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29. September 07
PeerGuardian, Protowall, und Trusty Files
Obwohl in den USA derzeit über einen globalen Fehlschlag der juristischen Strategie der Contentindustrie gegen P2P gesprochen wird, ermitteln die Privatfirmendetektive weiter im Auftrag der Vertriebsrechtenutzer gegen Konsumenten. Kann man sich gegen solche Angriffe aus der rechtlichen Grauzone schützen?
Tatsächlich gab es zur Legimitimität der Behauptung, Kopie und Tausch wären mit Diebstahl gleichzusetzen, seit der breit angelegten Studie von Professor Felix Oberholzer-Gee und Koleman Strumpf keine wissenschaftlichen Erkenntnisse zum Thema. Zur Erinnerung: Die Studie, durchgeführt über einen Zeitraum von 17 Wochen und mit der Erfassung von 1,75 Millionen Downloads ergab keinen Zusammenhang zwischen P2P-Geschehen und kommerziellem Verkauf. Es ist also egal, ob und wie oft ein Song (oder ein Film) in einer Internet-Tauschbörse weitergegeben wird, der Verkauf des Originals ist davon unbeeinflusst. Wer das Gegenteil behauptet, bleibt den Beweis schuldig.
Das alles lässt die Lobbyvertreter der Musik- und Filmindustrie (und in weit geringerem Mass der nach wie vor blühenden Buchverlage) aber nicht an der Richtigkeit ihrer eigenen Schutzbehauptungen zweifeln. Und an der Richtigkeit eines juristischen Vorgehens gegen kulturell Andersdenkende. Tatsächlich ist mittlerweile allgemein klar, dass die schwächelnden Umsätze im Tonträgerbereich (der Film erfreut sich derzeit eines fetten Schweinezyklusjahres) eher auf die Konkurrenz durch neue Medienformen wie Computer und Videospiele (Zum Vergleich: Spieleentwickler Blizzard macht allein mit World Of Warcraft derzeit etwa halb so viel weltweiten Jahresumsatz, Konsolenhersteller Nintendo den vierfachen wie die gesamte Musikindustrie in Deutschland) sowie neue Nutzungsformen durch verbesserte und damit sehr preisgünstige Speichertechnologie (Festplatten, Flash) zurückgehen.
Was aber, wenn die Geheimagenten der Tonträgerkonzerne in meinem Rechner herumschnüffeln? Was, wenn sie einen Song aus meinem Tauschordner herunterladen, meine IP-Adresse ermitteln und dann einen technisch bildungsfernen Richter davon überzeugen, dass diese Daten eine Anordnung zur Herausgabe meiner Adresse durch meinen Provider rechtfertigen? Für solche Fälle gibt es Schutzsoftware, die zumindest die schlimmsten Formen von Massenmissbrauch unklarer Gesetzesformulierungen unterbinden kann. Programme wie PeerGuardian 2, Protowall und Trusty Files sind schnelle, effektive Programme mit genau einem Zweck: IP-Adressen aus einer ständig aktualisierten Liste direkt zu blockieren. Die Idee dahinter ist, kommerzielle Onlinedurchsuchungen abzuwehren, wenn diese von einer festen IP-Adresse aus durchgeführt werden. Natürlich haben solche Blacklists keine Wirkung, wenn der Angreifer ebenfalls von einem Privatanschluss mit dynamisch vergebener IP aus ins Internet geht. Das ist aber der allgemeinen Erfahrung nach eher die Ausnahme, da Massendurchsuchungen von Tauschbörsen dann eben doch grosse Datenmengen mit sich führen, die eine Standleitung (mit dann fester IP) nötig machen. Der Downloadmanager Trusty Files bietet darüber hinaus noch den Service, mehrere P2P-Plattformen gleichzeitig zu duchsuchen. Das Geschäftsmodell hinter Trusty Files ist nicht etwa Spyware, sondern die gute alte, zielgruppenorientierte Werbung auf der Herstellerwebsite, z.B. für modern denkende Musikvertriebe. Also alles legal. Und solange man stehen bleibt, wenn die Ampel rot zeigt, auch wenn man weit und breit der einzige Verkehrsteilnehmer ist, oder noch haarsträubender, auf den Up- oder Download von irgendwie copyrightbelegten Daten verzichtet, kann nichts passieren (Hahaha).
Wer mehr über die Denkweise der Contentindustrie und deren Unfähigkleit, sich an die Gegenwart anzupassen, lesen möchte: Michael Robertson (MP3.com etc) gründete die Firma AnywhereCD mit dem integrierten Angebot von Audio-CD und MP3-Download zum Kombipreis. Er beschreibt in seinem Blogbeitrag sehr deutlich, warum die Firma baden ging. Aha. So ist das also. [fe]
September 29, 2007 in PC vs. Copyright | Permalink | Kommentare (2) | TrackBack
26. September 07
Internet versöhnt Religionen
Das Internet hat zwar die bekannten Endneunzigerversprechen, uns alle reich zu machen, nicht im mindesten erfüllt. Nur für einige wenige unter uns. Aber dennoch kann uns ein Ausflug auf der Datenautobahn davon überzeugen, dass die weite Welt durch das Web zu einem besseren Platz geworden ist. Heils- bzw. friedensstiftende Propheten für heute: Brian Lam, Edmund Stoiber bzw. Gabriele Pauli, und Pat Condell.
Brain Lam ist der Chefredakteur des US-amerikanischen Gadgetonlinemagazins Gizmodo. (Das, dessen deutsche Ausgabe eng mit dem Bootsektor verwandt ist). Brian empfing in dieser Funktion ein Promotionpaket von Microsoft zum Konsolenspiel Halo 3, entpackte es vor laufender Kamera und erhielt tausende von Hass-Emails, weil er dies nicht respektvoll genug getan hatte. Nun wussten wir zwar bislang nicht, dass es sich bei Halo nicht etwa um ein simples Ballerspiel, sondern eine Religion handelt, aber Brian tat dennoch das einzig richtige. Er verpackte vor ebenfalls laufender Kamera die Plastik-Devotionalien in die grosse Halo-3-Tasche und warf sie demonstrativ aus dem Fenster. Im zweiten Stock. Und verriet ausserdem das Ende von Halo 3. Jeder (und ich meine damit jeden) sollte dieses Zeugnis von Zivilcourage gesehen haben. Selbst wenn er dann weiss, wie Halo 3 ausgeht.
Edmund Stoiber ist der, letztlich über die Enthüllungen einer hübschen Politikerin (aus dem völkerrechtswidrig besetzten Franken) gestürzte, scheidende bayrische Ministerpräsidentenkurfürst. Auch er trug zum Weltfrieden bei, in dem er mit seinen Kumpels vereinbarte, die vollelektrische, extrem penisverlängernde Spielzeugeisenbahn zum Flughafen (Transrapid) zu bauen. Auch wenn es keine Finanzierung dafür gibt, so dass die freundlichen Industriehaie behaupten müssen, an diesem Bauwerk kein Geld verdienen zu wollen. Das glaubt natürlich niemand, der auch nur halbwegs bei Verstand ist. Aber sehen wir es einmal positiv: Für 1,85 Milliarden Euro an mühsam zusammengekratztem Steueraufkommen werden keine Waffen gekauft. Auch keine Tornados für Afghanistan. Bravo, Fürst Edmund! Hoch soll er leben, auch wenn die erwähnten Peanuts besser in Kindergärten, Altenbetreuung, Einwandererintegrationskurse und unser zu Tode gespartes Bildungssystem investiert worden wäre, das laut OECD-Studie in den kommenden Jahren nicht einmal den nationalen Bedarf an Akademikern decken kann. Ich erwarte daher von den einschlägigen bayrischen Universitäten eine Studie über den gesellschaftlichen Konsenspunkt, an welchem die Ausbeutung sozial Benachteiligter in strukturellen Kindesmissbrauch umschlägt. Der bayrische Versöhnungspreis geht inzwischen an (Bild: CC Günter Fremuth) Gabi aus Franken.
Natürlich ist mir schon länger klar, dass ich meine eigene Bestimmung als heils- bzw. friedensstiftendem Prophet derzeit sträflich vernachlässige. Keine Videos. Um so glücklicher bin ich darüber, euch einen würdigen, heils- bzw. friedensstiftenden Wettbewerber empfehlen zu können: Pat Condell. Der britische Vordenker hat zwar kürzere Haare als ich und eine weniger ausdrucksvolle Brille, erklärt dafür aber um so präziser (und weniger geek-bezogen als ihr das von mir kennt) was die ganze Scheisse mit den Religionen soll. Und er erklärt das geduldig und sehr, sehr freundlich, so dass man ihm einfach zuhören muss. In 24 Videos. Falls jemand aus meiner Leserschaft nicht genug Englisch kann: höchste Zeit, es zu lernen. Es handelt sich hier um die Welthandelssprache (und Ostdeutscher zu sein ist sowieso eine schlechte Ausrede. Für alles).
So viel zu den heutigen Beispielen zum nachgerade unermesslichen Segen, den das Internet uns bringt. Ja, richtig. Es ging ja gar nicht um Versöhnung. Ich habe gelogen. Ich konnte der Versuchung nicht widerstehen. Ich wollte einmal, nur einmal dazugehören. Massenmedien, ihr habt davon gehört. Und wenn ich meine letzten paar Bootsektorbeiträge so ansehe, kommt mir die Erkenntnis, dass ich genausogut wieder eine Band aufziehen könnte. Der Hass ist immer noch stark in mir. Und je länger ich im Internet lebe, desto mehr fühle ich ihn wachsen. Möge die Macht mit euch sein. Obwohl, nee. War nur Spass. [fe]
September 26, 2007 in WeltWeitesWirrWarr | Permalink | Kommentare (4) | TrackBack
24. September 07
Das Bootsektoromicon
Man muss nicht das geheime Necronomicon des wahnsinnigen Arabers Abdul Al'hazred studiert haben, um zu wissen, wie nahe an der gewohnten Alltagsrealität der Abgrund des namenlosen Grauens lauert. Womöglich sollte ich weniger Lovecraft lesen, aber hier ist die heutige Litanei des Verderbens: Medienkonzernchefs, die zuhause Kopierschutz knacken. Ermittlungsbeamte, die vertrauliche Datenbanken missbrauchen, um der Ex-Freundin nachzuspionieren. Und schlechter israelischer Nazi-Pr0n.
Kurzer Hinweis zum Verständnis meiner vielen Lovecraft-Anspielungen: hier nachsehen (soviel zur Erfüllung meines Bildungsauftrags). Und neulich auf der Digital Rights Strategies Conference 2007 in New York erklärte Sony Vice President Scott Smyers, dass er zuhause, und um "Sicherheitskopien" (so nennen das alle) anzulegen, auch schon mal gerne den Kopierschutz (a.k.a. "CSS") auf Film-DVDs umgeht. Ob er dazu wohl AnyDVD von Slysoft benutzt, auf deren Webseite man nach deutscher Rechtsprechung nicht verlinken darf, ohne sich der Beihilfe zum Urheberrechtsbruch schuldig zu machen? Und ob er sich wohl privat der inzwischen zunehmenden Ansicht anschliesst, DRM sei schädlich für's Geschäft? Auf der Digital Rights Strategies jedenfalls wurde der Konflikt deutlich, dass die Industrie sich der Nachteile von DRM inzwischen bewusst ist (die Leute wollen den Mist nicht kaufen), andererseits aber keinen besseren Plan hat. Tragisch. Vielleicht sollte man es mit Opfergaben für und Anrufungen von Cthulhu, Yog-Sothoth, Tsathoggua, Azathoth und Nyarlathotep versuchen. Würde die Sache auch nicht schlimmer machen.
Unglaubhaft und wissenschaftlich kaum haltbar, wenn auch durch Medienberichte jenseits des Arkham Inquirer oder Providence Herald belegt, erscheint mir die Geschichte des 40jährigen Benjamin Robinson, Angestellter des US-Wirtschaftsministeriums, aus Oakland im US-Bundesstaat Californien, der die TECS-Datenbank (Treasury Enforcement Communications System) des Department of Homeland Security in mindestens 163 Fällen dazu benutzte, seiner Ex-Freundin nachzuschnüffeln. Er soll deswegen vor Gericht kommen und bis zu 10 Jahre Gefängnis sowie eine Strafe von bis 500.000 US-Dollar ertragen. Unglaubhaft. Lächerlich. Wenn man heute nicht mal für Abu Graib Folterungen belangt wird, was soll dann diese Lappalie?
Nicht mehr völlig frisch, aber auch ganz klar nicht zu fassen ist die Sache mit den israelischen Nazi-Porno-Büchern, die seit den Sechzigern im gelobten Land fleissig produziert und konsumiert wurden. Unter der Genre-Bezeichnung Stalagim bildete diese besonders fiese Sparte von SM-Phantasien über lange Zeit hinweg ein schmutziges, von den Behörden verfolgtes Geheimnis. Die Untergrund-Schundromane handelten dabei stets von grossbusigen, lackbestiefelten SS-Schlampen, die vorzugsweise muskulöse amerikanische Kriegsgefangene auspeitschen. Und so weiter. Jetzt greift sich die Mainstreampresse ins schüttere Haupthaar und rätselt, was die ansonsten auch nicht gerade vom Glück verfolgten Israelis an diesem Stalag-Pulp finden. Naja. Vergangenheitsbewältigung. Ob das nicht auch was für's ZDF-Abendprogramm wäre? Denn egal ob bürgerlicher Mittelspeckträger, autonomer Grundrechtsdeprivierter, verwirrter gross-sächsischer Jungnazi oder osmanischer Neubürger, spätestens beim Zoom auf die aus dem schwarzglänzenden Leder quellenden reichsdeutschen Wundertitten setzt doch die nationale Verbrüderung ein (Hier der Doku-Trailer auf YouTube). Wir anderen können ja solange Lovecraft-Werkausgaben durchblättern. Wobei ich mich jetzt nicht pauschal gegen die geschmackvolle Darstellung von straffen Mammalien verwahren möchte. Ich mag nur eben keine Massenveranstaltungen und Konsensorgasmen (a.k.a. "Krieg", "Fussball", "Papstbesuche", etc). Aber das habt ihr euch sicher schon gedacht. [fe]
September 24, 2007 in WeltWeitesWirrWarr | Permalink | Kommentare (2) | TrackBack
22. September 07
Höhere, rekursive Gerechtigkeit
Angesichts der Nachrichten in den letzten Tagen mögen manche, sensiblere Naturen bereits daran denken, Busse zu tun, weil das Ende ja offenbar nahe ist. Tatsächlich offenbart sich uns eine Art höherer Gerechtigkeit, die aber nicht zwingend auf den Einfluss eines hypothetischen höheren Wesens zurückzuführen ist. Es kann auch einfach Rekursivität sein.
Um zu verstehen, was Rekursivität ist... aber das hatten wir ja schon. Und ich will's mal nicht übertreiben, mit den Selbstbezüglichkeitsschleifen. Das machen ja schon andere.
Zum Beispiel die Schleife, die entsteht, wenn man demokratische, oder rechtsstaatliche Prinzipien für kommerzielle Interessen öffnet. So wie wir das zur Zeit in allen Industrieländer erleben. Nicht nur in der dritten Welt. So wurden dieser Tage die Publikationen (a.k.a. Weblog) des ehemaligen britischen Botschafters in Usbekistan, Craig Murray, auf Verlangen eines Anwaltsbüros vom Provider Fasthost zensiert. Natürlich verschwanden dadurch auch andere Webseiten, wie die des britischen Parlamentsabgeordneten und Londoner Bürgermeister-Kandidanten Boris Johnson, das lässt sich wohl kaum vermeiden. Der Grund: Kritik am usbekischen Milliardär Alisher Usmanov. Tja. Das habt ihr jetzt davon.
Oder die Möbiusbandverwicklung um den republikanischen US-Senator Ted "the internet is a series of tubes" Stevens. Der fleissig dafür arbeitete, dass Bürgerrechte ausgehöhlt und zugunsten verbesserter industrieller Gewinnchancen umgeschrieben werden. Jetzt hat das FBI sein Telefon angezapft und belastende Gespräche aufgezeichnet. Korruption. Nochmal tja. Wie nicht nur Bootsektorleser wissen, ist mit der Entropie einfach nicht zu spassen. Die unbestechliche physikalische Wissenschaft lehrt uns: Man kann nicht einfach in einem Teil des Gesamtsystems die Ordnung verändern wollen, etwa zu eigenen Gunsten. Das geht nach hinten los.
Das merken jetzt gerade auch die Medienzaren von Twentieth Century Fox, Emi Music, Universal Music Group, Universal Pictures, Paramount, Atari, Activision, Ubisoft, Sony BMG und Sony Pictures. Die werden jetzt nämlich allesamt verklagt. Von der Pirate Bay. Yarr! Wegen Sabotage von Infrastruktur, DDoS Attacken, Dateneinbruch, Spam, und das alles auf einem kommerziellen Level. Die Beweise für diese Anklagen stammen aus dem Datenleck von Mediadefender (hab' ich neulich schon erzählt). Woa. Extrem rekursiv, das alles.
Aus traditionellen Gründen des gemeinsamen Kampfes gegen das Diktat der Sinnhaftigkeit möchte ich zum Abschluss des heutigen Bootsektors auf das Schicksal des 29jährigen Ante Djindjic aus Zagreb verweisen. Dieser geriet mit seinem Motorrad in ein Gewitter (einsetzende dramatische Musik), hielt kurz an (Pauken grollen im Hintergrund) um eine Pause zu machen (Furioso der Violinen) und wurde (Crescendo!) von einem Blitz getroffen. Unglück im Glück im Unglück: er trug Gummistiefel, so dass der Blitz nicht durch seine Füsse ins Erdreich gelangen konnte. Statt dessen suchte sich der Stromschlag, welcher leichte Verbrennungen an Brust und Armen hinterliess, seinen Weg durch den Penis des Opfers höherer Potentialdifferenzen. Und hier die gute Nachricht: Die Ärzte versicherten Herrn Djindjic, dass seine sämtlichen Organe letztendlich wieder, und das ohne langfristige Beeinträchtigung, funktionieren würden.
Inwieweit dieser Vorfall rekursiv ist, kann ich leider nicht beurteilen. Das übersteigt selbst meine Spekulationskompetenz. [fe]
September 22, 2007 in Scheinbare Sicherheit | Permalink | Kommentare (0) | TrackBack
20. September 07
Katzenbilder, älter als die Götter
Während ein Jahrhundert vor unseren Augen zu Staub zerfällt (das 20ste, mit seinen untoten Contentindustrien) und die Handlager der Kulturdiebstahlskonzerne von wackeren Hackern mit Hohn und Spott übergossen werden, schwingt sich die crowdgesourcte Kreativität der Gegenwart zu neuen Höhen auf (mit Bild). Immer noch ohne Glück: Elfenliebhaber und andere fantastosexuelle Nerds.
Ja, ich weiss um den einen Mangel dieser ansonsten praktisch fehlerlosen Internetpublikation: die bereits von engagierten Lesern eingeforderte, zugegebenermassen zu zaghaft betriebene Elfenberichterstattung. Neben dem mittlerweile der klassischen Gegenwartsliteratur zuzurechnenden Dokumentarbericht über die Klein-Porno-Reihe World of Whorecraft vom Februar diesen Jahres finden sich im Bootsektor nur nebenrangige Seitenhiebe auf das Zwergen-und Zauberer-Genre. Obwohl der erwähnte Enthüllungsbericht (*kicher*) sich gerade in den letzten Wochen erhöhten Lesezuspruchs erfreute, da er zufällige Verlinkung in einem WoW-Forum erfuhr. The internet is for porn.

Mit dieser Realität müssen sich derzeit die obercoolen Checker von MediaDefender abfinden. Die selbstangedienten Büttel der Musik- und Filmzaren hatten jenseits bekannter legaler Grenzen Fallenstellerei betrieben, um arme Studenten dem P2P-Abmahnungsschafott zuzuführen. Studiengebühren 2.0. Dafür müssen sie nun büssen. Nicht genug damit, dass freche Internetrobinhoods 700 MB an Mediadefender-internen Emails mopsten und damit das ganze Ausmass der Ungesetzlichkeit aufdeckten, auch die gefälschten Downloadfiles sowie aufgezeichnete Telefonate mit dem Generalstaatsanwalt von New York kamen ans Tageslicht. Randy und Octavio: ihr könnt einpacken!

Wo die Realität mit dem Wunschdenken verschmilzt, nämlich in besagtem Internet, sind auch Sicherheitsbedenken nicht weit. Statt den aussergesetzlichen Notstand zu erklären, behelfen sich die Sozialen Online Netzwerker mit dem bewährten Mittel der Falschinformation. Was sich in unzähligen Online-Formularen zur Anmeldung bei irgendwelchen minderwertigen Diensten schon vielfach bewährte, erlangt eine neue Dimension: einfach irgendwelchen Mist über sich reinschreiben, dann ist es nicht so schlimm, wenn die Daten geklaut und missbraucht werden.

Glanz- und Gipfelpunkt des heutigen Beitrags soll aber die Verschmelzung der gesellschaftskritischen Lolcat-Bewegung mit dem Vermächtnis, nein, eben nicht Tolkiens, sondern des Altmeisters H.P Lovecraft sein: Loltulhu. Das ist einfach das Grossartigste, das mir in den letzten Wochen an kreativer Kulturreflektion vor dem Mauszeiger gekommen ist. Wer's nicht versteht – nicht ärgern, das Internet wird uns noch eine Weile bleiben. Iä. Fhtagn. Oder so. [fe]

September 20, 2007 in WeltWeitesWirrWarr | Permalink | Kommentare (3) | TrackBack
17. September 07
Bootsektorvirus im Sonderangebot
Neuerdings im Wühltisch der Discount-Industrie: Bootsektor-Viren auf Aldi-Notebooks. Dazu: massive Veränderungen in der IT-Branche. Microsoft in der Schuldenfalle. Und gratis obendrauf: die Nordpassage ist endlich eisfrei. Pech für Atollbewohner.
Kaum schreibt man zwei, drei Tage keinen Blogbeitrag, schon purzeln die Ereignisse übereinander. Microsofts Widerspruch gegen die 500-Millionen-Euro-Strafe ist also abgelehnt worden. Nachdem der Monopolkonzern sonst auch keine Kompromisse schliessen wollte, wird es hier wohl in Zukunft schärfere Konditionen geben.
Inzwischen legen die Ratten schon mal Planken, hinüber zu Schiffen mit weniger Sicherheitslöchern. Valve Software, als Schöpfer der Half-Life-Reihe eine digitalkulturelle Quelle erster Provenienz, sucht per Stellenanzeige nach Linux-Programmierern. Eve-Online aus dem isländischen CCP-Studio, wird in Zusammenarbeit mit Transgaming noch in diesem Jahr auf dem Mac und natürlich für Linux erscheinen. Zur Erinnerung: Eve ist dasjenige MMO mit dem grössten Einzelserver, du spielst mit bis zu 35.000 Leuten in ein und der selben Welt. Ich hab dort mal in nem Ingamechat einen Typen getroffen, der direkt davor auf einer Lesung von Vernor Vinge war (Anmerkung: einer der wichtigsten lebenden SF-Autoren, bitte alle Bücher von ihm lesen). Anders als ich wohnt der betreffende Weltraumpilot in San Francisco, da sind natürlich mehr SF-Lesungen als im von mir bewohnten christlich-fundamentalistischen Bavaristan. Das im christlich-fundamentalistischen Salt Lake City beheimatete Patentraubunternehmen SCO hat nach einem mit Pauken und Trompeten verlorenen Prozess gegen Novell übrigens Konkurs angemeldet. Entwarnung für ängstliche Linuxnutzer.
Die Online-Durchsuchung unserer amerikanischen Freunde hatte nun doch nichts mit dem Aufdecken von terroristischen Nachahmungstaten in Norddeutschland zu tun. Was lernen wir daraus? Online-Durchsuchung ist, analog zu dem Mediengebrauch der Gestapo- wie der Stasi-Ära, einfach nur ein Massenunterdrückungsmittel. Für alles andere gibt’s ja die Polizei, die angesichts stetig fallender Kriminalitätsraten ja auch gar nicht so überlastet ist. EU Sicherheits- und Justiz-Kommissar Franco Frattini fordert pauschal schon mal ein Verbot von Bombenbauanleitungen im Internet. Also eine staatliche Zensur solcher Informationen. Wie gut dass die westlichen Heuschrecken schon beachtliche Summen in chinesischen Meinungsfreiheitsreduzierung investiert haben. Diese Technologie lässt sich dann sicher gewinnbringend an Möchtegern-Verfassungsfeinde wie Schäuble oder Jung verticken.
Nachdem gewichtige Studien (hier das PDF) befinden, dass Nutzerrechte (a.k.a. Fair Use) eine grössere gesamtwirtschaftliche Leistung erbringen als deren Einschränkungen durch Urheberrechtsgesetze (nämlich jährlich 4500 Milliarden US-Dollar), und Serverlecks bei selbsternannten kommerziellen Piratenjägern riesige Mengen an belastenden Emails an die Öffentlichkeit liessen, steht die Strategie der Content-Konzerne tatsächlich auf der Kippe. Sony Columbia USA berief den Star-Produzenten Rick Rubin an die Spitze, dieser denkt allen ernstes über die offizielle Abschaffung des Tonträgers (wegen abstürzender Nachfrage) nach und propagiert statt dessen die, nennen wir's beim Namen, Kulturflatrate. Diese wiederum, selbst in kleinteiliger Form als Pauschalabgabe auf MP3-Player (gibt’s bei uns schon lange), wird vom konservativen Flügel der US-Musiklobby energisch bekämpft.
Mir egal. Ich hab mir ein lustiges kleines Programm namens MP3myMP3 runtergeladen und installiert, das alle Internet-Audio-Streams aufzeichnet und praktisch als MP3 abspeichert. Das gibt’s auch von anderen Entwicklern, dann unter anderem Namen, und ist nach Auskunft verstandesbegabter deutscher Richter legal. Weil der Weg über den analogen Teil der Soundkarte im PC geht. Nein, ich hör keinen Unterschied. Aber ich glaube, es hilft mit, die Verhältnisse zum Positiven zu wenden: wenn niemand mehr Tonträger (oder nutzungsbeschränkte digitale Kopien davon) kauft, ist die Einführung der Kulturflatrate sicher. Viel Spass inzwischen. [fe]
September 17, 2007 in WeltWeitesWirrWarr | Permalink | Kommentare (6) | TrackBack
08. September 07
Katzenpornographieterror
Im Rahmen der aktuellen Endzeitberichterstattung dieser anerkannten Fachpublikation für gesellschaftliche Virtualisierungsszenarios habe ich leichtfertig Beiträge zu Themen wie Katzen, Waldelfen und UFOs versprochen. Ich bin mir dieser Verantwortung bewusst und werde im Folgenden die Zusammenhänge zwischen der neuen deutschen Pornographiediskussion, dem Verhältnis von Terror und UFOs sowie aktuellen Monorailentwicklungen präzise darlegen.
Die halbherzige Entwicklung des Transrapid bescherte uns nicht nur köstlich verblödete Ansprachen des bayrischen Neo-Kurfürsten Ede Stoiber (der trotzdem von mehr als der Hälfte der Wahlberechtigten Gross-Bayerns gewählt wurde), sondern auch ein potentielles Milliardenloch in den öffentlichen Kassen und eine erneute Blüte der LOLCAT-Literatur. IM IN UR WEBLOG, ROFLMAO.
Um das mal auf der Basis des kleinsten gemeinsamen Nenners zusammenzufassen. Und bevor weitere Steuermilliarden an dringend benötigten Kindertagesstätten und Altenpflegeheimen (mit ausreichenden Lebensmittelvorräten) vorbei direkt in die schwarzen Kassen deutscher Konzerne magneto-levitiert werden, verlange ich eine öffentliche Entschuldigung des jeweiligen bayrischen Presidente, für die zahlreichen deutschen Toten, ermordet durch bayrische Truppen, die noch in den napoleonischen Kriegen zu Anfang des 19ten Jahrhunderts auf der Seite der französischen Invasionstruppen gegen die Landesverteidiger kämpften. Und dafür reich belohnt wurden. Deshalb ist die Frage der Reparationsleistungen auch nicht vom Tisch. Gegenüber Sachsen und anderen Kriegsschauplätzen dieser Ära. IM IN UR COUNTRIEZ, RAPIN UR DAUGHTERZ.
UFOs sind etwas ausser Mode gekommen, obwohl sie jahrelang Symbol der atomaren Angst waren. Ausdruck der Hilflosigkeit gegenüber einer ungreifbaren Nuklearkriegs-Bedrohung aus dem Sowjetreich des Bösen, als auch der Vertuschung von realen Kriegsanstrengungen unter dem Deckmantel ausserirdischer Wetterballons. Beides? Ist das nicht verwirrend? Na, so funktioniert Desinformation, und dafür geben die Regierungen unseres Planeten Milliarden aus. UFOs werden, gesichtet, dann dementiert, ein neues Osama-Video taucht auf (in den Archiven der Regierung), dann als mehrere Jahre alter Schnee deklassiert, fanatisierte jugendliche Nachahmungstäter als islamistische Terrorislamisten verhaftet, dann in jahrelangen, ergebnislosen Prozessen zwischengelagert, bis sich niemand mehr an die ursprüngliche Fragestellung erinnern kann. IM IN UR MEDIA, STFU.
Waldelfen, echt, nee, die kommen ein andermal dran. Und Oblivion sieht zwar besser aus, hat aber weniger Atmosphäre als Morrowind. Rückblickend, und wenn wir schon beim Thema sind.

Besonders viel Freude habe ich dagegen bei Lesen der Online-Ausgabe der "Zeit". Dort schäumt grade die neue deutsche Pornografiediskussion auf. Das Bildungsbürgertum schlägt zurück, mit allen Mitteln des Feuilletons. Mit bravotitelseiten-hochglänzenden Bushido-Zitaten, schamhaften Bekenntnissen von Alice Schwarzer, auch mal einen Minirock getragen zu haben (Schlampe!) und nützlichen Hinweisen zum Hausgebrauch wie: "Vermutlich sind deshalb SM-Praktiken oder Sex mit Tieren im Netz verbreiteter als im wirklichen Leben". Na danke. Wenn ich schon mal Freizeit im Netz hab, dann will ich menschenähnlich dargestellte Personen per virtueller Maschinenpistole niedermähen oder deren Raumschiffe in farbenprächtigen Explosionen untergehen sehen. Sex kann ich auch im RL haben, Teenager haben ein Recht, Scheisse zu sein und die Speerspitze unserer nationalen Intelligenz beschäftigt sich lieber mit virtuellen Sexpraktiken als mit der Erosion unserer Grundrechte und der Fortsetzung des totalitären Staates mit moderneren Mitteln. LOL. [fe]
September 8, 2007 in Scheinbare Sicherheit | Permalink | Kommentare (7) | TrackBack
05. September 07
Microsoft patentiert religiöse Zensur
Trennung von Staat und Kirche? Gleiches Recht für alle? Aufklärung und Vernunft? Microsoft erfindet ein Social Network zur Unterdrückung anderslautender Meinungen, während T-Konzern Comcast sich als Torrent-Pirat ausgibt und Alkotest-Betriebsgeheimnisse erst nach strenger Prüfung als Blabla enttarnt werden. Können wir bitte alle mal für einen Moment so tun, als wären wir erwachsen?
Der US-Patentantrag 20070204287, gestellt von der Microsoft Corporation aus Redmond, WA, beschreibt ein Verfahren, in welchem eine Teilgruppe den Inhaltsfilter für eine Gesamtheit definieren kann. Etwa um "community standards" einzuhalten. Abgesehen davon, dass es genügend "prior art" gibt, um einen solchen Patentantrag abzuschmettern: Wozu brauchen wir hier ein Patent? Schliesslich macht die chinesische Regierung seit Jahren nichts anderes. Und nicht nur die. Nennt mir eine beliebige Regierung, oder Gruppe mit bedeutendem gesellschaftlichen Einfluss (populäres Beispiel: Kirchen) ohne Zensurbemühungen. Das wird knapp.
US-T-Konzern Comcast bemüht sich seit einiger Zeit, P2P-Traffic auszubremsen. Klar, Kunden brauchen ihren Breitbandanschluss mit Flatrate ja in erster Linie für Emails. Und ein gelegentliches YouTubevideo. Dabei scheut Comcast nicht vor drastischen Mitteln zurück. Als P2P indentifizierte Packets werden eben mal verschluckt. Aber auch die Pings werden verändert. So gibt’s sich Comcast gerne mal als Torrent-Server aus, und sendet Reset-Packets an den P2P-Freund, um dessen Verbindung abzubrechen. Das wiederum könnte als Verschleierung der eigenen Identität und Vortäuschung einer anderen gewertet werden – im schlimmsten Fall vom Staatsanwalt einer verbraucherfreundlichen Region. Welches Recht nimmt Comcast für sich in Anspruch, P2P Inhalte innerhalb seines Netzwerks zu löschen?
Der Dräger AlcoTest 7110 ist ein verbreitetes Gerät zum, na, Alkoholtesten. Nun protestierte ein Getesteter gegen das Ergebnis (das ist vorstellbar) und verlangte einen Nachweis der störungsfreien Funktionsfähigkeit. Einschliesslich des Quellcodes. Den die Firma Dräger mit Verweis auf Betriebsgeheimnisse nicht preisgeben wollte, bis sie schliesslich dazu gerichtlich gezwungen wurde. Als Sachverständige wurden Base One Technologies benannt, die herausfanden, dass der Code durchwegs aus Brot und Butter besteht: nur normale, allgemein verwendete Programmzeilen. Kein Geheimnis.
Was passiert hier? Werden die grundsätzlich verständlichen Motive von Unternehmen, ihre Geschäftsfelder auszuweiten, prinzipiell keiner ethischen Bewertung mehr unterzogen? Ein Patent für ein Zensurnetzwerk? Telekommunikation mit kommerziell gefälschten Absendern? Betriebsgeheimnisse, die keine sind? Nichts davon ist wirklich neu, gewerblicher Missbrauch geltenden Rechts ist eine bekannte Nebenerscheinung unseres Wirtschaftssystems. Für mich ergibt sich die Schlussfolgerung, dass die von der Gesellschaft etablierten staatlichen Kontrollsysteme ihrer Aufgabe nicht gewachsen sind. Wie auch, wenn die verantwortlichen Kontrollgremien (Behörden) von Personen geleitet werden, die selbst Nutzniesser des Missbrauchs sind. Korruption schint tatsächlich das zentrale Problem unserer westlichen Industriegesellschaft. Und die Verantwortung, immer wieder darauf hinzuweisen, liegt bei den Medien. Was mir als Teil der stark themenfokussierten Nischenmedien immer wieder schwer auf die Nerven geht. So dass ich nicht jedesmal Enthüllungs- und Ermahnungsartikel schreiben kann. Nächstesmal im Bootsektor ein Beitrag über Katzen. Übernächstesmal dann Waldelfen. Und anschliessend der grosse UFO-Bericht. [fe]
September 5, 2007 in Servicefreie Zone | Permalink | Kommentare (5) | TrackBack
03. September 07
Piraterie: Todesstrafe
Aufgeklärte Menschen wissen mittlerweile, dass "Piraterie" ein Synonym für "Wettbewerbsverzerrung durch unzulässige Marktkontrolle" ist, und nicht etwa irgend etwas mit Verfehlungen einzelner Bürger zu tun hat. Dennoch gibt es Länder auf unserem überwiegend blauen Planeten, wo Filesharer mal direkt erschossen werden. Kein Spass.
Eigentlich beruhigend, zu wissen, dass man mit Propaganda nur fast alles erreichen kann. Und Auswüchse wie im Fall der Hausfrau und zweifachen Mutter Leigh Robbins sind eher selten. Die zum Augustende mit ihren beiden Söhnen einen US-Inlandsflug unternehmen wollte, dann aber im Flugzeug einen unzweifelbar arabischen Mann beobachtete, der mit sehr, sehr bösem Gesichtsausdruck aus der Bordtoilette kam. Worauf sie augenblicklich aussteigen wollte, so dass die Behörden erst einmal den Mann und seine sechs Arbeitskollegen (Iraker, die mit dem US-Militär zusammenarbeiten) eingehend verhörte und der Flieger erst am nächsten Morgen starten konnte. Sie wird jetzt verklagt, aber das akzeptiert sie, weil alles, woran sie in diesem Moment denken konnte, der Anschlag vom elften September war, und wie sie nun ihre beiden Kinder schützen könnte. Mit allen Mitteln.
Deswegen möchte Herr Schäuble auch das vorgeschriebene Alter für den Besitz tödlicher Schusswaffen wieder auf 18 Jahre senken. Klar, jeder weitere Unfall mit den Knarren vergrössert die Macht des Bundes-Stasi-Ministeriums. Onlinedurchsuchungen sind morgen von gestern, dann sitzt die Blackbox direkt im Heim-PC. Und wehe, du tippst "Counter Strike", "BitTorrent" oder "Meinungsfreiheit" bei Google ein.
Ja, selbst das Herunterladen von Liebesballaden oder Heiratskomödien kann dich den Kopf kosten. Noch nicht hierzulande, aber im auch ansonsten beispielhaft handelnden Nordkorea. Dort sind bereits mehrere junge Leute hingerichtet worden, weil sie Filme und/oder Musik aus Südkorea verbreitet haben. Andersdenkende sind grundsätzlich verdächtig, Anderspasshabende sind Verbrecher. Dasselbe, nur ohne Exekution, kennen wir ja auch aus vielen anderen Ländern, zum Beispiel zwischen Polen und Frankreich.
Dass alles, was online passiert, einschliesslich sämtlicher angeschlossener Rechner, von irgendjemand gesteuert sein könnte, den wir nicht kennen, das hat sich zumindest im Bundeswahrheitsministerium noch nicht in Form einer Erkenntnis durchgesetzt. Womöglich bzw. mutmasslich ist die "Zhelatin Gang" verantwortlich für geschätzte 10 Millionen bot-infizierte PCs. Zombie-Rechner, die mittels eingeschleustem Trojaner alles tun, was ihre finsteren Herrscher befehlen. Auch mit deinem PC, wenn du Pech hast. Und wenn du nicht etwa über in Deutschland illegale und mit Gefängnisstrafe bedrohte Sniffertools und das entsprechende Wissen verfügst. Und ohne dein Wissen auf deiner Festplatte zwischengelagerte Kinderpornosnuff-Videos, die vom BKA gefunden werden, weil dein Rechner an einer Onlineblockade eines luxemburgischen oder liechtensteinischen Internetcasinos teilgenommen hat, bringen dich zwar nicht in die Todeszelle, ruinieren dein Leben aber trotzdem gründlich. Dann mal viel Glück uns allen, sogar für Frau Robbins und ihren bevorstehenden Prozess: "I'd do anything to protect my kids". Nur, wovor? Und mit welchen Mitteln? [fe]
September 3, 2007 in Scheinbare Sicherheit | Permalink | Kommentare (6) | TrackBack

