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30. Dezember 07

Das Ende von Hollywood

Hierzulande wenig beachtet, stürzt in den USA gerade die Scheinwelt der Hollywood-Studios in sich zusammen. Nicht die mystische Raubkopiererbedrohung, sondern der Streik der Film- und Fernsehautoren führt derzeit zu einer Langeweile-Explosion auf US-Fernsehschirmen und gigantischen Umsatzausfällen in den Medien. Da keine Einigung in Sicht ist, nehmen die Kreativen das Heft selbst in die Hand, und machen Hollywood zur antiken Ruine eines Geschäftsmodells.

Beim "Writers Guild Strike" geht es im Wesentlichen um Tantiemen aus der Zweitverwertung von Film- und Fernsehproduktionen über Internet und DVD. Die Autoren möchten angemessen beteiligt werden, die Studiobosse sind ganz anderer Meinung: es sei noch zu früh, um sicher sagen zu können, ob per Internet echte Umsätze erwirtschaftet werden könnten. Gleichzeitig aber, das halten Vertreter der Autorengewerkschaft gegen, brüste sich die filmproduzierende Branche an der Wallstreet mit ihren digitalen Erfolgen.

Auch nach vielen Streik-Wochen sieht es nicht nach einer Einigung aus. Erste Opfer sind die TV-Zuschauer, die sich angesichts von wiederholt wiederholten Wiederholungen nicht mehr wachhalten können. Nun kündigen Drehbuchschreiber die Gründung von eigenen Firmen an, unterstützt vom Silicon Valley. Wenn Hollywood nicht für die Nutzung ihrer Kreativität durch die neuen Medien bezahlen will, wollen Autoren die neuen Märkte eben selbst beliefern.

Bereits heute werden Kurzfilme per Download vertrieben, an welchen namhafte Schauspieler und Branchengrössen wie Woody Allen oder Jay Leno mitgewirkt haben. Spielfilme werden produziert, in Episoden im Web angeboten und anschliessend auf DVD verkauft. Kein Kino. Keine Hollywoodstudios. Kein Bedarf an Vorfinanzierung durch Filmproduzenten – das Geld aus dem Silicon Valley ist genau so gut. Schon jetzt spricht die Stadtverwaltung von Los Angeles von einem lokalen Umsatzverlust zwischen einer viertel und zwei Milliarden Euro, hervorgerufen durch den Streik.

Wird dieser nicht bald beendet, was eben niemand erwartet, dann etabliert sich das neue, direkte Geschäftsmodell. Die Folge? Aktionäre, Investoren, Equity Holdings ziehen sich aus den alten Studios zurück. Filme werden vor allem via Internet vermarktet, Kinoketten schliessen. Eine Branche wird umgekrempelt. Wieder einmal (wie schon in der Musikbranche) nicht wegen massenhafter Privatkopien via Internet, sondern wegen starrem Festhalten an technisch überholten Geschäftsmodellen.

Wie soll man sich in einer solchen Situation verhalten? Was für Chancen haben junge Musiker, Filmemacher, Medienunternehmer? Jede Menge. Mehr als je zuvor. Eine Reihe von Antworten gaben David Byrne (ex- Talking Heads) und Thom Yorke (Radiohead) gegenüber dem Wired Magazin. Zwischen dem alten Vertriebsmodell ("ich verkaufe meine Seele an Universal") und dem Punkrock-Eigenvertrieb gibt es eine Menge Abstufungen. Und Downloads, bei welchen der Kunde den Preis selbst bestimmt, bringen mehr Geld als andere Vermarktungsformen. Machen wir uns nichts vor: als der Buchdruck erfunden wurde, stürzten für manche Leute Welten zusammen. Ebenso mit der Einführung des Grammophons, der Vinylschallplatte, der Videokassette, des MP3players. Das ist ein ganz normaler Vorgang, der sich in unserer Kulturgeschichte wieder und wieder wiederholt (ganz ähnlich wie im US-TV...). Vielleicht schaffen wir's ja diesmal, die kulturellen Auswirkungen der digitalen Revolution so zu dokumentieren, dass zukünftige Generationen davon profitieren. Das wär' mal ne Leistung. [fe]

Dezember 30, 2007 in PC vs. Copyright | Permalink

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grad das gesehen:
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Kommentiert von: crosbow | 09.01.2008 23:12:37

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