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05. Oktober 08

Microsoft vs. OpenSource

Zwei aktuelle Posts auf dem Linux-Zentralorgan Slashdot zeigen unser aller "Lieblingsfirma" Microsoft in einem sehr schlechten Licht: Versucht das "Borg-Imperium" gerade wieder einmal, mit fiesen Tricks die OpenSource-Bewegung zu unterwandern, und, was schlimmer ist, das Entscheidungskomitee für das OpenDocument Format mit eigenen Leuten zu besetzen, um so die einzige ernst zu nehmende Bedrohung für die eigene Office-Vorherrschaft zu beseitigen?

Hey. Das ist der erste Post im Bootsektor nach dessen Ent-Kommerzialisierung. So langsam gewinne ich eine Vorstellung dafür, wie ich meine Fischzüge durch die Interwebitubes auf Bootsektor und 11k2 verteile. Die "harten" IT-Themen werde ich, mehr oder weniger neu formatiert, weiter hier posten. 11k2 ist für mich einfach ein Riesenspass, und ich hoffe, für euch auch.

Weniger spassig ist die Slashdot-Headline "Microsoft Bids To Take Over Open Document Format" und der nachfolgene Text. Hier geht es darum, dass (so warnt uns Groklaw) Microsoft das entscheidende SC34 Komitee, verantwortlich für den OpenDocument-Standard, mit seinen eigenen Angestellten besetzen will. Bisher unveröffentlichte Teilnehmerliste zeigen, dass 10 von 19 Komiteemitgliedern unter der Kontrolle Redmonds stehen. Gelingt der (teuflische Welteroberungs-) Plan, dann sind die selben Leute von ODF und den Möchtegern-Standard OOXML zuständig. Das klingt nicht gut für mich.

Dazu passt eine andere OpenSource-feindliche Aktion der Borg. Wie ursprünglich der britische The Register herausgefunden hat, listet Microsoft auf der Website seines "OpenSource"-Projekts auch proprietäre Windows-Software, veröffentlicht unter der Linux-feindlichen Microsoft Limited Permissive License (Ms-LPL): "Microsoft Treating "Windows-Only" As Open Source". Man gibt sich also alle Mühe, die Grenzen zu verwischen. Explore, Expand, Exploit, Exterminate, nur ist das hier kein Spiel, sondern knallharte Wirtschaftspolitik, die den Quasi-Monopolstatus von Microsoft sicherstellen soll. Um langfristige finanzielle Schäden für Firmen und Konsumenten zu verhüten, müssen Wettbewerbsbehörden in Brüssel und Washington eingreifen. [Fritz]

Oktober 5, 2008 in Betriebssystem-Wahnsinn | Permalink | Kommentare (6) | TrackBack

23. September 08

Bootsektor 2.0

Wie, 2.0? Naja, jede grössere Veränderung wird im Newspeak ja mit Versionsnummern ausgedrückt. Im vorliegenden Fall bedeutet sie, dass der Bootsektor seinen Charakter grundlegend verändert. Er ist ab nächsten Monat nicht mehr...

..."IT-Nachrichten, neu formatiert" und die "Kommentarfunktion von PCpro/Testticker", sondern mein privates Blog. Also genauso wie 11k2, aber mit leicht anderen Themen, die ich aber erst noch definieren will. Den Bootsektor wird es also weiter geben, nur der NME-Verlag zieht sich daraus zurück. Für den schreibe ich aber weiter, bei TheInquirer und Gizmodo. Dann mal weiter viel Spass. [Fritz]

September 23, 2008 in Betriebssystem-Wahnsinn, Hart & Halbleitend, PC vs. Copyright, Weichware & Nichtwelt, WeltWeitesWirrWarr | Permalink | Kommentare (3) | TrackBack

15. Mai 08

Die Vista-Tragödie

In der klassischen, da hellenischen Schauspielkunst war die Tragödie ein Theaterstück, in welchem der Held trotz aller übermenschlicher Bemühungen letztlich scheitern musste. Weil die Götter es so wollten. Im Fall von Microsoft Windows Vista sind die Verhältnisse ähnlich, auch wenn es signifikante Unterschiede gibt. Aber wen interessieren schon Betriebssysteme?

Wir erinnern uns: Windows Vista wurde Ende November 06 an Firmenkunden und im Januar 07 an Jedermann ausgeliefert. Die Diskussion um den XP-Nachfolger erreichte eine Intensität, wie man sie sonst nur von Apple vs. Microsoft Religionskriegen kannte. Jetzt ist das Service Pack 1 da und Anfangs-Schwierigkeiten sollten behoben sein. Aber die Götter zürnen trotzdem. Anders sind die anhaltenden Schwierigkeiten wohl kaum zu erklären.

Diskussionen um die Tauglichkeit der aktuellen Windows-Version werden von Vista-Fans in der Regel mit Argumenten wie "Bei mir funktioniert es ohne Probleme" und "Gegen Vista haben nur die Leute was, die es noch nie probiert haben" geführt. Jedenfalls lese ich das ständig drüben im Inquirer. Ist natürlich beides Quatsch. Sehen wir uns einmal die nackten Zahlen an. Die nach anderthalb Jahren auf dem Markt eine gewisse Bedeutung haben sollten.

Nach Zahlen des Herstellers (die dann wahrscheinlich ganz leicht geschönt sind), wurden in diesem ein-einhalb Jahren ebenso viele Vista-Kopien verkauft wie in XP in seinen ersten 18 Monaten. Wieviele der ersteren gelöscht und durch XP oder Linux ersetzt wurden, wissen wir nicht. Nur: Seit Markteinführung von XP im Jahr 2001 ist die Anzahl der weltweit vorhandenen Desktop-PCs und Notebooks kräftig angestiegen. Und XP stellt immer noch ein Drittel aller neu verkauften Windows-Lizenzen, was sich aber mit dem angekündigten Verkaufsstopp im nächsten Monat ändern könnte.

Grossfirmen wie General Motors haben angekündigt, lieber auf die nächste Windows-Version warten zu wollen, da kein Vorteil von Vista gegenüber XP zu erkennen sei, der die vielen Kompatibilitätsprobleme aufwiegen würde. Aber wie sieht es im Consumer-Bereich aus, wo Vistas DirectX 10 aufregende Grafikerlebnisse versprach? Sehen wir uns dazu nochmal die aktuelle Statistik von Valves Steam-Plattform an, die ja längst nicht mehr nur für Half-Life-Fans da ist:

Windows XP: 80.92 % (1,398,776)
Windows Vista: 14.96 % (258,612)
Windows Vista 64 bit: 2.65 % (45,787)
Windows 2003 64 bit: 0.71 % (12,219)
Windows 2000: 0.61 % (10,607)
Other: 0.15 % (2,617)

Das sieht nicht nach überzeugenden Argumenten für das neue System aus. Gamer verlassen sich zu über 80% auf ältere Windows-Versionen und pfeifen auf die angeblichen Vorteile von Dx10. Dazu kommt der neue DRM-Zwischenfall vom Montag dieser Woche. US-Fans von Serien wie American Gladiator oder Medium konnten die Ausstrahlung auf einmal nicht mehr auf Festplatte aufnehmen. Wenn sie es mit einem Vista-PC versuchten. Alle anderen Geräte konnten das. Das Problem wird ernstgenommen, sowohl Microsoft als auch der Fernsehsender NBC "arbeiten daran". Was war passiert? Bei der Ausstrahlung wurde Software-Schalter ("Flag") falsch gesetzt, die es dem in Vista integrierten DRM irrtümlich unmöglich machte, die Sendungen aufzuzeichnen. Was bedeutet das? Vista-Nutzer sind der für Kontrollwahn und Konsumentenferne berüchtigten Contentindustrie schutzlos ausgeliefert. Selbst wenn es ansonsten im Grossen und Ganzen problemfrei funktioniert. Sowas schafft kein Vertrauen.

Vielleicht waren es also doch nicht die auf den Erfolg von Bill und Steve neidischen Götter des Olymp. Vielleicht hat Microsoft diesmal einfach den Bogen gründlich überspannt. Aber bis hier der Vorhang fällt, erwarten uns noch ein paar spannende Akte. Wir können also ruhig sitzenbleiben und die Vorstellung geniessen bzw. wie die klassische Theatertheorie das sieht, am miterlebten Leid unsere Seele reinigen ("Katharsis"). Guter Plan, finde ich. [fe]

Mai 15, 2008 in Betriebssystem-Wahnsinn | Permalink | Kommentare (9) | TrackBack

06. Juli 07

Sex im dritten Jahrtausend

Warum verbringen junge Männer die Blüte ihres Lebens damit, sich in der Quake-Weltrangliste nach oben zu ballern? Warum schreiben sie Viren, tragen Sprengstoffgürtel in benachbarte Moscheen oder gründen Softwarekonzerne? Warum sind Männer, die jhre Kolleginnen schlecht behandeln, nicht sexistisch? Die moderne Psychologie gibt Antworten darauf.

Als Autor des Bootsektorblogs, dem anerkannten Fachmagazin für Internetpsychologie, muss ich neidlos anerkennen, dass ein aktueller Artikel in der Online-Ausgabe von Psychology Today viele Grundfragen des heutigen Lebens so umfassend beantwortet, wie ich es mit meiner einseitigen Fixierung auf Copyright, Datenschutz und andere Massively Multiplayer Online Events bisher nicht zuwege brachte. Trotzdem, oder genau deswegen, möchte ich meine geneigten Leser darauf verweisen, dass die moderne Wissenschaft Erklärungsmodelle für so ziemlich alle unsere Betätigungen und deren Motivationen bereitstellen kann.

070706pamelaanderson040929Dass Männer nun mal auf blauäugige Blondinen mit grossen Titten, schmaler Taille und runden Hüften extrem abfahren, kann präzise erklärt werden: weil diese Attribute ungebrochene Gebärfähigkeit signalisieren. Egal, ob Pamela Anderson am ersten dieses Monats 40 geworden ist (Wir gratulieren nachträglich) oder nicht. Und warum sie gerade in islamischen Ländern besonders gerne zu Selbstmordattentaten greifen? Weil durch die religiös-weltanschaulich sanktionierte Polygynie die Chance eines mittellosen, unauffälligen Durchschnitts-Nachwuchsarabers auf Reproduktion denkbar klein ist. Also ist es sozusagen sowieso egal. Warum Männer Quake spielen (oder ein anderes aus der Ich-Perspektive gesteuertes Wettkampfspiel in 3D-Darstellung), einen Software-Konzern an die Weltspitze führen (wie im Fall Gates) oder nachher die erreichte Spitzenposition durch oral eingesetzte Praktikantinnen gefährden (wie im Fall Clinton), ist nach Wissen unserer Forscherelite ebenfalls dem einen, selben Grund zuzurechnen. Oder warum hoch-erwachsene Männer plötzlich anfangen, rote Cabrio-Sportwagen zu kaufen und polobehemdet und sonnenbebrillt fremden weiblichen Tweens nachzustarren: Die Menopause und damit das Reproduktionsende ihrer monogamen Vertragspartnerin. Und zu guter Letzt und zur allgemeinen Erleichterung gesagt: Männer, die ihre Arbeitskolleginnen rüde behandeln, verhalten sich keineswegs sexistisch. Im Gegenteil. Sie behandeln ihre weiblichen Mitarbeiterinnen genau so kompetitiv wie ihre männlichen. Eigentlich ein dickes Kompliment an die Mädels.

Ich weiss selbst, dass so ein Schnelldurchlauf schwer zu verdauen ist. Ebenso wie die Originalquelle selbst, die mit wortreichen Erklärungen auf eines der Grundprobleme menschlicher Existenz eingeht. Lasst mich daher versuchen, das alles noch mehr zu vereinfachen. Zu diesem Zweck stelle ich mir den typischen Bootsektor-Leser vor, der angesichts dieser Zeilen bereits damit begonnen hat, an seiner mit Gaffa-Tape (ersatzweise Hansaplast) reparierten Brille zu nesteln. Alter, sag ich zu ihm, Alter, natürlich programmieren wir unsere Neuronen selbst, im Lauf unserer langen RL-Lernkurve. Wir packen da unsere eigenen Muster rein und haben auch noch später drauf Zugriff, weil die Bionik ja kein Read-Only ist. Nur sind manche Teile des zentralen Mainframes eben Millionen Jahre alt, und deswegen hard-wired. Und es hat keinen Sinn, dagegen anzuquatschen. Genausowenig wie gegen ein Eprom. Wir müssen uns der Situation stellen, dass die Hälfte... Dreiviertel... also, fast alle unserer Handlungen auf erfolgreiche Fortpflanzung abzielen. Wenn wir uns darüber im Klaren sind, wird alles sofort viel übersichtlicher. Weniger Stress. Nicht, dass es deswegen sofort alle, oder eben das eine Problem lösen würde. Eins nach dem anderen. Ok? [fe]

Juli 6, 2007 in Betriebssystem-Wahnsinn, Hart & Halbleitend, WeltWeitesWirrWarr | Permalink | Kommentare (4) | TrackBack

13. Juni 07

Killerspiele für Apple-Rechner

Religionskriege sind nach wie vor schwer in Mode. Mein liebster fundamentalistischer Konflikt ist allerdings einer, der die Menschheit in zwei erbittert verfeindete Lager spaltet, ohne einen Tropfen Blut zu vergiessen: Apple gegen Microsoft. Anlässlich der aktuellen WWDC 07 lieferte Apple-Chef Jobs neue Munition für den epischen Konflikt. Diesmal erwarten wir Ströme von Pixelblut.

Lange Zeit schien es mir, als ob Steve Jobs einfach nichts mit Spielen zu tun haben wollte. Apple-Rechner konnten alles und hatten sogar eine eigene Version des verbreiteten Microsoft Office. Aber kaum Spiele. Für mich ein Hauptgrund, weiter PCs zusammen zu schrauben, alle zwei Jahre mit neuen Innereien auszustatten und mich mit den Wartungs- und Sicherheitsproblemen von Windows herumzuplagen. Und nur zum Bootsektor schreiben ein iBook... das wäre sogar mir zu versnobt.
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Apropos: Der Hauptunterschied zwischen Bootsektor und Inquirer ist, dass ersterer eher Kommentare und Bewertungen liefert, der zweite die Nachrichten. Mit Gerüchten wird auf beiden Weblogs hantiert. Und zwar von den selben Leuten. Um mal auf B@ules freundlichen Comment im "Über Bootsektor" einzugehen.
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Als ich zu Anfang dieses Jahrhunderts (konnte ich mir jetzt nicht verkneifen, klingt einfach zu gut) im TV einen Bericht von der Apple-Veranstaltung mit der Präsentation von Bungies Halo sah, war ich den Tränen nahe. Vor Begeisterung. Sollte der Mac damit zur Spielemaschine werden, jetzt da der Marathon-Developer Bungie mit den anderen Shooter-Entwicklern gleichzog? Es kam, wie wir wissen, anders: Microsoft kaufte das Entwicklerstudio auf und schuf dadurch den zentralen Kaufanreiz für die Xbox. Diesmal dürfte es anders laufen. Wie auf dem offiziellen Video zur Keynote ungefähr ab 11:30 zu sehen ist (davor schwadroniert ein EA-Scherge über das Bekenntnis des weltgrössten Spiele-Distributors zu Apple), stehen dem bis dahin von engelshaften Designer-Weiss geprägten Mac blutige Zeiten bevor. John Carmack, der Hexenmeister aus Austin, Texas, und Chef des Doom-, Quake- und Wolfenstein-Herstelllers id Software outete sich als Apple Fan, der jetzt seine ganze Firma mit Macs ausstattet, weil diese bessere Performance bieten als preisgleiche Windows-PCs. Und zeigte ein Demo der neuen "id Tech 5", der Nachfolge-Engine zu Quake 4. Ähnlich wie Epic und andere grosse Developer wird id immer mehr zum Hersteller von "Middleware", wie man das anderswo nennt: das Geschäft mit dem Lizensieren der Engine an kleinere Studios wird wichtiger als das Komponieren eigener Spielhandlungen. Die id Tech 5 läuft, anders als die meisten aktuellen Engines, nicht nativ auf Microsofts Multimediaschnittstelle DirectX, sondern auf OpenGL, kann daher leicht auf alle möglichen Plattformen portiert werden, auch und gerade auf den Mac.
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Haltet die Ketchup-Flaschen bereit, Freunde, das Tor zum Splatter-Erlebnis auf dem Apfelrechner ist aufgestossen. Das bedeutet zum einen, dass die Riege der profilsüchtigen, verantwortungslosen Politiker und ihre frei erfundenen Killerspiele-Tiraden nun mit einer neuen, erwachsenen, professionellen Kultur konfrontiert wird. Zum anderen bedeutet es, dass die nächste Generation von Games auch auf dem Mac verfügbar wird, und damit das letzte Argument für Windows wegfällt. Und zu guter Letzt, dass wir uns auf viele schöne religiös motivierte Flamewars freuen dürfen. Im Bootsektor und seinen Cousins Inquirer und Gizmodo ebenso wie im Rest der Medienwelt. Das wird ein Spass. [fe]

Juni 13, 2007 in Betriebssystem-Wahnsinn, Hart & Halbleitend, Weichware & Nichtwelt | Permalink | Kommentare (7) | TrackBack

15. Mai 07

Microsoft gegen Linux: die Fakten

In den letzten Tagen geriet der kalte Krieg "Microsoft gegen Open Source" in eine heisse Phase. Richtig heiß gelaufen ist dabei aber vor allem die Presse. Wenn man nämlich die Fakten untersucht, bleibt nicht viel übrig. Aber sehen wir uns das einmal der Reihe nach an.

Gestern schreckte ein Fortune-Artikel die Computerwelt auf: Microsoft habe entdeckt, dass Linux ganze 235 seiner Patente verletze, und werde nun dafür Lizenzgebühren einfordern. Tatsächlich gab es ein Gespräch zwischen Microsoft General Counsel Brad Smith, Microsoft Licensing Chief Horacio Gutierrez und Redakteuren des Wirtschaftsmagazins Fortune. Darin beschrieben die beiden Microsoft-Vertreter ihre neue Strategie, Umsätze durch Patenteinnahmen zu erzeugen. Microsoft-CEO Steve Ballmer, so berichteten die Medien, verschärfte die Debatte durch die öffentliche Erklärung, Linux würde "über 228" Patente verletzen, was eines Tages zu Massnahmen der WTO führen würde. Aber halt! Das sagte er Anfang 2004, also vor mehr als drei Jahren. Und er bezog sich dabei auf die damals frisch veröffentlichte Studie der Beratungsfirma OSRM (Open Source Risk Management), die in 283 Fällen eine mögliche Patentverletzung durch Open Source Software wie Linux andeutete. Um im nächsten Atemzug eine "Versicherung" gegen mögliche juristische Risiken beim Einsatz von Open Source anzubieten. Tatsächlich wurde nie präzise gesagt, welche Patente verletzt würden. Aber dass etwa die Hälfte aller Softwarepatente vor Gericht für ungültig erklärt werden. Und dass ein Drittel der erwähnten 283 Patente im Besitz von Linux-freundlichen Unternehmen wie IBM seien. Nur rund zehn Prozent im Besitz von Microsoft. Also 28, und nicht "über 228" und auch nicht 235. Kein Wunder, dass sich die Autoren der Studie von 2004 bereits von der Interpretation durch Herrn Ballmer distanziert haben. Kein einziges OpenSource-Prgramm wurde bis zum heutigen Tag einer Patentverletzung für schuldig befunden. Und es sieht nicht so aus, als würde Microsoft etwas daran ändern können.

Was ist also, zusammengerechnet, wirklich passiert? Das: Microsoft schickte neulich nachmittags zwei Vertreter zu einem "business-orientierten" Magazin, um dort die bewährte "Fear, Uncertainty and Doubt" Strategie (FUD) zu verfolgen. Warum gerade jetzt und mit soviel Fanfarengetöse? Weil die globale Wirtschaft zunehmend auf presigünstige und zuverlässige OpenSource-Produkte setzt? Weil nationale und bundesstaatliche Regierungen offene Formate zum Standard erklären? Weil Dell auf Druck seiner Kunden nun auch Linux anbietet? Oder weil, wie Professor Eben Moglen vom Software Freedom Law Center andeutet, der Microsoft-Novell-Deal nicht nur für Novell Probleme geschaffen hat. Juristisch gesehen sei Microsoft dadurch nämlich zum Linux-Distributor geworden, und unterliege damit den Bedingungen der GPL. Das allerdings wäre wirklich eine Katastrophe. Für Microsoft. Aber das lässt sich jetzt noch nicht absehen. Für die OpenSource-Wirtschaft bedeutet die "235-Patente-Affäre" etwas anderes: nämlich dass Microsoft nichts in der Hand hat. Nichts ausser Behauptungen. [fe]

UPDATE (16:14): So langsam lichtet sich der Nebel. Der oben erwähnte Horacio Gutierrez erklärte gegenüber der Presse: "Wir werden niemanden verklagen. Das hätten wir schon vor Jahren tun können". Statt dessen wolle Microsoft noch mehr Deals wie mit Novell abschliessen. Das allerdings würde durch die für Juli erwartete GPL 3 unmöglich gemacht. Schon jetzt kassiert Microsoft aufgrund des Novell-Deals Lizenzen von Unternehmen, die Linux benutzen. Damit wäre dann womöglich Schluss. Ebenso wie mit einer Absicherung gegen Patentklagen durch Firmen, die Linux vertreten. Die Uhr tickt also – in diesem Fall für Microsoft.

Mai 15, 2007 in Betriebssystem-Wahnsinn | Permalink | Kommentare (6) | TrackBack

23. April 07

Vista: Sicherheit endet beim Datei-Namen

Durch Zufall wurde ein entscheidendes Anti-Spyware-Feature im (nicht mehr) neuen Microsoft Windows Vista als billige Schummelei enttarnt. Die genau so lange funktioniert, bis die Spyware-Scripter es merken (also bis gestern). Trotzdem sagen die Experten, es sei "besser als nichts". So ist das also mit der Sicherheit unserer Daten.

Apropos sichere Computer: heute ist der 25ste Geburtstag des Sinclair ZX Spectrum. Hoch die Tassen, Leute, mit 3,5 MegaHertz und 16 KiloByte Arbeitsspeicher wäre man auch heute noch gegen aufgeblähte Windows-Trojaner geschützt.
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Ganz anders dagegen ist der Fall beim in fünfjähriger, titanischer Anstrengung entwickelten Windows Vista. Da ist Sicherheit.. nun, sagen wir mal, ein echtes Problem. Ausser vielleicht, wenn es sich um die Sicherheit der HighDefinition-Filme und ihren Schutz vor dem Benutzer handelt, weswegen es demnächst auch HD-Audio-CDs geben wird. Wo aber die Daten des rechtmässigen PC-Besitzers in Gefahr sind, müssen schlaue und... sagen wir mal, ökonomische Tricks herhalten. TheRegister-Leser Mike schreibt gerne in C++ und wunderte sich neulich, warum manche seiner Programme unter Vista zur Installation Administratorrechte benötigen, andere dagegen nicht. Und er fand es heraus: Vista prüft, ob ein Programmnamen das Wort "install" enthält. So einfach. Dazu Dr Brian Chess, Chief Scientist bei Fortify Software: "Das ist wirklich etwas albern. Aber besser als nichts."

Das erinnert mich an das bedauernswerte Schicksal des (damals) 22jährigen Neil Godfrey, der mit United Airlines von Philadelphia nach Phoenix fliegen wollte. Und nicht durfte. Weil er ein Taschenbuch mit sich führte, auf dessen Umschlag einige Dynamitstäbe abgebildet waren. Mit Reisewecker. Also eine Bombe. Und als seine Mutter sich telefonisch bei der Firma beschwerte, wurde Neil ganz gestrichen. Er muss seitdem mit anderen Fluglinien reisen. Ja, ich weiss. Die traditionellen Trotzkisten und klammheimlichen RAF-Sympathisanten unter meinen Lesern werden jetzt ungläubig das ergrauende Haupt schütteln. Wie man denn nur so blöd sein könne! Ein Buch mit einer Bombe drauf! Einen Monat nach 9/11! Halt, möchte ich dem äussersten linken Rand unserer Gesellschaft zurufen, da muss man Verständnis mit unseren amerikanischen Freunden haben. Die hatten eben noch nie eine Regierung, die sich offen zum Faschismus bekannte. Immer nur die Disney-Version davon. (Die AgitProp-Disney-Version vom Gegenteil seht ihr hier).
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Im Unterschied dazu konnte beim "Hack-A-Mac"-Wettbewerb letzter Woche der glückliche Shane Macaulay sein Mac-Book erst am dritten Tag als Siegespreis empfangen. Nachdem die Veranstalter angesichts zweier ereignisloser Tage die Regeln gelockert hatten. Ob ich meine Bereitschaft zur Nachsicht aber auch auf Microsoft ausdehnen kann... keine Ahnung. Was meint ihr? [fe]

April 23, 2007 in Betriebssystem-Wahnsinn | Permalink | Kommentare (1) | TrackBack

20. April 07

Microsoft vom Kapitalismus bedroht

Der Computerhersteller Dell hat gestern angekündigt, dass Privatkunden ihren neuen PC nicht nur mit Windows Vista, sondern wahlweise auch mit XP bekommen können. Bitter für Microsoft. Gut für den Verbraucher. In anderen Nachrichten vom selben Tag erfahren wir, dass die Umsätze der Tonträgerindustrie massiv zurückgehen, und im selben Moment massiv zunehmen. Ist der Kapitalismus am Ende oder müssen wir nur genauer hinsehen?

Ich weiss, ich bin ein zur Zeit wenig nachlässig mit dem regelmässigen Verfassen von Bootsektor-Kolumnen. Nicht nur der (zum Thema Sparta erwähnte) Heuschnupfen geht mir kreativitätsdämpfend auf die Nerven, sondern auch das Hin-und-Her um den Ausverkauf von VNU. Noch ist ja nicht alles verloren, und das finde ich auch gut so. Ich möchte nämlich weiter mit den Leuten zu tun haben. Einfach weil, unabhängig vom Konzerngeschehen, innerhalb des Teams tolle Zusammenarbeit und coole Projekte liefen. Naja, mal sehn.

Auf eine ganz andere Weise vom Kapitalismus genervt dürfte dieser Tage der grosse Software-Assimilator Microsoft sein. Dessen ehemaliger Lieblingskumpel Michael Dell pfeift nämlich nicht nur auf die sentimentale Männerfreundschaft und benutzt auf seinem eigenen Notebook Ubuntu, sondern lässt jetzt seinen Privatkunden auch noch die Auswahl zwischen Vista und XP. Weil so viele potentielle Dell-Kunden kein buntes neues Vista, sondern das bekannte XP haben wollen. Wozu macht sich Microsoft dann eigentlich die Mühe, ein neues Betriebssystem zu entwickeln? Nur um mit dem integrierten DRM an den Kartellbehörden vorbei den Markt für High-Definition-Wiedergabe auf PCs zu besetzen? Oder um den immer ausgefeilteren Apple-OS-X-Varianten wenigstens optisch etwas entgegen zu halten? Das müssen wir nicht sofort beantworten. Da können wir in Ruhe zuschauen, wie die Dinge sich entwickeln.

Ebenfalls mit Staunen betrachten wir die Entwicklung im Entertainmentmarkt Musik (der sich ja gegen Video, Mobile und Games kaum noch behaupten kann). Wusstet ihr, dass die vier grossen Musiklabels (den Indies geht’s sowieso prächtig) in den USA seit 2004 jährlich immer mehr verkaufen. 2004: 958 Mio, 2005: 1303 Mio, 2006 1585 Mio. Die Zahlen bedeuten nicht US-Dollar, sondern Stück. Gleichzeitig sanken die Umsätze (in Dollar) in 2005 um 0,6 Prozent und in 2006 um 6,2 Prozent. Dieses Jahr sinken die Umsätze noch mehr. Tolle Sache, sag ich da nur, der Kapitalismus frisst seinen eigenen Schwanz. Ein überteuertes, nicht mehr konkurrenzfähiges Produkt sinkt im Preis, einerseits, weil es bei Walmart und Aldi für Schlagerpreise vertickt wird, andererseits, weil Downloads bei iTunes eben weniger kosten. Keine grosse Sache also, ausser dass die Analysten bei Nielsen, die solche Zahlen veröffentlichen, gleichzeitig bemängeln, dass ja kaum grosse Hits veröffentlicht werden. Bekannte Namen. Alben, die man haben muss. Geht am Ende das ganze Geld der Tonträgerindustrie für Lobbyarbeit (Korruption) drauf? Eine gefährliche Entwicklung, denn wenn da irgendwer dahinter kommt, rollen Köpfe. So wie bei Siemens, die sich ja auch jahrelang mit irgendwie ergatterten Staatsaufträgen über Wasser gehalten haben. Die Hinterzimmerdiplomatie der Konzerne hat eben eine massive Schwäche: sie findet unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Und die rächt sich dann. indem sie den Mist (Produkte, die am Bedarf vorbei entwickelt wurden) nicht mehr kauft. Egal, ob Vista oder Britney. Ganz einfach. [fe]

April 20, 2007 in Betriebssystem-Wahnsinn | Permalink | Kommentare (0) | TrackBack

13. April 07

Linux schneller als Windows

Lange Zeit galt Linux im Vergleich mit Windows als umständlich in der Bedienung und unterlegen bei der Spieleperformance. Spätestens mit Vista ist das vorbei. Frames pro Sekunde lassen sich leicht nachmessen, hier sind die Vista-Nutzer zukünftig im Nachteil. Plus: Weitere überraschende Erkenntnisse aus der digitalen Welt.

Die Diskussion um Windows Vista dreht sich vor allem um die Multimedia-Inhalte im PC, die, sobald sie irgendwie hochaufgelöst sind, der Kontrolle ihrer Besitzer entzogen werden. Ich bin sicher, Microsoft versucht auf diesem Weg, Vista als einzige Multimediaplattform mit Unterstützung der Verlagsindustrie aufzubauen. Warum das zum Scheitern verurteilt ist, erkläre ich weiter unten.

070413bench_d3070413bench_emTatsächlich sind die vielen Kontrollmechanismen in Vista für die Performance nicht gerade hilfreich. Die Leute der Phoronix Website haben Benchmarks aufgestellt. Zwei davon zeige ich hier (zum Vergrössern draufklicken): Doom 3 bei 1024x768 Pixels und Wolfenstein Enemy Territory bei 1280x1024. Testaufbau: ASUS M2NPV-VM, GeForce 6150 (+ nForce 430) , AMD Sempron 3200+ AM2, 1GB DDR2, also eine völlig durchschnittliche, leicht veraltete Maschine. In beidem Fällen klar zu sehen: Vista ist deutlich langsamer, XP bei höheren Auflösungen im Vorteil. Dabei muss man sich vor Augen halten, dass die Entwickler des Cedega-Spiele-Layers für Linux bei Transgaming bei weitem nicht die Entwicklungsbudgets haben, wie man das bei Microsoft voraussetzen kann.

070413dangerwebDas Entwicklungsbudget ist also nicht zentrale Punkt. NetApplications und SurveyWare haben Websurfer befragt und sind dabei auf ein überraschendes Phänomen gestossen. Obwohl Firefox nach dem Internet Explorer der verbreitetste Browser ist, sind die Benutzer von Opera am zufriedensten (Platz 2 Firefox, Platz 3 Safari). Ob es da einen Zusammenhang mit der weltweiten Verbreitung von Malware gibt? MacAfee hat da eine sehr schöne Karte veröffentlicht: In Skandinavien (wo Opera herkommt) lebt der Surfer ruhig und sicher.

070413katewalshAch, ich wollte ja noch erklären, warum die Strategie der Benutzer- entmündigung für Microsoft und seine Freunde in der Entertainmentindustrie nicht aufgehen wird. Hier ein schönes Beispiel: Kate Walsh (nicht diese Kate), 23, aus dem südenglischen Seebad Brighton hat bei einem Kumpel zuhause für ein paar hundert britische Pfund ein Album aufgenommen. "Tim's House", wie die Singer-Songwriter-Liedersammlung nach dem Aufnahmeort genannt wurde, steht derzeit im (britischen) iTunes Music Shop auf Platz Eins. Vor allen Millionenproduktionen der Industrie, die uns gerne verklagen will, wenn wir ihre Produkte nicht kaufen. Oder nicht sofort Vista installieren. Oder mit Opera surfen.

Aber so einfach geht das nicht. Danke, Kate, danke, Jon, und alle andern. [fe]

April 13, 2007 in Betriebssystem-Wahnsinn | Permalink | Kommentare (5) | TrackBack

26. Februar 07

War Games an der Datumsgrenze

Eine Staffel brandneuer US-Kampfflugzeuge, bestehend aus 12 Stealthfightern vom Typ Lockheed-Martin F-22 Raptor, musste am 11. Februar den Flug von Hawaii nach Japan abbrechen, als beim Überqueren der Datumsgrenze die gesamte Bordelektronik der hochmodernen, computer-unterstützten Jets ausfiel. Softwarefehler. Was hätte vor zwei Wochen noch alles passieren können?

Das alles klingt viel zu sehr nach War Games, nicht wahr? So wie: Versehentliches Abfeuern von Luft-Boden-Raketen mit Nuklearsprengköpfen auf Ziele in der Volksrepublik China. Dazu kam es wohl nicht, und das war (wie in all den anderen Beinahe-Nuklearkriegen der Geschichte) wahrscheinlich nur pures Glück. Statt dessen konnten die Piloten manuell wenden und ihren Tankflugzeugen zu einem Notlandeplatz auf Okinawa folgen. Wie gut, dass an diesem Tag schönes Wetter war. Sonst wären über vier Milliarden US-Dollar im Pazifik verschwunden.
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Viel billiger dagegen der aktuelle Gerichtsentscheid im Verfahren Alcatel-Lucent gegen Microsoft. Hier genügen schon 1,5 Milliarden US-Dollar, um die Nutzung des MP3-Encoders finanziell zu regeln. Und das obwohl schon einmal 16 Millionen an das Fraunhofer Institut bezahlt worden waren? Was hier offensichtlich verschwiegen wird: MP3 besteht nicht aus einem einzigen Softwarepatent, sondern aus einem Bündel, das von den verschiedenen Mit-Entwicklern zu Teilen verwaltet wird. Und was hier ebenso offensichtlich aus Redmond zu hören ist, nämlich die Mär vom nahenden Ende des MP3-Formats, wird nicht nur von Alcatel-Lucent-Sprechern dementiert. Softwarepatente. Wer hat eigentlich damit angefangen?

Das beliebte Audio-Kompressionsformat ist erstens nicht in seiner Verbreitung bedroht, weil nämlich der De-Coding-Teil lizenzfrei ist, und wird zweitens deswegen nicht von der EMI der Verkaufsbremse DRM vorgezogen (trotz nahender Verfalls-Datumsgrenze), weil sich die Anbieter von Online-Musikshops (wie Apple, Yahoo...) geweigert haben, eine pauschale Vorauszahlung an den von der Pleite bedrohten Musikkonzern zu leisten. Die Begründung, damit sollten eventuelle Umsatz-Ausfälle durch unbehinderte Privatkopien kompensiert werden, kann heute in der ganzen Medienindustrie niemanden mehr beeindrucken. Das war vielleicht mal. Inzwischen aber werden die kühnen Pläne aus dem letzten Jahrhundert von der knallharten Realität eingeholt. Egal, ob es sich dabei um anfällige Flugzeug-Bordelektronik, anfällige Softwarepatente oder anfälliges DRM handelt: was sich nicht rechnet, landet auf dem Müllhaufen der Geschichte. Tja. [fe]

Februar 26, 2007 in Betriebssystem-Wahnsinn | Permalink | Kommentare (4) | TrackBack