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08. Oktober 08
Piraterie kostet 750.000 Arbeitsplätze und 250 Milliarden US-Dollar
Und das allein in den USA. Kein Wunder, dass die Industrie sich verzweifelt wehrt. Aber halt! Nicht so schnell! Was sind das für Zahlen, wo kommen sie her und wie wurden sie ermittelt? Glücklicherweise nahmen sich die Kollegen von Ars Technica, unterstützt von den Kollegen von der Wired, die Zeit, um alles nachzuprüfen. Einschliesslich von Regierungsarchiven, nach dem Informationsfreiheitsgesetz auf Antrag geöffnet.
In einem Satz: Es sind alles Lügen. Die Zahlen sind Schätzungen, wurden aus dem Zusammenhang gerissen, weiter und weiter kopiert, und dienen heute als Grundlage für Reale Politik. Und bevor sich einer meiner geschätzten Leser jetzt zurücklehnt und mit wohligem Gruseln seufzt: "Ach, diese Amis...", möchte ich in Erinnerung rufen, dass Politiker und Industrielle der führenden westlichen Länder hinter verschlossenen Türen am ACTA-Abkommen feilen, das die Kontrolle über Kulturgüter in einem nie gekannten Mass an die bekannten Konzerne übergibt. Plus der Daten aller Bürger, als potentielle IP-Kriminelle.
Zurück zu den Zahlen. Wie Ars Technica nachprüfte, ist die Behauptung, Piraterie, also eigentlich kommerzielle Produktfälschung, würde den Verlust einer Dreiviertelmmillion US-Arbeitsplätzen nach sich ziehen, nie wirklich sachlich untermauert worden. Was vom U.S. Department of Commerce, der Customs and Border Patrol, dem U.S. Chamber of Commerce und anderen Behörden in Hochglanz und Fettdruck verbreitet wird, stammt ursprünglich aus dem Christian Science Monitor von 1986, wo der damalige US-Handelsminister Malcom Baldridge erklärte, er schätze den Verlust von Arbeitsplätzen in den USA durch Produktfälschungen auf "irgendwas zwischen 130.000 und 750.000". Aha.
Ja, aber: 250 Milliarden US-Dollar, das ist doch eine Stange Geld? Wer hat das ermittelt, und wie? Ars Technica prüfte auch hier solange, bis die erste Erwähnung dieser Zahl feststand: In der Ausgabe des Wirtschaftsmagazins Forbes vom 25. Oktober 1993 stand, wenn auch ohne Angabe von Quellen, dass die weltweite Produktfälschung einen Umfang von 200 Milliarden US-Dollar hätte. Weltweit. Plus Inflationsrate: 250 Milliarden. Letztere Zahl übersteigt übrigens den gesamten Jahresumsatz aller US-Musik-, Film-, und Spiele- und Softwarefirmen. Nur mal so zum Vergleich.
Ok. Und auf der Basis dieser nie nachgeprüften Zahlen werden unter Ausschluss der Öffentlichkeit Gesetze gemacht. Wem nützen diese? Und was denkt die Öffentlichkeit darüber? Was ich denke, wisst ihr, und was ihr denkt, weiss ich auch. Ach, und bald sind wieder Wahlen. Bei den letzten, im deutschen Texas, war schon zu sehen, dass konsequentes Lügen nicht garantiert zum Erfolg führt. Na dann. [fritz]
Oktober 8, 2008 in PC vs. Copyright | Permalink
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Kommentare
I love it. ♥
Kommentiert von: Angellover | 08.10.2008 16:06:55
Zu köstlich! Hoffentlich findet sich eine Gruppe in D und versucht ähnliches. Ich habe so die Ahnung, Themen gibt es reichlich.
Kommentiert von: bed | 09.10.2008 18:17:28
eigentlich gehören diese ganzen w:chser einfach nur abgeknallt!
tut mir leid - aber so ist es!
angesichts der krise in der wir eh schon alle stecken und den (dank dieser und ähnlicher arschlöcher) drohhenden abgrund vor unser aller augen, hätte ich mittlerweile überhaupt keine hemmungen mehr jeden von ihnen einen aufgesetzen genichschuß zu verpassen.
mag vllt. krass klingen aber so denke ich mittlerweile über diese perversen dreckschleudern die sich alles und jedes unter den nagel reißen.
und wer sich jetzt dick darüber aufregen will über meinen offen zur schau gestellten und wachsenden hass und täglich ansteigenden blutdurst - der denke bitte mal an die demnächst verreckenden aber-hunderte-millionen armer menschen die demnächst verhungern dürfen weil diese schweine den hals einfach nicht mehr vollkriegen können.
es ist langsam an der zeit für eine art neue "französischer revolution" der 2ten phase, mit bildung einer welt-republik mit radikaldemokratischen zügen und zur ausbildung einer revolutionsregierung, die mit mitteln des "gegenterrors" und der "guillotine" alle „feinde der revolution“ verfolgt und vernichtet - bevor sie uns alle noch komplett und total entrechten und versklaven.
erst dann, nach einer radikalen und blutigen gesellschaftlichen reinigung, wird es wieder möglich sein zurückzukehren zu einer wahren demokratie welche für alle menschen gleichermaßen gültigkeit hat - und nicht nur für eine obere-100 millionen-schicht (aus 6,7 milliarden menschen global) die den rest der menschheit den lebenssaft, parasiten und vampiren gleich, übelst herausaugt!
Kommentiert von: knallbonbon | 09.10.2008 23:56:54
Wie hoch der Schaden tatsächlich ist, lässt sich schwerlich quantifizieren. Mal angenommen, niemand würde mehr eine Raubkopie von Microsoft Office nutzen (ich nutze keine!). Anstelle die Software zu kaufen, würden viele auf Open Office umsteigen. Dass also jede Raubkopie dazu führt, dass dem Hersteller Einnahmen entgehen, dürfte schlichtweg Blödsinn sein.
Kommentiert von: Cala | 13.10.2008 12:06:30
Das eigentliche Übel sind doch diejenigen Zeitgenossen, die aber auch jedes Lied oder jede Software haben müssen. Für mich ist jede Raubkopie nichts anderes als ein gestohlenes Etwas aus dem nächsten Laden. Ist nur ein Fall von Charakterschwäche, wenn man nicht verzichten kann. Und wegen der Vampire weiß ich nicht, ob es einen Unterschied macht, ob man ein großer oder ein kleiner "Blut"-Sauger ist.
Man sollte diese 100 Millionen Oberschicht ignorieren und mit gutem Beispiel vorangehen.
Kommentiert von: opgepasst | 13.10.2008 16:54:21
Es bleibt festzuhalten, die größten Schadensersatzauseinandersetzungen wegen Urheberrechtsverletzungen führen immernoch die Labels untereinander.
Meist werden dabei die Majors zu saftigen Schadensersatzzahlungen (es geht um 7-8 stelliger Euro und/oder US$-Beträge) an kleinere Labels verurteilt oder zahlen oft schon nach kleineren Abmahnscharmüzeln freiwillig, weil ihnen die Öffentlichkeit eines Schauprozesses (Minor-Label gegen Major-Label) für ihre dümmliche "Raubkopierer sind Verbrecher"-Kampagnen kontraproduktiv erscheinen.
Mir sind Fälle bekannt, in denen Majors dreist behaupteten, man habe fälschlicherwiese angenommen, die Rechte für bestimmte Titel zu besitzen, die man natürlich nicht besaß und dies auch nie geprüft hat (das Wort angenommen sagt hier schon alles).
Auf Basis der Schäden, die sich die Labels so gegenseitig zufügen ist schnell eine aberwitzige Summe hochgerechnet. Nur sind die Raubkopierer hier eben andere Labels und nicht Endverbraucher!!!
Interessanterweise "irren" sich die Majors am liebsten, wenn Sie Tracks kleinere europäischer und US-Amerikanischer Labels auf Tonträgern in Osteuropa und Asien in Millionenstückzahlen auf dem Markt bringen. Die Annahme der Majors geht hier wohl dahin, das die Minor-Labels nicht die Möglichkeit haben diese äußerst lukrativen Märkte adäquat zu überwachen. Und leider, leider behalten die Majors damit all zu oft Recht!
Ich find es Schade, dass die verantwortlichen Manager der Majors für solche Allüren nicht hinter Gitter kommen, dann könnten deren Kinder vor den Gefängnissen ja "Häppie Börsdäi" singen.
Kommentiert von: unbekannt | 17.10.2008 15:47:53
Deprimierend. Manchmal habe ich das Gefühl, in einer Welt zu sitzen, in der die Menschen schon jegliche moralischen Grundsätze verloren haben. Und ich kann nicht mal darauf verzichten, das Bier zu bezahlen, das die Bedienung vergessen hat. Scheiße :)
Obwohl bed ^ natürlich ordentlich über die Strenge schlägt, kann man ihn doch gut versteheh. Da machen die Regierungen mal "so eben" über eine Billion € (700 Millarden in den USA, 400 in Deutschland + andere Länder und schon vorherige Leistungen, abzüglich der nicht zwingend teuren Bürgschaften) locker, während man laut Frau Schäuble mit 14 Milliarden jährlich den Hunger besiegen könnte. Schöne globalisierte Welt.
Kommentiert von: flows | 19.10.2008 17:38:57

