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31. Juli 08
Warum sind Mädchen böse?
Ehrlich gesagt: Ich weiss es auch nicht. Die meisten sind aber sowieso viel zu nett. Die bösen dagegen haben nicht nur die interessanteren Klamotten, sondern machen auch die interessantere Musik. Manche davon kommen sogar aus Italien, wo Stilsicherheit selbst in erschwertem, einsacchariniertem Pop-Kontext garantiert ist. Und ich finde, das alles trägt erheblich zur wiederholt notwendigen Verstandeswiederfindung angesichts bootsektor-typischer, aber auch für mich selbst mitunter nauseatischer Themen (wie Copyright, Datenschutz, wasihrwollt) bei...
Die beiden folgenden Videos bitte mit Respekt vor der künstlerischen Leistung betrachten.
"I want to be your mp3" und "Pazza" von Tying Tiffany. Danke an Ashley Benigno, der das in seinem nicht genug zu lobenden "Notes from something bizarre" Blog gepostet hat. [fe]
Juli 31, 2008 in WeltWeitesWirrWarr | Permalink | Kommentare (8) | TrackBack
30. Juli 08
Ipod-Besitzer ins Gefängnis
Zollbeamte durchsuchen beim Grenzübertritt Notebooks und MP3-Player auf raubkopierte Musik und verhaften eventuelle Piraten, mit nachfolgendem Gefängnisaufenthalt. In Deutschland? Nein, in Australien. Und bald auch in allen anderen Ländern, wenn es nach der Rechteverwertungsindustrie geht. Die, unsichtbar für die Öffentlichkeit, mit den nationalen Regierungen an internationalen Verpflichtungen arbeitet. Was passiert hier?
In einem zufällig veröffentlichten Arbeitspapier der australischen Bundesregierung wurde deutlich, dass man auch dort an neuen Regeln für den Grenzübertritt mit Musik im Gepäck arbeitet. Zollbeamte, so das Papier, sollten autorisiert werden, Mobilcomputer und tragbare MP3-Spieler zu durchsuchen, um den Schmuggel von urheberrechtlich geschütztem Material zu unterbinden. Im schlimmsten Fall drohen den identifizierten iPod-Piraten mehrjährige Gefängnisstrafen. Das alles klingt bizarr, wird aber derzeit weltweit hinter geschlossenen Türen und unter Ausschluss der Öffentlichkeit zwischen den Führern der G8 Industriestaaten und den Vertretern der Entertainment-Industrien verhandelt. Das Anti-Counterfeiting Trade Agreement (ACTA) soll Regierungen weltweit verpflichten, Gesetze zu schaffen, die den Interessen der Entertainment-Konzerne entgegenkommen. In Kanada, das berichtet Rechtsprofessor Michael Geist in der Tageszeitung Toronto Star, wird das Gesetz von 12 Regierungsstellen und 14 kommerziellen Lobbyvertretungen formuliert. In Deutschland ist die Transparenz noch geringer. In allen Fällen ist eine demokratische Kontrolle ausgeschlossen.
Der rechts-konservative TV-Moderator Bill O’Reilly erklärte gestern in einem Beitrag in der Washington Times, er sei Teil des einen Prozents der US-Bevölkerung, das 40 Prozent der Steuerlast trüge und damit die schweigende Mehrheit (99 % ?) der Arbeitslosen und Schulversager finanziert, die tagaus tagein nichts besseres zu tun hätten als Marijuana zu rauchen. Wir wissen natürlich, dass dieses eine Prozent der US-Bevölkerung auch mehr als die Hälfte des nationalen Einkommens bezieht und die Steuerlast für eben diese Gruppe gerade einen 18-jährigen Tiefstand erreicht hat. Trotzdem warnt O'Reilly vor einem demokratischen Präsidenten Obama.
Senator Ted Stevens (84, Republikaner, Alaska), der uns unvergessliche Formulierungen wie "the internet is a series of tubes" geschenkt hat, ist übrigens gerade von einem US-Bundesgericht wegen nachgewiesener Korruption verurteilt worden.
Die deutsche Bundesregierung teilte auf eine kleine parlamentarische Anfrage der Grünen mit, auf der neu eingerichteten Anti-Terror-Datei seien bereits 17.745 Personen aufgelistet. Wer das ist und wie man auf diese Liste oder wieder herunter kommt, ist unbekannt.
Der Soziologe Michael Hartmann beziffert die Anzahl der Entscheidungsträger in Deutschland auf 4000, überwiegend Männer. Diese Elite lenkt das Schicksal dieses Landes, fühlt sich aber nicht mehr als Teil der Gesamtgesellschaft, sondern empfindet ein natürliches Recht auf ungehinderten Zugang zu noch mehr Reichtum und Macht. Gesetze gelten nur für die anderen, die nicht zur Elite zählen. Das sage nicht ich, sondern Herr Hartmann. Nachzulesen in einem Interview mit dem Tagesspiegel von 23. Februar dieses Jahres.
Ich sehe, dass sich durch unsere Gesellschaft ein Riss zieht. Ja, natürlich war das schon immer so, natürlich hat unsere nationale Elite sowohl an der Ausplünderung und Ermordung unseres jüdischen Bevölkerungsteils wie auch an der Ausplünderung der ostdeutschen Bundesländer anlässlich der Wiedervereinigung kräftig verdient. Natürlich passiert das auch in der selben Weise in allen anderen Ländern. Nur: Genau das ist die Grundlage für den aktuellen Kampf um das Urheberrecht, um das Recht, Gedanken zu besitzen und exklusiv zu vermarkten. Zugunsten Einzelner und auf Kosten der Allgemeinheit.
Der Handlungsspielraum der erwähnten 99 % (zu welchen ich natürlich auch zähle) ist denkbar gering. Ich kann bei den nächsten Wahlen statt der Grünen die Linkspartei wählen, um noch mehr Druck zugunsten der Demokratie zu erzeugen. Oder keine T-Shirts mehr beim betriebsratsfeindlichen H+M kaufen. Oder die Songs meiner früheren Indie-Gitarrenband bei Jamendo hochladen, um die musikalische Allmende zu vergrössern. Oder eben noch mehr Bootsektor-Kommentare schreiben. Die blinde Hoffnung auf eine reinigende Katastrophe jedenfalls, sei es ein Krieg, eine Weltwirtschaftskrise oder eine Revolution, ist dumm und kurzsichtig: Unkontrollierte Gewalt trifft immer die Unschuldigen und Schwachen. Es wird auf keinen Fall leicht, mit der ACTA fertig zu werden. Und den anderen Versuchen, eine New World Order zu etablieren. Sorry. [fe]
Juli 30, 2008 in PC vs. Copyright | Permalink | Kommentare (14) | TrackBack
28. Juli 08
Ungesunde Inhalte
Kürzlich habe ich einem Ex-Mitschüler (ist ne Weile her...) Half-Life 2 gezeigt, um meine Position zu illustrieren, die Literatur des 21sten Jahrhunderts sei vor allem 3D-beschleunigt und interaktiv. Kapitel in diesem Bildschirm-Epos haben Titel wie "Wassergefahr", "Antibürger Eins", "Unsere Wohltäter". Ganz ähnlich klingt für mich "Ungesunde Inhalte", das aber nicht aus einem Valve-Produkt oder vergleichbarem stammt, sondern aus einer Erklärung der chinesischen Zentralregierung zu Internet-Problemen im Olympia-Pressezentrum. Aber auch zu verwandten, aktuellen Themen...
Keine Probleme mit dem Abruf dieser Meldung dürften Journalisten aller Nationen im Olympia-Camp zu Bejing haben. Der Italiener Vittorio Innocente nämlich stellte einen neuen Weltrekord im Unterwasser-Radfahren auf. Der 62jährige Mailänder startete in 28 Metern Tiefe, und fuhr einen 110 Meter langen Mittelmeer-Abhang hinab, bis in eine Tiefe von 65 Meter. Hoch lebe Vittorio!

Ebenfalls unter Wasser, und definitiv näher am Thema ("Ungesunde Inhalte") ist folgende Entdeckung: Der wahre Grund für die Klimaverschiebung. Dürfte chinesischen Behörden gut in den Kram passen. Von einem US-Forschungsschiff aus gelang es dem Captain im Auftrag der Australian Antarctic Division (AAD) in Tasmanien, ein Bild eines Wals zu schiessen, der gerade eine riesige Menge Treibhausgas verbreitet. Das dürfte den Walgegnern neue Argumente liefern, nicht wahr? Im Bild zu sehen sind oben einige weisse Eisbrocken, in der Mitte der Minkwal, hinter ihm die eben ausgestossenen unverdaulichen Reste seines Stoffwechsels und als kreisförmiger Schaumring das eindrucksvolle Zeugnis der Meeressäuger-Flatulenz.
Sicher nicht abrufbar sind dagegen in Bejing derzeit Berichte wie jener des britischen Telegraph, wonach in 152 frei vertriebenen Nahrungsmittelzusätzen ganze 10,5 Prozent bei einer Nachprüfung illegale Steroide und andere Stimulantien enthielten. Weswegen man eigentlich das gesamte olympiathletische Nahrungsangebot prüfen müsste. Und, noch eigentliche, die Nahrungsmittel aller anderen Teilnehmer am industriellen Nahrungskreislauf (incl. "Ungesunde Inhalte").
Unbedenklich erscheint mir eine Meldung wie diese aus der Washington Post von gestern, wonach der grösste Erdöllieferant der USA nicht etwa Irak (Platz 6), Iran oder Saudi-Arabien (Platz 2) heisst, sondern Kanada. So. Wer ist denn hier der Schurkenstaat?
Etwa das Inselreich Ihrer Majestät, der Queen Elizabeth der Zweiten? Wegen der aktuellen Enthüllungen? Zu finden im Internet, auf den Seiten der öffentlich-rechtlichen BBC? Titelzeile hier: "There are alien bases on earth". UFO Experte (so nennt ihn die BBC) Timothy Good ist sicher, dass zahlreiche Stützpunkte der Extraterrestrier auf unserem Planeten verteilt sind, die Regierungen geheime Verträge unterschrieben und dass ein "Krieg der Sterne" bevorstehe.

Die Journalisten im Olympia-Pressezentrum in Bejing haben nämlich entdeckt, dass trotz wortreicher Zusicherungen des IOC (Internationa Olympic Comitee) potentiell regierungskritische Webseiten nicht aufgerufen werden können. So etwa "der chinesische Internet-Dienst der Deutschen Welle und das Angebot des US-amerikanischen Senders Radio Free Asia". Die chinesische Zentralbürokratie entgegnet Zensorvorwürfen mit dem Hinweis darauf, "dass es in anderen Länder auch Sperren im Internet gegen "ungesunde Inhalte" gebe".
Wenn das die Aliens wüssten. Oder die Wale. Oder die Leser von Mainstreammedien, Zuschauer von TV-Nachrichten, Hörer von Radiobeiträgen. Zensiert, oder schöner gesagt interpretiert wird ständig, und ich kann nur einen kleinen Beitrag leisten beim Hinter-Die-Kulissen-Schauen. Daher mein kurzer Tipp für mehr Medienkompetenz: Nichts glauben (ausser es steht im Bootsektor, aber das wisst ihr bereits). [fe]
Juli 28, 2008 in WeltWeitesWirrWarr | Permalink | Kommentare (1) | TrackBack
18. Juli 08
Copyright ersetzt Urheberrecht
Der Titel mag verwirrend klingen, aber genau das passiert gerade. Wie die Massenmedien und einige Blogs berichten, bringt die EU-Kommission gerade neue Gesetzesvorschläge zur Copyrightreform ein. Rente für Musiker, und ein Aufheben des Gema-Monopols verspricht der zuständige Kommissar. Die Realität sieht leider anders aus.
Allein in Grossbritannien würden 7000 Musiker (solche, die von anderen komponierte Songs spielen oder singen) in den nächsten zehn Jahren ihre Tantiemenquelle verlieren. Dagegen, so EU-Kommissar Charlie McCreevy, soll ein Gesetz helfen. Nach dem Vorschlag des Herrn über den EU-Binnenmarkt soll also die Dauer des Copyright von 50 um 45 auf 95 Jahre verlängert werden. Wie das in den USA schon der Fall ist.
Moment mal? In so ziemlich allen zivilisierten Staaten gilt das Urheberrecht bis zu 70 oder 75 Jahre nach dem Hinscheiden des geschätzten Urhebers. Was also soll dann verlängert werden? Wir hatten das Thema schon in früheren Bootsektor-Beiträgen, aber ich muss es nochmal deutlich sagen: Die Begriffe Copyright und Urheberrecht werden gerne durcheinandergewürfelt oder gehen in handlichen Synonymgebrauch über. Tatsächlich aber ist das Urheberrecht ein Recht des Urhebers, und das Copyright ein Verlagsrecht. Das Recht des Urhebers heisst im anglophonen Sprach- und Rechtsraum Authors Right und spielt nur eine Nebenrolle. Was Herr McCreecy also verlängern will, ist das bisher nach 50 Jahren automatisch endende Recht des Verlags, ein urheberrechtlich geschütztes Werk exklusiv kommerziell zu nutzen. Natürlich gehen bisher den Musikern, die damals bei den Plattenaufnahmen dabei waren, aber nicht mitkomponiert haben, nach 50 Jahren die Radio-Tantiemen verloren (und die aus den Leerkassetten-, CD-Rohlingen-, MP3-Player-Pauschalabgaben).
Nur: Seit wann plant die EU ein eigenes Gesetz, um einer kleinen Gruppe von Kreativdienstleistern ein zusätzliches Alterseinkommen zu bescheren? Wieso leben dann im reichsten Land Europas (a.k.a. Deutschland) ein Sechstel der Kinder und ein Viertel der Rentner laut UN-Report unter der nationalen Armutsgrenze? Nein. Augenwischerei. Es geht um die Ausweitung von Vertriebsmonopolen europäischer und amerikanischer Medienkonzerne. Ebenso die angeblich Eindämmung der nationalen Monopole der Verwertungsgesellschaften (a.k.a. Gema). Hier soll nach dem Entwurf der Kommission alles beim Alten bleiben, ausser für TV-, Rundfunk- und Internet. Hier sollen (nach dem Entwurf...) Medienkonzerne mit nur einer Verwertungsgesellschaft verhandeln können (statt allen 27 der EU) und den Abschluss auf die jeweils anderen 26 Länder übertragen. Folge: Apple sucht sich für seinen iTunes-Musicshop das billigste Verwertungsangebot raus (Estland? Zypern?) und muss dann auch weniger Tantiemen an die Musiker abführen. Komponierende und aufführende. Und die Gema bleibt weiter eine Plage lokaler Veranstalter und kleiner, geringverdienender Bands. Ausgeschüttet werden Pauschaltantiemen nur an Komponisten, die in den letzten zwei Jahren Tonträger veröffentlicht haben. Und nicht Creative Commons benutzen. Willkommen in der Europäischen Handelskonzernunion.
Naja. Noch hat das EU-Parlament nicht darüber abgestimmt. Und dort sitzen zum Leidwesen der globalen Marketingstrategen noch genügend aufrechte Demokraten, die neulich auch dieses andere Gesetz abschmetterten. Nach dem du, dreimal des Downloads beschuldigt, deinen Internetanschluss verlieren solltest. Aber auch das wird wieder und wieder zur Abstimmung kommen, so ist das üblich in der EU. [fe]
Juli 18, 2008 in PC vs. Copyright | Permalink | Kommentare (2) | TrackBack
13. Juli 08
Penisgrösse 2.0
Nachdem der Penis zum Hauptinhalt moderner Email-Kommunikation geworden ist (egal, ob es dabei um blaue Pillen oder ambulante chirurgische Verfahren geht) und deshalb über 90 Prozent der abgeschickten Mails in den Penisfiltern der Provider, Unternehmen und Emailclients hängen bleiben, sieht sich das web-wissenschaftliche Team des Bootsektorblogs (also ich) gehalten, zur Gesamtsituation Stellung zu nehmen. Eckpunkte des Diskurses: Schäuble, Cayenne, Nuklearunfälle. Und harte Zahlen zur Grössendebatte.
Ein reicher Fundus an Trivialwissen wie auch echte Lebenshilfe findet sich auf den im HTML-Stil der frühen Neunziger gehaltenen Seiten von Penissizedebate.com (gefunden via Jetzt.de). Endlich einmal hat sich jemand die Mühe gemacht, vorhandenes wissenschaftliches Material zusammenzufassen um sich damit vorurteilslos einer der intensivsten Problemzonen unserer Zivilisation zu nähern. Der Autor des zitierten Aufklärungswerks versichert, Zahlen und Grafiken stets auf dem neuesten Stand zu halten.
Warum ist eigentlich das prämature Ausströmen von 30.000 Litern (!) uranhaltiger Kühlflüssigkeit aus dem französischen Nuklearkraftwerk Tricastin über einen Tag lang geheimgehalten worden? Wenn die Rhone mit 75 Kilogramm abgebrannten Urans penetriert wird, ist doch eigentlich ein Grossalarm fällig? Wofür genau muss sich Nicolas Sarkozy, Herr über die ruhmreiche französische Atomindustrie, eigentlich schämen?
Warum versucht Wolfgang Schäuble, über dessen Privatleben ich hier bewusst nicht spekulieren möchte, eine biometrische, also mit Grössenmessungen versehene, Datenbank aller Bundesbürger zu errichten. Also alle Macker sowie sämtliche Chicks?
Weshalb wird der Porsche Cayenne, Lieblingsdienstwagen der Nation, in seiner schönsten (und grössten) Form als Turbo S (500 PS, Listenpreis 132.774 €) mit bis zu 74.400 € Steuersubventionen belohnt? Weil er in etwa so viele Schadstoffe ausstösst wie sechs Kleinwagen?

Das alles beantwortet die eingangs erwähnte Aufklärungswebsite erschöpfend. Warum sich Hetero-Männer über ihre Reproduktionswerkzeuge den Kopf zerbrechen (Gleichgeschlechtlich orientierte nicht, die haben genug Vergleichsmöglichkeiten), wie Hautfarbe und Organgrösse zusammenspielen (Schwarz > Weiss > Gelb, rein statistisch ermittelt), wie das Verhältnis von Länge und Dicke von der Zielgruppe (in unserem Fall Hetero-Frauen) bewertet wird (siehe Grafik, und beides ist wichtig) und wie die erwähnt männliche im Verhältnis zur sekundären weiblichen Grösse steht (Für Frauen wichtiger; ab 12,5 cm akzeptabel, 18-21 cm perfekt). Tipps zur wissenschaftlich korrekten Messung sind auch dabei (erigiert; den Meterstab nicht zu tief in den Bauchansatz bohren). Fazit: es (er) ist so wie es (er) ist, was man als Mann eben mit Fassung ertragen muss. Weil man ja sonst keiner ist, ganz einfach. Mit Autos spielen ist was für Kinder. Ebenso die anderen grossrahmigen Freizeitmöglichkeiten von Terror-Gesamt-Kartei bis Atom-Geheimhaltung. Noch anders gesagt: wir könnten uns über 90 Prozent des weltweiten Email-Aufkommens sparen, wenn die Jungs ab einem gewissen Alter erwachsen, Symbole eben als solche gelten lassen und sich selbst als völlig ok akzeptieren würden. Ich weiss, ich weiss. Ich stelle schon wieder unrealistische Forderungen auf. Aber genau deswegen lest ihr ja dieses Blog. Und nicht etwa wegen seiner Grösse.... [fe]
Juli 13, 2008 in WeltWeitesWirrWarr | Permalink | Kommentare (9) | TrackBack
04. Juli 08
Mixtape 2.0
Während die RIAA das Kopieren von CDs unter Strafe stellen will, bauen Hardwarehersteller bereits an einer Zukunft der Unterhaltungsmedien. Was gerade hinter verschlossenen Türen und ohne Wissen und Wollen der Bürger im ACTA-Abkommen festgeschrieben werden soll, ist bis zum Eintritt der Rechtswirksamkeit bereits technisch veraltet. Hier der Beweis.
Münchner Biergärten erfüllen anscheinend eine ähnliche Kommunikationsfunktion wie Londoner Pubs, wo bekanntlich sinistre Inquirer-Redakteure mit finsteren Methoden ("one more beer, please!") unbedarften Marketing-Managern bekannter Weltkonzerne geheime Details zu aktuellen und künftigen Produkten abpressen. Weniger pittoresk, aber nicht minder informativ, war für mich (als unter anderem Inquirer-Redakteur) ein (siehe oben) Gartengespräch mit Vertretern der Hardwareindustrie. Diese erläuterten ihre Vorstellungen von privater Musikdistribution und zeigten dabei kleine, flutschige MP3-Player vor.
Nun hat ja die Welt schon viele MP3-Player kommen und gehen sehen, vor allem solche mit lustigem Obstdekor; neu am Konzept hinter dem Sandisk Sansa Fuze (um den geht’s hier) ist allerdings der Slot für eine Micro-SD-Karte (diese mit bis zu 32 GByte Kapazität). Ja, nein, ich weiss, Kartenerweiterungen für MP3-Player gab es auch schon. Aber nicht die Erläuterung dazu, eine Flashkarte sei ja so etwas wie damals die Kompaktkassette (die ja die Musik bekanntlich doch nicht gekillt hat), und daher zum Aufnehmen von persönlich bedeutsamer Musik, und eben gerade zum Weitergeben derselben bestens geeignet.
Da hätte ich dann zwei Einwände: 32 GByte fassen über 600 Stunden pausenlose Musik, das wäre dann eher ein Massenspeicher als ein Tonträger. Und die mit der Freude am Musikhören irgendwie unselig verknüpfte "Musikindustrie" versucht gerade, alles zu kriminalisieren, was nicht direkt in eigenen Profit mündet. Um so interessanter dieser Mix-Tape-Ansatz, der deutlich zeigt, das wir hier eine klassische Hase-Igel-Situation haben. Gesetzlich geschütztes DRM oder Ausschluss vom Internet nach drei Uploadvorwürfen mit wackliger Beweislage führen gleichermassen ins Nichts, wenn die Hardware-Industrie einfach ihren Job macht, und immer neue Nutzungsmöglichkeiten einbaut. Ja, mit dem nächsten Firmware-Update könne man Features wie direktes Kopieren von einem Gerät auf ein anderes (a.k.a. Street-P2P), oder auf eine Micro-SD (a.k.a. Pocket-Piracy) einführen, erklärte man mir auf meine Frage hin. Und meinen Vorschlag, statt langwieriger Verhandlungen mit SonyBMG über Promo-Alben auf Flashkärtchen doch lieber mit Jamendo und der CC-Fraktion zu sprechen, nahm man ebenfalls hochinteressiert auf.
Was ich also meine, ist: Die in ihrer Rückwärtsgewandheit dem deutschen Steinkohlenbergbau nicht unähnliche Musikbranche (Danke für den schönen Vergleich an das lustige Polizei Infos Blog) ist nicht nur durch geänderte Nutzungsgewohnheiten ihrer (Ex-)Konsumenten bedroht, sondern auch und vor allem durch die nicht endenwollende Entwicklungsfreude der Halbleiterbranche.
Und zum Vergleich noch ein paar harte Zahlen. Die Flash-Bastler von Sandisk, in den USA bei MP3-Playern immerhin nach Apple die Zweiten, machen im Jahr doppelt so viel Umsatz wie die gesamte "Musikindustrie" im drittwichtigsten Entertainmentmarkt (Deutschland). Nun ratet mal, wem zuerst die Puste ausgeht: den Musikern, die ihre Werke CC-geschützt via Web veröffentlichen können, den Carpetbaggern der grossen Unterhaltungskonzerne oder den Siliziumingenieuren der noch viel grösseren Elektronikbranche? Homeflashing is saving music, sag ich da. [fe]
Juli 4, 2008 in Hart & Halbleitend | Permalink | Kommentare (9) | TrackBack

