese Behauptung brauchen sie nicht. Schliesslich verfügen sie über eine etablierte, breite Lobbybasis (a.k.a. "Korruption"), so dass diese Behauptung früher oder später in geltendes Recht überführt wird. Nur: Dann müssen die findigen Russen nichts weiter tun, als ihren Laden umzubenennen. Ein Rennen zwischen Hase und Igel, nicht wahr? Um dieses zu beenden, müsste die Entertainmentlobby in allen Industrie- und Schwellenländern Gesetze durchdrücken, die einen Onlinehandel mit digitalen Abbildungen von Kulturgütern nur mit Erlaubnis der Branchenorganisationen zuliesse. Das wiederum wird aber ein paar Jahre dauern, weil Bürgerrechts- und Verbraucherschutzorganisationen (ja, auch hier zulande kämpft der VZBV für unsere digitalen Verbraucherrechte) einen Berg Schwierigkeiten machen werden. Und bis dahin hat sich längst gezeigt, dass die Umsätze in Downloadshops die ehemals märchenhaften Gewinne mit CD-Verkäufen nicht auffangen können, und das ganze Kartenhaus fällt in sich zusammen.

Und unsere Enkel werden uns ungläubig fragen: "Wie, ihr habt Musik gekauft? Für Geld? Auf untertassengrossen runden Scheiben?" MMOs sind der neue Rock'n'Roll. Apropos Untertassen: im aktuellen Slashdot-Poll "Welche Akten soll die CIA zuerst fregeben", stimmten die meisten (31 %) für "The truth about aliens". War klar, oder? [fe]
Juli 4, 2007 in PC vs. Copyright | Permalink | Kommentare (50) | TrackBack
02. Juli 07
King of Pop 2.0
Auf die Surfbretter: hier kommt die globale Medien-Welle. Gegenwartsorientierte Zeitgenossen werden weitergetragen, Geschäftsmodell-Konservatoren bleiben zurück und gehen unter. Prince profiliert sich als King of Pop, Bullen profilieren sich als Hacker, Google profiliert sich als billiges Flittchen, in den USA beginnt der legale Anbau von Marijuana und von Fallout 3 gibt es endlich erste Bilder zu sehn.
Internetnachrichten, neu formatiert. Eine sterbende Industrie bäumt sich noch einmal auf, zeigt ihren Hang zum Glamour und macht einem ihrer Ex-Lover eine riesige Szene. Prince, the Artist formerly known as Prince, bringt eine neue Platte heraus. Soll er machen, der Mann weiss, was er tut. Egal, ob mir das jetzt gefällt oder nicht. Planet Earth heisst die Scheibe mit 10 neuen Songs, und erscheinen wird sie am 24 Juli als Coverbeilage der konservativen britischen Daily Mail, Sonntagsausgabe. Bisher in einer Grössenordnung von rund 2 Millionen verkauft, will der Verlag extra viele Sonntagszeitungen drucken, wegen der Prince-Nachfrage. Wozu braucht man noch Tonträgerfirmen, die einen eh nur übers Ohr hauen? Entsprechend gross ist das Geheule bei Plattenmogulen und Einzelhandelsbaronen. Die hassen Herrn Prince jetzt alle. Prince Rogers Nelson qualifiziert sich damit zum King of Pop 2.0, allein dafür muss man ihn schon feiern.

Auch eine Flasche köpfen wollen wir für Jeremy Young und Scott Gelsthorpe, die ihren Job bei Scotland Jard an den Nagel hingen, um eine Privatdetektei namens "Hackers are us" zu gründen. Dort verwendeten sie alles, was sie als Kripobullen gelernt hatten (Telefone abhören, Computer hacken) und wurden erstens reich und zweitens, nachdem die Sache aufflog, Knastbrüder. Ich bin sicher, dieses Geschäftsmodell wird auch hierzulande Zulauf finden.

New Mexiko, sehr südlicher Bundesstaat der USA, hat ausser Wüstenspringmäusen und Serienmördern wenig Unterhaltsames zu bieten. Nun erlaubt ein Gesetz, bei bestimmten schweren Krankheiten das benötigte Marijuana selbst anzubauen. AIDS, Krebs, Glaukom, Epilepsie. Die Entscheidung ist richtig, die Folgen unabsehbar. Viele neue Geschäftsmodelle. Viel Spass noch, und Peace allerseits.

Google profiliert sich endgültig als billiges Flittchen und bietet an, für eine Handvoll Dollar mit der Industrie ins Bett zu gehen. Anlass ist der neue Michael Moore Film "Sicko" (den man nach dem Willen seines Schöpfers auch gerne aus Tauschbörsen beziehen darf, aber nicht erwischen lassen). Wer also nach "Sicko" googelt, so der moralfreie Suchmaschinenriese mit der ehemals weissen Weste, soll auf pharmaziefreundliche Webseiten gelenkt werden. Voraussetzung ist eine angemessene Vergütung seitens der von Moore so entblössten Krankheitsindustrie. Das haben wir jetzt von der Google-Monokultur. Suchergebnisse gehen an den Meistbietenden. Hallo Schwester, bitte eine Runde Brechmittel für mich und meine Freunde.

Letzter Partyanlass für heute: überall im Web gibt es Bilder von Fallout 3 zu sehn. Dessen neuer Besitzer Bethesda setzte erfahrene RPG-Designer aus dem Oblivion-Team an die titanische Aufgabe, die In-Game-Screens aus der Alpha sehen vielversprechend aus. Es wird Zeit für ein neues postapokalyptisches RPG. Wer keine Orks und Elfen sehen will, hat heute weitgehend Pech. Man kann ja nicht immer nur Fallout 1 und 2 und ein bischen Neocron spielen. Auf eine düstere Zukunft! [fe]
Juli 2, 2007 in PC vs. Copyright, Scheinbare Sicherheit, Servicefreie Zone, Weichware & Nichtwelt, WeltWeitesWirrWarr | Permalink | Kommentare (7) | TrackBack

