17. März 08
Wo Kunden geliebt werden
Lieber Kunde! Neulich erhielt ich einen Brief, welcher mir zu meinem Abonnement einer Fachzeitschrift gratulierte. Mir wurde erklärt, wie sehr man sich über meine Leserschaft freue, dass ich zum bevorzugten Kreise derer zähle, die eine Verlängerung um ein weiteres Jahr des Lesevergnügens ohne eigene Anstrengung erhielten, dass man demnächst etwas Geld von meinen Konten abbuchen würde und wen ich anrufen könne, falls ich die Geschäftspartnerschaft beenden wolle. Na also, geht doch.
Nicht, dass das malerische Bild von der "Servicewüste Deutschland" noch vollständig und detailgenau der Wirklichkeit entspräche. Es war war schon viel schlimmer hierzulande. Aber trotzdem war es für mich, subjektiv, doch ein bemerkenswertes Erlebnis, dieses Anschreiben aus Boone, Iowa in der Hand zu halten. Vom Wired Customer Service Center, wie die Digerati unter euch schon vermutet haben. Irgendwie schaffen‘s die schlauen Bewohner Iowas, aus der simplen, "Wir verlängern jetzt Ihr Abo, verstanden?" Mitteilung einen Akt moderner Kundenbetreuung zu formen. So als ob es ein Zeichen selbstaufopfernder Zuvorkommenheit wäre, schon wieder Geld von mir zu verlangen. Hauptsache, der Kunde fühlt sich gut.
Das ist es, worauf es ankommt. Auch wenn dieses grundlegende Geschäftsprinzip immer wieder gerne vernachlässigt wird. Gerade bei nachgebende Quartalsabschlüssen. Aber was tun, wenn man in einer Branche tätig ist, die dem Kunden aus technischen Gründen nur verschwindend geringen Mitgestaltungsspielraum einräumt? So, zum Beispiel, als Fernsehkanal? Dann müssen kreative Lösungen her, die ganz darauf abzielen, die Befindlichkeit und das Selbstverständnis der Kunden zu erfassen. Der Zielgruppe. Der Zuschauer. TMF, die niederländische Ausgabe des Musiksenders MTV und damit ebenfalls Teil des US-Medienkonzerns Viacom benutzt jetzt Daten des Marktforschungsinstituts GFK (Welches hierzulande auch die lustige jährliche Brennerstudie ausliefert), um zu erfahren, wo die Zuschauer gerne zuhören: TMF kauft Downloadcharts aus dem P2P Filesharing, um seine Playlists zu erstellen. Also die Songs, die gerne umsonst heruntergeladen werden, kommen dann im Musikfernsehen. Und alle sind zufrieden. Eigentlich wollte TMF die P2P-Charts auch gleich veröffentlichen. Allerdings kamen dazu heftige Proteste von Seiten der niederländischen IFPI, die das als "Senden der falschen Botschaft" ansah. Solange man aber nicht zugäbe, dass die Charts aus den P2P Netzen stammen, so der niederländische IFPI Sprecher Wouter Rutten, wäre deren Verwendung nicht problematisch.
Worum genau ging es nochmal? Ermitteln, was der Kunde gerne hören möchte, oder ermitteln, womit einzelne Firmen gerade am meisten Geld verdienen? Dem Kunden das verkaufen, was er gerne haben möchte, oder das, was noch in bedrückenden Mengen im Lager herumstapelt? Ich jedenfalls bin völlig zufrieden damit, für bunt bedrucktes Papier, das ich im Gegensatz zur Digitalversion prima mit auf‘s Klo, in die Badewanne oder auf den Fahrradausflug mitnehmen kann, einmal im Jahr 70 US-Dollar zu bezahlen. Was ich auch ohne Zögern für das ungestörte Hören, Downloaden, Speicher und versehentlich wieder Löschen von MP3-Musik täte. 44,68 Euro. Oder 3,72 im Monat. Das nehm‘ ich. Wo kann ich bitte unterschreiben? Hallo? [fe]
(Bild: Satirewire)
März 17, 2008 in Servicefreie Zone | Permalink | Kommentare (3) | TrackBack
13. März 08
Wähler fordern Strahlenkanonen
Während wir uns hierzulande noch über potentielle Regierungsbeteiligungen der Linkspartei zanken, sind unsere freundlichen Ex-Mitbürger bzw. deren Nachfahren in der Republik Israel schon einen Schritt weiter. Sie bringen derzeit ihre eigene Regierung vor Gericht. Wegen des nationalen Mangels an Strahlenkanonen. Das eröffnet Perspektiven.
Hatte ich nicht im letzten Bootsektor-Artikel scherzhaft über ein Patent für eine Musikgruppe, mit und ohne Frisuren-Applikation, geschrieben? Die Wirklichkeit spielt mit der Satire Hase und Igel. Wie immer. Die Firma Gibson, Hersteller von Elektrogitarren und angrenzenden Haushaltsgeräten, steht kurz davor, die Firma Activision zu verklagen. Letztere hat sich nicht nur hierzulande einen guten Ruf als Vertrieb von Killerspielen gemacht. Die, wie wir wissen, gut für Kinder und Erwachsene sind. Deswegen ereifert sich der Gitarrenladen aber nicht etwa, sondern, weit naheliegender, wegen des Vertriebs von Spielen wie "Guitar Hero". Wo es, wie wir uns erinnern, um die Playstation-Version eines Rockstarlebens einschliesslich der typischen Handbewegungen auf einem entfernt gitarrenähnlichen Playstationcontroller geht. Gibson habe schon 1999 ein Patent auf musikalische Simulation erworben. Sagte Gibson aktuell. Und Activision solle nun Lizenzgebühren bezahlen. Interessanter Ansatz, gerade im Hinblick auf die zahlreichen, von Bootsektor-Lesern demnächst registrierten Patente.
Ganz ohne Patentklagen funktioniert dagegen der Vorschlag der Pirate Bay Besatzung, wie Hollywood ganz schnell unlizensierte Up- und Downloads und damit auch die Pirate Bay selbst vom Antlitz der Erde tilgen könnten. Sie solle einfach selbst eine Torrent-Seite einrichten, und mit Banner-Werbung etc. kräftig Geld verdienen. Aber ähnliches hatte die Firma Napster schon vor über zehn Jahren vorgeschlagen.
Einen sehr effektiven Weg zum Schutz vor "Diebstahl geistigen Eigentums" (also Informationen) beschritten dagegen Unbekannte, die den britischen Chefermittler gegen die illegalen Gefangenentransporte der CIA, Chief Constable Michael Todd, als inzwischen aufgefundene Leiche zurückliessen. Der plaudert nichts mehr aus, Patent- oder Filesharingklagen sind überflüssig.
Mitten drin im juristischen Abwehrkampf sind dagegen die erwähnten israelischen Bürger. Diese verklagen tatsächlich ihre eigene Regierung wegen des Fehlens von Strahlenkanonen. Die von der US-Rüstungsfirma Northrop Grumman entwickelte Laser-Installation THEL (Tactical High Energy Laser), auch bekannt als "Nautilus" oder "SkyGuard", sei nämlich in der Lage, einfliegende Palästinenser-Raketen abzuschiessen. Sagt Northrop Grumman. Andere sagen durchaus auch das Gegenteil.
Hierzulande wird es nicht nötig sein, die nationale Regierung zu verklagen, um sie wegen des Fehlens von Bürgernähe abzuschiessen. Wahrscheinlich – zumindest legt die Entwicklung der letzten Tage und Wochen diesen Verdacht nahe – löst sich die regierungsnahe SPD sowieso bald selber auf und formiert sich (vom rechtsnationalen Flügel der ehemaligen sozialistischen Partei um Wolfgang Clement abgesehen) unter dem Banner der Linkspartei neu, was dann auch Koalitionsmehrheiten links von Monsanto, RWE, der Deutschen Bank AG und der Allianz zulässt. Ausser, jemand patentiert rechtzeitig "Koalitionen unter Beteiligung von nicht elektronisch modifizierten Wählerstimmen", mit "anschliessbarem Playstation-Wahlcontroller" und "Laser-Show zur Darstellung von fiktiven Bedrohungen wie Terrorismus, Privatkopie oder Gewerkschaften". Das allerdings muss abgewartet werden.
Ich nehme an, wir lesen spätestens nächste Woche in den Online-Ausgaben der grossen Nachrichtenmagazine kostengünstig recherchierte Hintergrundberichte (vom Niveau dieses Videobeitrags) zu den oben angeführten Themen. Schlagzeilen wie "Schäuble fordert Anti-Islamisten-Strahlenkanonen für Bundeswehr" würden mich besonders interessieren.[fe]
März 13, 2008 in PC vs. Copyright, Scheinbare Sicherheit, Servicefreie Zone | Permalink | Kommentare (3) | TrackBack
17. Oktober 07
1-Click-Patent vor dem Aus
Von all den nutzlosen, gefährlichen und wettbewerbsfeindlichen Patenten für Geschäftsmethoden war das Amazon-Patent 5960411, besser bekannt als 1-Click-Patent, das plakativste. Jetzt hat ein neuseeländischer Ritter des Steckenpferds den Retail-2.0-Zyklop in die Knie gezwungen. Zumindest fast. Oder so gut wie.
Peter Calveley aus Auckland auf der lauschigen Südpazifikdoppelinsel Neu Seeland hat seine fünf Minuten Internetruhm redlich verdient. Der hauptberufliche Motion-Capture-Darsteller und in dieser Eigenschaft Mitwirkender am Herr-der-Ringe-Epos hatte aus reinem Hobby-Interesse heraus vor einigen Jahren damit begonnen, Eingaben ans US-Patentamt zu schicken. Er wollte einfach nicht akzeptieren, dass man in den Vereinigten Staaten von Nord-Ameristan einen einzelnen Mausklick patentieren und diesen Unsinn dann via "Intellectual Property Policy" kleineren Ländern reindrücken kann. Es war wohl nicht leicht gewesen, ein so bescheuertes Patent überhaupt erteilt zu bekommen. Und es war wohl ebenso wenig leicht, dem US Patent Office klar zu machen, dass dieses Patent nie hätte erteilt werden dürfen. Zuviel "Prior Art", also Dinge, die schon früher erfunden (und patentiert) wurden, und zuviele Bestandteile, die sowieso jedem klar sind und deswegen nicht patentiert werden können. Noch haben die Advokaten von Amazon Gelegenheit, sich in den Neubewertungsprozess einzumischen. Allerdings sagt uns Peter, dass solchermassen in ihrer Glaubwürdigkeit erschütterte Patente üblicherweise schnell ganz den Orkus runterrutschen. Im Augenblick jedenfalls hat das USPTO das Amazon-Patent ausgesetzt.
Das ist nun aber nicht nur ein Sieg für Peter aus Auckland, und ein sicherer Gewinnwarnungs-Tsunami für Amazon, sondern auch ein Sieg für die freie Welt, für die Vernunft, und für den reinen, freien und quelloffenen Kapitalismus. Allzu selten nämlich erfüllt letzterer sein eigenes Versprechen vom ungestörten Wettbewerb der Marktteilnehmer. In aller Regel, wie im konkreten Fall "Einkaufen-mit-einem-Klick", flüchtet sich der engagierte Unternehmer aus der feindlichen Konkurrenzsituation in den sicheren Hafen feudalistischer Sonderregeln und Ausnahmegesetze. Patente schützen vor allem, was so ähnlich funktioniert oder zum selben Ergebnis führt. Copyright schafft geschlossene Märkte und zerstört Nutzerrechte. Wettbewerb in der aktuellen US-Version dreht sich ja nicht so sehr darum, wer schneller läuft und früher am Ziel ist, sondern wer alle anderen erfolgreich vom Starten abhalten kann. Das scheinbare Informations-Paradoxon am Ereignishorizont der Korruption, dass nämlich alle anderen im Sumpf derselben stehen, nur nicht ihr Initiator, scheitert mitunter an der Hartnäckigkeit eines Einzelnen. Hurra! Oder, wie wir inzwischen präziser zu formulieren wissen: Yarr!
Ach, da fällt mir doch ein... hab ich schon erzählt, dass unsere nationalen Ermächtigungsgesetzgeber und Jugendschutzmissbrauchspolitiker nicht zuletzt angesichts aktueller Zahlen aus dem schönen Nachbarland Britannien erstrangige Kandidaten für die grosse Löschtaste sind? Dort nämlich (hierzulande ist man womöglich zu feige für solcherlei Eingeständnisse) fand die Howard League for Penal Reform heraus, dass 95% der 10 bis 15jährigen Kleinbriten schon mindestens einmal Opfer eines Verbrechens geworden sind. Bedrohung, Nötigung, Diebstahl, Sachbeschädigung, direkte Gewaltanwendung. Das wird hier bei uns nicht sehr anders sein, denke ich mal. Viel Spass dann noch bei der nächsten Debatte über Gewaltspiele, Gewaltvideos oder Schulhofpiraterie. Wieso erfindet keiner ein Spray gegen verantwortungslose, selbstsüchtige Idioten? Oder noch besser: "Maulhalten-mit-einem-Klick". Das wär was... "träum"... [fe]
Oktober 17, 2007 in Servicefreie Zone | Permalink | Kommentare (7) | TrackBack
05. September 07
Microsoft patentiert religiöse Zensur
Trennung von Staat und Kirche? Gleiches Recht für alle? Aufklärung und Vernunft? Microsoft erfindet ein Social Network zur Unterdrückung anderslautender Meinungen, während T-Konzern Comcast sich als Torrent-Pirat ausgibt und Alkotest-Betriebsgeheimnisse erst nach strenger Prüfung als Blabla enttarnt werden. Können wir bitte alle mal für einen Moment so tun, als wären wir erwachsen?
Der US-Patentantrag 20070204287, gestellt von der Microsoft Corporation aus Redmond, WA, beschreibt ein Verfahren, in welchem eine Teilgruppe den Inhaltsfilter für eine Gesamtheit definieren kann. Etwa um "community standards" einzuhalten. Abgesehen davon, dass es genügend "prior art" gibt, um einen solchen Patentantrag abzuschmettern: Wozu brauchen wir hier ein Patent? Schliesslich macht die chinesische Regierung seit Jahren nichts anderes. Und nicht nur die. Nennt mir eine beliebige Regierung, oder Gruppe mit bedeutendem gesellschaftlichen Einfluss (populäres Beispiel: Kirchen) ohne Zensurbemühungen. Das wird knapp.
US-T-Konzern Comcast bemüht sich seit einiger Zeit, P2P-Traffic auszubremsen. Klar, Kunden brauchen ihren Breitbandanschluss mit Flatrate ja in erster Linie für Emails. Und ein gelegentliches YouTubevideo. Dabei scheut Comcast nicht vor drastischen Mitteln zurück. Als P2P indentifizierte Packets werden eben mal verschluckt. Aber auch die Pings werden verändert. So gibt’s sich Comcast gerne mal als Torrent-Server aus, und sendet Reset-Packets an den P2P-Freund, um dessen Verbindung abzubrechen. Das wiederum könnte als Verschleierung der eigenen Identität und Vortäuschung einer anderen gewertet werden – im schlimmsten Fall vom Staatsanwalt einer verbraucherfreundlichen Region. Welches Recht nimmt Comcast für sich in Anspruch, P2P Inhalte innerhalb seines Netzwerks zu löschen?
Der Dräger AlcoTest 7110 ist ein verbreitetes Gerät zum, na, Alkoholtesten. Nun protestierte ein Getesteter gegen das Ergebnis (das ist vorstellbar) und verlangte einen Nachweis der störungsfreien Funktionsfähigkeit. Einschliesslich des Quellcodes. Den die Firma Dräger mit Verweis auf Betriebsgeheimnisse nicht preisgeben wollte, bis sie schliesslich dazu gerichtlich gezwungen wurde. Als Sachverständige wurden Base One Technologies benannt, die herausfanden, dass der Code durchwegs aus Brot und Butter besteht: nur normale, allgemein verwendete Programmzeilen. Kein Geheimnis.
Was passiert hier? Werden die grundsätzlich verständlichen Motive von Unternehmen, ihre Geschäftsfelder auszuweiten, prinzipiell keiner ethischen Bewertung mehr unterzogen? Ein Patent für ein Zensurnetzwerk? Telekommunikation mit kommerziell gefälschten Absendern? Betriebsgeheimnisse, die keine sind? Nichts davon ist wirklich neu, gewerblicher Missbrauch geltenden Rechts ist eine bekannte Nebenerscheinung unseres Wirtschaftssystems. Für mich ergibt sich die Schlussfolgerung, dass die von der Gesellschaft etablierten staatlichen Kontrollsysteme ihrer Aufgabe nicht gewachsen sind. Wie auch, wenn die verantwortlichen Kontrollgremien (Behörden) von Personen geleitet werden, die selbst Nutzniesser des Missbrauchs sind. Korruption schint tatsächlich das zentrale Problem unserer westlichen Industriegesellschaft. Und die Verantwortung, immer wieder darauf hinzuweisen, liegt bei den Medien. Was mir als Teil der stark themenfokussierten Nischenmedien immer wieder schwer auf die Nerven geht. So dass ich nicht jedesmal Enthüllungs- und Ermahnungsartikel schreiben kann. Nächstesmal im Bootsektor ein Beitrag über Katzen. Übernächstesmal dann Waldelfen. Und anschliessend der grosse UFO-Bericht. [fe]
September 5, 2007 in Servicefreie Zone | Permalink | Kommentare (5) | TrackBack
02. Juli 07
King of Pop 2.0
Auf die Surfbretter: hier kommt die globale Medien-Welle. Gegenwartsorientierte Zeitgenossen werden weitergetragen, Geschäftsmodell-Konservatoren bleiben zurück und gehen unter. Prince profiliert sich als King of Pop, Bullen profilieren sich als Hacker, Google profiliert sich als billiges Flittchen, in den USA beginnt der legale Anbau von Marijuana und von Fallout 3 gibt es endlich erste Bilder zu sehn.
Internetnachrichten, neu formatiert. Eine sterbende Industrie bäumt sich noch einmal auf, zeigt ihren Hang zum Glamour und macht einem ihrer Ex-Lover eine riesige Szene. Prince, the Artist formerly known as Prince, bringt eine neue Platte heraus. Soll er machen, der Mann weiss, was er tut. Egal, ob mir das jetzt gefällt oder nicht. Planet Earth heisst die Scheibe mit 10 neuen Songs, und erscheinen wird sie am 24 Juli als Coverbeilage der konservativen britischen Daily Mail, Sonntagsausgabe. Bisher in einer Grössenordnung von rund 2 Millionen verkauft, will der Verlag extra viele Sonntagszeitungen drucken, wegen der Prince-Nachfrage. Wozu braucht man noch Tonträgerfirmen, die einen eh nur übers Ohr hauen? Entsprechend gross ist das Geheule bei Plattenmogulen und Einzelhandelsbaronen. Die hassen Herrn Prince jetzt alle. Prince Rogers Nelson qualifiziert sich damit zum King of Pop 2.0, allein dafür muss man ihn schon feiern.

Auch eine Flasche köpfen wollen wir für Jeremy Young und Scott Gelsthorpe, die ihren Job bei Scotland Jard an den Nagel hingen, um eine Privatdetektei namens "Hackers are us" zu gründen. Dort verwendeten sie alles, was sie als Kripobullen gelernt hatten (Telefone abhören, Computer hacken) und wurden erstens reich und zweitens, nachdem die Sache aufflog, Knastbrüder. Ich bin sicher, dieses Geschäftsmodell wird auch hierzulande Zulauf finden.

New Mexiko, sehr südlicher Bundesstaat der USA, hat ausser Wüstenspringmäusen und Serienmördern wenig Unterhaltsames zu bieten. Nun erlaubt ein Gesetz, bei bestimmten schweren Krankheiten das benötigte Marijuana selbst anzubauen. AIDS, Krebs, Glaukom, Epilepsie. Die Entscheidung ist richtig, die Folgen unabsehbar. Viele neue Geschäftsmodelle. Viel Spass noch, und Peace allerseits.

Google profiliert sich endgültig als billiges Flittchen und bietet an, für eine Handvoll Dollar mit der Industrie ins Bett zu gehen. Anlass ist der neue Michael Moore Film "Sicko" (den man nach dem Willen seines Schöpfers auch gerne aus Tauschbörsen beziehen darf, aber nicht erwischen lassen). Wer also nach "Sicko" googelt, so der moralfreie Suchmaschinenriese mit der ehemals weissen Weste, soll auf pharmaziefreundliche Webseiten gelenkt werden. Voraussetzung ist eine angemessene Vergütung seitens der von Moore so entblössten Krankheitsindustrie. Das haben wir jetzt von der Google-Monokultur. Suchergebnisse gehen an den Meistbietenden. Hallo Schwester, bitte eine Runde Brechmittel für mich und meine Freunde.

Letzter Partyanlass für heute: überall im Web gibt es Bilder von Fallout 3 zu sehn. Dessen neuer Besitzer Bethesda setzte erfahrene RPG-Designer aus dem Oblivion-Team an die titanische Aufgabe, die In-Game-Screens aus der Alpha sehen vielversprechend aus. Es wird Zeit für ein neues postapokalyptisches RPG. Wer keine Orks und Elfen sehen will, hat heute weitgehend Pech. Man kann ja nicht immer nur Fallout 1 und 2 und ein bischen Neocron spielen. Auf eine düstere Zukunft! [fe]
Juli 2, 2007 in PC vs. Copyright, Scheinbare Sicherheit, Servicefreie Zone, Weichware & Nichtwelt, WeltWeitesWirrWarr | Permalink | Kommentare (7) | TrackBack
24. April 07
Sternstunden der Demokratie
Am Sonntag wurde nicht nur in Frankreich gewählt, sondern auch in Sachsen-Anhalt. Beide Veranstaltungen waren Sternstunden der Demokratie, ebenso wie die aktuellen Verkaufszahlen der Autoindustrie und die neuesten Brüsseler Spitzen. Auch hier: kurzes, computergestütztes Nachrechnen rückt die Verhältnisse zurecht. Also.
Ein Hoch auf Sachsen-Anhalt und seine Bürger! Leider ergaben die Kommunal-Nachwahlen am Sonntag ein knapp verfehltes Ergebnis. Die Wahlberechtigten entschieden sich nämlich zu 63,5 Prozent dafür, der Wahl fernzubleiben. Noch 2,5 Prozentpunkte mehr, und man hätte das Bundesland (oder zumindest seine Kommunen) mit Zweidrittelmehrheit auflösen können, oder nicht? Von den insgesamt 36,5 %, die trotz des schönen Wetters und ihrer Unzufriedenheit mit "der Politik" zur Urne gingen, verteilten sich 12,3 % auf die CDU, 7,4 % SPD, 7 % Linkspartei, 3,01 % FDP, 1,17 % Grüne und, Trommelwirbel, ganze 0,91 % auf die Operettenpartei NPD, die aber irgendwie trotzdem in den Kreistagen 13 statt bisher 3 Vertreter stellt (Gute Unterhaltung!). Diese Zahlen erhält man, wenn man das nicht-amtliche Zwischenergebnis vom Montag mit der echten Wahlbeteiligung verrechnet.
Einen, wenn auch halbherzigen, Versuch in der selben Richtung unternahm unser grosses Nachbarland Frankreich. Bei den Präsidentschaftswahlen am Sonntag wurden, ohne Vorwarnung, 1,5 von 44,5 Millionen Wahlberechtigten (also 3,37 %) mit elektronischen Wahlmaschinen konfrontiert. Mit dem zu erwartenden Erfolg, dass viele nach zwei Stunden Wartens und mehreren missglückten Wahlversuchen ohne Stimmabgabe nach Hause gingen. Mon Dieu! Soll die Grande Nation ebenfalls aufgelöst werden? Etwa um die Monarchie wieder einzuführen? Können wir in diesem Fall dann vielleicht Elsass-Lothringen wiederhaben? Wir würden auch Sachsen-Anhalt dafür eintauschen! Nein? Naja, vielleicht wollen die Bürger und Bürgerinnen im Innersten unserer Föderalrepublik ihr Schicksal ja auch irgendwann wieder selbst in die Hand nehmen.
So wie die Nation der... Autofahrer, die im ersten Quartal den japanischen Hersteller Toyota zur meistverkauften Automarke wählten. Mit 2,348 Millionen. Über die Abwahl des bisherigen Spitzenreiters General Motors, hierzulande mit der Unterschichts-Marke Opel vertreten, kann man nur spekulieren.
Ebenso wie über die Motive des Monopol-Entwicklers und Software-Händlers Microsoft, der in den letzten Jahren die mahnenden Worte des einigermassen demokratisch legitimierten EU-Regierungsapparates als offenbare Auswüchse dummer belgischer Kartöffelen ignorierte. So dass dieser nun die täglich zu berappende Strafe auf 3 Millionen Euro anheben will. Ich finde, das ist eine gute Idee, das sollte man weiterverfolgen, so kann man am Ende das ganze umständliche Steuersystem einsparen.
Genauso wie die Verbrechenskartei der gesamten Bundesbevölkerung, die ja nun auf besonderen Wunsch der SPD nicht eingeführt wird. Also kommen unsere sämtlichen Fingerabdrücke nur in die technisch unsicheren Pässe. Naja, so haben wenigstens die islamistischen Hacker was davon.
Leider habe ich schon zweimal zitiert, was einer der grossen Vordenker unserer Epoche, der US-Amerikaner Eric Reed Boucher zum Thema Wahlen formulierte. Dabei würde es hier so gut passen. Hrm. Ein andermal vielleicht. [fe]
April 24, 2007 in Servicefreie Zone | Permalink | Kommentare (3) | TrackBack
16. April 07
Sony lernt nichts dazu
Der ehemals innovative japanische Multimedia-Mischkonzern Sony ist ja geradezu Dauerthema hier im Bootsektor. Kein Wunder: Kaum ein anderes Unternehmen beweist immer wieder auf's Neue die erfolgreich abgeschlossene Trennung von Marketing und Realität. Ebenfalls kein Wunder, wenn die Norweger von Verbot sprechen. Noch mehr als in Sao Paulo.
Neueste Wahnvorstellung aus dem Hause Sony: wir nehmen einfach einen neuen, noch aggressiveren Kopierblocker auf unsere Film-DVDs, auch wenn sie der Kunde dann nicht mal auf unseren eigenen, teuren Sony-DVD-Playern abpielen kann. Und nein, ein Firmware-Upgrade ist nicht in Sicht. Das erzählen uns jedenfalls frustrierte Filmfans in Amazon-Diskussionsforen und tapfere Blogger, die furchtlos beim Sony-Kundensupport anriefen. Um dort keine Hilfe zu bekommen.
Gut, ich glaube langsam, dass dieser direkte, haptische Kontakt zu rauhen Wirklichkeit für Sony (und verwandte Konzerne) nie wieder herzustellen ist. Aber alle anderen Bewohner dieses Planeten sollten in der Lage sein, den grundsätzlichen Fehler in der Strategie solcher Firmen zu sehen. Wenn man gegen den Konsumenten ist, und Produkte vermarktet, die dieser nicht nutzen kann, oder die ihm sogar schaden, wird das zwangsläufig dazu führen, dass der Kunden diesen Mist einfach nicht mehr kauft. Und nicht etwa, weil er anderswo Kopien davon umsonst oder für wenig Geld bekommen kann. Ich glaube, der Name Sony hatte in der Vergangenheit einen guten Klang, und viele Leute würden gerne ein Fernsehgerät, eine Film-DVD, Stereo-Anlage, Musik-CD, ein Computerspiel oder einen MP3-Player mit dem Sony-Logo kaufen. Wenn sich das Unternehmen auf Qualität konzentrieren würde statt seine Kunden schlecht zu behandeln.
In Norwegen gib es jetzt einen Gesetzentwurf der liberalen Partei (die also im EU-Parlament mit unserer FDP auf einer Bank sitzen), der folgende Punkte enthält:
1 Privates, nichtkommerzielles Filesharing wird legalisiert. Die Urheber müssen eine Kompensation erhalten.
2 Sampling, also das Verwendung von Musikschnipseln anerer Komponisten, wird legalisiert.
3 Die Geltungsdauer des urheberrechtlichen Schutzes, bisher wie in vielen Ländern auf 70 Jahre nach dem Tod des Urhebers ausgedehnt, muss zugunsten der Innovation stark verkürzt werden.
4 DRM (Kopierschutz etc.) wird verboten.
Ich bin sehr gespannt, was daraus wird. Norwegen war bisher schon ein Vorreiter von Konsumentenrechten, wir können uns als auf massive Propagandaschlachten zwischen Verbraucher- und Profitschützern freuen.

Was passiert, wenn eine handlungsfähige, da wenig von Korruption beeinträchtigte Verwaltung Grenzen ziehen kann, sehen wir am Beispiel der von 11 Millionen Menschen bewohnten brasilianischen Stadt Sao Paulo. Dort, und von der Weltöffentlichkeit kaum wahrgenommen, hatte der Stadtrat die Nase voll von der Gewohnheit der Plakatwerbenden, die Regeln zu ignorieren. Daher stimmt der Rat mit 45 zu einer Stimme für ein völliges Verbot von Plakatwerbung innerhalb der Stadtgrenzen, das seit dem ersten Januar 07 in Kraft ist. Tja. Mehr Bilder aus dem schönen Sao Paulo seht ihr im Flickr-Set von Tony de Marco. [fe]
April 16, 2007 in Servicefreie Zone | Permalink | Kommentare (2) | TrackBack
10. April 07
Deutschland braucht mehr Terrorismus
Wie immer sind die USA uns einen Schritt voraus. Das US-Schatzamt veröffentlichte online eine 250 Seiten lange, für alle Betriebssysteme kompatible Liste mit den Namen von Terrorismus-Verdächtigen. Dagegen verfügen Gewerbetreibende hierzulande über keinerlei Hilfsmittel dieser Art. Das Online-Fachmagazin für Rechtsstaat und Datenkontrolle, Bootsektorblog, versucht hier zu vermitteln.
Das muss man unseren Aliierten lassen: wenn sie etwas anpacken, dann mit für deutsche Verhältnisse unvorstellbarem Elan. Anders als unser eigener Bundesminister des Inneren, der trotz einschlägiger Attentats-Erfahrung ausser allgemeinem Genörgel wenig hilfreiches zu bieten hatte. Das United States Department of the Treasury stellte nun eine alphabetisch wohlgeordnete Liste von Personen und Organisationen bereit, die des Terrorismus oder zumindest der Verbindung zu terroristischen Organisationen verdächtig sind. Diese Personen und Gesellschaften sind ab sofort und bei Strafe von jedweder Geschäftstätigkeit ausgeschlossen. Sie dürfen also kein Kraftfahrzeug erwerben, keine Wohnung mieten, kein Mittagessen bestellen oder Flugzeug besteigen.
Ein Zwischenfall ohne jede Bedeutung und Zusammenhang mit dieser Anti-Terrorismus-Liste ereignete sich am ersten März diese Jahres. Professor Walter F. Murphy von der Princeton University wollte für einen Flug der American Airlines nach Newark im Bundesstaat New York einchecken, um dort auf einer akademischen Konferenz sein neuestes Buch "Constitutional Democracy", erschienen bei der Johns Hopkins University Press, vorzustellen. Man verweigerte ihm das Ausstellen eines Boarding Passes mit der Begründung, sein Name stehe auf der "Terrorist Watch list". Professor Murphy hatte im Koreakrieg für sein Land gekämpft, war verwundet und für heldenhaften Einsatz ausgezeichnet worden.
Da er diesen Umstand durch mitgeführte Dokumente belegen konnte, liess sich der zuständige Beamte erweichen, der sich daraufhin erkundigte, ob der Professor etwa an Friedensmärschen teilgenommen habe, wodurch schon viele Leute auf die erwähnte Liste geraten seien. Nein, versicherte der entsetzte Jura-Professor, aber er habe im vergangenen September den US-Präsidenten in einer öffentlichen Rede wegen zahlreicher Verfassungs-Verletzungen kritisiert. Damit war der Grund gefunden und Herr Murphy konnte kulanterweise seine Flugreise antreten. Sein Gepäck allerdings blieb, wie der freundliche Beamte schon angedeutet hatte, seither verschwunden.
Nun hat Deutschland vergleichsweise wenig Erfahrung mit terroristischen Anschlägen. Ganz anders die USA, die auf eine lange Reihe von Gewaltakten und Bombenattacken durch einheimische Nazis sowie einen bis heute nicht völlig aufgeklärten Mehrfachabsturz von Verkehrsflugzeugen über dem ehemaligen World Trade Center in New York am 11. September 2001 zurückblicken können. Trotzdem ist es an der Zeit, auch unseren Gewerbetreibenden eine solche Negativ-Liste zur Verfügung zu stellen, um etwaige Terroristen von leichten Versorgungsmöglichkeiten abzuschneiden. Ich zitiere daher vorsorglich aus der US-Liste und warne alle Bundesbürger vor jeglichen Geschäften mit folgenden oder namensähnlichen Personen: Abu Jibril, Carmen Alicia, Abdul Aziz, Ali Muhammad, Mohamed Ben Mohamed, Adrian Fernando, Jose Arnoldo, Hamdi Ahmad, Fernando Alberto, Sonia Viviana, Khalil Ibrahim, Luis Hernando, Rafael Antonio, Ricardo Alberto, Victor Hugo, Birgit Melani Schroeder, Milton De Jesus... die Liste will nicht enden und muss dringend durch weitere, spezifisch deutsche Einträge ergänzt werden. [fe]
April 10, 2007 in Servicefreie Zone | Permalink | Kommentare (2) | TrackBack
29. März 07
Atomkraft? Zu teuer!
Ich muss hier nicht extra betonen, dass ich nichts von Kernspaltung zur Energieerzeugung halte, oder? Kernkraftwerke sind für ihre Betreiber Gelddruckmaschinen, für alle anderen ein Gesundheits- und Kostenrisiko in einer zeitlichen Grössenordnung von mehreren Milliarden Jahren. Was Kernkraftfreunde nicht zu wissen scheinen: eine massive Explosion hat bereits stattgefunden. Boom. Der Preis für spaltbares Uran hat sich verzehnfacht. Weitere Faktoren: der Millennium Falcon und Tom Cruise.
Innerhalb weniger Jahre hat sich der Preis für spaltbares Uran verzehnfacht, berichtet atemlos die Nachrichtenagentur Reuters. Noch zu Anfang dieses Jahrzehnts lag der Preis für ein (imperiales) Pfund Uran bei etwa sechs US-Dollar, wie zuletzt zu Anfang der Siebziger. Im Januar 2007 musste man schon 75 US-Dollar dafür hinlegen. Höre ich da neidvolles Ausatmen in arabischem Akzent? Richtig, da können die Scheichs nur wütend kucken. Erdöl. Tss.
Auf Foreignpolicy.com finden wir weitere lustige Zahlen. Zum Beispiel, dass schon heute die Nachfrage nach Uranbenzin das Angebot um 35% übersteigt. Dass China in 13 Jahren vier mal soviel Atomstrom herstellen will. Dass zu den heute weltweit vorhandenen 440 Reaktoren innerhalb der nächsten zehn Jahre noch 82 dazu kommen sollen.
Ach, da les' ich gerade, dass die USA 20.000 Nuklearsprengköpfe aus alten Sowjetbeständen aufgekauft haben, um sie zu Zivilbrennstoff zu verarbeiten. Der Deal endet 2013. Dann sind wieder alle angewiesen auf die Minen in Australien, Kanada, Namibia und Kasachstan. Also, mal ganz unter uns: ich finde, wir sollten Jürgen Trittin nachträglich den Bundesumweltehrenminister auf Lebenszeit verleihen. Weil er und seine streitbaren Nadelstreifen-Anarchisten dafür gesorgt haben, dass wir aus dieser unwirtschaftlichen Technik aussteigen und dafür auf alternative Energie setzte, die prompt auch schon ein paar hunderttausend Arbeitsplätze erzeugt hat.
Andere Nationen haben da noch viel massivere Möglichkeiten, ihre Helden zu feiern. So wird der United States Postal Service eine Briefmarkenserie mit Star Wars Motiven veröffentlichen. Und um auch hier etwas Demokratie ins Spiel zu bringen, darf der US-Bürger zwischen drei Motiven für die 41-Cent-Marke wählen. C-3PO, Millennium Falcon und Darth Maul. Da kann die deutsche Bundespost nicht mithalten. Obwohl, stop, wir haben doch sogar die Originale zur imperialen Ästhetik zu bieten. Wie wärs mit einer Sondermarkenserie mit Motiven von Albert Speer und Leni Riefenstahl? Käme bestimmt gut an im richtungslosen neuen Deutschland.
Wer hier dagegen nicht gut ankommt, ist Tom Cruise. Nicht etwa weil er eklig ist, sondern weil er zu dieser Scientology-Sekte gehört. Und den tapferen, aber leider erfolglosen Hitler-Attentäter Claus Schenk Graf von Stauffenberg in einem kommenden Hollywoodschinken mimen will. Diese Kombination aus Sekte und Stauffenberg wiederum findet die Familie von Claus eklig. Mein Vorschlag: Warum macht das nicht Jürgen Trittin? Der hatte auch schon einen glaubwürdigen Schnurrbart. So oder so: Möge die Macht mit euch sein. [fe]
Jürgen Trittin und seine Rebellen beim (erfolgreichen) Angriff auf die Todessternbasis auf Endor. Im Hinter- grund der von Ewoks zertrampelte Darth Cruise.
März 29, 2007 in Servicefreie Zone | Permalink | Kommentare (8) | TrackBack
27. März 07
Siemens muss sterben
Heute ist also der Siemens-Zentralvorstand Feldmayer hinter dekorative schwedische Gardinen drapiert worden. Ob er sich da auch nach der Seife bücken muss, wie es dem gemeinen deutschen Privatkopierer in den Drohvideos der Filmwirtschaft anheim gestellt wird, konnte ich noch nicht herausfinden. Dafür alles mögliche andere.
Das war ja nicht die erste Aktion des Staatsanwaltes gegen Siemens. Nur hat es diesmal den Top-Dog Johannes Feldmayer erwischt, der nach Aktenlage dafür gesorgt haben soll, dass dem schon länger inhaftierten Betriebsratsvorsitzenden Wilhelm Schelsky insgesamt 14 Millionen Euro zugesteckt wurden. Womöglich, damit das mit den Massenentlassungen besser klappt.
Gleichzeitig erfahren wir von einer Eskalation des Gerichtsverfahrens gegen die Kraftwerksabteilung von Siemens. Dort hatten sich die Turbinen-Kapitalisten Aufträge durch dicke Sümmchen für italienische Manager gesichert. Und etwa ein Drittel des Autragsvolumens als Profit eingefahren. Was nach Bekanntwerden zum Real-And-Total-Worst-Case für den grossen deutschen Konzern führte: ein Jahr lang keine öffentlichen Aufträge in Italien.
Meanwhile beraten die Siemens-Aufsichtsräte (die von all dem nichts gewusst haben, klar) über eine Begrenzung der Abfindungssumme für den Vorstandsvorsitzenden Klaus Kleinfeld. Für den Fall, dass er rausfliegt. Wegen Korruption. Nicht etwa wegen der Sorte Korruption, die seit Jahrzehnten bei Siemens (und anderswo) fester Bestandteil des Tagesgeschäfts ist. Weswegen Transparency International auch Deutschland im schmierigen Mittelfeld des weltweiten Bestechungssumpfs ansiedelt. Sondern wegen der Sorte Korruption, die in der letzten Zeit so unangenehm durch die Medien gezogen wird.
Dabei haben doch unsere freundlichen südlichen Nachbarn schon längst das Problem gelöst: ein Jahr lang keine öffentlichen Aufträge für Siemens. Keine Kernkrafttechnik, keine Hochgeschwindigkeitszüge, keine Telefonanlagen für die Bundeswehr, keine Beamten-PCs, keine Toll-Collect-Geldverbrennung, keine Galileo-Fehlstarts, keine Aufträge ohne Ausschreibung. Und auch keine Steuervergünstigungen und Abschreibungen für Arbeitsplatzabbau und die Kosten von Produktionsverlagerung ins Ausland. Und schon gar keine direkten Subventionen mehr. Direkter, mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit anzunehmender Ernstfolgefall: der Konzern macht am nächsten Tag zu. Und am übernächsten Tag wird das Arbeitslosengeld Zwei für alle Berechtigten kommentarlos verdoppelt. Irgendwo muss man das viele gesparte Geld ja dann hintun.

Nicht alle deutschen Konzerne verfügten über so billige Arbeitskräfte: Frauen-KZ Ravensbrück.
Kein Zweifel: eine Verringerung der Korruption in Deutschland um die Grössenordnung des Siemens-Konzerns würde bereits sämtliche nationalen wirtschaftlichen Probleme beseitigen. Und da gäbe es noch ein paar Kandidaten... [fe]
März 27, 2007 in Servicefreie Zone | Permalink | Kommentare (2) | TrackBack

